23. Mai 2002

Schleswig-Holstein: Kräftige Gewinne

Themen: Archiv,Pacht&Besitz — info @ 11:05

Kiel (agrar.de) – ‚Die Unternehmensgewinne der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft im Wirtschaftsjahr 2000/2001 sind die besten, die jemals in unserem Land erzielt wurden und die höchsten in der gesamten Bundesrepublik. Die 19.241 landwirtschaftlichen Betriebe erreichten bei einer Steigerung von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr einen durchschnittlichen Gewinn von rund 47.776 Euro, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 47.493. Der Durchschnitt aller Länder beträgt 36.500 Euro. Unsere Landwirte nehmen das erste Mal seit der Wiedervereinigung die Position 1 bei den Gewinnen ein. Alle finanziellen Forderungen des Bauernverbandes müssen vor diesem Hintergrund betrachtet und erheblich relativiert werden.‘ Das sagte die Ministerin für ländliche Räume, Landesplanung, Landwirtschaft und Tourismus, Ingrid Franzen, bei der Vorstellung des Agrarreports 2002 in Kiel.

Die Ausgleichszahlungen stellten 47 Prozent des Gewinns dar. Sie betrugen im Durchschnitt 22.400 Euro pro Unternehmen. Franzen: ‚Das ist der höchste Betrag an Zahlungen je Unternehmen aller alten Länder. Insgesamt sind 2001 Ausgleichszahlungen in Höhe von 285,2 Millionen Euro an Schleswig-Holsteins Landwirte gezahlt worden.‘

Agrarstruktur

2001 nahm die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 2,3 Prozent auf 19.241 Betriebe ab. Die Abnahmerate lag damit vergleichbar auf der Höhe vergangener Jahre. Insbesondere die Zahl der Betriebe zwischen 20 – 100 ha sind zurückgegangen. Die Wachstumsschwelle liegt bei 100 ha, d. h. die Zahl der Betriebe über 100 ha wächst kontinuierlich. Die durchschnittliche Betriebsgröße ist mit 53 ha doppelt so groß wie im früheren Bundesgebiet.

65 Prozent aller Betriebe in Schleswig-Holstein sind Futterbaubetriebe, die Marktfruchtbetriebe stellen 22 Prozent und die Veredlungsbetriebe 4 Prozent der Betriebe. Der Anteil von 58 Prozent (früheres Bundesgebiet 44 Prozent) an der Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe unterstreicht die Bedeutung der Haupterwerbslandwirtschaft in Schleswig-Holstein. Bei einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 53 ha bewirtschaften sie 86 Prozent der LF.

Die durchschnittlichen Kaufpreise für landwirtschaftliche Grundstücke in Schleswig-Holstein sind mit 11.800 EUR/ha um 5 Prozent höher als im Vorjahr. Die Kaufpreise in Schleswig-Holstein liegen traditionell weit unter dem Niveau der alten Bundesländer. Die durchschnittlichen Pachtpreise bewegen sich weiterhin im Bereich von 250 EUR/ha – bei regionalen Ausschlägen bis weit über 350 EUR/ha. Da die Flächenaufstockung im Wege der Pacht in Schleswig-Holstein eine große Rolle spielt, werden die Betriebe hier finanziell erheblich belastet. Hinzu kommen erhebliche Ausgaben für Pacht, Kauf und Leasing der Milchquoten. Im Durchschnitt sind in Schleswig-Holstein 49 Prozent der Betriebsfläche und ca. 50 Prozent der gelieferten Milchmenge hinzuerworben. Allein das Milchquotensystem belastet die wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betriebe mit fast 22.000 Euro pro Jahr (Rinder-Report 2001 der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein).

Ertragslage der Landwirtschaft

Hauptkennziffer ist der Gewinn, aus dem Lebensunterhalt (‚Privatentnahmen‘) und Investitionen bestritten werden. Die Haupterwerbesbetriebe Schleswig-Holsteins konnten im Wirtschaftsjahr 2000/01 die Gewinne je Familien – Arbeitskraft um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Damit konnten sie ihre Spitzenstellung vergangener Jahre im Vergleich zu den Haupterwerbsbetrieben in den übrigen Bundesländern wiederum unter Beweis stellen – ein Indiz für die Wettbewerbsfähigkeit der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft.

Die Gewinne bezogen auf das Unternehmen sind nach dem kräftigen Anstieg des Vorjahres im Durchschnitt aller Betriebsformen abermals um 20 Prozent gestiegen – gegenüber nur 18 Prozent im gesamten Bundesgebiet. Die Ursache ist in der positiven Gewinnentwicklung der Marktfrucht-, Futterbau- und Veredlungsbetreibe aufgrund hoher Naturalerträge, guter Milchauszahlungspreise und gestiegener Schweinepreise zu sehen.

Im einzelnen stellt sich die Gewinnsituation des Wirtschaftsjahres 2000/01 bezogen auf die verschiedenen Betriebsformen wie folgt dar:

Die Futterbaubetriebe konnten ihren Gewinn um 15 Prozent auf über 44.000 Euro je Unternehmen steigern, da die gestiegenen Milchauszahlungspreise den Umsatzrückgang bei Rindern weitgehend ausgeglichen haben. Die Marktfruchtbetriebe konnten ihren Unternehmensgewinn um 25 Prozent auf fast 54.000 Euro steigern. Hier haben sich die sehr hohen Getreide- und Rapserträge der Ernte 2000 ausgewirkt. Die Veredlungsbetriebe konnten infolge gestiegener Schweinepreise einen sehr hohen Gewinn von 63.000 Euro je Unternehmen verzeichnen. Bei den Gemischtbetrieben war eine Gewinnsteigerung in Höhe von 56 Prozent auf einen ebenfalls sehr hohen Unternehmensgewinn von 61.400 Euro zu verzeichnen.

