28. Juni 2002

BUND: Nitrofen-Fall kein Argument gegen Ökolandbau

Themen: Futtermittel,Nitrofen,Pflanzenschutz — info @ 15:06

Pestizidbelastungen in EU und bundesweit reduzieren!

Berlin (agrar.de) – Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Agrarminister der Länder aufgefordert, zusammen mit den Umweltministerien Pestizidaltlasten aufzuspüren und diese zu entsorgen. Anderenfalls könnten sich giftige Kontaminationen von Lebensmitteln aus konventioneller und ökologischer Landwirtschaft jederzeit wiederholen. Zugleich müsse die Agrarwende beschleunigt werden, um den Einsatz der zur Zeit über tausend in Deutschland zugelassenen Pestizide drastisch zu reduzieren. Der Futtermittelindustrie warf der BUND vor, im Nitrofen-Fall eine ähnlich unrühmliche Rolle gespielt zu haben wie beim BSE-Skandal. Sie bleibe jedoch – zum Schaden von Verbrauchern und Landwirten – erneut von zusätzlichen Kontrollmaßnahmen verschont und lehne zudem jede Beteiligung an den Folgekosten ab. Auf EU-Ebene müsse nun dringend eine offene Futtermitteldeklarierung durchgesetzt werden.

Hubert Weiger, BUND-Agrarexperte: ‚Die Umwelt- und Agrarminister müssen die Altlastenkataster der Länder nach möglichen Kontaminationsquellen für Agrarprodukte durchforsten. Die frühere Lagerung von Pestiziden in der Futtermittel-Halle von Malchin hätte als Gefahr erkannt werden können. Der Nitrofen-Fall hätte zudem bei kürzeren Aufkaufswegen nicht dieses Ausmaß erreicht. Es macht wenig Sinn, Futtergetreide aus Brandenburg in Mecklenburg einzulagern und dann nach Niedersachsen oder Bayern zu liefern. Zum ökologischen Landbau gibt es gerade wegen des Nitrofen-Skandals keine Alternative. Gesunde, umweltfreundlich produzierte und unbelastete Nahrungsmittel sind nur mit ökologischen Anbaumethoden, einer betriebseigenen Futterbasis und artgerechter Tierhaltung möglich.‘

Die Umweltorganisationen BUND und EURONATUR beklagen die extrem hohe ’normale‘ Pestizidbelastung von Lebensmitteln in Europa. Seit 1996 seien die Überschreitungen der Grenzwerte für Pflanzengifte bei den untersuchten Lebensmitteln von 3 Prozent auf über 4 Prozent gestiegen. Bei rund einem Drittel der Lebensmittel waren Pestizidbelastungen bis zur Höhe der jeweiligen Grenzwerte festzustellen.

Lutz Ribbe, Agrarexperte von EURONATUR: ‚Der Nitrofenskandal hat gezeigt, welche langfristigen Risiken und kurzfristigen Nebenwirkungen der Einsatz von Agrargiften in der Landwirtschaft hat. Allein die scharfe Kontrolle der Bioprodukte hat die Schlamperei in der Malchiner Lagerhalle aufgedeckt. Die Prüfung der Futter- und Lebensmittel auf Schadstoffe muss europaweit verbessert werden. Die Öffentlichkeit hat zudem ein Recht darauf, sofort über Gefahren und Verstöße aufgeklärt zu werden.‘

Ein entsprechendes Verbraucherinformationsgesetz war vor einer Woche durch die CDU/CSU-geführten Länder im Bundesrat blockiert worden und liegt derzeit im Vermittlungsausschuss.

Der BUND ruft Verbraucher und Verbraucherinnen auf, verstärkt Biolebensmittel zu kaufen. Deutschland könne sich am Beispiel Italiens orientieren, wo bereits über eine Million Hektar Land ökologisch bewirtschaftet würden. Durch intensive Förderung und Verbraucheraufklärung sei es auch in Dänemark und Schweden gelungen, Supermärkte, Schulen und Betriebskantinen zu Hauptabnehmern von Bioprodukten zu machen. Das sei die beste Vorsorge gegen künftige Lebensmittelskandale.

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