02. Juli 2002

Neue Jagdzeitenverordnung für Schleswig-Holstein

Themen: Archiv — info @ 12:07

Kiel (agrar.de) – Voraussichtlich ab August gilt die neue Landesverordnung über jagdbare Tierarten und Jagdzeiten. Umweltminister Klaus Müller unterzeichnete jetzt den überarbeiteten Entwurf, der in Kürze im Gesetz- und Verordnungsblatt Schleswig-Holstein erscheint. Seit April haben schleswig-holsteinische Jagd-, Naturschutz-, Tierschutzverbände sowie der Arbeitskreis der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbezirke im Bauernverband und die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Landesverbände ihre Anregungen und Einwände eingebracht.

‚Eins ist allen klar: Die ökologischen Bedingungen und gesellschaftlichen Ansprüche haben sich verändert – das erfordert neue Regelungen. Wir haben viele Anregungen der Jagd- wie auch der Natur- und Tierschutzvertreter übernommen. Die neue Jagdzeitenverordnung ermöglicht es, ökosystemgerecht und so schonend wie möglich zu jagen‘, so Müller. ‚Damit setzen wir bundesweit neue Akzente.‘

Möwen, Blässhühner, Türkentaube, Mauswiesel und Hermelin werden ganzjährig geschont. Da Ringelgänse und einige Entenarten in ihren Beständen gefährdet sind, wird es auch für sie künftig keine Jagdzeiten geben. Die Jägerschaft hat sich für längere Jagdzeiten – als im Entwurf geplant – auf Rehe und Hirsche stark gemacht. Da die so genannte Intervalljagd auch aus Tierschutzgründen effektiver ist als die Einzeljagd, wurde dieser Einwand berücksichtigt. Eine längere Jagdzeit gibt es auch für Arten, die beispielsweise in bestimmten Gebieten Schäden anrichten. Für die Ringeltaube und einige Gänsearten wurden spezielle Regelungen für regional begrenzte Vergrämungsjagden festgelegt. Sie nützen den Landwirten und entlasten die Verwaltung von Ausnahmegenehmigungen. Die Zeiträume sind so gewählt, dass sie die Bestände nicht gefährden: Gänse dürfen von Sonnenaufgang bis drei Stunden vor Sonnenuntergang gejagt werden. Damit haben sie eine störungsfreie Zeit zum Fressen und Sicherheit an den Schlafgewässern. Steinmarder dürfen nach wie vor im besiedelten Bereich von Anfang Oktober bis Ende Februar gefangen werden, weil sie dort Schäden an Autos oder Störungen in Wohnhäusern verursachen. In der freien Landschaft haben sie ebenso wie der seltene Baummarder und der Iltis nur eine zweimonatige Jagd- und Fangzeit.

Heftige Diskussionen gab es zwischen Naturschützern und Jägerschaft wegen der Jagdzeit für das Rebhuhn. Die Art hat auf Grund ungünstiger Lebensbedingungen in Mitteleuropa stark abgenommen. Sie steht daher auf allen Roten Listen. Allerdings haben die Jäger mit biotopgestaltenden Maßnahmen – Brachestreifen, Hecken und Knicks – die Lebensbedingungen für Rebhühner und andere Arten der landwirtschaftlich genutzten Landschaft verbessert. Dort, wo durch Zählungen gesicherte Bestände nachgewiesen werden, dürfen sie zeitlich befristet und zunächst nur bis 2006 bejagt werden. In der Zwischenzeit sollen Mitarbeiter des Wildtierkatasters und der Staatlichen Vogelschutzwarte die Bestände und regionale Bejagungsmöglichkeit genau untersuchen.

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