Aufschluss über die innere Disparität gibt die Streuung der Gewinne. Die erfolgreichen Haupterwerbsbetriebe (‚oberes Viertel‘) erwirtschafteten einen Gewinn von fast 55.000 Euro je Familienarbeitskraft. Im unteren Viertel wurden dagegen nur 8.000 Euro erzielt. Der Erfolg eines Unternehmens hängt, wie in allen Wirtschaftsbereichen, auch in der Landwirtschaft neben der Faktorausstattung (Größe) stark vom Management ab. Dies erklärt die starke Streuung selbst bei vergleichbarer Faktorausstattung. Nach einer Auswertung des Buchführungsverbandes betragen z.B. in der Gruppe der Betriebe ‚Futterbau-Milch 60 bis 100 ha, Wirtschaftsraum Ostküste-Mitte‘ die Gewinne im unteren Viertel 12.600 Euro pro Betrieb, im oberen Viertel dagegen 78.000 Euro pro Betrieb.

Pflanzliche Erzeugung

Die Hauptackerfrucht zur Ernte 2001 war Winterweizen mit 193.000 ha, gefolgt von Winterraps mit 89.000 ha, Silomais mit 82.000 ha, Wintergerste mit 64.000 ha sowie Winterroggen mit 34.000 ha.

Zur Ernte 2001 erzielten die wichtigsten Getreidearten und der Winterraps bislang in Schleswig-Holstein nie erreichte Spitzenerträge. Sie sind auf die günstigen klimatischen Bedingungen und optimierte Produktionstechnik zurückzuführen. Dieses Ernteergebnis bestätigt eindrucksvoll die Ausnahmestellung Schleswig-Holsteins als Spitzenregion des Ackerbaus im Bundesvergleich.

Die Hektar-Erträge im einzelnen: Winterweizen: 98 dt/ha – damit ist zum viertenmal die 90 Dezitonnen-Marke überschritten worden; Wintergerste: 87 dt/ha; Winterroggen: 73 dt/ha. Im Durchschnitt aller Getreidearten wurde mit 89 dt/ha ein neuer Rekordertrag geerntet; das sind fast 20 dt/ha mehr als im Durchschnitt des gesamten Bundesgebietes.

Im Herbst 2000 waren für die Winterfeldfrüchte gute Aussaatbedingungen gegeben. Der milde Winter ist von den Kulturen schadlos überstanden worden. Ein verspäteter Vegetationsbeginn im Frühjahr verzögerte die Bestellung und den Aufwuchs des Sommergetreides. Vorherrschend kühle und feuchte Witterung verbunden mit günstigen Temperaturverhältnissen ermöglichten die hohen Erträge. Die Ernte setzte erst sehr spät Ende Juli ein. Später folgende Regenfälle führten zu Ernteverzögerungen und erheblich erhöhten Kornfeuchten.

Beim Winterraps wurde mit 41 dt/ha ebenfalls ein Höchstbetrag erzielt, der um 4 dt/ha über dem Bundesergebnis liegt. Die Zuckerrüben-Anbaufläche betrug 13.300 ha. Mit durchschnittlich 538 dt/ha wurde eine gute Ernte erzielt. Dieses Ernteergebnis zeigt, dass trotz eines späten und ungünstigen Frühjahrs bei guter Bodenbearbeitung, Düngung und Bestandsführung quantitativ und qualitativ ansprechende Leistungen zu erzielen sind.

Auf einer Kartoffelanbaufläche von 6.100 ha wurde ein sehr hoher Ertrag von 359 dt/ha erzielt. Zur Ernte 2001 betrug die Stillegungsfläche 63.000 ha. Auf 22.000 ha Stillegungsfläche wurde Winterraps als nachwachsender Rohstoff angebaut.

Die Gemüseanbaufläche betrug 6.400 ha im Jahr 2001. Dominierend ist nach wie vor der Weißkohlanbau. 40 Prozent des deutschen Kopfkohls kommen von den Marschen der Westküste. Mit 92.000 t erzielten Möhren und Karotten die bisher höchste Erntemenge in Schleswig-Holstein. Die Ursache ist in der sehr guten Ernte zu sehen, die mit 905 dt/ha rund 18 Prozent über dem Vorjahresniveau lag.

Marktobst wird auf einer Fläche von 842 ha erzeugt. Die Hektarerträge blieben mit 250 dt Äpfeln und 105 dt Birnen deutlich hinter den Rekorderträgen des Jahres 2000 zurück.

Ökologischer Landbau

Zum Ende des Jahres 2001 gab es in Schleswig-Holstein 354 landwirtschaftliche Öko-Betriebe und damit 11 Prozent mehr als im Vorjahr. In den letzten Jahren hat es eine derartige Steigerung nicht gegeben. Diese Betriebe werden fast ausschließlich im Haupterwerb bewirtschaftet. Der Anteil der Öko-Betriebe an den Haupterwerbsbetrieben (Gesamtzahl der Betriebe) beträgt 3,4 Prozent (2,0 Prozent). Die von den Öko-Betrieben bewirtschaftete landwirtschaftliche Fläche beläuft sich auf fast 20.000 ha und ist damit um 8 Prozent gestiegen. Der Anteil ihrer Fläche an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche liegt bei 2,0 Prozent. Der Markt für ökologisch erzeugte Produkte wächst. Die Ausschöpfung des wachsenden Marktpotentials ist eines der wichtigsten agrarpolitischen Ziele der Landesregierung.

Die ausführliche Fassung des Agrarreports (189 Seiten) kann über die Pressestelle des Ministeriums für ländliche Räume, Landesplanung, Landwirtschaft und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein bezogen werden: Tel. 0431-9885100

Links zum Thema Agrarbericht und Statistik, Links zum Bundesland Schleswig-Holstein.

Sprengt der steigende Euro den EU-Agrarhaushalt?

Themen: Archiv — info @ 10:05

Der steigende Euro-Kurs birgt erhebliche finanzielle Gefahren für den Agrarhaushalt der EU. Nach einer Pressemitteilung des Bundesverbandes Deutscher Landwirte (VDL) hat EU-Haushaltskommissarin Michaele Schreyer jetzt auf die Risiken in einem internen Vermerk aufmerksam gemacht. Ein Anstieg des Euro-Kurses gegenüber dem Dollar um nur einen Cent führe ‚zu Mehrausgaben im Agrarbereich von 40 bis 50 Mio. Euro‘, so die Kommissarin.

