26. Februar 2002

Grüne Gentechnik – Trecker ohne Bremsen

Themen: Archiv — info @ 16:02

Greenpeace warnt vor Gentechnik auf dem Acker

Berlin (agrar.de) – Brigitte Behrens, Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland, warnt heute in ihrer Rede auf dem Forum ‚Grüne Gentechnik‘ des Deutschen Bauernverbandes (DBV) in Berlin vor den Risiken der Freisetzung genmanipulierter Lebewesen. ‚Auf dem Acker und in Lebensmitteln hat die Gentechnik nichts verloren. Die Landwirte müssen sich entscheiden, ob sie die Partner der Verbraucher sein wollen oder sich zum Spielball der Gen-Industrie machen lassen. Die Sicherheit genmanipulierter Nahrungsmittel lässt sich nicht garantieren, die Ausbreitung der Gen-Saaten nicht kontrollieren. Für den Landwirt ist das wie die Fahrt auf einem Trecker ohne Bremsen, der einen Abhang herunterrast.‘

Die neuesten Erkenntnisse der Grundlagenforschung sprechen nach Ansicht von Greenpeace eindeutig gegen den Einsatz der Gentechnik zur Erzeugung von Lebensmitteln. Entgegen den ursprünglichen Annahmen ist die Wirkung einzelner Gene kaum vorherzusagen, da sie mehrere unterschiedliche Funktionen erfüllen. Aktuelle Studien zeigen, dass die Gen-Pflanzen sich schon jetzt zum Teil völlig unkontrolliert ausbreiten. So wurden beispielsweise in Mexiko, der Ursprungsregion des Maises, Fremdgene in herkömmlichem Mais gefunden, die von genmanipulierten Pflanzen stammen.

‚Wir haben es nicht nur mit unbekannten Gefahren zu tun, sondern auch mit wirtschaftlichen Risiken‘, erklärt Behrens. So will die Industrie ihre Gen-Saaten patentieren lassen. Vom Acker bis zum Teller wollen die Konzerne ihre Gewinne abschöpfen, das Risiko tragen Umwelt, Verbraucher und Landwirte. Die Landwirte in Deutschland können in dieser Situation auf ihre Kollegen in anderen europäischen Ländern bauen. Dort setzen sich die Bauernorganisationen entschieden für gentechnikfreies Saatgut und ein Verbot von Patenten auf Leben ein.‘

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Die Zukunft der Grünen Gentechnik – Ein- oder Ausstieg?

Themen: Archiv — info @ 15:02

Sonnleitner: EU, Bund und Länder müssen für Klarheit sorgen

Berlin (agrar.de) – ‚Einstieg oder Ausstieg‘, so heißt das Thema des Perspektiv-Forums des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zur ‚Zukunft der Grünen Gentechnik‘, das heute und morgen in Berlin stattfindet.

Auf deutschen Feldern werden bislang keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut. Doch weltweit ist die ‚Grüne Gentechnik‘ Realität. Heute werden auf der Erde mehr als 50 Millionen Hektar mit gentechnisch veränderten Pflanzen bebaut. Ihre Produkte gelangen durch Importe auf den europäischen und deutschen Markt. Enzyme und Hefen werden in der Lebensmitteltechnologie mit großem Erfolg eingesetzt. In der deutschen und europäischen Öffentlichkeit wird die ‚Grüne Gentechnik‘, anders als die ‚Rote Gentechnik‘ in der Humanmedizin, strikt abgelehnt. Mit seinem Perspektiv-Forum führt der DBV Kritiker wie Befürworter der ‚Grünen Gentechnik‘ zum Dialog zusammen. Vertreter der Pflanzenzüchtung, der Politik, der Wissenschaft, der Wirtschaft und der landwirtschaftlichen Praxis sowie der Umwelt- und Verbraucherverbände beteiligen sich an diesem Perspektiv-Forum.

