31. Mai 2002

Bund und Länder richten Arbeitsgruppen zum Nitrofen-Skandal ein

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 11:05

Berlin (agrar.de) – Um die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern zur Aufklärung des Nitrofenskandals zu intensivieren und das weitere Vorgehen noch enger zu koordinieren, hat sich Bundesverbraucherministerin Renate Künast mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus den Bundesländern auf die Einrichtung von vier Arbeitsgruppen verständigt:

1. Einsetzung einer ‚Task Force Nitrofen in Futter- und Lebensmitteln‘

Auftrag: – Warenströme von Getreide und Futtermittel eindeutig klären. – Betroffene Betriebe eindeutig identifizieren. – Ursache für Kontamination eingrenzen.

Mitglieder der Task Force Nitrofen: Das Bundesverbraucherministerium, die Bundesanstalt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie die Bundesländer Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

2. Einsetzung einer ‚ad hoc-Arbeitsgruppe Öko-Kontrollstellen‘

Auftrag: – Arbeit und Kontrolltätigkeit der beteiligten Öko-Kontrollstellen in Sachen Nitrofen klären – Kurzfristige Schwachstellenanalyse im System Öko-Kontrollstellen; den daraus resultierenden Handlungsauftrag zusammenfassen und der Bundesministerin sowie den Länderministerien berichten.

Mitglieder der ad hoc-AG Öko-Kontrollstellen: Die für den ökologischen Landbau verantwortlichen Fachleute des Bundesverbraucherministeriums sowie aller Bundesländer.

3. Arbeitsgruppe ‚Vollzugs- und Bewertungsfragen‘

Auftrag: – Die Arbeitsgruppe soll möglichst schnell alle Rechtsfragen klären (z.B. Tierschutzgesetz, Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände-Gesetz, Futtermittelgesetz), die im Vollzug dieser Gesetze – bezogen auf den aktuellen Fall – entstehen. Ziel ist der einheitliche Vollzug in den Bundesländern.

Mitglieder der Arbeitsgruppe: Bundesverbraucherministerium und alle Bundesländer.

4. Arbeitsgruppe ‚Gesetzgebung bzgl. Lebensmittel und Futtermittel‘

Auftrag: – Prüfung der Frage, wo kurzfristig rechtlicher Regelungsbedarf besteht sowie Erarbeitung erforderlicher Änderungen im Lebensmittel- (LMBG) und Futtermittelrecht, insbesondere hinsichtlich zu regelnder Meldepflichten.

Mitglieder der Arbeitsgruppe: Bundesverbraucherministerium sowie die Bundesländer Brandenburg, Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Schleswig-Holstein.

Links zum Thema Lebensmittelqualität und -kontrolle.

Mecklenburg-Vorpommern weitet Probennahme vorsorglich aus

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 10:05

Mitarbeit in drei Arbeitsgruppen

Schwerin (agrar.de) – Mecklenburg-Vorpommern ist das erste Land, das die Untersuchungen in den im Zusammenhang mit Nitrofen belasteten Futtermittel gesperrten Betrieben abgeschlossen hat. Alle Ergebnisse, sowohl der Lebensmittel – als auch der Futtermittelproben liegen vor und sind weitestgehend ausgewertet. ‚Damit haben wir einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung dieses Skandals geleistet‘, so Landwirtschaftsminister Backhaus. Dennoch weitet das Land seine Untersuchungen auf Lebensmittel aus, die in Verdacht stehen könnten Nitrofen zu enthalten. Die Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter der Kreise und kreisfreien Städte werden in Abstimmung mit dem Landwirtschaftsministerium heute und in den nächsten Tagen weitere Proben von Eiern, Hennen, Puten, Hähnchen ziehen. Diese Probennahmen finden sowohl in tierhaltenden Betrieben, als auch in Schlachtbetrieben und Eierpackstellen in verschiedenen Landkreisen statt. Dabei handelt es sich sowohl um Bio- als auch um konventionelle Betriebe. Die Proben werden im Landesveterinär- und Lebensmitteluntersuchungsamt Rostock untersucht.