Die bisherigen Planungen für den Agrarhaushalt 2003, der rund 40,2 Mrd. Euro umfassen soll, beruhen auf einem Euro-Kurs von 0,88 Dollar. Derzeit notiert die Währung aber bereits bei 0,92 Dollar. Bliebe es dabei, wären im kommenden Jahr Mehrausgaben von 160 bis 200 Mio. Euro nötig.

Bei einem Kurs von mehr als 0,94 Dollar würde der auf 40,5 Mrd. Euro begrenzte Agrarhaushalt der EU gesprengt, warnt Schreyer. Bis zum Jahr 2006 dürfen die Agrarausgaben diese Höchstmarke nicht überschreiten. Das hatten die EU-Staats- und Regierungschefs 1999 festgelegt. Darum, so Schreyer, sollten bei der anstehenden Generalrevision der EU-Agrarpolitik Mitte Juni die Kursrisiken berücksichtigt werden.

Die EU zahlt ihren Landwirten Subventionen für die Produktion und den Export von Agrargütern. Die Exportbeihilfen sollen die Differenz zum niedrigeren Weltmarktpreis ausgleichen, der in Dollar gerechnet wird. Steigt der Kurs der US-Währung, wird die aus dem Agrarhaushalt zu finanzierende Differenz immer größer. Auch die Produktionssubventionen, die sich ebenfalls an den Weltmarktpreisen orientieren, verursachen dann Mehrausgaben.

Schon jetzt führt der steigende Euro-Kurs in der EU-Agrarpolitik zur Wiederaufnahme alter Subventionspraktiken. Erstmals seit Jahren gibt es wieder Exporterstattungen für Weizen und Getreide. Für Käse ist ähnliches geplant. Die Mahnungen der deutschen Kommissarin geraten mitten in die Halbzeitüberprüfung der EU-Agrarpolitik. Sie soll von der Kommission am 18. Juni vorgestellt werden. Die Nettozahler der EU erwarten von dieser Bilanz den Einstieg in eine Reform der EU-Agrarpolitik. Deutschland und andere verlangen beispielsweise eine Reduzierung der Direktzahlungen an Landwirte.

Wie dringend eine Reform der Agrarpolitik ist, belegt Schreyer am Beispiel der Wein-Subventionen: Die Produktion wird kommendes Jahr mit 443 Mio. Euro unterstützt. Da aber mehr Wein produziert wird als die Europäer trinken, fördert die EU die Destillation des Überschusses zu Alkohol mit weiteren 355 Mio. Euro. Dieser Alkohol wird dann (EU exportiert) – unterstützt mit 257 Mio. Euro aus der EU-Kasse.

Links zum Thema Euro.

Rätselhafte Belastung durch Futtergetreide

Themen: Futtermittel,Nitrofen,Pflanzenschutz — info @ 09:05

Seit Jahrzehnten verbotenes Herbizid in Geflügelprodukten entdeckt

Gräfelfing (agrar.de) – Funde des Herbizids Nitrofen in Öko-Geflügelfleisch und -Eiern veranlassen Naturland, zu diesen Vorgängen Stellung zu nehmen. Der Ökologische Landbauverband stellt nach Naturland derzeit vorliegenden Informationen fest, dass nach Bekannt werden der Funde umgehend alle relevanten Qualitätssicherungsmaßnahmen eingeleitet wurden. Von den betroffenen Verarbeitungs-Unternehmen wurden Produkte gesperrt oder zurückgerufen, Tests an lebendem Geflügel angeordnet, betroffene Tiere zum Keulen aussortiert und nicht verwertet. Vorsorglich wurde heute von einem Unternehmen eine Rückholaktion von Eiern gestartet. Nach den bis jetzt vorliegenden Ergebnissen muss davon ausgegangen werden, dass das Unkrautvernichtungsmittel mit einer Getreidepartie in das Geflügelfutter gelangt ist. Ein Getreideerzeuger ist schon identifiziert. Dieser Betrieb ist nicht Mitglied bei Naturland, sondern arbeitet nach den Richtlinien der EU-Öko-Verordnung.

Der Einsatz chemischer Unkrautvernichtungsmittel ist im Ökologischen Landbau strikt verboten. Die Funde von Nitrofen in Öko-Weizen, Öko-Triticale und Mischfutter für Geflügel sorgen deshalb aus mehreren Gründen für Aufregung. Verbände, Erzeuger und Verarbeiter fragen sich jetzt: War hier Vorsatz und Betrug am Werk, oder handelt es sich um eine Altlast? Besonders rätselhaft sind die Vorfälle, weil Nitrofen auch für den konventionellen Landbau in der Bundesrepublik seit über 20 Jahren verboten ist.

Nach der Rückstands-Höchstmengenverordnung gilt für Nitrofen eine allgemeine Höchstmenge von 0,01 mg/kg Lebensmittel. Die Nachweisgrenze liegt bei 0,004 mg/kg, der analytische Fehlerbereich bei 0,012mg/kg. Einzelne Proben im Puten- und Hähnchenfleisch sowie in Wurstwaren lagen über dem Grenzwert. Ein Unternehmen hat mit dem heutigen Datum vorsorglich eine Rückholaktion und Auslieferungsstopp von Bio-Eiern veranlasst. Aus sämtlichen Legebetrieben wurden Eier zu unterschiedlichen Labors gebracht. Die Untersuchungsergebnisse liegen noch nicht vor.