‚Die Bevölkerung in Deutschland und Europa ist bisher nicht vom Nutzen der ‚Grünen Gentechnik‘ überzeugt. Jüngste Umfragen zeigen, dass 70 Prozent der befragten EU-Bürger gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnen. Fast 95 Prozent verlangen zwischen gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln und unveränderten Produkten wählen zu können‘, skizzierte DBV-Präsident Gerd Sonnleitner das öffentliche Meinungsbild. Der Bauernverband gehe weder euphorisch, wie manche Saatgutunternehmen, noch kategorisch ablehnend, wie die Umweltorganisationen, an die ‚Grüne Gentechnik‘ heran. Die Chancen, die in dieser Technik steckten, dürften nicht von vornherein durch eine überzogene Risikodiskussion zugeschüttet werden. ‚Wir Bauern müssen die Chancen der Bio- und Gentechnik im Auge behalten, schon aus Wettbewerbsgründen. Aber für uns ist das Verbrauchervertrauen genauso wichtig. Wir erzeugen nur das, was Akzeptanz beim Kunden findet.‘

Ob es bei einer dauerhaften Ablehnung der Bevölkerung bleibt, hänge entscheidend auch von der ‚Grünen Gentechnik‘ selbst ab und ihrer Weiterentwicklung. Es müssten unmittelbar und erkennbare Vorteile für die Verbraucher und Umwelt durch die gentechnische Züchtungsarbeit erreicht werden und nicht nur Nutzen für die Land- und Ernährungswirtschaft, forderte Sonnleitner. Die Möglichkeiten reichten von vitaminreichen Reis- und Getreidesorten bis hin zur besseren Ausnutzung der Stickstoffbindung durch Knöllchenbakterien.

Politische Handlungsfelder zur Auflösung der wenig hilfreichen Stagnation sieht Sonnleitner vor allem in der Gesetzgebung. Die Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln müsse auf europäischer und nationaler Ebene geregelt werden. EU-Kommission und Bundesregierung seien gefordert, unverzüglich gesetzlich zu klären, ob nur diejenigen Produkte zu kennzeichnen sind, die gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten, oder ob der gesamte Produktionsprozess offenzulegen ist, unabhängig davon, ob gentechnisch veränderte Stoffe nachzuweisen sind oder nicht, betonte Sonnleitner auch vor Journalisten. Letzteres sei in der Alltagspraxis nicht umsetzbar.

Die europäische Freisetzungs-Richtlinie für gentechnisch veränderte Pflanzen muss bis zum 17. Oktober national umgesetzt werden. Sonnleitner äußerte Zweifel, ob dies in dieser Legislaturperiode noch möglich ist. Auf jeden Fall müssten von der Bundesregierung entsprechende Vorarbeiten geleistet werden, um dem neu gewählten Bundestag eine Einhaltung des Termins zu ermöglichen. Für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzensorten sei eine klare Regelung durch den Gesetzgeber notwendig, damit es nicht zu streitigen Diskussionen und Haftungsfragen komme. Auch hier sei die Haltung des DBV klar‘, erklärte Sonnleitner. ‚Wir wollen die Wahlfreiheit des Landwirts und des Verbrauchers. Das setzt zum Beispiel Regelungen für den Abstand der Felder voraus, um Vermischungen vorzubeugen. Während in Amerika faktisch der gesamte Ölsaatenanbau, aber auch der Mais- und Baumwollanbau in ‚gentechnischer Mischkultur‘ angebaut werde, finde in Europa die Erzeugung gentechnisch veränderter landwirtschaftliche Produkte gegenwärtig gar nicht mehr statt, selbst im wissenschaftlichen Versuch nicht. Die Umsetzung der EU-Systemrichtlinie über eine Novelle des deutschen Gentechnikgesetzes sei kurzfristig machbar und unproblematisch. Dies betreffe den Umgang der ‚Grünen Gentechnik‘ bei Zuchtunternehmen und Gentechnikfirmen.

Der Deutsche Bundestag müsse auch über die Umsetzung der EU-Biopatentrichtlinie entscheiden. Sonnleitner lehnt Patente auf Pflanzen und Tiere kategorisch ab. Die europäische Richtlinie sei deshalb fehlerhaft. Das nationale und europäische Sortenschutzrecht sichert dank Patentschutz Innovation in der Züchtung und der Landwirtschaft ohne überflüssige Hürden eines bei lebender Materie völlig unpassenden Patentschutzes.