‚Die Ausweitung unserer Kontrollen auf diese Betriebe sind rein vorsorglich‘, betont Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. ‚Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass diese Unternehmen von dem besagten Futtermittellieferanten aus Niedersachsen Futter bezogen haben. In erster Linie wollen wir durch diese Proben den Kreis jener, die von dem Futtermittelskandal betroffen sind, eingrenzen.‘

Zufrieden äußerste sich Landwirtschaftsminister Backhaus auch zu den Ergebnissen des Agrarministertreffens am Donnerstagabend in Berlin. ‚Die Aufklärung der Ursachen dieses Skandals und die Verurteilung der Schuldigen ist die eine Sache. Wichtig ist aber auch, Instrumentarien zu finden, um solche Verfehlungen in Zukunft zu verhindern. Das kann man nur länderübergreifend. Die Einrichtung von Arbeitsgruppen zu spezifischen Fragen halte ich deshalb für sehr wichtig.‘

Mecklenburg-Vorpommern wird in drei der vier eingerichteten Bund-Länder-Arbeitsgruppen mitarbeiten. (unsere Meldung) So in der Task force Nitrofen, die Ursachen und Warenströme sowohl bei Futtermitteln als auch bei Lebensmitteln aufklären soll, in der Arbeitsgruppe Ökokontrollstellen, die Schwachstellen im derzeitigen Kontrollsystem aufdecken soll, sowie in der Arbeitsgruppe Vollzugs- und Bewertungsfragen, die rechtliche Fragen im Zusammenhang mit dem Vollzug der Sperrung von Betrieben, der Tötung der Tiere u.a. Themen bundeseinheitlich klären soll.

Links zum Thema Lebensmittelqualität und -kontrolle, Links zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

ZDS: „Massentierhaltung“ – ein Feindbild?

Themen: Archiv — info @ 10:05

Bonn (agrar.de) – Das Unwort ‚Massentierhaltung‘ kursiert in aller Munde, ohne jemals klar definiert worden zu sein. Es ist eine griffige ‚Adresse‘ für Vorwürfe aller Art und gleichzeitig ein be-liebtes Feindbild für Kritiker der modernen Tierhaltung. Z.B. wirft der BUND der Bundesregierung in seiner jüngsten Kampagne vor, die ‚Massentierhaltung‘ im Rahmen der Agrarwende noch nicht zurückgeschraubt zu haben. Als Begründung wird u.a. auf zahlreiche Bauanträge verwiesen, die bei den Genehmigungsbehörden liegen. Die Alternative sieht der BUND in kleinbäuerlicher, ökologischer Landwirtschaft. Aus Sicht des Zentralverbandes der Deutschen Schweineproduktion (ZDS) handelt es sich allerdings um ein Wunschbild, das nicht der Verbrauchernachfrage entspricht. Nur wenige Besserverdiener können sich die teure Ökoware leisten. Die ‚Masse‘ der Verbraucher kauft preiswerte ‚Klasse‘ im Supermarkt.

Angesichts eines Marktanteils von maximal 2 Prozent für Öko-Schweinefleisch und angesichts eines Importbedarfes von mehr als 15 Prozent ist es realitätsfremd – um nicht zu sagen ignorant – allein auf die ökologische Tierhaltung zu setzen und gleichzeitig geflissentlich zu übersehen, dass die Einfuhren aus Ländern stammen, die ebenfalls ‚massenhaft‘ Schweine halten, und zwar z.T. bis zu 400 Prozent über den eigenen Bedarf hinaus.

In seiner Kritik am mangelnden Erfolg der ‚Agrarwende‘ verweist der BUND u.a. auf zahlreiche Bauanträge für große Ställe. In der Tat bewirkt die aktuelle Agrar- und Umweltpolitik eine Beschleunigung des Strukturwandels in der Landwirtschaft, da kleine Betriebe die geforderten Auflagen nicht finanzieren können. Dafür wären hohe staatliche Subventionen erforderlich. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die Schweinehalter stolz darauf sind einen Markt zu bedienen, der nicht subventioniert wird. Es bleibt also nur der Weg, die Kostenbelastung auf eine größere Tierzahl zu verteilen oder sich der Kritik auszusetzen, Subventionsempfänger zu sein.