Verbotenes Herbizid Nitrofen

Laut International Chemical Safety Card der EU ist die Dichlor-Benzol-Verbindung äußerst langlebig und reichert sich in der Nahrungskette an, vor allem in Fischen und Pflanzen. In der Bundesrepublik ist Nitrofen seit 1981 verboten. In den Neuen Bundesländern ist die Anwendung seit 1990 gesetzlich untersagt. Das Unkrautvernichtungsmittel, das unter den Handelsbezeichnungen Tok 2, Tok E 25 und Tokkorn verkauft wurde, konnte als Granulat ausgebracht werden. Es ist brennbar, erfordert beim Umgang ein Atemschutzgerät mit Spezialfilter für toxische Partikel und darf aufgrund seiner Persistenz ‚unter keinen Umständen in die Umwelt gelangen‘. Nitrofen ist wasserunlöslich und reichert sich im Fettgewebe an. Naturland Geschäftsführer Gerald A. Herrmann: ‚Leider ein typisches Beispiel für ein höchst unerwünschtes Erbe, das die chemische Industrie den Bauern hinterlassen hat – auch den Öko-Bauern, die ja seit Anbeginn des Ökologischen Landbaus organo-synthetische Pestizide jeder Art strikt vermeiden.‘

Kleinbetriebe ebenso betroffen wie Große

Nach den ersten vorliegenden Recherche-Ergebnissen ist das Nitrofen über Futtermittel ins Geflügel gelangt. Nach dem ersten Nitrofen-Fund in Produkten wurden Ställe, Einstreu und Futter untersucht und die Ursache in Rückstellmustern von Futtermitteln gefunden. Öko-Betriebe betreiben flächenbezogene Tierhaltung, der Zukauf bestimmter Quoten von zertifiziertem Öko-Futter anderer Öko-Betriebe oder von Öko-Futterproduzenten ist ihnen in definiertem Rahmen jedoch gestattet. Daher könnten theoretisch alle Öko-Betriebe – kleine ebenso wie größere Unternehmen – von solchen ‚Rückständen‘ betroffen werden.

Öko-Verbände leisten Hilfestellung

Naturland Geschäftsführer Gerald A. Herrmann: ‚Wir als Verbände haben eine über die internen Qualitätssicherungssysteme großer Unternehmen hinaus gehende Aufgabe. Sache der Öko-Verbände ist die Systemzertifizierung: die Art der Erzeugung, der Verarbeitung und des gesamten Wegs eines Produktes vom Acker bis auf den Ladentisch.‘ Die Instrumente dieser Systemzertifizierung helfen jetzt auch bei der Suche nach der Ursache der Kontamination. So schreiben die Qualitätssicherungssysteme des Ökologischen Landbaus z.B. eine genaue Dokumentation des Warenflusses vor. Sie hilft jetzt, den oder die Verursacher zu finden.

Spurensuche nach belastetem Getreide

Die Spur möglicherweise belasteter Getreidepartien wird nun bis zum Ursprung zurückverfolgt. Vermutlich liegt sie nicht bei Öko-Mastbetrieben, Futtermittel-Herstellern oder einer Futtermühle, sondern bei einem oder mehreren Getreide-Erzeugern. Ein Öko-Betrieb aus den Neuen Bundesländern steht bereits als Lieferant belasteten Getreides fest. Er ist nicht Mitglied bei Naturland, sondern arbeitet nach den EU-Öko-Richtlinien. Diese fordern keine Umstellung des gesamten Betriebes sondern erlauben auch eine Teilumstellung.

Umfassende Aufklärung gefordert

Naturland Geschäftsführer Gerald A. Herrmann fordert: ‚In enger Zusammenarbeit müssen jetzt nicht nur die Anbauverbände, die betroffenen Erzeuger und Verarbeiter, sondern auch der Handel die Aufklärung weiter vorantreiben. Für Naturland ist die Belastung ökologisch erzeugter Produkte mit Schadstoffen untragbar. Trotz der regelmäßigen, strengen Prozess- und Qualitätskontrollen bei Erzeugungs- und Verarbeitungsbetrieben müssen wir die Lebensmittelüberwachungsbehörden und ggf. Staatsanwaltschaften auffordern, ihren Teil zur Sicherheit von Öko-Produkten beizutragen.‘

Information: Naturland – Verband für naturgemäßen Landbau e.V., Kleinhaderner Weg 1, 82166 Gräfelfing, Tel.: 089-898082-0, Fax: 089-898082-90, E-Mail.

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22. Mai 2002

Absatzfondsgesetz: Bauernverband hofft auf Korrekturen im Bundesrat

Themen: Archiv — info @ 14:05

Bonn (agrar.de) – Kernanliegen des Absatzfondsgesetzes muss das Marketing für in Deutschland erzeugte Produkte der Land- und Ernährungswirtschaft bleiben, erklärt der Deutsche Bauernverband (DBV) zur Verabschiedung der Novelle dieses Gesetzes im Bundestag. Die Mittel des Absatzfonds werden nicht aus Steuern finanziert, sondern ausschließlich von der Agrarwirtschaft aufgebracht. Deshalb fordert der Bauernverband, dass die Mittel auch weiterhin den Interessen der Beitragszahler zugute kommen müssen und darüber Gremien zu befinden haben, die mit Vertretern der Beitragspflichtigen besetzt sind. Der DBV hat ebenso wie die anderen Verbände der Agrarwirtschaft die vorgesehene Novelle des Absatzfondgesetzes stets abgelehnt.

Der vom Bundesverbraucherministerium eingebrachte Gesetzesentwurf zielt in erster Linie auf eine Änderungen der Aufgabenstellung des Absatzfonds sowie der Zusammensetzung seines Verwaltungsrats ab. Das Vorhaben, den Tier- und Umweltschutz bei Marketingmaßnahmen besonders zu berücksichtigen, ist nach Auffassung des DBV nicht mit dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der sogenannten ‚Gruppennützigkeit‘ der Mittelverwendung zu vereinbaren. Er sei auch nicht notwendig, da im Rahmen der geltenden Rechtsvorschriften der Tier- und Umweltschutz vom Absatzfonds ohnehin berücksichtigt werde. Jeder Anschein müsse vermieden werden, als strebe die Politik mit der Änderung des Absatzfondsgesetzes eine Nachfragelenkung des Staates an, betonte der Deutsche Bauernverband.

Auch ohne Änderung des Gesetzes sei es rechtlich möglich, im Marketing des Absatzfonds die Leistungen der Land- und Ernährungswirtschaft im Rahmen der nationalen Rechtsvorschriften über Verbraucherschutz, Sicherheit, Tier- und Umweltschutz gebührend hervorzuheben. Auch eine Erhöhung der Zahl der Mitglieder im Verwaltungsrat sowie eine Änderung der Benennungspraxis wird abgelehnt.

