28. Mai 2002

Mecklenburg-Vorpommern: Fünf geflügelhaltende Betriebe vorsorglich gesperrt

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 15:05

Schwerin (agrar.de) – In Mecklenburg-Vorpommern sind derzeit fünf geflügelhaltende Betriebe mit insgesamt 15 Betriebsstätten gesperrt. Von der Sperrung betroffen sind 176.000 Hennen, 22.000 Puten und 31.000 Hähnchen. Für diese Betriebe liegen Hinweise vor, dass sie Futtermittel eines Herstellers in Niedersachsen bezogen haben, der in Verdacht steht, nitrofenbelastete Ware gehandelt zu haben.

‚Diese Sperrung ist vorsorglich. Wir wollen damit verhindern, dass eventuell mit Nitrofen belastete Eier oder auch Schlachttiere in den Handel kommen‘, so Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus heute auf der Landespressekonferenz in Schwerin. Die Zahl dieser Betriebe könne sich noch ausweiten, sofern weitere Hinweise zu Handelsbeziehungen zwischen den Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern und dem Futtermittellieferant aufgedeckt werden.

Das Landwirtschaftministerium Mecklenburg-Vorpommern wurde erstmals am 23. Mai 2002 durch das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung, und Landwirtschaft darüber informiert, dass mit Nitrofen kontaminiertes Futtermittel einer Firma aus Niedersachsen auch nach Mecklenburg-Vorpommern geliefert worden sei. Die zuständigen Behörden haben daraufhin am 24. Mai Proben von Futtermitteln in Betrieben gezogen, die in Verbindung mit diesem Lieferanten stehen. Darüber hinaus wurden Eier- und Fleischproben gezogen. Erste Ergebnisse zu den Futtermittelanalysen, die im Landespflanzenschutzamt vorgenommen werden, soll es am Mittwoch geben. Untersuchungsergebnisse der Eier- und Fleischproben werden frühestens am Donnerstag erwartet. Diese Untersuchungen werden im Landesveterinär- und Lebensmitteluntersuchungsamt Rostock durchgeführt.

Über das genaue Ausmaß des Futtermittelskandals kann derzeit nur spekuliert werden. Aufklärung kann nach Überzeugung von Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Ländern und der Bundesregierung erreicht werden.

Aus diesem Grund hat am Dienstagvormittag eine Telefonschaltkonferenz zwischen dem Bundesministerium und den Landwirtschaftsministerien der involvierten Ländern stattgefunden. Dabei trat ein kompliziertes Geflecht von Lieferbeziehungen und Geschäftskontakten zutage, dem in den einzelnen Bundesländern intensiv nachgegangen werden muss.

Für Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus steht nach bisherigen Erkenntnissen fest:

1. dass bei diesem Vorgang kriminelle Energie im Spiel ist,

2. dass sowohl Lebensmittelproduzenten als auch Futtermittelhersteller im Rahmen von Eigenkontrollen schon Ende 2001 bzw. in den ersten Monaten dieses Jahres auf Kontaminationen mit Nitrofen aufmerksam wurden, aber weder staatliche Stellen eingeschaltet, noch andere Konsequenzen gezogen wurden,

3.dass auch Öko-Prüfstellen bereits im März 2002 davon in Kenntnis gesetzt waren.

Die weiteren Untersuchungen in Mecklenburg-Vorpommern konzentrieren sich derzeit darauf, weitere mit dem Futtermittelhersteller in Niedersachsen in Lieferbeziehungen stehende Betriebe ausfindig zu machen und zu beproben. Die Recherchen werden dabei auch auf konventionelle Betriebe und andere Tierarten ausgedehnt. Zum anderen wird ein Getreidehändler in Mecklenburg-Vorpommern kontrolliert, der Getreide an besagten Futtermittelhersteller geliefert hat. Dort finden derzeit intensive Buchprüfungen statt. Darüber hinaus werden Proben von noch dort lagernden Getreide gezogen und untersucht.

‚Dieser Vorfall macht mich sehr betroffen, weil die gesamte Landwirtschaft wieder in Misskredit gebracht wird‘, so Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. Das zeigt aber auch, wie dringend wir ein Verbraucherinformationsgesetz brauchen. Ich appelliere deshalb an die CDU-geführten Länder auf der Bundesratssitzung am Freitag den vorliegenden Gesetzentwurf nicht abzulehnen, sondern an den Vermittlungsausschuss zu überweisen. Dann haben wir die Chance, den Entwurf noch dahingehend auszuweiten, konsequent von der Wirtschaft Informationen einzuklagen. Gleichzeitig muss das Gesetz aber auch den staatlichen Behörden mehr Rechte zur Information über Verdachtsmomente einräumen.‘

Eine Konsequenz sei für Backhaus auch die stärkere Konzentrierung auf eine flächengebundene landwirtschaftliche Primärproduktion.

