24. Juni 2002

AbL: Fischlers Vorschläge Chance für bäuerliche Betriebe

Themen: Archiv — info @ 13:06

Arbeit und Umwelt finden Eingang. Jetzt ist die Bundesregierung am Zuge

Berlin/Hamm (agrar.de) – Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßt die Vorschläge des EU-Agrarkommissars Dr. Franz Fischler zur Reform der EU-Agrarpolitik, über die heute in der Presse berichtet wurde, in weiten Teilen. Die AbL zeigt sich insbesondere in dem Vorschlag Fischlers bestätigt, die Direktzahlungen nicht mehr weiter undifferenziert schlicht nach Flächenumfang und Tierzahl (Rinder) der Betriebe zu zahlen, sondern nun die Anzahl der Arbeitskräfte im Betrieb mit zu berücksichtigen.

‚Wir haben schon im Vorfeld der Agenda 2000 gefordert, bei den Direktzahlungen die Kriterien Arbeit und Umwelt in Ansatz zu bringen. Gescheitert sind diese Vorschläge in der Vergangenheit maßgeblich am Widerstand Deutschlands. Fischler greift diese Forderung nun auf und stellt damit seinen Reformwillen unter Beweis. Dies gibt der Bundesregierung die Möglichkeit, jetzt ihre Vorstellungen von der Beachtung von Arbeit und Umwelt in der Agrarpolitik in Europa umzusetzen‘, so der AbL-Vorsitzende Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf. Die AbL erwarte, dass die Bundesregierung die Stimmen zurückweist, die eine Differenzierung der Prämien und die Einführung einer Obergrenze ablehnen und statt dessen eine lineare Kürzung wünschen.

Fischlers Vorschlag, der offiziell erst am 10. Juli vorgelegt werden soll, sieht vor, dass die Brüsseler Direktzahlungen gekürzt werden, um die einbehaltenen Mittel für die Förderung der ländlichen Entwicklung (z.B. Agrarumweltprogramme) einzusetzen. Von der Kürzung sollen Freibeträge von 5.000 Euro für die ersten beiden (Familien-)Arbeitskräfte eines Betriebes und von 3.000 Euro für jede weitere Arbeitskraft ausgenommen bleiben. Zudem ist eine Obergrenze von 300.000 Euro an Zahlungen pro Betrieb vorgesehen.

‚Solange rationalisierte Betriebe heute mehr als das Doppelte ihrer Arbeitskosten vom Staat an Flächen- und Tierprämien erhalten, während der Durchschnitt der Betriebe mit weniger als 10.000 Euro pro Arbeitskraft auskommen muss, solange verzerrt das System der Direktzahlungen unsere Märkte und setzt dabei die Preise und die Mehrheit der Betriebe unter Druck‘, so Graefe zu Baringdorf. Deshalb sei eine Differenzierung dringend geboten. Eine Obergrenze sei zu begrüßen, wenn den Betrieben die Möglichkeit gegeben werde, ihre Arbeitskosten in Ansatz zu bringen. Es müsse aber auch unterhalb einer solchen flexiblen Obergrenze zu einer degressiven Staffelung der Zahlungen kommen, die die Prämienhöhe und die Kostendegression der Erzeugung angemessen zu berücksichtigen habe.

Die AbL-Bundesvorsitzende Maria Heubuch äußerte sich kritisch zu dazu, dass die Zahlungen auf Grundlage eines Referenzzeitraumes pro Betrieb festgeschrieben werden sollen: ‚Wenn es schlicht zu einem Umlegen der heutigen Zahlungen auf den Betrieb kommt, gehen die Milchviehbetriebe in den Grünlandregionen wieder leer aus, während der Silomais weiterhin prämiert würde. Der Vorschlag der Kommission muss deshalb ergänzt werden um die Einführung einer wirksamen Grünlandprämie‘, so die Allgäuer Milchbäuerin. Denn anders als für Silomais gebe es für Grünland bisher keine allgemeine Prämie.