Wenn das Feindbild ‚Massentierhaltung‘ (auch ‚Tierfabrik‘) u.a. mit pauschalen Vorwürfen der Tierquälerei, Umweltschädigung und eines hohen Arzneimitteleinsatzes belegt wird, dann übersehen der BUND und andere Kritiker folgendes:

– Tierschutz (das Wohlbefinden der Tiere) ist keine Frage der Bestandsgröße, sondern des Managements und allenfalls des Haltungs-systems; das hat zwischenzeitlich auch BMVEL Staatssekretär Berninger erkannt.

– Die Spezialisierung in der Landwirtschaft ist wie in anderen Wirtschaftsbereichen mit einer Spezialisierung und Qualifizierung der Arbeitskräfte und des Betriebsleiters ver-bunden – zum Wohle der Tiere.

– Bauanträge werden nur unter Einhaltung gesetzlicher Vorgaben bewilligt. Es erscheint widersinnig, Neu- und Umbaumaßnahmen zu kritisieren, die zur Ablösung alter Ställe führen, deren Standard u.U. nicht mehr den heutigen Ansprüchen an den Tier- und Umweltschutz entspricht.

– Es stimmt, dass Gülle das Grundwasser belastet, allerdings nur, wenn sie im Übermaß ausgebracht wird. Das wäre eine Vergeudung wertvoller Ressourcen. Hieran ist kein qualifizierter Landwirt interessiert und dem steht die Düngemittelanwendungsverordnung entgegen, die Einzelheiten einer bedarfsgerechten Ausbringung von Wirtschaftsdüngern regelt.

– Es stimmt, dass giftige Emissionen die Umwelt schädigen; das gilt für alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche, auch für die ökologische Tierhaltung. Stallbauten werden deswegen nur genehmigt, wenn zur Emissionsminderung die ‚Beste verfügbare Technik‘ genutzt wird. Das spricht für die Modernisierung der Tierhaltung, also für Neu- oder Ersatzinvestitionen.

Vor dem Hintergrund der skizzierten Fakten appelliert der ZDS an alle Verantwortlichen, die propagierte Agrarwende nicht zu ideologisieren und insbesondere nicht gegen, sondern mit den Landwirten zu gestalten; nur so könne sie zum Erfolg geführt werden. Der ZDS ist bereit, hieran konstruktiv mitzuwirken.

Information: Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion e.V. (ZDS), Adenauerallee 174, 53113 Bonn, Tel.: 0228-91447-42, Fax: 0228-91447-45, E-Mail.

Links zum Thema Verbände.

Nitrofen-Skandal: Bartels hat sofortiges „Misch- und Auslieferungsverbot“ verfügt

Themen: Archiv — info @ 09:05

Hannover (agrar.de) – Aufgrund aktueller Nitrofen-Nachweise in Öko-Futtermischungen der Firma GS Agri hat Landwirtschaftsminister Uwe Bartels in bezug auf den Ökobereich des Unternehmens ein ‚Misch- und Auslieferungsverbot‘ per Sofortvollzug verfügt. Die Zustellung in schriftlicher Form geschah heute.

Ebenfalls heute zugestellt wurde der GS Agri eine weitere Verfügung, deren Zielsetzung die Schließung des Unternehmens ist. Grund: Verstöße gegen Sorgfalts- und Meldepflichten. Die Firma hat bis zum 15. Juni Gelegenheit sich dazu zu äußern.

Eine sofortige Schließung des Unternehmens sei ohne Einhaltung des rechtlich vorgeschriebenen Verfahrens nicht möglich, betonte Bartels. Darum seien anders lautende Meldungen, wenn sie heute aus nicht-niedersächsischen Quellen über ‚die Ticker‘ gelaufen seien, falsch.