Positiv hervorzuheben ist lediglich, so der DBV, dass bei allen Parteien Einvernehmen darüber besteht, dass im Rahmen von Pilotprojekten eine Preisstatistik über Betriebsmittel auf Ebene der landwirtschaftlichen Betriebe aufgebaut werden soll. Die Bundesregierung hat dazu einen Prüfauftrag erhalten.

Information: Deutscher Bauernverband e.V. (DBV), Godesberger Allee 142-148, 53175 Bonn, Tel.: 0228-81980, Fax: 0228-8198205, E-Mail.

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FAO-Generaldirektor: Recht auf Nahrung kann Erfolg im Kampf gegen den Hunger beschleunigen

Themen: Archiv — info @ 14:05

Berlin (agrar.de) – ‚Hunger ist Ausdruck der weit verbreiteten ungleichen Machtverhältnisse auf der Welt‘, sagte der Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, Dr. Jacques Diouf, am Mittwoch in Berlin.

‚Schwache und unterernährte Menschen haben einen unverhältnismässig geringen Anteil an dem weltweit erzeugten Wohlstand. Während einige Menschen sich Mahlzeiten im Wert von einigen hundert Dollar leisten können, hocken andere vor halbleeren Reisschalen. Selbst in demokratischen Ländern kümmern sich Regierungen nicht immer um die Lage der Schwachen‘, sagte Diouf.

Der FAO-Generaldirektor sprach zu den Teilnehmern eines internationalen Seminars über Hungerbekämpfung, das vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) veranstaltet wurde.

Die Bekämpfung von Hunger und Unterernährung steht im Mittelpunkt des ‚Welternährungsgipfels: fünf Jahre später‘, der vom 10.-13. Juni in Rom stattfinden wird. Staats- und Regierungschefs werden über die seit dem Gipfel von 1996 erzielten Fortschritte im Kampf gegen den Hunger und auch über das Recht auf Nahrung beraten. Die internationale Gemeinschaft hatte sich 1996 verpflichtet, die Zahl der Hungernden bis zum Jahre 2015 zu halbieren.

‚Das Recht auf Nahrung zu verwirklichen, verbunden mit konkreten Rechenschaftspflichten, sollte zu einer guten Regierungsführung und zu mehr sozialer Gerechtigkeit führen‘, sagte Diouf.

Das Recht auf Nahrung in nationale und internationale Ernährungsstrategien einzubinden, könne ausserdem dazu beitragen, den Erfolg im Kampf gegen den Hunger zu beschleunigen. Der Welternährungsgipfel von 1996 hatte das Recht eines jeden Menschen auf sichere und reichhaltige Nahrung bekräftigt, in Übereinstimmung mit dem Recht auf angemessene Nahrung und dem Menschenrecht, ein Leben ohne Hunger zu führen.

‚Das Ziel des Welternährungsgipfels von 1996, die Zahl der Hungernden und Unterernährten von 800 Millionen auf 400 Millionen im Jahre 2015 zu verringern, lässt sich dann erreichen, wenn die Entwicklungsländer und Industriestaaten dazu den erforderlichen politischen Willen aufbringen‘ sagte Diouf.

Gegenwärtig sinke die Zahl der Hungernden nur um sechs Millionen Menschen jährlich. Um das Ziel des Gipfels zu erreichen, müssten es aber 22 Millionen weniger Hungernde im Jahr sein.

‚Leider mangelt es am politischen Willen, den Hunger zu bekämpfen. Dies ist der Hauptgrund, warum Hunger fortbesteht. Als Folge werden die erforderlichen Mittel für die Bekämpfung des Hungers nicht in ausreichendem Mass zur Verfügung gestellt‘, kritisierte Diouf.

‚Die Trends laufen schon zu lange in die falsche Richtung‘, sagte Diouf. ‚Viele Entwicklungsländer unterstützen beispielsweise nur unzureichend ihre ländlichen Gebiete, in denen rund 70 Prozent der Hungernden leben. Die Hilfe der OECD-Staaten für die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern ist zwischen 1990 und 1999 real um rund 50 Prozent gesunken. Den Hunger zu beseitigen sollte weltweit zur Priorität gemacht werden.‘

Diouf machte darauf aufmerksam, dass das Recht auf Nahrung eng mit der Verwirklichung anderer Rechte verknüpft ist. ‚Unterernährung hängt mit schlechten sanitären und hygienischen Verhältnissen zusammen, mit Analphabetismus, dem Mangel an Bildungsmöglichkeiten und fehlenden Gesundheitsdiensten. Schulkinder besser zu ernähren, in dem beispielsweise Schulgärten mit Gemüse und Früchten angelegt werden, trägt nicht nur dazu bei, dass mehr Kinder am Unterricht teilnehmen, und somit das Recht auf Bildung verwirklicht wird. Es verbessert ausserdem die Ernährung der Kinder, und damit das Recht auf Nahrung.‘

Diouf betonte, dass Nichtregierungsorganisationen bereits einen Entwurf für einen Verhaltenskodex für das Recht auf angemessene Nahrung erarbeitet hätten. Sie hätten ausserdem die Regierungen dazu aufgerufen, mit Verhandlungen über solch einen rechtlich nicht bindenden Kodex zu beginnen. ‚Ich möchte den entscheidenen Beitrag der Nichtregierungsorganisationen zu unserem gemeinsamen Kampf gegen den Hunger hervorheben‘, so Diouf.

‚Ein solcher Verhaltenskodex könnte die Armen und Hungernden stärken; Regierungen und andere Institutionen müssten zudem über ihre Hungerbekämpfung Rechenschaft ablegen. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass es FAO- und UN-Mitgliedsstaaten gibt, die Zweifel am Sinn eines solchen Verhaltenskodexes haben.‘

Bundesverbraucherministerin Renate Künast setzt sich für einen Internationalen Verhaltenskodex zum Recht auf Nahrung ein. Die Bilanz seit dem Welternährungsgipfel 1996 sei ernüchternd. Künast: ‚Wenn es so weitergeht wie bisher, werden wir das Ziel, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, bei weitem nicht erreichen können. Wir brauchen neue Instrumente im Kampf gegen den Hunger‘.

