Sachsen: Landwirte haben trotz BSE-Krise mehr verdient
Flath befürchtet drastische Einkommenseinbußen durch Brüsseler Reformvorschläge
Dresden (agrar.de) – Trotz der BSE-Krise hat sich der Verdienst sächsischer Bauern im Wirtschaftsjahr 2000/01 verbessert. Wie aus dem Agrarbericht hervorgeht, stiegen die Einkommen je Arbeitskraft bei den Personengesellschaften (GbR, KG, OHG) um 3,2 Prozent auf knapp 28.000 Euro, bei den Haupterwerbsbetrieben um 0,3 Prozent auf rund 23.100 Euro und bei den juristischen Personen (Genossenschaften, AG, GmbH) um 7,2 Prozent auf knapp 21.800 Euro. Als Grund führte Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Steffen Flath die gestiegenen Preise für Milch und Schweine an. Auch im Öko-Landbau habe es im letzten Jahr einen deutlichen Aufwind gegeben.
Angesichts Brüsseler Reformvorschläge zur Agrarpolitik sieht Flath jedoch drastische Einkommenseinbußen auf sächsische Landwirte zukommen. Nach den vorliegenden Entwürfen sollen die Direktbeihilfen, mit denen die EU die Landwirte seit 1992 für eine Absenkung der staatlichen Stützungspreise entschädigt, nur noch bis zu einer Grenze von 300.000 Euro gezahlt werden. Dies würde laut Flath neben Großbritannien in erster Linie die ostdeutsche Landwirtschaft treffen. Darüber hinaus sollen die Zahlungen um jährlich drei Prozent gekürzt werden, so dass letztendlich insgesamt 20 Prozent der jetzigen Zahlungen anderweitig eingesetzt würden. ‘Diese Pläne sind ein Hammer, der weite Teile der sächsischen Landwirtschaft zerschlagen wird’, sagte Flath. Er bezifferte die Einbußen auf jährlich rund 126 Millionen Euro. Rund 300 Landwirtschaftsbetriebe sieht Flath in ihrer Existenz bedroht. Durch einen Abbau von bis zu 15.000 Stellen würden 30 Prozent der landwirtschaftlichen Erwerbstätigen ihren Arbeitsplatz verlieren. Flath forderte die EU-Kommission auf, sich aus Strukturfragen rauszuhalten. ‘Niemand käme auf die Idee, Industrieunternehmen Fördermittel zu verwehren nur weil sie zu groß sind’, sagte der Agrarminister. Sachsen werde nur einer wettbewerbsneutralen und sozial ausgewogen Agrarreform zustimmen. Die Kappungsgrenze müsse gestrichen werden. Auch Freibeträge für kleinere Betriebe lehnt Flath wegen des damit verbunden erheblichen Verwaltungsaufwandes ab. Allenfalls eine pauschalierte Regelung würde er akzeptieren.
Laut Agrarbericht bewirtschafteten die 6.436 Landwirtschaftsbetriebe 922.220 Hektar, davon 728.034 Hektar Acker- und 187.819 Hektar Grünland. Die Betriebsgröße bei den juristischen Personen betrug durchschnittlich 1 007 Hektar, bei den Personengesellschaften 296 Hektar, bei Haupterwerbsbetrieben 110 Hektar und bei Nebenerwerbslandwirten 14 Hektar.
Einen großen Sprung gab es im letzten Jahr bei den Erzeugerbetrieben des ökologischen Landbaus. Hier stieg die Zahl um 35 auf jetzt 239 an. Damit wirtschaften drei Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus. Die Fläche erhöhte sich um 21,8 Prozent auf 17.408 Hektar. Das entspricht etwa 1,9 Prozent der gesamten Landwirtschaftsfläche. Einen derart großen Flächenzuwachs gab es seit 1996 nicht mehr.
Darüber hinaus wurden im vergangenen Jahr mit 504.461 Hektar rund 70 Prozent des Ackerlandes sowie 114.961 Hektar Grünland und 9.475 Hektar Gartenbaufläche nach dem Programm ‘Umweltgerechte Landwirtschaft’ bewirtschaftet.
Die Erzeugung und Vermarktung tierischer Produkte wurde im letzten Jahr von BSE und dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche überschattet. Wegen der stark rückläufigen Nachfrage nach Rindfleisch und eingeschränkter Exportmöglichkeiten sank die Zahl der Rinder auf 535.000. Das ist der niedrigste Stand seit 1989. Demgegenüber gaben Sachsens Kühe deutlich mehr Milch. Die Milchleistung je Kuh stieg um 236 auf 7.629 Kilogramm Milch je Kuh. Aufgrund der gestiegenen Preise für Schweinefleisch nahm der Bestand an Schweinen um sechs Prozent auf 635.381 Tiere zu. Die Speisefischerzeugung konnte ihr Vorjahresniveau nicht halten. Sie verringerte sich um sieben Prozent auf 3.351 Tonnen Speisefisch, davon wurden allein 3.010 Tonnen Karpfen abgefischt.
Die Ernährungswirtschaft hat im vergangenen Jahr wieder zugelegt. Der Gesamtumsatz betrug 4,738 Milliarden Euro, das sind rund sechs Prozent mehr als im Jahr davor. Wie Flath betonte, sei das sächsische Nahrungs- und Genussmittelgewerbe auch einer der umsatzstärksten und leistungsfähigsten Wirtschaftszweige innerhalb des verarbeitenden Gewerbes. Mit 23.934 Mitarbeitern sei diese Branche ein wichtiger Arbeitgeber auch im ländlichen Raum.
Links zum Thema Agrarbericht und Statistik, Links zum Bundesland Sachsen.