Zum Thema Milch teilte Bartels mit, dass der mit Öko-Futter von GS Agri belieferte Öko-Milchbetrieb heute freigegeben worden ist. Grund: Von einer Milchbelastung ist nicht auszugehen, wie das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (bgvv) im Auftrage der Bundesregierung übermittelte. Bereits eingeleitete Proben-Untersuchungen werden dennoch vorsorglich durchgeführt.

Links zum Bundesland Niedersachsen.

30. Mai 2002

CSU-Landesgruppe: Von Künasts Verbraucherschutzpolitik ist der Lack ab

Themen: Archiv — info @ 16:05

Berlin (agrar.de) – Anlässlich der Sondersitzung des Agrarausschusses des Deutschen Bundestages zur Verunreinigung von Futterweizen mit Nitrofen erklären die Mitglieder des Verbraucherschutzausschusses, Max Straubinger und Franz Obermeier:

‚Die hochgradige Verunreinigung von Futterweizen mit einem seit langem verbotenen Pflanzenschutzmittel ist für die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher mindestens ebenso gefährlich wie BSE. Da ist der Hinweis zu billig, gegen kriminelle Energie könne man eben nichts machen. Wer wie die Bundesverbraucherschutzministerin die Berliner Schnauze gern sehr voll nimmt, muss sich jetzt fragen lassen, wie viel Autorität eine Ressortchefin besitzt, deren Behörden es zwei Monate lang nicht für nötig befinden, sie über gefährliche Befunde zu informieren.

Mit dem platten Spruch ‚In unsere Kühe kommt nur Wasser, Gras und Getreide‘ ist Frau Künast angetreten, jetzt muss sie feststellen: In unsere Bio-Hühner, -Rinder und -Schweine kommt gelegentlich Nitrofen. Die rot-grüne Bundesregierung hat der großen Mehrheit der deutschen Bauern Unrecht angetan, indem sie sie diffamiert und in der BSE-Krise als Buhmänner hingestellt hat. Es wird höchste Zeit für die Erkenntnis, dass die Bauern, egal ob ‚konventionell‘ oder biologisch wirtschaftend, Opfer und nicht Täter sind – nicht zuletzt Opfer einer bauernfeindlichen Politik von Rot-Grün, die den Einkommens- und Wettbewerbsdruck auf die Landwirtschaft massiv verschärft hat. Für rot-grüne Politiker ist die Landwirtschafts- und Verbraucherschutzpolitik nichts weiter als ein Instrument zur Selbstdarstellung.

Die Ministerin ist jetzt aufgefordert, rasch und restlos aufzuklären, wie die gefährliche Verunreinigung des Futtergetreides zustande gekommen ist. Möglicherweise sind hier grenzüberschreitende Sachverhalte zu klären. Da ist es von Nachteil, dass Ministerin Künast mit Ahnungslosigkeit und frechem Auftreten das internationale Ansehen der deutschen Agrarpolitik bereits auf Null reduziert hat.‘

Links zum Thema Politik.

SÖL und FiBL fordern: Ökolandbau – jetzt erst recht!

Themen: Futtermittel,Nitrofen,Pflanzenschutz — info @ 16:05

Bad Dürkheim/Berlin (agrar.de) – Die Nitrofen-Funde in Ökofuttermitteln zeigen einmal mehr, dass der von Bundesverbraucherministerin Künast eingeschlagene Weg, den Biolandbau auszuweiten und weiter zu entwickeln, richtig ist. Davon sind die Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) sowie das Forschungsinstitut für biologischen Landbau Berlin e.V. (FiBL) überzeugt.

Dr. Uli Zerger, Vorstand der SÖL, erklärt: ‚In Bioprodukten wurden Rückstände eines Pflanzenschutzmittels gefunden, das im konventionellen Landbau bis 1981 zugelassen, im Ökolandbau aber schon immer verboten war. Es ist paradox jetzt zu fordern, dass die Unterstützung des ökologischen Landbaus reduziert werden muss. Im Gegenteil, die Lösung muss vielmehr heißen: Weg von einer Chemie-Landwirtschaft, dies möglichst schnell und flächendeckend. Nur so kann gewährleistet werden, dass künftig keine Pestizide mehr in Lebensmittel gelangen.‘

Anlässlich der Debatte um die Sicherheit von Bioprodukten, die derzeit in der Öffentlichkeit geführt wird, haben SÖL und FiBL ein gemeinsames Hintergrundpapier erarbeitet. Darin wird ausführlich über Nitrofen und über das Kontrollverfahren im ökologischen Landbau informiert. Darüber hinaus werden Aktivitäten aufgeführt, die zu einer weiteren Verbesserung des Ökokontrollsystems in Zukunft beitragen.

