28. Juni 2002

Niedersachsen: Noch 14 Ökobetriebe gesperrt

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 16:06

Hannover (agrar.de) – Von anfangs 59 gesperrten Betrieben mit 93 Betriebsstätten sind zurzeit noch 14 Betriebe mit 21 Betriebsstätten aufgrund von Nitrofennachweisen gesperrt. Nach Angaben des niedersächsischen Ministeriums Ernährung, Landwirtschaft und Forsten werden in diesen 14 Betriebe: 92.800 Legehennen, 17.065 Hähnchen, 15.920 Puten und 4.011 Schweine gehalten.

Alle anderen Betriebe sind entweder bereits freigegeben worden oder werden in den nächsten Tagen, nach abgeschlossener ‚Entsorgung‘ und Reinigung, wieder freigegeben.

Die Frage, wann auch der letzte Betrieb wieder freigegeben werden kann, ist zum einen abhängig von der Entscheidung der Tierhalter und zum anderen von den Entsorgungskapazitäten, die sich zurzeit auf rund 8.000 Hennen/Hähnchen bzw. 5.000 Puten täglich belaufen. Im Falle der noch gesperrten 14 Betriebe haben die Tierhalter noch keine Entscheidung getroffen.

Kritik am Krisenmanagement in Mecklenburg-Vorpommern

Werner Littmann, Bio-Landwirt in Neetzow und Kreisobmann des Bauernverbandes in Ostvorpommern kritisierte das ‚miserable Krisenmanagement des Landes‘ in der Ostsee-Zeitung: Tagelang habe er beispielsweise vergeblich auf die Probenentnahme aus seinen Futterbeständen gewartet. Erst auf Drängen der Erzeugergemeinschaft Biopark, die auf Littmanns Schweine wartete, kam schließlich am dritten Tag nach der Sperrung ein Vertreter des Landwirtschaftsamtes zur Probenentnahme.

‚Ich weiß sicher, dass der Kreisveterinär die 20 betroffenen Betriebe in Ostvorpommern innerhalb eines Tages hätte vollständig beproben können‘, so Littmann. Auch wenn die Ergebnisse einige Zeit in Anspruch genommen hätten, so wäre es doch ein deutliches Signal für die Betroffenen gewesen, dass man sich tatsächlich fundiert um schnelle Aufklärung bemühe. Aber es fehlte offensichtlich an klaren Anweisungen aus dem Landwirtschaftsministerium, ist sich Littmann sicher.

An Klarheit mangelte es auch in Sachen Information. Selbst zweieinhalb Wochen nach erfolgter Sperrung lag in Neetzow keinerlei schriftliche Mitteilung und Begründung für diesen Schritt vor. ‚Im Zeitalter von Fax und E-Mails ist das nicht nachzuvollziehen‘ sagte Littmann der Zeitung.

Inzwischen wachsen die Ausgaben für Futtermittel. Denn: Auch nach der für alle überraschenden Freigabe der gesperrten Betriebe vor genau einer Woche konnten die Tiere nicht sofort verkauft werden. Erst vier Tage später durfte Littmann die ersten Schweine liefern. Durch die längere Fütterung wird Littmnans Betrieb nochmals zur Ader gelassen: Je schwerer die Schweine, desto geringer der Magerfleischanteil und umso niedriger die Preise. ‚Wieviel uns das ganze Theater gekostet hat, werden wir erst in rund drei Wochen wissen, wenn die Abrechnungen aus dem Schlachthof vorliegen‘. Dann auch werde er über Schadenersatzforderungen, die laut Landesbauernverband zunächst an die Landkreise gerichtet werden sollen, entscheiden. ‚Bezahlen muss, wer die Musik bestellt. Und das war das Land. Wenn es jetzt auf die Landkreis abgewälzt wird, ist das eine Frechheit der Politik‘ so Littmann.

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