Links zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

DVT fordert schnelle Aufklärung im Nitrofen-Skandal

Themen: Archiv — info @ 15:05

Bonn (agrar.de) – Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) hat heute in Bonn im Zusammenhang mit den Nitrofenfunden im Ökogetreide zur Besonnenheit gemahnt und gleichzeitig rasche Aufklärung gefordert. Als ‚Trauerspiel‘ bezeichnete der Präsident des DVT die aus seiner Sicht teilweise vorschnellen, gegenseitigen Schuldzuweisungen.

Vorrangiges Ziel, so Niemann, müsse es sein, herauszufinden, wie die Eintragung von Nitrofen in den Ökoweizen erfolgt sei. Solange nicht feststehe, ob es sich um kriminelle Machenschaften einzelner Erzeuger handele oder die Belastung aus Altlasten im Boden oder durch Importe von Weizen aus Drittländern, in denen Nitrofen noch zugelassen sei, herrühre, werde er sich nicht an Spekulationen beteiligen. Wichtig sei für ihn auch, zu verfolgen, wo der Ökoweizen wirklich hingegangen sei.

Da Ökogetreide die Grundlage zur Herstellung von Öko-Mischfutter ist, hat der DVT seine Mitglieder noch am vergangenen Freitag, unmittelbar nach bekannt werden des Falles, informiert. Zwar handele es sich nur um ein ‚Nischensegment‘ und der konventionelle Bereich scheine nach derzeitigem Kenntnisstand nicht betroffen, erklärte der DVT-Präsident, im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes habe der DVT aber allen Mitgliedsfirmen empfohlen, umfassende Untersuchungen durchführen zu lassen.

Eine routinemäßige Untersuchung auf Nitrofen erfolge nicht, da der Einsatz dieses Pflanzenschutzmittels in Deutschland bundesweit seit mehr als zehn Jahren verboten sei. Im Ökolandbau sei der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel generell untersagt. ‚Wir müssen uns beim Bezug von Futterkomponenten auch darauf verlassen können, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten werden und die Qualitätszusicherungen unserer Zulieferer stimmen, zumal wenn diese mit Prüfzertifikaten belegt werden‘, sagte Niemann. Für ihn zeige der Fall, wie wichtig funktionierende, kettenübergreifende Qualitätssicherungs- und Kontrollsysteme seien.

‚Wir werden nie ganz ausschließen können, dass unerwünschte Stoffe in unseren Lebensmittelkreislauf gelangen. Aber wir können viel dafür tun, Systeme zu schaffen, die eine schnelle Aufdeckung von Problemen und Ursachen garantieren. Dazu gehören natürlich auch funktionierende Informationssysteme und eine sachgerechte Politik, die endlich aufhört, ’schwarz-weiss‘ zu malen‘.

Links zum Thema Verbände.

Mecklenburg-Vorpommern: 3. Forstbericht und Waldentwicklungsprogramm veröffentlicht

Themen: Statistik,Wald,Waldbericht — info @ 14:05

Zertifizierung des Landeswaldes beschlossen

Schwerin (agrar.de) – Mit dem 3. Forstbericht und dem Gutachtlichen Waldentwicklungsprogramm hat die Landesregierung eine forstliche Bilanz gezogen und zugleich Perspektiven zum Wald in Mecklenburg-Vorpommern und seinen vielfältigen Nutzungen aufgezeigt.

Während über den Zustand des Waldes jährlich berichtet wird, gibt der 3. Forstbericht zu den letzten fünf Jahren (1997 bis 2001)Auskunft über die Entwicklung von Wald und Forstwirtschaft.

‚In den vergangenen drei Jahren war das Forstkonzept 2000 das Kernstück unserer Bestrebungen. Mit der darauf basierenden Strukturreform zum Juli letzten Jahres wurde die Landesforstverwaltung auf den Weg zu mehr Dienstleistung und Effizienz gebracht. Mit der Langfristigkeit des Konzeptes haben die Forstleute erstmals verlässliche Rahmenbedingungen,‘ betonte Minister Dr. Backhaus im Rückblick auf 10 Jahre Landesforstverwaltung.

Das Gutachtliche Waldentwicklungsprogramm beleuchte die Schwerpunkte in forstpolitischer, ökologischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Im Mittelpunkt des Gutachtens steht die Waldmehrung. Die Forstleute haben auf naturwissenschaftlicher Grundlage eine detaillierte Waldmehrungsplanung erarbeitet. Diese Planung ist für alle Landesteile mit Waldmehrungskarten untersetzt und soll bei der Entwicklung der Landschaften als Beratungshilfe dienen.