Über 250 Teilnehmer aus 74 Ländern beraten heute und morgen in Berlin darüber, wie mehr politischer Willen mobilisiert werden kann, um das grundlegende Menschenrecht auf Nahrung besser durchzusetzen. Bundesregierung und FAO beschlossen, einen bilateralen Fonds einzurichten, aus dem Projekte zur Ernährungssicherung und Stärkung des ländlichen Raumes in den ärmsten Ländern der Welt finanziert werden sollen. Die Rahmenvereinbarung hierzu wurde auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Künast und Diouf unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht vor, einen bilateralen Treuhandfonds zu errichten, aus dem über den regulären Mitgliedsbeitrag Deutschlands hinaus Projekte der FAO zur Ernährungssicherung und zur Stärkung des ländlichen Raums in den ärmsten Ländern der Welt finanziert werden. In diesem Jahr stehen hierfür 8,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Auf dem Welternährungsgipfel 1996 hatten sich Staats- und Regierungschefs verpflichtet, die Zahl der Hungernden in der Welt bis 2015 zu halbieren. Dennoch hungern immer noch etwa 800 Millionen Menschen, 24 000 sterben täglich an den Folgen der Unterernährung. ‚Hunger ist nicht nur die Verletzung eines fundamentalen Menschenrechtes. Er ist auch eine strukturelle Konfliktursache, deren erfolgreiche Bekämpfung möglich ist, aber international bisher nicht mit dem erforderlichen Nachdruck erfolgt‘, so Künast. Gerade nach dem 11. September dürfe in diesem Bereich nicht wieder buisiness as usual gelten.

‚Es muss uns gelingen, die Bekämpfung von Hunger und Unterernährung zu einem vorrangigen politischen Anliegen zu machen, um die Ursachen des Terrorismus wirksam zu bekämpfen. Hierzu müssen die Prioritäten neu gesetzt werden und der politische Willen mobilisiert werden.‘ Sie sei überzeugt, dass ein Internationaler Verhaltenskodex zum Recht auf Nahrung, wie er zur Zeit im Workshop diskutiert werde, ein geeignetes Instrument sein könne, um dabei einen Schritt voranzukommen, so die Ministerin. Nationale Regierungen und internationale Institutionen bekämen mit einem Verhaltenskodex klare Grundsätze, wie das Recht auf Nahrung respektiert, geschützt und erfüllt werden könne. Pflichten der Regierungen der Entwicklungsländer, der internationalen Staatengemeinschaft, aber auch der Privatunternehmen und der gesellschaftlichen Gruppen würden klarer definiert, und wichtige Gründe für Hunger und Unterernährung könnten erfolgreicher bekämpft werden als bisher. Dabei könnten positive Erfahrungen, die an vielen Stellen der Welt bei der Hungerbekämpfung gemacht worden seien, genutzt werden.

Rentenbank meldet lebhafte Nachfrage nach Förderkrediten

Themen: Archiv,Banken,Förderung — info @ 14:05

Frankfurt/Münster (agrar.de) – Die Landwirtschaftliche Rentenbank hat im Jahr 2001 und auch im ersten Quartal 2002 ihre Kreditvergabe an die Landwirtschaft nach Mitteilung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) erneut gesteigert. Dies gab der Vorstand der Rentenbank bei der Bilanzpressekonferenz über den Jahresabschluss 2001 vergangene Woche in Frankfurt bekannt.

Die Nachfrage nach den Krediten des zentralen Refinanzierungsinstitutes für die Land- und Ernährungswirtschaft habe sich abermals dynamischer entwickelt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bei den Sonderkrediten wuchs das Neugeschäft 2001 um rund 36 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro (Vorjahr: 0,93 Milliarden Euro). Der Jahresüberschuss der Bank lag 2001 bei 34,0 Millionen Euro. Die Sonderkredite der Bank werden zu ermäßigten Konditionen für Investitionsvorhaben in der Landwirtschaft, zur Förderung von Junglandwirten, für die Dorferneuerung und so genannte ‚räumliche Strukturmaßnahmen‘ vergeben. Im ersten Quartal 2002 stieg das Sonderkreditgeschäft weiter um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Sonderkredite an Junglandwirte wuchsen sogar um 50 Prozent.

Die Landwirtschaftliche Rentenbank refinanziert agrarbezogene Vorhaben aller Art. Die Vergabe der Kredite erfolgt über die jeweilige Hausbank. Neben Darlehen zu marktüblichen Konditionen bietet die Bank zinsgünstige Sonderkredite für Landwirte an. Die Rentenbank wurde 1949 durch Gesetz als zentrales Förderinstitut für die Land- und Ernährungswirtschaft mit Sitz in Frankfurt am Main errichtet. Der Grundstock des haftenden Eigenkapitals in Höhe von heute insgesamt 2,08 Milliarden Euro ist in den Jahren 1949 bis 1958 von der Land- und Forstwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland aufgebracht worden.

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Abwehr-Gen gegen Kraut- und Knollenfäule gefunden

Themen: Archiv — info @ 12:05

Köln (agrar.de) – Max-Planck-Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, aus Kartoffeln ein Gen zu isolieren, das die Pflanzen widerstandsfähig gegenüber einer bestimmten Variante des Erregers der Kraut- und Knollenfäule macht. In der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins ‚The Plant Journal‘ beschreiben die Kölner Forscherinnen und Forscher die genetische Basis dieses für die Pflanzenzüchtung wichtigen Merkmals (The Plant Journal, 30 (3) 2002).