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Bundesrat verabschiedet Tierarzneimittelnovelle

Themen: Archiv — info @ 12:06

DBV forderte weitgehende Änderungen

Berlin (agrar.de) – Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am 21.06.2002 dem Entwurf eines Gesetzes zur Änderung der tierarzneimittelrechtlichen Vorschriften zugestimmt. Mit diesem Beschluss folgen die Bundesländer nicht der Forderung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) nach einer Überarbeitung der Gesetzesvorlage. Das beschlossene Tierarzneimittelgesetz enthält zwar einige Verbesserungen gegenüber ursprünglichen Vorlagen, stellt der DBV fest, doch die neuen, teilweise überzogenen Reglementierungen beeinträchtigen eine praxis- und tiergerechte Betreuung und Behandlung landwirtschaftlicher Nutztiere.

Besonders die zeitliche Begrenzung der Abgabemenge von Arzneimitteln für eine Behandlung von höchstens sieben Tagen stieß auf Kritik. Eine Überschreitung dieser Abgabenmenge ist nur dann möglich, wenn in den Zulassungsbedingngen dieser Arzneimittel längere Behandlungszeiten vorgesehen sind oder eine regelmäßige Betreuung des Bestandes durch einen Tierarzt gewährleistet ist. In diesen Fällen können Tierarzneimittel höchstens in einer Menge abgegeben werden, die für eine 31 Tage dauernde Behandlung ausreicht. Der Einsatz von Fütterungsarzneimitteln darf mit dem neuen Gesetz nur noch über besonders zugelassene Futtermittelhersteller erfolgen. Damit werden Arzneimittelhofmischungen untersagt. Dem Tierarzt wird verboten, Arzneimittelvormischungen, die nicht gleichzeitig als oral zu verabreichende Fertigarzneimittel zugelassen sind, an den Landwirt abzugeben. Es dürfen grundsätzlich nur noch zugelassene Fertigarzneimittel verschrieben und angewendet werden, das heißt, dem Tierarzt wird das Herstellen von Tierarzneimitteln generell untersagt.

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Wie man Naturschutz mit dem Ablassen von Giftschlamm verbinden kann

Themen: Archiv — info @ 12:06

Washington (agrar.de) – Der Bush-Regierung liegt der Umweltschutz nicht sehr am Herzen. Derzeit werde versucht, im Interesse der Wirtschaft, aber auch des Militärs die bestehenden Umweltschutzgesetze zu durchlöchern oder rückgängig zu machen, meint Telepolis, das Oline-Magazin der Netzkultur. Das Verteidigungsministerium könne sich bereits auf zahlreiche Ausnahmen berufen, hat jedoch Anfang Mai, um die ’nationale Sicherheit‘ zu garantieren, die durch zu großen Umweltschutz behindert werde, weitere Ausnahmen gefordert und sich zumindest beim Schutz für gefährdete Arten im Repräsentantenhaus durchsetzen können. Das Army Corps of Engineers, die für die Gewässer zuständige US-Behörde, habe jetzt eine besonders originelle Begründung vorgebracht, weiterhin Giftschlamm in den Potomac einzulassen.

1989 hatte das Corps vom US-Umweltministerium EPA die Erlaubnis erhalten, bis zum Jahr 1993 jährlich 200.000 Tonnen an Giftschlamm durch den C&O Canal National Park in den Potomac einzulassen. Dann kam es zu einer Verlängerung bis zu diesem Jahr. Im März wurde eine neue Genehmigung ausgestellt, obgleich damit das Gesetz für sauberes Wasser und das Gesetz zum Schutz gefährdeter Arten verletzt wird. Dieser Meinung ist selbst der republikanische Abgeordnete George Radanovich aus Kalifornien, der auch der Vorsitzende des Unterausschusses für Nationalparks ist. In dem Giftschlamm, der aus einer Wasseraufbereitungsanlage stammt, seien neben Chloramin auch hohe Anteile an Arsen, Blein, Quecksilber, Kupfer oder Zink zu finden, die die Grenzwerte teils um ein Vielfaches überschreiten.