‚Weil Wälder so wichtig sind, verfolgt die Landesregierung ein ehrgeiziges Aufforstungsprogramm. Inzwischen bedeckt der Wald wieder mehr als ein Fünftel der Landesfläche (rund 22 Prozent). In den letzten fünf Jahren entstanden immerhin 2.500 Hektar neue Wälder. Damit nehmen wir in Deutschland den Spitzenplatz ein!‘ , bilanzierte Backhaus. ‚Das Waldentwicklungsprogramm zeigt, dass dieser Weg fortgesetzt werden muss. Den Leitzahlen liegt der Gedanke zu Grunde, dass der Wald das wichtigste Rückgrat des Naturhaushaltes darstellt. Insbesondere die vielfältigen naturräumlichen Aspekten sind in diese Planung eingeflossen‘, versicherte der Minister.

Mit dem 3. Forstbericht legt Minister Backhaus zugleich seine Entscheidung zur Zertifizierung des landeseigenen Waldes vor. Es ging im Vorfeld vor allem darum auszuloten, welche Chancen und wirtschaftlichen Konsequenzen eine Waldzertifizierung für das Land hat. So wurden u. a. die Modellversuche anderer Länder geprüft und mehrere Diskussionen mit Experten geführt.

Eine Kernfrage war letztlich die Wahl zwischen den anerkannten Zertifizierungssystemen PEFC und %url3%FSC%/%. Die Landesregierung hat auf Vorschlag von Minister Backhaus folgendes Vorgehen beschlossen:

1. Die Erarbeitung eines Regionalen Waldberichtes für Mecklenburg-Vorpommern. Damit wird für die vom Waldbesitzerverband favorisierte Zertifizierung nach PEFC der Weg geöffnet (50.000 Besitzer).

2. Die Zertifizierung der Forstämter Radelübbe und Rügen, sowie der Nationalparke Vorpommersche Boddenlandschaft, Jasmund und Müritz nach FSC. Damit sind die landeseigenen Wälder der Biosphärenreservate und Nationalparke FSC-zertifiziert. Hier wird mit den übrigen Waldbesitzern eine Gruppenzertifizierung angestrebt.

3. Die Zertifizierung des Landeswaldes in den übrigen Forstämtern nach PEFC.

4. Nach 4 Jahren wird eine Prüfung der Gesamtzertifizierung durchgeführt, deren Ergebnis im 4. Forstbericht dargestellt wird. Danach findet ggf. eine Anpassung der Zertifizierung – unter Berücksichtigung der betrieblichen Auswirkung, der Anforderungen des Holzmarktes und der Akzeptanz im Privat- und Körperschaftswald – statt.

Zertifiziert wird nicht primär das Holz, sondern vielmehr die Art und Weise der Nutzung des Waldes. Das Gütesiegel wird üblicherweise vor allem auf dem Holz und den Holzprodukten verwendet. Das Interesse liegt jedoch eindeutig bei der Produktion des Waldholzes.

Vereinfacht geht es bei den ‚grünen Zahlen‘ aus dem Wald um den unabhängig erbrachten Nachweis zu Fragen wie:

– Wieviel Holz wird genutzt? – Ist diese Menge nachhaltig nutzbar? – Welche Waldbau-Verfahren werden benutzt? – Wie steht es mit dem Waldschutz? – In welchem Umfang gibt es Naturschutzflächen, Prozessschutz?

Analog zum Konzept Naturnahe Forstwirtschaft der Landesforstverwaltung sollte auch die Zertifizierung kein Alleingang des Landes sein. Bei der grundsätzlichen Entscheidung für PEFC wurden deshalb besonders die Waldbesitzverhältnisse in Mecklenburg-Vorpommern berücksichtigt. Nach Abschluss der Privatisierung des Treuhandwaldes wird es im Land etwa 186.000 Hektar Privatwald geben. Derzeit gibt es mehr als 50.000 Waldbesitzer im Land. Für PEFC sprach vor allem der vorteilhafte regionale Ansatz auf Basis eines so genannten Waldberichtes.

‚Mit der Zertifizierung nach PEFC – und FSC in den genannten Großschutzgebieten – haben wir die speziellen Bedingungen im Land berücksichtig und in Verantwortung für den Gesamtwald dieses Marketingprojekt Wald-Forst-Holz beschlossen. Langfristig sollen die Gütesiegel dazu beitragen, dass die Nutzungspotenziale aller Waldbesitzarten in der Waagschale der Wirtschaft des ländlichen Raumes an Gewicht gewinnen,‘ so Minister Backhaus.

Die Zertifizierung steht auch im Zusammenhang mit der Öffentlichkeit, mit den Verbrauchern.

‚Das Ausblenden von natürlichen Abläufen und Zusammenhängen im Bewusstsein führt nicht selten in eine ablehnenden Haltung gegenüber einer sinnvollen Nutzung der Natur. Die Diskussion um die Buchenwälder hat gezeigt, dass versucht wird, den längst überholten Spruch: ‚Baum ab, Nein Danke!‘ wieder zu beleben und zu instrumentalisieren.

Auch mit einem Wald-Gütesiegel wollen wir hier für noch mehr Transparenz und Vertrauen sorgen‘; begründete der Minister Backhaus seine Entscheidung.