In keinem Landbewirtschaftungssystem gibt es so strenge Kontrollen wie im ökologischen Landbau. Zur Optimierung dieses Systems wurden bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen: Die EU-Öko-Verordnung 2092/91 wurde in den vergangenen Jahren immer wieder überarbeitet und verschärft. Seit Anfang diesen Jahres gelten beispielsweise strengere Vorschriften für die Kontrolle der Betriebe und im vergangenen Jahr wurden die Regelungen für den Import von Ökoprodukten überarbeitet. Am 31.05.2002 wird der Bundesrat über ein Ökolandbaugesetz abstimmen, das die Überwachung der Kontrollstellen und den Informationsfluss zwischen Kontrollstellen und –behörden verbessern wird. (unsere Meldung)

‚Das Kontrollsystem im Ökolandbau ist eines der strengsten Kontrollsysteme in der Landwirtschaft‘, so Beate Huber, Geschäftsführerin des FiBL Berlin, ‚und dazu haben insbesondere die Anbauverbände beigetragen, indem sie die strengen Richtlinien für den Ökolandbau entwickelt und sie mit großem Engagement sogar viele Jahre gegen den Widerstand von Politik und Lebensmittelhandel durchgesetzt haben. Und gerade die Verbände haben sich immer für ein effizientes und praxiserprobtes Kontrollsystem eingesetzt.‘

Auch im Ökolandbau können Betrug oder menschliches Versagen letztlich leider nie völlig ausgeschlossen werden. Dass eine gesamte Branche jedoch durch das Fehlverhalten von Einzelpersonen innerhalb kürzester Zeit derart in Misskredit fällt, wie es derzeit der Fall ist, halten SÖL und FiBL nicht für gerechtfertigt. Natürlich müssen Risiken minimiert und das Qualitätssicherungssystem mit den vorhandenen Erfahrungen kontinuierlich verbessert werden. Daran arbeiten die Organisationen und Betriebe im Ökolandbau mit Hochdruck.

Das Dossier von SÖL und FiBL ‚%url1%Nitrofenrückstände in Ökoprodukten%/%‘ kann im Internet heruntergeladen werden.

Information: Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL), Weinstraße Süd 51, D-67089 Bad Dürkheim, Tel.: 06322-98970-0, Fax: 06322-98970-1, %url4%E-Mail%/%; Forschungsinstitut für biologischen Landbau Berlin e.V. (FiBL), Rungestraße 19, D-10179 Berlin, %url6%E-Mail%/%.

Nitrofen: Sabotage nicht ausgeschlossen

Themen: Archiv — info @ 15:05

Bad Dürkheim (agrar.de) – Im Öko-Lebensmittelskandal schließt die Stiftung Ökologie und Landbau (SÖL auch Sabotage als Ursache nicht aus. Grund sei die ‚unwahrscheinlich hohe Konzentration‘, in der das Pflanzenschutzmittel in Öko-Tierfutter entdeckt worden sei, sagte Uli Zerger, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung.

Auch nach Ansicht des Jenaer Lebensmittelchemikers Prof. Bernd Luckas deutet der Skandal auf einen kriminellen Hintergrund. ‚Nitrofen kann nur nach der Ernte in den Öko-Weizen gekommen sein‘, sagte er dem ZDF. Ob das Nitrofen versehentlich oder gezielt in den Weizen gelangt sei, um eine Branche oder Erzeugerkette zu schädigen, müsse dringend geklärt werden. ‚Der Bio-Skandal deutet aber auf einen kriminellen Hintergrund hin‘.

