29. Juni 2002

Mecklenburg-Vorpommern: Ökologischer Landbau bereits bei ca. 7 Prozent der LN

Themen: Archiv — info @ 09:06

Neue Richtlinie soll Prämiensätze erhöhen

Schwerin (agrar.de) – Auf dem heute stattfindenden 2. Aktionstag des ökologischen Landbaus betont Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus, dass es gerade jetzt wichtig ist, dem Verbraucher gegenüber zu dokumentieren, welche Bedeutung, welchen Leistungsstand und welche Perspektive der ökologische Landbau in Mecklenburg Vorpommern hat.

‚Für den ökologischen Landbau kommt es nun darauf an, weiter nach vorne zu schauen, die Entwicklungen voranzubringen und offensiv eine Wirtschaftsweise zu verkaufen und vorzuleben, die einen Platz in der Agrarlandschaft und in der Gesellschaft hat‘, so Minister Backhaus in seiner Rede auf dem Aktionstag in Tellow.

‚Es ist weniger wichtig, ob der Anteil des ökologischen Landbaus einmal 10 Prozent oder 20 Prozent beträgt. Das ist eine philosophische, oder mehr noch eine ideologische Frage, denn hier wird der Verbraucher und letzten Endes der Markt entscheiden.‘

Was die Agrarpolitik leisten muss, das ist die Schaffung vernünftiger, berechenbarer Rahmenbedingungen. In Mecklenburg Vorpommern haben diese Bedingungen mit dazu beigetragen, dass mittlerweile 7,15 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen ökologisch bewirtschaftet werden. Der Durchschnitt für Deutschland beträgt 3,2 Prozent. Bezogen auf die besten europäischen Nachbarn liegt Mecklenburg Vorpommern vor Dänemark mit 6 Prozent und hinter Österreich mit 8,4 Prozent. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche hat vom Jahr 2000 auf 2001 um 8 Prozent zugenommen und liegt jetzt bei 97.226 ha. Die Zahl der Betriebe ist im gleichen Zeitraum von 513 auf 619 gestiegen. Das ist eine Zunahme von 20 Prozent.

In der ökologischen Pflanzenproduktion ist die Anbaufläche von Winterroggen um 26 Prozent gestiegen, bei Winterweizen waren es fast 20 Prozent und beim Feldfutter insgesamt 33 Prozent.

In der ökologischen Tierproduktion gab es beachtliche Steigerungen von 57 Prozent in der Schweinehaltung, bei Geflügel waren es sogar 139 Prozent.

Probleme sieht Minister Backhaus bei der Ertragsentwicklung. ‚Ich möchte nicht, dass der ökologische Landbau nur eine Zeiterscheinung ist. Was nützt es uns, wenn es jetzt ordentliche Flächen- und Betriebszunahmen gibt, nur um dann an betriebswirtschaftlichen Hürden zu scheitern. Ich sehe hier eine besondere Herausforderung und Aufgabe für die Wissenschaft und die Beratung.‘

Die Edeka-Märkte Nord haben in ihren Marken– und Fleischprogrammen bereits einen Anteil von 12 Prozent Ökoprodukten. Jeder Öko-Betrieb, jeder Verband, der Handel und auch die Landesregierung kann und muss hier die Werbetrommel rühren.

Die Verbraucher und die Gastronomie fragen zunehmend, welchen Ursprung die angebotenen Produkte haben. Dabei muss man zur Kenntnis nehmen, dass gerne regionale und ökologische Produkte nachgefragt werden, wenn sie denn von Angeboten wüssten. Diese Informationslücke soll geschlossen werden. Im Landwirtschaftsministerium ist deshalb die Broschüre ‚Frisch – Bio – Regional – Einkaufen auf ökologischen Landwirtschaftsbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern‘ gemeinsam mit den ökologischen Anbauverbänden erarbeitet worden. In dieser Broschüre gibt es anschauliche Informationen über den ökologischen Landbau. Dazu gehört ein Verzeichnis der ökologischen Direktvermarkter im Land. Leckere Menüvorschläge runden das Ganze ab.

Ein weiteres agrarpolitisches Instrument zur Förderung des ökologischen Landbaus ist die neue Extensivierungsrichtlinie 2002 mit erhöhten Prämiensätzen. Im Mittel der Nutzungsarten wird dieses eine Steigerung der Prämienhöhe von 55 Prozent ergeben. Die Genehmigung dieser Richtlinie durch die Kommission steht allerdings noch aus. Sofern die Entscheidung von der Kommission bestätigt wird, werden die Verbände in Zusammenarbeit mit den Behörden kurzfristig informiert.

Neben der Flächenförderung ist weiterhin die Förderung von Erzeugerzusammenschlüssen, die Förderung der Direktvermarktung und die Förderung bei der Teilnahme an Messen und Ausstellungen im Programm.

‚Ökologisch erzeugte Produkte haben einen besonderen Wert. Dieser mag für den einen mehr ideellen Charakter haben, für den anderen ist es eine höhere Qualität. Hüten müssen wir uns allerdings vor dem Hintergrund aktueller Aktionen mit Aussagen, dass jedes Schwein mit Ökostempel auch gleichzeitig das Schwein ist, dass artgerechter gehalten wird. Dieses ist keine Frage von öko oder konventionell, von groß oder von klein. Der Umwelt- und Naturschutz hat im ökologischen Landbau eine größere Bedeutung, dass heißt aber nicht, dass dies immer die besseren Landwirte sind. Sehen wir es lieber so; die ökologische Landwirtschaft und die konventionelle Landwirtschaft leben wie in einer Familie. Und so sollte man miteinander umgehen, gleichberechtigt mit Respekt und Anerkennung‘, so Minister Backhaus.

Links zum Thema Bio-Landbau, Links zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.




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