Links zum Thema %url4%Wald und Forst%/%, Links zum Bundesland %url5%Mecklenburg-Vorpommern%/%.

PM der in Berlin-Brandenburg vertretenen Anbauverbände

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 14:05

Wilmersdorf (agrar.de) – Zur aktuellen Entwicklung der Nitrofen-Aufklärung erklärt Stefan Palme, agrarpolitischer Sprecher der in Berlin-Brandenburg vertretenen Anbauverbände Bioland, Biopark, Demeter, Gäa und Naturland:

Von Herrn Schade, Pressesprecher beim Landwirtschaftsministerium in Potsdam, wurde soeben folgendes mitgeteilt:

Der als Verursacher für die Nitrofenbelastung verdächtigte Landwirtschaftsbetrieb in Stegelitz (Uckermark) kann nicht endgültig entlastet werden, da ein privates sowie ein staatliches Untersuchungslabor die Zusammenarbeit mit dem Ministerium in Potsdam verweigern.

Die beiden Labors verfügen über Proben folgender Herkunft:

1. eine Probe des belasteten Futtermittels vom 19.03.02, das von dem Futtermittelhersteller GS Agri (Kreis Cloppenburg) an die Öko-Bauern verkauft wurde und von einem Geflügelbetrieb in Vechta im Rahmen der Eigenkontrolle an das private Untersuchungslobor Specht (Hamburg) in Auftrag gegeben wurde. Diese Probe wies einen deutlich überhöhten Nitrofengehalt von 5,2 mg/kg auf.

2. eine Probe, die von der restlichen Charge bei der AEVG Stegelitz am 02.04.02 im Auftrag der Norddeutschen Saat- und Pflanzgut AG von einem staatlich vereidigten Sachverständigen gezogen und von der LUFA Rostock analysiert wurde. Laut telefonischer Auskunft der LUFA war diese Probe negativ.

Das Ministerium in Potsdam will nun Getreideproben dieser beiden Labors zusammen mit einer eigenen Probe, die gestern auf dem Betrieb in Stegelitz gezogen wurde im Rahmen einer genetischen Analyse vergleichen, um festzustellen, ob es sich bei den drei Proben um das gleiche Getreide handelt.

Sowohl das Labor Specht in Hamburg, als auch die staatliche LUFA Rostock sind nicht bereit, dem MLUR mitzuteilen, ob die Proben noch vorhanden sind bzw. sie dem Ministerium in Potsdam zu übergeben!

Obwohl eine umgehende Aufklärung des tatsächlichen Verursachers der Nitrofenverseuchung dringend erforderlich ist, verhindern diese beiden Labors die Arbeit der Untersuchungsbehörden. Dies schadet sowohl dem Betrieb in Stegelitz, als auch der gesamten ökologischen Landwirtschaft.

Wie sich jetzt herausstellt, wurde der Hinweis, wonach der Betrieb in Stegelitz der Verursacher der Nitrofenverseuchung sei, von dem damaligen Aufkäufer der Ware, der Norddeutschen Saat- und Pflanzgut AG (NSP) an die Kontrollstellen gegeben. Dies geschah, obwohl die NSP bis zum heutigen Tage keinen Nachweis für diese Beschuldigung erbracht hat.

Soll hier ein Landwirtschaftsbetrieb als Bauernopfer herhalten um ein grosses Agrarunternehmen zu schützen?‘

Information: Stefan Palme (agrarpolitischer Sprecher der ökologischen Anbauverbände Brandenburg), c/o Gut Wilmersdorf GbR, Hauptstraße 23, 16278 Wilmersdorf, Tel.: 033334-7514, Fax: 033334-7515, E-Mail.

Links zum Thema Bio-Landbau, Links zum Thema %url4%Bio-Verbände%/%.

Forschung für ökologischen Landbau wird verstärkt

Themen: Archiv — info @ 13:05

BBA bekommt Mittel für 20 neue Forschungsprojekte

Braunschweig (agrar.de) – Mit 20 neuen Forschungsprojekten der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) soll der Pflanzenschutz im ökologischen Landbau gefördert werden. Das Bundesverbraucherschutzministerium finanziert die Forschung, um den Ökolandbau zu unterstützen. Außer der BBA haben auch andere Institute Fördermittel bekommen, die sich für den Zeitraum 2002 bis 2003 auf eine Gesamthöhe von 35 Millionen Euro belaufen.

Die Biologische Bundesanstalt hat bereits in den vergangenen Jahren Pflanzenschutzthemen zum ökologischen Landbau bearbeitet. Eines der Ergebnisse war, dass Kartoffelfelder im Frühjahr vor Blattläusen geschützt werden können, wenn zwischen den Pflanzreihen Stroh ausgelegt wird. Blattläuse orientieren sich beim Anfliegen auf Nahrungspflanzen anhand der Farbgebung im Feld. Das trockene Stroh signalisiert ihnen, dass hier keine saftigen Kartoffelpflanzen zu finden sind, sie fliegen daher weiter. Im Kohlanbau fördert ein Blumenstreifen nützliche Insekten, vor allem Schwebfliegen, deren Larven Blattläuse auffressen.