Er gehe davon aus, dass das Getreide von jemanden kontaminiert wurde, der bestens über Verarbeitung und Kontrollmechanismen Bescheid wisse. Nitrofen gilt als krebserzeugend. Die Höhe des ihm bekannten nachgewiesenen Nitrofen-Wertes in der Futtergetreide-Partie von 5,6 Milligramm pro Kilogramm könne nicht über den Boden erreicht werden, sagte Luckas. Biologen und Chemiker schlossen ebenfalls weitgehend aus, dass es sich bei dem aufgetretenen Nitrofen um Boden-Altlasten der DDR-Landwirtschaft handeln könnte. Der Stoff werde durch Lichteinfall und das Pflügen von Böden zerstört, sagte ein Sprecher der Biologischen Bundesanstalt (%url10%BBA%/%).

Nach Angaben des Industrieverbandes Agrar, in dem die deutschen Hersteller von Pflanzenschutzmitteln organisiert sind, ist Nitrofen nur noch in der Bundesrepublik Jugoslawien zugelassen. Von dort aber werde kein Getreide nach Deutschland importiert, sagte der Geschäftsführer des %url6%Vereins der Getreidehändler der Hamburger Börse%/%, Christof Buchholz, der ‚%url5%Berliner Zeitung%/%‘. In Tschechien und Ungarn, woher ein großer Teil des importierten Bio-Getreides stamme, sei Nitrofen dagegen absolut verboten, so Buchholz. Zudem habe man mit den osteuropäischen Lieferanten sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie seien stark auf die Getreideexporte angewiesen und hätten deswegen kein Interesse daran, westeuropäische Standards zu unterlaufen.

Nitrofen-positive Eier und Fleischproben

In Mecklenburg-Vorpommern sind Eier und Fleischproben positive auf Nitrofen getestet worden. Von insgesamt 21 Proben seien sechs getestet worden, alle sechs seien mit bis zum 18-fachen des Grenzwertes für Nitrofen belastet gewesen, sagte Agrarminister Till Backhaus heute in Schwerin. Zwei Betriebe seien betroffen. Mehrere zehntausend Legehennen würden nun getötet, sagte Backhaus.

Nach Recherchen des niedersächsischen %url7%Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten%/% haben nicht nur Geflügel- und Eier-Erzeuger, sondern auch Fleisch und Milch herstellende Ökobetriebe belastetes Futter erhalten. (%url3%unsere Meldung%/%) Anhaltspunkte, dass konventionelle Betriebe betroffen sind, gebe es bislang nicht, erklärte das Ministerium.

Die Lebensmittelunternehmen Karstadt, Edeka, Metro, Tengelmann, Rewe, Wal-Mart und Famila haben vorübergehend den Verkauf von ökologisch erzeugten Eiern und Geflügel ausgesetzt.

Der Skandal beschäftigt heute auch den Bundestages. Auf Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion findet ab 11.30 Uhr eine Sondersitzung des Ausschusses für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft statt. Am Nachmittag berät Ministerin Künast mit ihren Amtskollegen aus den betroffenen Ländern über Konsequenzen aus dem Skandal.

Links zum Thema %url8%Lebensmittelqualität und -kontrolle%/%, Links zum Thema %url9%Bio-Landbau%/%.

PM GS agri

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 14:05

Schneiderkrug (agrar.de) – ‚Nitrofenkontamination ist nicht in unserem Werk erfolgt‘. Dies erklärte heute GS agri-Geschäftsführer Paul Römann zu entsprechenden Verdächtigungen aus dem Bundesministerium für Verbraucherschutz.

‚Nachträgliche Analysen haben ergeben, dass die Nitrofenbelastung bereits in Rückstellproben vorhanden war, die bei Anlieferung von den LKWs gezogen worden sind. Dies heißt, dass sich das Nitrofen bereits bei Anlieferung in den Rohstoffen befand und nicht erst bei GS agri hinzugesetzt worden ist. Der Vorwurf, GS agri habe seinen Produkten Nitrofen beigefügt, ist daher absurd. Die konventionelle Produktion der GS agri, die von dem Bio-Futtermittelwerk zehn Kilometer entfernt ist, war von diesen Anlieferungen von vornherein nicht betroffen.

