28. Juni 2002

Greenpeace: „Extensive“ Putenmast deutlicher Schritt nach vorn

Themen: Archiv — info @ 15:06

Handel soll Puten aus Massentierhaltung aus den Regalen nehmen

Hamburg/Cloppenburg (agrar.de) – Greenpeace begrüßt die heute bekannt gegebene Entscheidung des Putenmästers Heidemark, einige ihrer Ställe auf so genannte ‚extensive‘ Mast umzustellen. Obwohl Öko-Puten nach wie vor die beste Wahl sind, ist die ‚extensive‘ Putenhaltung deutlich tierfreundlicher als die übliche Massentierhaltung, weil die Tiere mehr Platz haben. Greenpeace fordert, die Haltungsbedingungen für extensive Puten gesetzlich als Mindeststandard festzuschreiben. Handelsunternehmen und Verarbeiter sollten keine Ware aus Massentierhaltung mehr anbieten, sondern nur noch Putenfleisch aus ökologischer oder extensiver Haltung.

‚Puten aus extensiver Haltung bilden für die Verbraucher ein Angebot, dass nicht wesentlich teurer ist als die übliche Ware, für Mensch, Tier und Umwelt aber einen deutlichen Nutzen hat. Nur so können wir darauf hoffen, dass es in Zukunft mehr Sicherheit für die Verbraucher und weniger Skandale geben wird‘, sagt Greenpeace-Sprecher Christoph Then. ‚Bei Handelshäusern wie Tengelmann, Rewe, Metro, Spar, Lidl, Aldi und Edeka müssen Puten aus Massentierhaltung jetzt raus aus den Regalen und Puten aus extensiver Haltung und Öko-Puten hinein.‘

Die Proteste von Greenpeace gegen Massentierhaltung zeigen erste Erfolge: Die drei Putenmäster Heidemark, Nölke mit der Marke Gutfried sowie Lethetal wollen einen zunächst kleinen Teil ihrer Produktion auf die ‚extensive‘ Haltung umstellen. Fleisch von Puten aus extensiver Haltung sollen nur rund 20 Prozent teurer sein als aus der bisherigen Massentierhaltung.

Gehalten und kontrolliert nach EU-Norm haben die Puten aus ‚extensiver‘ Mast mit ein bis zwei Tieren pro Quadratmetern mehr als doppelt so viel Platz wie in der Massentierhaltung. Wenn sich die Puten tiergerechter bewegen können, ist zu erwarten, dass die oft beobachteten Entzündungen an den Gelenken und an der Brustmuskulatur deutlich zurückgehen. Dadurch soll der Einsatz von Arzneimitteln gesenkt werden. Zudem garantieren die Mäster für alle ihre Produkte, dass kein Antibiotika als Wachstumsförderer und auch kein Gen-Soja mehr verfüttert wird. Öko-Puten haben im Vergleich noch mehr Platz und können sich zudem im Freien bewegen.

In der bisher üblichen Massentierhaltung drängeln sich in riesigen Mastanlagen vier bis sechs Puten auf einem Quadratmeter – oft zusammen mit 5.000 bis 20.000 Tieren. Die große Enge führt zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit. Außerdem leiden die Tiere an den Folgen einer zu einseitigen Züchtung: Sie wachsen sehr schnell und haben ein hohes Endgewicht – oft mehr als die Putenbeine tragen können. Auch der Mensch kann durch Rückstände in Lebensmitteln oder durch Krankheitserreger, die gegen Antibiotika resistent sind, gefährdet werden.

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