Da die Biologische Bundesanstalt bereits seit 103 Jahren besteht und bis vor 50 oder 60 Jahren jeder Landwirt ökologischen Landbau betrieb, verfügt die BBA über viel Wissen, auch aus Zeiten ohne Pflanzenschutzmittel. Dazu Dr. Stefan Kühne, der Spezialist für Pflanzenschutz im Ökolandbau von der BBA in Kleinmachnow: ‚ Die Aufarbeitung und Zusammenstellung vorhandener Kenntnisse, auch die unserer Großväter ist ein wichtiges Anliegen.‘

Die BBA hat in Darmstadt ein Institut für biologischen Pflanzenschutz, deren Forschungsergebnisse vielfach vom ökologischen Landbau verwendet werden. So ist die Bekämpfung des Hauptschädlings im Apfelanbau, dem Wurm im Apfel, mit einem Verfahren möglich, bei dem eine Viruskrankheit, das Apfelwicklergranulosevirus, und ein Sexuallockstoff eingesetzt werden.

Die Apfelsägewespe ist ein Schädling, der im ökologischen Landbau verstärkt auftritt, aber auch in herkömmlich bearbeiteten Obstanlagen, wenn hier Virus- und Lockstoffe eingesetzt werden. Sie kann mit einem Naturstoff bekämpft werden, der aus dem Holz des Quassiabaums gewonnen wird, auch bekannt als Bitterholz, das bei der Herstellung von Magenlikören und anderen bitteren Lebensmitteln eingesetzt wird. Dabei sind übrigens 50 ml Quassiaextrakt pro Liter Magenbitter erlaubt.

Die BBA bietet im Internet seit zwei Jahren eine Liste der Stoffe an, aus denen die Landwirte Mittel gegen Schädlinge und Krankheiten an Pflanzen zubereiten dürfen. Quassia ist dort aufgelistet sowie Schwefelkalk und andere Naturstoffe. Der ökologische Landbau verwendet als Pflanzenschutzmittel fast ausschließlich Präparate auf naturstofflicher Basis. Einige dieser Stoffe sind aber auch aus Umweltgründen durchaus problematisch. Kupfer ist ein gegen Pilzkrankheiten häufig eingesetztes Mittel, das aber toxisch auf Regenwürmer wirkt. Die Ökolandbauverbände schreiben daher vor, dass Kupfer nur mit geringen Aufwandmengen eingesetzt werden darf.

Dadurch kann es allerdings zu Problemen bei der Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule im ökologischen Kartoffelanbau kommen. Diese Krankheit führt dazu, dass nur jedes zweite Jahr überhaupt ein guter Ertrag eingefahren wird. Hier ist der Anbau widerstandsfähiger Sorten besonders wichtig. Leider sind diese Sorten nicht immer hundertprozentig resistent gegen die Krankheit, so dass trotzdem Kupfer eingesetzt werden muss. Eines der neuen Forschungsprojekte der BBA wird sich daher dieses Problems annehmen. Insgesamt darf der Ökobauer auf 95 zugelassene Pflanzenschutzmittel zurückgreifen.

Schwierig ist auch die Wissensvermittlung an den Ökobauern. In den nächsten ein bis zwei Jahren soll daher alles Wissenswerte über ein Internetportal bei der Zentralstelle für Agrardokumentation und Information (ZADI angeboten werden. Hier sollen sämtliche Bereiche des ökologischen Landbaus erfasst werden. Die Biologische Bundesanstalt wird dabei den Pflanzenschutz bearbeiten.

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DNR: Giftskandal beim Ökolandbau unterstreicht Notwendigkeit einer chemiefreien Agrarpolitik

Themen: Archiv — info @ 13:05

Bonn (agrar.de) – Die Verseuchung von Öko-Weizen mit dem seit Jahren in der EU verbotenen Pflanzenschutzmittel Nitrofen zeigt nach Ansicht des Deutschen Naturschutzrings (DNR), wie dringend eine neue chemiefreie Agrarpolitik ist. ‚Wenn jetzt Herr Sonnleitner, der bei der BSE-Krise total versagt hat und sich gegen jede Reform bei der Agrarpolitik stemmt, Bundesministerin Künast wegen dieses Giftskandals angreift, missbraucht er den Vorfall zu unqualifizierter Polemik gegen die Bundesministerin‘, sagte DNR-Präsident Hubert Weinzierl. Der DNR fordert ein strenges Durchgreifen gegen die Verursacher des Giftskandals. Lizenzentzüge und das Verbot der weiteren Berufstätigkeit der betroffenen Betriebsinhaber seien angemessen.