Information: Deutscher Bauernverband (DBV), Godesberger Allee 142-148, 53175 Bonn, Tel.: 0228-81980, Fax: 0228-8198205, E-Mail.

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Brandenburg: Neue Entgeldordnung für forstliche Maßnahmen

Themen: Archiv — info @ 12:02

Potsdam (agrar.de) – Das brandenburgische Agrar- und Umweltministerium hat einen Entwurf für eine Neufassung der Entgeldordnung für forstliche Maßnahmen vorgelegt. Nach einer mehrjährigen Übergangsfrist werden von allen Waldbesitzern gleiche Entgelte erhoben. Dies bedeutet vor allem für die Besitzer von Kleinstflächen, die die Mehrzahl der rund 100.000 Waldbesitzer bilden, eine erhebliche Kostensteigerung.

Agrarstaatssekretär Dietmar Schulze: ‚Die Beratung und Anleitung der privaten und kommunalen Waldbesitzer gehört zu den Aufgaben der Landesforstverwaltung. Dies dient auch der Allgemeinheit. Erbringen Landesförster jedoch konkrete wirtschaftliche Leistungen auf Flächen privater Waldbesitzer, so müssen diese bezahlt werden. Solche Leistungen, zu denen die Betriebsplanung, das Auszeichnen der Bestände, Waldschutzmaßnahmen gehören, sind für Flächenbesitzer in forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen kostengünstiger erbracht worden als für Einzelbesitzer.‘

Das Land unterstützt mit umfangreichen Fördermitteln die Bewirtschaftung privater Waldflächen. So soll ab 2003 eine neue Förderrichtlinie zur Förderung waldbaulicher Maßnahmen aufgelegt werden. Die schon bestehende Förderung der Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse wird erweitert und im Verfahren vereinfacht.

Durch die Privatisierung der Treuhandwaldflächen hat sich das Aufgabenfeld vieler Revierförster stark verändert. Mit der Forstreform werden diejenigen Revierförster, die nun für die privaten Waldbesitzer zuständig sind, besonders für diese Aufgabe geschult und unterstützt. Auf die Einhaltung von Qualitätskriterien bei der Erbringung von Dienstleistungen für Forstbetriebsgemeinschaften wird dabei besonderer Wert gelegt.

Links zum Thema Wald und Forst, Links zum Bundesland Brandenburg.

Bayern setzt auf biogene Treibstoffe

Themen: Archiv — info @ 11:02

Straubing (agrar.de) – Rund 10,4 Millionen Euro hat Bayern seit 1990 in Forschung, Entwicklung und Investitionen im Bereich biogene Treibstoffe investiert. ‚Wir wollen die Nutzung von Pflanzenöl-Kraftstoffen zur Ergänzung fossiler Energieträger voran bringen‘, sagte Landwirtschaftsminister Josef Miller bei der Eröffnung des internationalen Expertenforums ‚Rapsölkraftstoff in Traktoren und Blockheizkraftwerken‘ in Straubing.

Pflanzenöle und Biodiesel seien ein Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz. Sie verringern laut Miller zudem die Abhängigkeit von Erdölimporten und schaffen Arbeitsplätze in der heimischen Wirtschaft. ‚Rund sechs Prozent des Dieselverbrauchs in Deutschland könnten vom Acker kommen‘, so der Minister. Um den Einsatz biogener Kraftstoffe für Fahrzeuge und Blockheizkraftwerke zu optimieren, seien aber weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten nötig.