Ebenso spekulativ und abwegig ist der Vorwurf GS agri habe ‚Altbestände‘ von Nitrofen entsorgen wollen. Dazu Paul Römann: ‚GS agri hat überhaupt keinen Grund, Pflanzenschutzmittel wie Nitrofen vorzuhalten. Nitrofen ist verboten und war uns als Stoff nicht bekannt.‘

Paul Römann weist noch einmal darauf hin: ‚Wir haben nicht gegen futtermittelrechtliche Bestimmungen verstoßen. Alle anders lautenden Behauptungen sind unbegründete Vorverurteilungen. Wir haben ferner sämtliche Bestimmungen des Ökokontrollsystems eingehalten. Dies ist uns bei einer heute von der zuständigen Öko-Kontrollstelle in unserem Hause durchgeführten Prüfung nochmals ausdrücklich bestätigt worden.‘

Paul Römann erinnert schließlich noch einmal daran, dass weder die zuständigen Behörden noch die Kontrollstellen bislang von einer schwerwiegenden Gesundheitsgefahr für Verbraucher ausgegangen sind. Die genannten Stellen haben fast gleichzeitig mit GS agri Kenntnis von der Nitrofenkontamination in Futtermitteln und tierischen Erzeugnissen gehabt und keine Notwendigkeit für eine Information der Öffentlichkeit oder übergeordneter Stellen gesehen.

GS agri geht davon aus, dass die Verursacher dieses Skandals bald entdeckt werden. Sie hat ihre Kontrollen auf ein Höchstmaß erhöht. Soweit menschenmöglich sind damit alle Vorkehrungen getroffen, um sicherzustellen, dass die Futtermittel von GS agri nitrofenfrei sind.‘

Links zum Thema Futtermittelwerke.

Verbraucherzentralen warnen vor Verzehr von Bio-Eiern

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 13:05

Importverbote in Tschechien, Slowakeiund Litauen

Düsseldorf/Stuttgart (agrar.de) – Die Behörden müssten unverzüglich die Produzenten von vergifteten Bio-Eiern nennen, fordern die Verbraucherzentralen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Sie haben die Behörden und Anbauverbände aufgefordert, unverzüglich Betriebe und Produkte zu nennen, die von dem Skandal mit Nitrofen-verseuchtem Futterweizen betroffen sind. Dies sei erforderlich, damit Verbraucher bereits gekaufte Waren zurückgeben können. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass sich keine belastete Ware mehr im Handel befinde. Unternehmen und Behörden hätten die Pflicht, die Öffentlichkeit über Gesundheitsgefahren zu informieren.

Betroffen von dem Skandal seien vor allem Produkte der Firma ‚Wiesengold‘. Der größte deutsche Anbieter von Bio-Eiern habe nach eigenen Angaben inzwischen alle Eier aus dem Handel genommen. Wiesengold-Eier würden unter den Namen ‚Grüne Wiesen Biohöfe‘, ‚Mühlenhof‘, ‚Tegut Bio-Eier‘, ‚Terra Pura‘, ‚Tiemann’s Bio-Ei‘ und ‚Wiesengold‘ angeboten. Vorsorglich hätten auch die Handelsketten Edeka (‚Wertkost‘), Tengelmann (‚Naturkind‘), Rewe (‚Füllhorn‘) und Metro (‚Grünes Land‘) ihre Bio-Eier zurück gerufen.

Den Verbrauchern wird in der Zwischenzeit empfohlen, keine Eier der erwähnten Marken zu verzehren, die vor dem 23. Mai 2002 gekauft wurden. Sie sollten statt dessen gegen Erstattung des Kaufpreises in den Handel zurückgebracht werden. Das gelte auch für Geflügel von ‚Grüne Wiesen Biohöfe‘, das vor April 2002 gekauft wurde und noch in der Kühltruhe lagere.

Die Forderungen der Verbraucherzentralen:

– Behörden und Anbauverbände müssen so schnell wie möglich Klarheit über Anzahl und Art der betroffenen Betriebe schaffen. Es muss sichergestellt sein, dass sich keine belastete Ware mehr im Handel befindet.