Der Absatz von jährlich 35.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel in Deutschland ist nach Auffassung des DNR viel zu hoch. Die Bundesregierung muss daher dem schwedischen und dänischen Beispiel folgen und durch die Einführung einer Pestizidabgabe den Absatz drastisch reduzieren. In Schweden konnte der Pestizidverbrauch bis 1997 bezogen auf den Durchschnitt der Jahre 1981-1985 um 70 Prozent verringert werden.

DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen rief die Verbraucher auf, Produkte aus dem Ökolandbau und aus der eigenen Region zu kaufen, da es nur dort giftfreie Nahrungsmittel gibt. Lebensmittelimporte aus anderen Ländern weisen nicht nur höhere Transportkosten und damit größere Umweltbelastungen auf, sondern bieten offensichtlich nicht immer die Garantie für rückstandsfreie Nahrungsmittel, betonte der DNR.

Information: Deutscher Naturschutzring (DNR), Am Michaelshof 8-10, 53177 Bonn, Tel.: 0228-359005, Fax: 0228-359096, E-Mail.

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Sachsen: Umweltpreis 2002 ausgeschrieben

Themen: Archiv — info @ 13:05

Gesucht werden Projekte, die biologische Vielfalt Sachsens erhalten

Dresden (agrar.de) – Das sächsische Umwelt- und Landwirtschaftsministerium hat den Startschuss für den diesjährigen Umweltpreis gegeben. Gesucht werden Projekte, die einen besonderen Beitrag zum Arten- und Biotopschutz und damit zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Sachsen leisten.

Der Umweltpreis ist mit insgesamt 12.000 Euro dotiert. Bewerben können sich Unternehmen aus der Land-, Forst- und Fischereiewirtschaft sowie Vereine, Verbände und Organisationen. Einsendeschluss ist der 15. September diesen Jahres. Die vorgestellten Aktivitäten zum Arten- oder Biotopschutz dürfen bisher noch nicht mit ähnlichen Auszeichnungen bedacht worden sein. Die Teilnahmebedingungen sowie das Teilnahmeformular sind im Sächsischen Amtsblatt vom 16.Mai 2002 veröffentlicht. Sie können auch online abgerufen werden.

Die Bewerbungsunterlagen, zu denen eine ausführliche Beschreibung mit Foto sowie eine Darstellung der Auswirkungen gehören müssen, können per Post (Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Referat 61, Wilhelm-Buck-Str.2, 01097 Dresden) oder per E-Mail eingereicht werden.

Links zum Thema Umweltpreise, Links zum Bundesland %url5%Sachsen%/%.

Niedersachsen: Nitrofen insgesamt 31 mal nachgewiesen

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 12:05

Hannover (agrar.de) – Der Futtermittelhersteller GS-Agri hat im Zeitraum November 2001 bis Mai 2002 bei Eigenkontrollen insgesamt 31 mal Nitrofen nachgewiesen bekommen, teilte heute der niedersächsische Landwirtschaftsminister Uwe Bartels mit.

Bei den positiv beprobten Gesamtmengen handelt es sich um rund 302 t Ökoweizen (einschl. der bereits bekannten 105 t aus Brandenburg) sowie um rund 248 t Triticale. Als Rohstofflieferanten werden neben dem ‚Absender Brandenburg‘ ein Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern, ein Betrieb aus Ritze in Sachsen-Anhalt sowie ein Betrieb aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg genannt. Aufgrund dieser durch GS-Agri erfolgten Informationen sind pflanzenschutzrechtliche Kontrollen der beiden niedersächsischen Betriebe eingeleitet worden. Mecklenburg-Vorpommern wurde über diese neuen Erkenntnisse informiert.

Drei Ergebnisse der Laboruntersuchungen im Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) von am 24. Mai bei der GS Agri beprobtem Putenmastfutter liegen vor, in den Proben konnte kein Nitrofen nachgewiesen werden. Aufgefallen ist bei den ersten Kontrollen der GS Agri-Unterlagen, dass über etliche Partien Weizen sowie Triticale zwar der Mengen-Eingang registriert wurde, nicht aber der Absender bzw. der Produzent.

Zu den mit Futtermitteln belieferten Betrieben teilt Bartels mit, dass es sich hierbei in Niedersachsen um 93 Bio-Betriebe handelt, davon 63 im Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung Hannover, um 23 im Bereich Weser-Ems und um 7 im Bereich Lüneburg. Über die in andere Bundesländer erfolgten Lieferungen wurden die jeweilig zuständigen Stellen informiert.

In bezug auf die Fortsetzung intensiver Prüfungen kündigte Bartels auch Analysegespräche mit GS Agri sowie mit privaten Ökokontrollstellen, wie z. B. dem Institut für Marktökologie (IMO) in Konstanz und mit Verantwortlichen von %url4%Naturland%/% an.