Nach einem dem EPA vorliegenden Dokument, so die %url3%Washington Times%/%, suchte das Army Corps die Einleitung des Giftschlamms angeblich mit einem Argument zu rechtfertigen, das keine ‚lächerliche Möglichkeit‘ sei. Der Giftschlamm gefährde nämlich nicht Fische oder andere Lebewesen, sondern schütze sie. Der Mechanismus ist ganz einfach, da der Giftschlamm die Fische zwinge, das verseuchte Gewässer zu verlassen und sich neue Lebensräume zu suchen, würden sie auch den Fischern entkommen, die sie verfolgen. Der Giftschlamm also ’schützt in Wirklichkeit die Fische, indem sie nicht zubeißen (und von den Menschen gegessen werden), sondern den Fluss weiter hinauf ziehen und dort ablaichen‘.

Auch so könnte man also durchaus Naturschutz ganz im Einklang mit den wirtschaftlichen Interessen praktizieren. Radanovich findet freilich die Begründung ziemlich dämlich und ein übles Beispiel für ‚bürokratische Unfähigkeit und rückwärtsgerichtete Logik‘.

Links zum Thema %url5%Landschaft und Natur%/%, Links zum Land %url5%USA%/%.

Statistikamt: Ökologischer Landbau gewinnt weiter an Bedeutung

Themen: Archiv — info @ 11:06

Wiesbaden (agrar.de) – Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, zeigen die vorläufigen Daten der Agrarstrukturerhebung vom Mai 2001, dass der Anteil der Betriebe mit ökologischem Landbau weiter zugenommen hat.

Von 1999 bis 2001 stieg die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in Deutschland von 9.572 auf 11.506 Betriebe. Damit wurden im Jahr 2001 2,6 Prozent der 448.936 landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland (1999: 2 Prozent) ökologisch bewirtschaftet. Der Anteil der ‚Öko-Betriebe‘ war mit 4,6 Prozent in den neuen Bundesländern fast doppelt so hoch wie im früheren Bundesgebiet mit 2,4 Prozent.

Die ‚Öko-Betriebe‘ bewirtschafteten im Jahr 2001 eine landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) von 602.573 Hektar (ha), die durchschnittliche Betriebsgröße betrug damit 52,4 ha bei einer durchschnittlichen Größe aller landwirtschaftlichen Betriebe von 38,1 ha. In den neuen Ländern waren die ökologisch wirtschaftenden Betriebe durchschnittlich 185,9 ha groß. Sie waren fünf Mal größer als die Öko-Betriebe im früheren Bundesgebiet mit 33,5 ha LF.

Im Bundesgebiet wurden 54 Prozent der im ökologischen Landbau bewirtschafteten Fläche für den Anbau von Getreide und 18 Prozent für den Anbau von Futterpflanzen genutzt. Bei Getreide bestimmen vor allem Weizen, Roggen und Hafer die Nutzung der Anbauflächen.

Im ökologischen Landbau hielten im Jahr 2001 über 81 Prozent der Betriebe landwirtschaftliche Nutztiere, nämlich Rinder (63 Prozent), Schweine (20 Prozent) und Geflügel (30 Prozent). Der durchschnittliche Viehbestand betrug bei Rindern 65, Schweinen 59 und bei Geflügel 358 Tiere je Betrieb. In den neuen Ländern waren die durchschnittlichen Bestandszahlen je Betrieb bei Rindern, Mastschweinen und Geflügel drei- bis vier Mal so hoch wie im früheren Bundesgebiet.

Links zum Thema Bio-Landbau, Links zum Thema Agrarbericht und Statistik.

Verbraucher halten sich auch bei Lebensmitteln zurück

Themen: Archiv — info @ 11:06

Bonn (agrar.de) – Auch die Ernährungsindustrie hat im 1. Quartal 2002 die allgemeine Kaufzurückhaltung der Verbraucher zu spüren bekommen. Der Umsatz der Branche stieg laut Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) um magere 0,9 Prozent auf 30,2 Mrd. Euro. Vom Auslandsumsatz gingen ebenfalls keine nennenswerten Impulse aus. Trotz des vergleichsweise geringen Zuwachses von 1,2 Prozent auf 5,2 Mrd. Euro stieg der Exportanteil am Gesamtumsatz auf 17,4 Prozent. Dies unterstreicht erneut die stabilisierende Funktion des Auslandsgeschäfts.