Die Kapazitäten bei der Herstellung von Pflanzenöl-Kraftstoffen sind laut Miller bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Knapp 83.000 Tonnen pro Jahr werden in Bayern produziert, das sind etwa 16 Prozent der Bundesmenge von 500.000 Tonnen. 97 Prozent entfallen allein auf den aus Rapsöl gewonnenen Biodiesel. Nach Angaben des Ministers könnte in Bayern die Anbaufläche für Raps von derzeit 150.000 Hektar auf 400.000 Hektar und damit ein Fünftel der Ackerfläche gesteigert werden – mit positiven Folgen für Umwelt und heimische Landwirtschaft: Jeder Hektar Raps bindet rund 3,8 Tonnen Kohlendioxid und liefert gut 1.300 Liter hochwertiges Öl. Wirtschaftlich verwertbar ist aber nicht nur das Öl selbst. Auch die Nebenprodukte wie der sogenannte Rapskuchen als inhaltsvolles Futtermittel und Glycerin als technischer Grundstoff sind laut Miller interessant.

Links zum Thema Biodiesel und Pflanzenöl, Links zum Bundesland Bayern.

Schleswig-Holstein: Weg frei für ökologischere Gewässer

Themen: Archiv — info @ 10:02

Organisation zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie steht

Kiel (agrar.de) – Die Landesregierung hat beschlossen, vorrangig den Wasser- und Bodenverbänden die Federführung in den 34 Arbeitsgruppen für die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vor Ort zu übertragen. Damit ist in Schleswig-Holstein der Weg geebnet, die Gewässer in einen besseren ökologischen Zustand zu versetzen. Die Wasser- und Bodenverbände unterhalten die Gewässer und repräsentieren die Eigentümer der Flächen in den Einzugsgebieten. ‚Unsere Gewässer nehmen keine Rücksicht auf bürokratische Grenzen. Wir müssen in anderen geographischen Dimensionen denken und handeln, die sich an den Einzugsgebieten der Flüsse orientieren‘, erklärte Umweltminister Klaus Müller zum Beschluss über den letzten noch offenen Punkt zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.

Alle wichtigen Institutionen der Interessenvertreter aus Landwirtschaft, Naturschutz, Gemeinden, Fischerei, Wasserversorgung und Behörden werden in Arbeitsgruppen an der Planung beteiligt. Das Land beschränkt sich auf die Steuerung und Koordinierung der Planungen und deren Umsetzung. Sollten die Wasser- und Bodenverbände in bestimmten Gebieten die Federführung nicht übernehmen können, wird diese Aufgabe den Kreisen und kreisfreien Städten angeboten. Als dritte Instanz muss das Umweltministerium einspringen.

‚Wenn wir in die Praxis umsetzen, was Brüssel erdacht hat, wird das Leben im Wasserland Schleswig-Holstein noch ein Stück leben- und liebenswerter‘, ist sich Minister Müller sicher.

Links zum Thema Wasser.

Tierarzneimittel – Neuordnungsgesetz: Flaschenhals Mischfutterindustrie

Themen: Archiv — info @ 09:02

Bonn / Düsseldorf (aho) – Anläßlich eines Hearings zum Tierarzneimittel – Neuordungsgesetz am Donnerstag den 21.02.2002 im Düsseldorfer Landtag äußerte sich der Geschäftsführer des Deutschen Verbandes Tiernahrung (DVT) Peter Radewahn skeptisch, ob in der Zukunft zur flächendeckenden Versorgung mit Fütterungsarzneimittel eine ausreichende Zahl von zertifizierten Mischfutterbetrieben zur Verfügung stehen werden.

Die Gesetzesinitiative sieht vor, dass nach einer Übergangszeit Fütterungsarzneimittel nur noch von solchen Mischfutterwerken hergestellt werden sollen, die eine Zulassung nach § 13 Arzneimittelgesetz besitzen. Hierzu müssen die Mischfutterwerke die aufwendigen Voraussetzungen der Pharmastätten-Betriebs-Verordnung erfüllen, um Spurenübertragungen von Arzneistoffen in andere Mischfutter sowie Mischgenauigkeit, Homogenität und Qualitätsmanagement bei der Herstellung von Fütterungsarzneimitteln zu gewährleisten.