Die Kraut- und Knollenfäule zählt weltweit zu den meist gefürchteten Krankheiten beim Kartoffelanbau. Die jährlichen Ertragsverluste belaufen sich auf zwei bis drei Milliarden Euro. Bekämpft wird die Krankheit durch den häufigen Einsatz von Chemikalien. Der Erreger ist ein Schadpilz, Phytophthora infestans, der – wie der Name der Krankheit ausdrückt – sowohl Blätter und Stängel als auch die Knollen der Pflanze vollständig zerstören kann. Mitte des 19. Jahrhunderts führte eine verheerende Epidemie in Irland zu einer Hungerkatastrophe, die eine Auswanderungswelle nach Nordamerika auslöste. Widerstandsfähige Pflanzen, die man unter Wildformen der Kartoffel in Mexiko und Südamerika fand, wurden vor etwa fünfzig Jahren in Kartoffelsorten eingekreuzt. Der Erreger entwickelte jedoch immer neue genetische Varianten, die die angezüchtete Abwehreigenschaft der Kartoffel bald wieder überwanden. In dem Wettrennen mit dem Pilz ist die Pflanzenzüchtung deshalb heute sehr an einer langfristigen Verbesserung der genetischen Widerstandsfähigkeit von Sorten interessiert, die auch den Einsatz von Pilzvernichtungsmitteln (Fungiziden) im Kartoffelanbau verringern könnte. Eine Voraussetzung hierfür ist das Verständnis der genetischen Grundlagen dieser Widerstandsfähigkeit.

Am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln ist es nun der Gruppe um Christiane Gebhardt gelungen, das so genannte Resistenz-Gen R1 aus der Kartoffel zu isolieren. Dieses Gen vermittelt Widerstandsfähigkeit (Resistenz) gegen eine bestimmte Variante des Erregers der Kraut- und Knollenfäule. Die Forscher konnten das Gen auf dem fünften von zwölf Chromosomen der Kartoffel aufspüren und isolieren.

In seinem molekularen Aufbau ähnelt das R1-Gen anderen, bereits bekannten pflanzlichen Abwehr-Genen gegen Viren, Bakterien oder Fadenwürmer. Das R1-Gen bildet ein Protein von etwa 1300 Aminosäuren, das in Pflanzenzellen eine so genannte hypersensitive Reaktion auslöst. Das Protein hat die Funktion eines Alarmsignals, falls eine Pilzspore versucht, in eine Pflanzenzelle einzudringen. Daraufhin werden Abwehrreaktionen in Gang gesetzt, die die Ausbreitung des Pilzes erschweren, wie beispielsweise die Verdickung von Zellwänden und die Bildung von Stoffen, die für den Pilz giftig sind.

Besonders bedeutsam ist, dass das R1-Gen in einem so genannten „Hot Spot“ für Krankheitsabwehr liegt. Damit ist ein Abschnitt im Erbgut der Pflanze gemeint, in dem eine Häufung von Genen auftritt, die an der Abwehr von verschiedenen Krankheiten und Fraßschädlingen beteiligt sind. Neben Genen für Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule finden sich hier beispielsweise auch Gene zur Abwehr des Fadenwurms Globodera und des Kartoffelvirus X. Aufgrund der Häufung nimmt man an, dass diese Abwehr-Gene Mitglieder eines „Familienclans“ sind, also mehr oder weniger miteinander verwandt. Einige dieser Gene – wie das R1-Gen – vermitteln eine „Alles oder Nichts“ Abwehrreaktion, andere eine quantitativ abgestufte Reaktion, die man als ein „Mehr oder Weniger“ bezeichnen könnte. Sie sind in ihrer Wirkung vergleichbar einem leichten Dauerregen, der die Erde eben auch nachhaltiger durchtränkt als ein Wolkenbruch. Solche quantitativen Abwehr-Eigenschaften sind für Pflanzenzüchter von ganz besonderem Interesse, da sie sich davon eine höhere Stabilität der Resistenz versprechen.

Welche und wie viele Gene an der quantitativen Resistenz gegen Kraut- und Knollenfäule beteiligt sind, weiß man bisher nicht. Da die meisten Abwehr-Gene strukturell ähnlich sind, haben die Kölner Forscherinnen und Forscher nun jedoch mit dem R1-Gen eine Art Prototyp in der Hand, mit dem sie weitere Gene aufspüren können. Auf diese Weise wird es möglich sein, die in der Pflanzenzüchtung so begehrte Abwehr-Eigenschaft der Kartoffel zu verstehen und damit besser für die Entwicklung neuer Sorten zu nutzen.

Informationen: Dr. Christiane Gebhardt, Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung, Köln, Tel.: 0221-5062-454 oder 0221-5062-430, Fax: 0221-5062-413, E-Mail

Links zum Thema Kartoffeln.

DBV: Landwirtschaft schafft Artenvielfalt!

Themen: Archiv — info @ 10:05

Berlin (agrar.de) – In den vergangenen Jahrzehnten haben sich viele Arten in Deutschland wieder erholt, nachdem sie seit Anfang des letzten Jahrhunderts zurückgegangen waren. Dies stellte der Deutsche Bauernverband (DBV) anlässlich des heutigen 11. Internationalen Tages der biologischen Vielfalt fest.

Die zu beobachtende Zunahme der biologischen Vielfalt wurde durch eine Auswertung der ‚Roten Listen‘ von Bund und Ländern der vergangenen 20 Jahre durch das Kölner Büro für Faunistik deutlich. 63 Vogelarten haben sich seitdem besser entwickelt, lediglich 17 Arten sind zunehmend gefährdet. Eine ähnliche positive Entwicklung wird bei den Säugetieren verzeichnet, lediglich bei den Amphibien stagniert die Entwicklung. Diese Bestandszunahmen bei gefährdeten Arten seien auch auf das nachhaltige Wirtschaften und das Engagement der Land- und Forstwirte zurückzuführen, erklärte der DBV. Heute werden auf fast jedem zweiten Hektar in Deutschland besondere Programme des Arten-, Natur-, Gewässer- und Umweltschutzes durchgeführt, überwiegend auf freiwilliger Basis im Rahmen entsprechender Verträge und Programme der EU, des Bundes und der Länder.

Die Landwirtschaft hat für die Schaffung und Erhaltung der Artenvielfalt grundsätzlichen Einfluss. Ohne Landbewirtschaftung ist Mitteleuropa natürlicherweise durch Laubwälder geprägt. Erst durch die landwirtschaftliche Nutzung werden die Landschaften offen gehalten. Nur durch die landwirtschaftliche Nutzung wird die vielseitige Kulturlandschaft in Deutschland gewährleistet, die im Vergleich zu den Wäldern artenreicher ist. So ist nach wie vor die Aufgabe der Nutzung von Streuwiesen oder Magerrasen eine der Hauptursachen für den Rückgang von Farn- und Blütenpflanzen.