Die Euro-Einführung hat die Ernährungsindustrie nicht zu Preiserhöhungen genutzt. Die Erzeugerpreise der Unternehmen stiegen im Zeitraum Januar bis März 2002 im Vergleich zum 1. Quartal 2001 nur um 1 Prozent. Seit Jahresbeginn verspüren die Lebensmittelhersteller wieder einen stärkeren Druck auf ihre Abgabepreise an den Handel. Auch die Verbraucherpreise sinken inzwischen wieder deutlich. Im Mai lagen sie nur noch 0,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Mit der Euro-Einführung hat der intensive Preiswettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel neue Impulse erhalten. Ein deutliches Anzeichen dafür ist der steigende Marktanteil der Discounter, der inzwischen bei rund einem Drittel liegt. Alle Handelsketten reagieren derzeit mit Preissenkungen und Rabattaktionen auf die Wettbewerbssituation. Die Ernährungsindustrie ist über diese Entwicklung besorgt, da sie eine Erosion ihrer ohnehin geringen Erträge und der Sortimentsvielfalt befürchtet.

Links zum Thema Ernährungswirtschaft.

Bayern: Energie aus Biomasse hat Zukunft

Themen: Archiv,Kraftstoffe — info @ 11:06

München (agrar.de) – Die Energiegewinnung aus Biomasse wird nach Meinung von Landwirtschaftsminister Josef Miller für die Energieversorgung in Bayern und als Zusatzeinkommen für die Landwirtschaft immer wichtiger. Der weltweit steigende Verbrauch fossiler Energieträger führt mit dem damit verbundenen Ausstoß an Kohlendioxid unumkehrbar zur Erderwärmung. ‚Wenn wir die im Kyoto-Protokoll beschlossene CO2-Reduktion einhalten wollen, müssen wir Energie effizienter nutzen und den Anteil regenerativer Energieträger weiter erhöhen‘, forderte Miller bei der Eröffnung der Messe BAYERN Regenerativ in Augsburg. Der Freistaat sei hier Vorreiter: Bereits 6,5 Prozent – das sind dreimal so viel wie im Bundesdurchschnitt – des bayerischen Primärenergieverbrauchs werden aus 111 Biomasse-Heizkraftwerken, etwa 4.300 Wasserkraftwerken und unzähligen Sonnenkollektoren gedeckt. ‚Bayern hat mit seinen Förderprogrammen ein innovations- und investitionsfreudiges Klima geschaffen‘, stellte der Minister fest. Vor allem Biomasse habe dabei eine Sonderstellung: Sie sei gut speicherfähig, müsse nicht importiert werden und schaffe regionale, standortgebundene Arbeitsplätze. Miller stellte fest: ‚Über 144 Millionen Euro haben wir an Landesmitteln in den letzten zehn Jahren für die Energieerzeugung aus Biomasse bereit gestellt‘.

Über eigene Landesprogramme fördert Bayern auch künftig den Ausbau dieser Technologie. Dies belege den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Zukunftspotenzial sieht der Minister im Einsatz von Biokraftstoffen. Die Pläne der EU, deren Anteil auf 5,75 Prozent im Jahr 2010 zu steigern, begrüßte Miller ausdrücklich. Bayern sei heute mit einer Jahresproduktion von rund 80.000 Tonnen Biodiesel gut gerüstet für den wachsenden Markt. Ohne vollständige Steuerbefreiung sei dieser wichtige Meilenstein allerdings nicht zu erreichen. Nachdem Deutschland den Weg frei gemacht habe, müsse eine Einigung auf europäischer Ebene erzielt werden.

Links zum Thema Energie, Links zum Thema Messen.

Spanien: Bio-Landbau wächst exportorientiert

Themen: Archiv — info @ 09:06

Madrid (agrar.de) – Einer Studie, die im Auftrag des spanischen Ministeriums für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung, in der Zeit von Oktober 2001 bis Januar 2002 durchgeführt wurde, zu Folge, wurden bis Ende 485.079 ha ökologisch bewirtschaftet. Das entspricht 1,8 Prozent der gesamten Nutzfläche. Schwerpunkte sind die Regionen Andalusien und Extremadura. Insgesamt 16.521 Betriebe erwirtschaften nach einer Meldung des BIOFACH-Newsletters einen Inlandsumsatz von 133 Millionen Euro.

