Sofortige Betriebssperrung verordnet
Malchin (agrar.de) – Mecklenburg-Vorpommern ist bei der Aufklärung des Nitrofenskandals einen entscheidenden Schritt vorangekommen. So ist eine Ursache für die Kontamination mit Nitrofen in Ökogetreide aufgedeckt. In einer Staubprobe wurde Nitrofen in einer Konzentration von 2000mg/kg Staub nachgewiesen. Diese Probe wurde gestern in jener Halle gezogen, in der das Getreide aus Stegelitz, das zufolge einer Eigenkontrolle mit Nitrofen belastet war, gelagert hat. Das Ergebnis wurde heute Mittag dem Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus mitgeteilt. Dieser ließ daraufhin sofort den gesamten Betrieb sperren. Dabei handelt es sich um die Norddeutsche Saat- und Pflanzgut AG Neubrandenburg (NSP). Von der Sperre sind auch Niederlassungen in anderen Bundesländern betroffen. Die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt wurden bereits eingeschaltet.
Die Halle in Malchin, in der das Ökogetreide aus Brandenburg lagerte, diente zu DDR -Zeiten als Lagerstätte der Staatsreserve an Pflanzenschutzmitteln der drei Nordbezirke. Das Unternehmen NSP hat diese Halle seit Oktober 2001 gemietet. Vor der Nutzung durch die NSP soll dieses Gebäude einem Unternehmen gedient haben, dass mit landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln gehandelt hat. ‘Es ist für mich unvorstellbar, dass eine Halle, in der früher Pflanzenschutzmittel gelagert waren, heute als Lagerstätte für Getreide verwendet wird. Dabei ist es in diesem Falle unerheblich, ob Öko-Getreide oder konventionelles Getreide dort aufbewahrt wird’, erklärt Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. ‘Allerdings war der Betrieb NSP von der Öko-Kontrollstelle Grünstempel zertifiziert gewesen. Im Rahmen dieser Zertifizierung hätte die einstige Nutzung der Lagerhalle in Malchin überprüft werden müssen.’ Ob die Geschäftsführer der NSP von dieser Vergangenheit wussten, werden die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen klären.
Die Staubprobe aus Malchin wird derzeit auch auf Rückstände anderer Pflanzenschutzmittel, wie DDT, Lindan, Methoxychlor u.a. untersucht.
Diese Ergebnisse, die in den nächsten Tagen vorliegen sollen, werden mit einer Analyse von bei GS Agri angeliefertem Weizen vergleichen. Damit will man herausfinden, ob es sich bei beiden Proben tatsächlich um den Weizen aus einer Lieferung handelt.
Diese Pflanzenschutzmittel wurden allerdings in den Lebensmittelproben wie Eier und Geflügel, die von allen in Mecklenburg-Vorpommern gesperrten Betriebe untersucht wurden, nicht gefunden. Die Überprüfung, ob dieses Pflanzenschutzmittel auch in den verwendeten Futtermittel drin waren, laufen noch und werden sich hinziehen.
‘Es macht mich sehr betroffen, dass offensichtlich eine Ursache für die Nitrofenbelastung in Futtermitteln in Mecklenburg-Vorpommern liegt. Andererseits haben die Behörden hier durch unermüdliche akribische Arbeit ganz entscheidend die Aufklärung vorangetrieben’, so Backhaus.
Die weiteren Untersuchungen werden sich jetzt vor allem darauf beziehen, was in der Malchiner Halle alles gelagert war und wohin die Ware geliefert wurde. Möglicherweise könnte dort auch Saatgut eingelagert gewesen sein.
Landwirtschaftsminister Backhaus hat die anderen Bundesländer aufgefordert Lagerstätten von Getreide, das an GS Agri geliefert wurde, ebenfalls zu untersuchen.
Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern haben inzwischen auch Staubproben in einem Öko-Betrieb gezogen, der Getreide direkt an GS Agri geliefert hat, das auch nitrofenbelastet sein soll.
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