Nach Ansicht des DBV geht der Indikator zur Artenvielfalt, der in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie verankert wurde, an der Realität vorbei. Denn mit dieser kleinen Auswahl an ‚prominenten‘ Tierarten, die ohnehin in Deutschland nur regional verbreitet waren, sei keine Aussage über die Nachhaltigkeit im Bereich Natur und Landschaft in Deutschland möglich. In der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung wurden die Mittelwerte der Bestände von Weißstorch, Rotmilan, Seeadler, Seehund und 7 anderer Tierarten als Index für die Entwicklung der Artenvielfalt herangezogen. Die über 3.000 in Deutschland heimischen Farn- und Blütenpflanzen sind dagegen in dem Indikator für die Artenvielfalt gänzlich unter den Tisch gefallen.

Information: Deutscher Bauernverband e.V. (DBV), %url2%E-Mail%/%.

Links zum Thema %url3%Landschaft und Natur%/%.

17. Mai 2002

Brasilien: José Lutzenberger gestorben

Themen: Archiv — info @ 16:05

Porto Alegre (agrar.de) – Brasiliens ‚grünes Gewissen‘, der weltweit angesehene und engagierte Umweltschützer José Antonio Lutzenberger ist am 14. Mai 2002 in seinem Heimatland im Alter von 75 Jahren gestorben. Der als Sohn bayerischer Auswanderer am 17. Dezember 1926 im südbrasilianischen Porto Alegre geborene Diplom-Landwirt erhielt 1988 als ‚Vater der brasilianischen Umweltbewegung‘ den Right Livelihood Award, der auch als ‚alternativer Nobelpreis‘ bekannt ist.

Lutzenberger studierte an der Universität von Puerto Alegre Landwirtschaft und erhielt danach ein Stipendium von der nordamerikanischen Regierung: An der Universität von Louisiana studierte er ein Jahr lang Bodenkunde und Agrarchemie. Die damals neuesten Erkenntnisse über Düngemittel und Schädlingsbekämpfung faszinierten und überzeugten ihn, dass die Chemie Mensch und Natur nur dienen würde. Seinen ersten Job erhielt José Lutzenberger bei einer französischen Düngemittelfabrik in Südbrasilien. Auf seinen Reisen durchs Land begann er, wie früher mit seinem Vater, Pflanzen und Tiere zu bestimmen. Die Jahre in der blühenden tropischen Landschaft Brasiliens prägten sein Verständnis von heilen ökologischen Systemen in einer Zeit, in der ‚Ökologie‘ noch ein seltener Fachbegriff war. 1957 wurde der damals Dreißigjährige von dem deutschen Chemie-Unternehmen BASF abgeworben. Nach einer kurzen Zeit in der deutschen Zentrale wurde der vielsprachige junge Mann wieder ins Ausland geschickt und verkaufte für den Chemieriesen Düngemittel in Venezuela, Kuba und Nordafrika.

Als BASF in den 60er-Jahren groß ins Geschäft mit DDT einstieg, erlebte José Lutzenberger, wie auf den besprühten Feldern nicht nur die Unkräuter und scheinbaren ‚Schädlinge‘ vernichtet wurden, sondern auch die gesamte Artenvielfalt. José Lutzenberger erkannte, dass er seiner bisherigen Tätigkeit nicht länger mit gutem Gewissen nachgehen konnte, kündigte bei BASF und kehrte zurück nach Brasilien.

Die 1987 von Lutzenberger ins Leben gerufene Stiftung ‚Gaia‚ (Associacao de Protecao ao Ambiente Natural) gilt als eine der wichtigsten Nichtregierungsorganisationen Lateinamerikas im Umweltschutzbereich. Zwischen 1990 und 1992 war er Umweltminister der brasilianischen Regierung Collor und hat den ersten ‚Gipfel der Erde‘ der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro vorbereitet. 1995 unterstützte Lutzenberger zusammen mit Klaus Töpfer, dem Dalai Lama, Joschka Fischer und anderen Prominenten die Aktion ‚Globaler Ökologischer Marshall-Plan‘.

Überleben, so glaubte Lutzenberger, werde die Menschheit nur, wenn sie eine ’neue, eigentlich uralte Ethik‘ entwickelt, ‚eine, die gesamte Schöpfung umfassende holistische, nicht mehr antropozentrische Ethik, basierend auf dem Grundprinzip der Ehrfurcht vor dem Leben, in all seinen Formen und Erscheinungen, wie von Albert Schweitzer postuliert, von Franz von Assisi gepredigt.‘

Über 400 DLG-Prüfberichte im Internet verfügbar

Themen: Archiv — info @ 15:05

Frankfurt (agrar.de) – Über 400 Prüfberichte zu DLG-getesteter Landtechnik sind ab sofort im Internet verfügbar und können als PDF-Dokumente kostenlos heruntergeladen werden. Die Produkte der Außen- und Innenwirtschaft, die die harten DLG-Tests bestanden haben, sind die detaillierten Prüfergebnisse für Interessenten mit Internetanschluss in wenigen Sekunden verfügbar. Ob Mähdrescher oder Melkroboter, Düngerstreuer oder Gartenschere, die Landwirte finden die einzelnen Prüfberichte benutzerfreundlich sortiert nach einzelnen Bereichen wie Düngung, Pflege, Ernte etc..

Die Prüfberichte sind nach wie vor auch in gedruckter Form zu erhalten. Eine vollständige Liste über alle angebotenen Prüfberichte ist auf der DLG-Seite aufgeführt. Interessenten, die darüber hinaus regelmäßig aktuelle Informationen zu DLG-geprüfter Landtechnik per E-Mail erhalten möchten, können sich den neuen Newsletter der DLG-Landtechnik per E-Mail zusenden lassen.

Links zum Thema Landtechnik, Links zum Thema Stallbau und -einrichtung.

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