Links zum Thema %url5%Bio-Landbau%/%

WWF und Verbraucher-Zentrale NRW warnen vor hormonell wirksamen Pestiziden und Bioziden

Themen: Archiv — info @ 12:05

Berlin (agrar.de) – Tausende Tonnen Pestizide und Biozide werden in Deutschland jährlich auf Feldern, in Gärten oder Wohnräumen eingesetzt, um Menschen, Pflanzen, Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände vor Schädlingen zu schützen. Doch viele Stoffe sind hochgiftig, beeinträchtigen den Hormonhaushalt und können dadurch die menschliche Gesundheit und die Umwelt schädigen. Säuglinge und Kleinkinder sind besonders betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die der WWF und die Verbraucher-Zentrale NRW vorgestellt haben. Die Studie beruht auf aktuellen Daten der Europäischen Kommission und des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BGVV).

Stoffe wie Vinclozolin, Diuron, Lindan oder Pyrethroide werden gezielt versprüht, vergossen oder ausgelegt. Die Gifte verbleiben auf gespritzten Lebensmitteln, behandelten Gegenständen und in der Luft und werden vom Menschen über die Nahrung, Atemluft und Hautkontakt aufgenommen. Der WWF und die Verbraucher-Zentrale NRW fordern deshalb Verbraucherschutzministerin Renate Künast auf, hormonell wirksame Pestizide und Biozide zu verbieten und sich in der Agrarpolitik verstärkt für einen Rückgang des Pestizideinsatzes stark zu machen. Industrie und Handel müssen dringend hormonell wirksame Stoffe durch ungefährliche Alternativen ersetzen.

‚Es ist unverantwortlich, dass Menschen nicht vor der Belastung mit hormonell wirksamen Bioziden und Pestiziden geschützt werden. Unsere Studie nennt deutliche Hinweise, dass die Abnahme der Fruchtbarkeit und die Zunahme von Brust- und Hodenkrebs auf die Belastung mit diesen Stoffen zurückzuführen ist‘, kritisierte Patricia Cameron vom WWF.

In Deutschland werden jährlich rund 30.000 Tonnen Pestizidwirkstoffe verkauft und hauptsächlich von Landwirten auf Feldern ausgebracht. Darunter sind giftige Stoffe wie das Vinclozolin, von denen laut EU-Kommission häufig Rückstände auf Erdbeeren, Johannisbeeren, Kirschen, Salat, Spargel oder Tomaten gefunden werden. Tierversuche haben gezeigt, dass dieses Gift die Entwicklung der Fortpflanzungsorgane verhindert und die Spermienproduktion und die Fruchtbarkeit vermindert.

Aber auch Privatpersonen greifen oft nach der chemischen Keule, um ihren Traumgarten zu verwirklichen oder Schädlinge aus ihrer Wohnung zu vertreiben. So wurden im Jahr 2000 in deutschen Gärten 470 Tonnen Pestizidwirkstoffe gegen Blattläuse, Schnecken oder Unkraut verteilt. Besonders problematisch ist Diuron, das von Hobby-Gärtnern oft gegen Unkraut auf Terrassen und Wegen verteilt wird. Von hier gelangt Diuron, das auch von der EU-Kommission und dem Umweltbundesamt als hormonell wirksam bewertet wird, ins Grundwasser und belastet europaweit das Trinkwasser.

In mehr als der Hälfte aller deutschen Haushalte werden Gifte gegen Fliegen, Kakerlaken und andere Schädlinge eingesetzt. Immer noch wird Holz im Wohnraum behandelt. Wollteppichböden sind meist gegen Motten- und Käferfraß ausgerüstet. Dabei werden häufig synthetische Pyrethroide eingesetzt, die als Nervengift wirken und in den Hormonhaushalt eingreifen können. Besonders problematisch ist auch Lindan, das als Pestizid nicht mehr zugelassen wird, aber als Biozid z.B. in Shampoos gegen Kopfläuse verwendet wird, obwohl es sehr giftig und hormonell wirksam ist.

‚Verbraucher können auch sehr gut ohne chemische Mittel in Haus und Garten auskommen‘, so Chemiker Joachim Dullin von der Verbraucher-Zentrale NRW und nennt Beispiele: ‚Hacken, Ausstechen oder Abflammen sind giftfreie Methoden gegen Unkraut. Holzschutzmittel sind im Wohnraum überflüssig. Wollteppiche sind auch ohne Mottenschutzausrüstung erhältlich. Gegen Kopfläuse gibt es Shampoos mit unbedenklicheren Stoffen wie Neem oder Pyrethrum. Wer sich gesund ernähren will, sollte ökologisch angebautes Obst und Gemüse kaufen, das ohne Einsatz von Pestiziden angebaut wird.‘

Zusätzliche Tipps und Informationen liefert ein gemeinsames Faltblatt, das beim WWF und Verbraucher-Zentralen kostenlos erhältlich ist.

Links zum Thema %url4%Pflanzenschutz%/%.