Den größten Produktionsanteil erzielen Getreide und Hülsenfrüchte, gefolgt von Wein und Oliven. Der größte Exportanteil geht nach Deutschland, Frankreich und England. Auf dem spanischen Markt haben 45,9 Prozent der Händler noch nie ökologische Produkte verkauft, immerhin führen 50,7 Prozent zumindest einige Bio-Erzeugnisse. 62 Prozent des Produktsortiments bekommen die Händler, die Bio-Produkte führen, von Zwischenhändlern, weitere 36 Prozent erhalten sie direkt vom Erzeugern aus den eigenen Region. Der Rest kommt aus anderen Regionen Spaniens.

Es wird angenommen, dass das Flächenwachstum in den kommenden Jahre 20 Prozent betragen wird. Beim Export geht die Studie von mindestens 25 Prozent Wachstum aus. Die Zunahme der Inlandsverkäufe wird auf 18 Prozent geschätzt. In der Untersuchung wurden jedoch auch Defizite in den Bereichen Marketing, technische Infrastruktur und bei der Personalentwicklung festgestellt.

Links zum Land %url4%Spanien%/%.

Prognosen: Wenig Kirschen

Themen: Archiv — info @ 09:06

Hannover/Stuttgart/Kiel (agrar.de) – Die Ernteschätzer der Statistikämter in Niedersachsen, Baden-Würtemberg und Schleswig-Holstein erwarten dieses Jahr eine geringe Kirschenernte.

In Niedersachsen wird bei Süßkirschen, mit 520 Hektar Anbaufläche nach den Äpfeln (7.851 ha) die zweithäufigste Obstart, mit weniger als der Hälfte der letztjährigen Ernte gerechnet. Bei Sauerkirschen und Pflaumen werden dort Ertragsrückgängen von 30 bis 40 Prozent zum Vorjahr erwartet. Grund für die Ausfälle sind Spätfröste und ein ungünstiges Wetter zur Blütezeit. Der nasskalte, windige April verleidete nicht nur den Bienen ihre wichtige Bestäubungstätigkeit, er förderte zudem die Ausbreitung einer Pilzkrankheit, der Spitzendürre (Monilia). An vielen Kirschbäumen hängen zur Zeit statt der bald reifenden Früchte vertrocknete junge Triebspitzen mit den Blüten- und Blattbüscheln.

In Baden-Würtemberg wird bei Süßkirschen ein Baumertrag von voraussichtlich nur 28 Kilogramm erwartet, gegenüber knapp 32 Kilogramm sowohl im Mittel der Jahre 1996 bis 2001 als auch im Vorjahr. Bei Sauerkirschen, die überwiegend als Verwertungsobst Verwendung finden, wird nach der ersten Vorschätzung im Landesmittel ein Baumertrag von 14 Kilogramm erwartet. Die Ertragserwartungen entsprechen somit nahezu dem Sechsjahresdurchschnitt 1996/01. Damit scheint aus den auf den Marktobstbau ausgerichteten Obstbaubetrieben eine Kirschenernte von insgesamt über 130.000 Dezitonnen möglich, wovon auf Süßkirschen 109.000 dt und auf Sauerkirschen voraussichtlich 22.000 dt entfallen dürften.

Nach dem Urteil der amtlichen Obstbausachverständigen von Ende Mai lässt auch der Entwicklungsstand bei Äpfeln und Birnen mit Begutachtungsziffern von 2,6 bzw. 2,8 (bei einer Bewertungsskala von 1,0 bis 5,0) nur eine Durchschnittsernte erwarten. Im Vergleich hierzu werden die Ertragsaussichten bei Mirabellen/Renekloden (3,3), Pflaumen/Zwetschgen (3,4), Pfirsichen (3,6) und Aprikosen (4,1) sogar noch zurückhaltender eingeschätzt.

Eine günstigere Prognose für 2002 wurde gebietsweise durch die starken Nachtfröste Ende März und die nasskalte Witterung im April verhindert. Der Bienen- und Insektenflug war dadurch stark beeinträchtigt, so dass die Befruchtung vor allem der frühblühenden Obstarten zu wünschen übrig ließ.