– Die Betriebe und ihre Produkte müssen namentlich genannt werden, damit Verbraucher bereits gekaufte Waren zurückgeben können.

– Die Öffentlichkeit muss von den Behörden, den betroffenen Unternehmen und Verbänden unverzüglich über die Höhe der gefundenen Kontaminationen und mögliche Gesundheitsgefahren informiert werden.

Importverbote

In Tschechien und die Slowakei gilt inzwischen ein Importverbot für deutsche Geflügelprodukte. Zuvor hatte bereits Litauen die Einfuhr aller Lebensmittel mit Bestandteilen tierischer Herkunft und den Import von Futtermittel aus der Bundesrepublik verboten.

Links zum Thema Lebensmittelqualität und -kontrolle.

Mecklenburg-Vorpommern: 10 von 21 Lebensmittelproben positiv

Themen: Archiv,Nitrofen — info @ 13:05

Landwirtschaftsminister Backhaus fordert stärkere Kontrollen

Schwerin (agrar.de) – Die Ergebnisse aller 21 Lebensmittelproben und auch der restlichen Futtermittelproben liegen nun vor. Demnach konnte die Sperrung von zwei Betrieben aufgehoben werden. ‚In diesen Unternehmen konnte Nitrofen weder in Eiern und Legehennen noch im Futtermittel nachgewiesen werden‘, erklärt Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus.

Insgesamt waren von den 21 Lebensmittelproben zehn positiv und 11 negativ. Die positiven Ergebnisse beziehen sich sowohl auf Eier und Legehennen als auch auf Hähnchen. Damit ist erwiesen, dass in drei der bislang 5 gesperrten Betriebe nitrofenhaltiges Futter verfüttert worden sein muss. Für diese 3 Unternehmen mit insgesamt 9 Betriebsstätten wurde seitens der Landkreise Sperrverfügungen und ein Handelsverbot erlassen. Das heißt, weder mit den Tieren noch mit den Produkten dieser Tiere darf gehandelt werden. Die Einhaltung der Maßnahmen wird von den zuständigen Behörden streng kontrolliert. Was mit den Tieren geschieht, darüber entscheidet der Tierhalter selbst. Da es sich in diesem Fall nicht wie z.B. bei MKS oder BSE um eine Seuche handelt, kann auch keine Tötungsanordnung auf der Grundlage des Tierseuchengesetzes erfolgen. Insgesamt sind von Sperrung 98.000 Tiere betroffen.

Von den insgesamt 15 Futtermittelproben waren die deutliche Mehrheit – 11 -negativ. Die positiven Werte lagen hier zwischen 0,1 mg/kg und 2,5mg/kg. Dieser Wert würde dem 250 fachen der zulässigen Höchstmenge in Lebensmittel entsprechen und weist auf eine starke Kontamination hin. Die betroffenen Futtermittel sind ebenfalls gesperrt.

Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus wird heute Abend auf der Konferenz mit der Bundesministerin erste Schlussfolgerungen aus diesem Futtermittelskandal ableiten. ‚Zunächst muss dieser Futtermittelskandal lückenlosen aufgeklärt und die Verantwortlichen dingfest gemacht werden. Darüber hinaus muss eine umfassende Schwachstellenanalyse vorgenommen werden. Ich möchte alle mit diesem Futtermittelskandal verbundenen Verordnungen einschließlich der Kontroll- und Informationsverpflichtungen auf den Prüfstand stellen‘, erklärt Landwirtschaftsminister Dr. Backhaus. Darüber hinaus fordert er die Bundesministerin auf, für eine Verschärfung der EU-Öko-Verordnung, einzutreten.

‚Kontrollstellen, die ihrer Hinweispflicht nicht nachgekommen sind, muss man die Zulassung entziehen. Ich habe jedenfalls entsprechende Informationen, dass Öko-Kontrollstellen Hinweise auf Kontamination mit Nitrofen nicht weitergereicht haben, der Staatsanwaltschaft übergeben‘, so Backhaus.

Links zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

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