Nitrofen: Ergebnisse von Getreideproben entlasten Brandenburger Ökobetrieb

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 11:05

Krisensitzung der Öko-Verbände

Potsdam (agrar.de) – In zwei Proben aus einem Brandenburger Ökobetrieb, der in Verdacht stand, Nitrofen-kontaminierten Futterweizen ausgeliefert zu haben, wurde von den Laboren in Rostock und in Frankfurt/Oder kein Nitrofen nachgewiesen.

Am 2. April ist durch einen zertifizierten Prüfer der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt Rostock (LUFA) in dem brandenburgischen Betrieb ohne Wissen des brandenburgischen Agrar- und Umweltministeriums, aber im Auftrag eines Händlers eine 500-Gramm-Probe aus verbliebenen Resten der Vorjahresernte zusammengestellt worden. Hierzu stellt das Labor fest, dass in der vorliegenden Probe keine außergewöhnliche Nitrofen-Kontamination festgestellt werden konnte. Eine zweite Probe wurde gestern unter amtlicher Aufsicht in Stegelitz aus Resten der Weizenernte 2001 gewonnen. Diese Probe ist heute vom Landesamt für Verbraucherschutz und Landwirtschaft Frankfurt/Oder ausgewertet worden und weist ebenfalls keine Nitrofenbelastung auf.

Der Betrieb war zuvor bei 2 Kontrollen durch die zuständige Kontrollstelle unangemeldet untersucht worden. Auch hierbei ergaben sich keine Hinweise auf Nitrofen. Damit kommt dieser Betrieb aus Sicht des Ministeriums als Quelle der Nitrofen-Verunreinigungen in Niedersachsen nicht mehr in Betracht.

Das Ministerium wies die Darstellung einer niedersächsischen Zeitung zurück, es hab vor dem 24. Mai von der umfangreichen Vorgeschichte im Zusammenhang mit Nitrofen erfahren. Insbesondere die Angabe, die Brandenburger Kontrollstelle %url4%Agro-Öko-Consult Berlin GmbH%/% habe Futtermittel der niedersächsischen Firm %url5%GS Agri%/% untersucht, sei falsch.

Vielmehr sei die Kontrollstelle ohne genaue Kenntnis der Sachlage einem Hinweis der %url6%Gesellschaft für Ressourcenschutz Göttingen%/% nachgegangen und habe in einem von dieser Gesellschaft benannten Betrieb am 3. April eine unangemeldete Kontrolle vorgenommen. Das Ergebnis in Brandenburg war negativ. Dies wurde dem Ministerium am 10./11. April auch mitgeteilt. Die bereits laufenden Rückrufaktionen und Produktionsstopps in Niedersachsen waren dem Ministerium zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben nicht bekannt.

Auch in Bayern ist ein Fall von mit Nitrofen belastetem Fleisch bekannt geworden. Anfang April wurde in mehreren Läden der Tagwerk-Genossenschaft (Dorfen) für einige Tage verseuchte Putenwurst verkauft. Das Fleisch sei nach ersten Hinweisen auf eine mögliche Verunreinigung am 8. April sofort aus dem Verkehr gezogen worden. Zwei Tage später habe man die für die Genossenschaft zuständige Öko-Kontrollstelle %url8%Biozert%/% in Augsburg informiert.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Oldenburg wurden am vergangenen Freitag bei einem Geflügel-Produzenten im Landkreis Cloppenburg 230 Tonnen nitrofen-belastetes Bio-Fleisch beschlagnahmt. Es sollte nach den Erkenntnissen der Behörden nach Russland exportiert werden. Bei einer richterlichen Durchsuchung der Firma habe man umfangreiche Unterlagen sicher gestellt, darunter auch Aktenordner mit der Aufschrift ‚Nitrofen‘.

Zum Nitrofen-Skandal findet heute in Berlin ein Krisentreffen von Vertretern des Verbraucherministeriums und von Öko-Landbauverbänden statt. Dabei soll unter anderem darüber beraten werden, wie ein massiver Vertrauensverlust der Verbraucher in Bio-Produkte verhindert werden kann.

Als erste Konsequenz aus dem Skandal um den mit Nitrofen verunreinigten Futterweizen, will Verbraucherministerin Renate Künast die Meldepflicht der Bundesinstitute verschärfen. Künast sagte in einem Interview des %url8%Heute-Journal%/% des ZDF, es sei problematisch, wenn Bundesinstitute bei Auftragsarbeiten für Dritte Kenntnis von möglichen Gesundheitsgefährdungen erlangen, diese auf Grund der Vertragsgestaltung jedoch nicht weitermelden. Es solle eine grundsätzliche Meldepflicht eingeführt werden.

Die %url9%Bundesanstalt für Fleischforschung%/% in Kulmbach hatte offenbar bereits im Dezember letzten Jahres Hinweise auf Nitrofenbelastungen erhalten, diese allerdings nicht an die zuständigen Behörden weitergemeldet.

Links zum Thema %url1%Bio-Landbau%/%.

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