Durch nasskalte Witterung im April setzte die Baumobstblüte im Marktobstbau Schleswig-Holsteins erst Anfang Mai ein. Vereinzelt wurden Frostschäden an Holz und an der Blüte beim Kern- und Steinobst gemeldet. Der Insektenflug wurde bei den Kirschen als nicht zufriedenstellend beurteilt, der Behang ist nach Einschätzung der ehrenamtlichen Betriebsberichterstatter geringer als im Vorjahr. Die Bodenfeuchtigkeit wurde allgemein als zu hoch eingeschätzt.

Links zum Thema %url4%Obst%/%.

21. Juni 2002

FDP: Direktzahlungen nicht weiter an die Produktion binden

Themen: Archiv — info @ 16:06

Berlin (agrar.de) – Zum EU-Gipfeltreffen und der Debatte über eine Reform der EU-Agrarpolitik erklärt der Parlamentarische Geschäftsführer und agrarpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrich Heinrich:

‚Die EU-Beitrittskandidaten dürfen keinesfalls die bisherige bürokratische EU-Agrarpolitik mit ihren dirigistischen Auswüchsen übergestülpt bekommen. Die osteuropäischen Länder haben sich mit ihrer Entscheidung für Europa bewusst gegen jede sozialistische Planwirtschaft entschieden. Die Übertragung der heutigen Europäischen Agrarpolitik auf die osteuropäischen Länder wäre für diese ein Schritt in die Vergangenheit.

Mit dem FDP-Modell einer Kulturlandschaftsprämie dagegen können volkswirtschaftliche Effizienzgewinne in Höhe von 21 Milliarden Euro verwirklicht werden. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzierungsprobleme müssen die Regierungschefs den Vorschlag der Liberalen prüfen und aufgreifen.

Generelle Voraussetzung für eine erfolgreiche EU-Osterweiterung und WTO-Runde ist eine grundlegende Reform der Europäischen Agrarpolitik. Dabei dürfen sich die EU-Regierungschefs nicht auf das Kurieren von Symptomen beschränken.

Die Ursachen einer verfehlten Europäischen Agrarpolitik müssen mit einer marktwirtschaftlichen Neuausrichtung beseitigt werden. Dazu ist es notwendig, die Direktzahlungen nicht weiter an die Produktion zu binden und zu entkoppeln. Auch die bürokratischen Mengenregulierungen und die daraus resultierende Agrar-Bürokratie müssen abgeschafft werden. Nur so erhalten die Landwirte neue unternehmerische Spielräume und Perspektiven. Nur so kann die Netto-Zahlerposition Deutschlands verbessert werden. Nur so können die EU-Osterweiterung und die WTO-Runde erfolgreich gemeistert werden. Nur so können die Steuerzahler entlastet werden.‘

Agrar- und Umweltprogramme der Bundestagsparteien, Links zum Thema Politik.

Naturland nach dem Nitrofen-Skandal: Konsequenzen für die Zukunft

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 15:06

Gräfelfing (agrar.de) – Der Nitrofen-Skandal hat die ganze Ökobranche erschüttert. Naturland zieht nun Konsequenzen: Nach sorgfältiger Recherche der zugänglichen Fakten wurde mit der Analyse und der Aufarbeitung begonnen. Die wichtigsten Maßnahmen sind die Prüfung durch die Anerkennungskommission, ob Sanktionen gegen betroffene Unternehmen verhängt werden müssen, und die Bildung einer Expertenkommission, die Empfehlungen für die Zukunft geben soll. Naturland Geschäftsführung und Präsidium wollen damit die Weichen stellen für strukturelle Maßnahmen, die Vorfälle wie den Nitrofen-Skandal bei Naturland zertifizierten Unternehmen in Zukunft verhindern helfen sollen.

Naturland hat die bisher feststellbaren Fakten, die für den Verband zugänglich und nicht z.B. durch Staatsanwaltschaften blockiert sind, umfassend recherchiert. Das vorläufige Fazit: Naturland hat im Rahmen seiner Befugnisse rechtlich korrekt gehandelt. Der Nitrofen-Skandal hat aber Schwachstellen in der gesamten Kette der ökologischen Lebensmittelwirtschaft aufgezeigt. Auch bei Naturland sind Verbesserungen möglich und nötig. Dies wurde in allen Naturland Strukturen diskutiert. Diese Strukturen – Delegiertenversammlung, regionale Treffen der Bauern, Präsidium, Geschäftsführung – sind mehrheitlich von Bauern besetzt, die jetzt z.T. auch betroffen sind. Um aus den Vorgängen zu lernen, soll jetzt eine gemeinsame Kommission aus internen und externen Fachleuten Empfehlungen für die Zukunft erarbeiten.

An vielen Nahtstellen (Unternehmen, Behörden, Kontrollstellen, Verbände) hat Kommunikation nicht oder nur unzureichend funktioniert. Konkret wird jetzt bei Naturland überlegt, wo Änderungen im eigenen Haus notwendig sind. Punkte, die geprüft und ggf. durch strukturelle Maßnahmen verbessert werden sollen, sind z.B. die Vertragsgestaltung mit Unternehmen der Futtermittelindustrie, eine Fokussierung einzelner Punkte in den Richtlinien, die Kommunikation mit Kontrollstellen, die Meldepflicht von Unternehmen gegenüber Naturland, der Umgang mit Rückholaktionen und die Kommunikation mit Behörden und Verbänden.

Die Anerkennungskommission von Naturland beschäftigt sich ebenfalls intensiv mit den Vorgängen. Diese Anerkennungskommission ist unabhängig, ihre Mitglieder werden von der Delegiertenversammlung berufen. Die Anerkennungskommission geht der Frage nach, ob und in welchem Umfang Versäumnisse der von Naturland zertifizierten Unternehmen vorliegen – von der Verletzung der Informationspflicht bis zum Richtlinienverstoß. Dies wird untersucht, geklärt und ggf. angemessen sanktioniert werden. Eine Wertung ist aber erst abschließend möglich, wenn die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen beendet sind. Mögliche Maßnahmen der Sanktion reichen von einer Abmahnung über Geldbußen bis zu einer Kündigung des Vertrags.

Naturland steht als gemeinnütziger Verein in der direkten Verantwortung für rund 1.700 deutsche Öko-Bauern, die diesen Verein mit ihren Mitgliedsbeiträgen tragen. Viele Betriebe sind jetzt unverschuldet in wirtschaftliche Not geraten. Mögliche Schwachstellen in der Qualitätssicherung zu schließen und Vorfälle wie den Nitrofen-Skandal für die Zukunft möglichst auszuschließen, ist für diese Betriebe und alle Öko-Bauern existentiell wichtig. Bei der jetzt anstehenden Optimierung der Qualitätssicherung setzt Naturland auf die Kooperation aller Beteiligten, damit alle Nahtstellen im Netzwerk Öko-Markt bearbeitet oder verändert werden können.

Naturland Geschäftsführer Gerald A. Herrmann: ‚Wir wollen gemeinsam mit allen Beteiligten alle Anstrengungen unternehmen, um Nahtstellen abzusichern. Die Möglichkeiten von Naturland beschränken sich dabei auf die Ebene des privatrechtlich organisierten Ökolandbaus. Viel werden mitwirken müssen: Kein Einzelner in dem Netzwerk Öko-Markt wird allein in der Lage sein, alle Nahtstellen zu bearbeiten oder gar zu verändern. Naturland arbeitet daran und fördert dazu auch aktiv seit langem die Initiative zur Gründung eines neuen Dachverbandes, der – und das ist neu – den Handel und die Verarbeiter einschließt. Wir begrüßen dies sehr. Damit kann eine neue Qualität der Zusammenarbeit für den gesamten Öko-Markt erreicht werden.‘

Jetzt gelte es, dem erlittenen Imageschaden für den Ökologischen Landbau massiv entgegen zu arbeiten und neues Verbrauchervertrauen aufzubauen. Naturland Präsidium und Geschäftsführung fordern außerdem, dass gleichzeitig auf der Ebene der gesetzlichen Vorgaben, bei der Umsetzung der EU Öko-Verordnung, bei Kontrollen, in der Zusammenarbeit der Kontrollstellen und vor allem bei der Zusammenarbeit der Behörden untereinander nachgedacht wird, um mehr Sicherheit für den Verbraucher zu erreichen.

Links zum Thema Bio-Verbände, Links zum Thema Nitrofen.

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