Auf die Mischfutterindustrie kommen technische und personelle Investitionen in erheblicher Höhe zu, um die Produktion von Fütterungsarzneimitteln überhaupt aufrecht erhalten zu können. Hinzu kommen weitere Kosten für eine getrennte Lagerhaltung, Dokumentation und Kontrolle der Produktion. Hieraus werden wiederum nach betriebswirtschaftlichen Kalkulationen erhebliche Kostenbelastungen je Tonne Fütterungsarzneimittel entstehen, die von den Landwirten zu tragen wären. Schon jetzt wird für Fütterungsarzneimittel ein erhöhter Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent erhoben.

Radewahn stellte den betriebswirtschaftlichen Zusammenhang dar, nachdem ein ‚Return of Invest‘ für die meisten Betriebe kaum zu erwarten sei. Dies liege unter anderem daran, dass andere Verabreichungsformen wie Arzneimittel zur Trinkwassermedikation sowie andere Fertigarzneimittel zur unmittelbaren Abgabe an Landwirte verstärkte Anwendung finden werden. Hinzu komme, dass die Anwendung von Arzneimitteln in Nutztierbeständen nach dem Willen von Politik und Gesellschaft insgesamt reduziert werden solle.

In den letzten Monaten mehren sich Stimmen aus der Mischfutterindustrie, die in der Beschränkung der Herstellung von Fütterungsarzneimitteln auf wenige Mischfutterhersteller mit einem ‚AMG § 13 – Status‘ eine Marktverzerrung sehen. Zur Zeit haben in Deutschland etwa 16 Mischfutterwerke einen ‚aktiven AMG § 13 – Status‘. Bei weiteren Herstellern ‚ruht‘ dieser Status. Unbekannt ist mit welchem finanziellen Aufwand dieser ‚ruhende‘ Status reaktiviert werden kann. Nach Schätzungen werden in Deutschland etwa 100 Mischfutterwerke benötigt, um eine flächendeckende und zeitnahe Versorgung der landwirtschaftlichen Betriebe mit Fütterungsarzneimitteln zu gewährleisten.

Der Deutsche Verband Tiernahrung mit Sitz in Bonn vertritt die Interessen von rund 350 deutschen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von insgesamt etwa 4 Milliarden Euro.

25. Februar 2002

NABU fordert verstärkte Kontrollen beim Pestizideinsatz in der Landwirtschaft

Themen: Archiv — info @ 16:02

Bonn (agrar.de) – Vor dem Hintergrund des jüngsten Pestizidskandals im ‚Alten Land‘ an der Unterelbe (unsere Meldung) hat der Naturschutzbund NABU eine verstärkte Vollzugskontrolle sowie ein konsequenteres Vorgehen bei Verstößen gegen das Pflanzenschutzrecht gefordert. ‚Einmal mehr zeigt sich, dass die Anwendung von Pestiziden oft nicht sachgerecht erfolgt und offensichtlich systematisch gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen wird‘, so NABU-Geschäftsführer Gerd Billen. In der letzten Woche hatte ein internes Gutachten des Pflanzenschutzamtes Hannover belegt, dass die Obstbauern im Alten Land regelmäßig nicht zugelassene Pestizide anwenden, die Mindestabstände zu Gewässern nicht einhalten und vorgeschriebene Techniken nicht einsetzen.

Angesichts zahlreicher weiterer Missbrauchsfälle sei das aktuelle Beispiel für den NABU nur die Spitze des Eisberges und symptomatisch für die bundesweiten Vollzugsdefizite im Pestizidbereich. Neben der konsequenten Anwendung des Ordnungsrechts und schärferen Kontrollen seien daher auch ergänzende Instrumente wie eine Abgabe auf Pflanzenschutzmittel nötig, um den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft und im Obstbau zu reduzieren und umweltverträglicher zu gestalten.

Einen besonderen Handlungsbedarf sehe der NABU hinsichtlich der Konsequenzen für den so genannten ‚Integrierten Obstbau‘. Das Gutachten des Pflanzenschutzamtes belege erneut, dass im Integrierten Obstbau ebenfalls illegal Pestizide eingesetzt und geltende Regelungen nicht eingehalten würden. Die weitere Bewerbung des Integrierten Obstbaus mit einem Prädikatsbegriff wie ‚umweltschonend‘ sei daher aus Sicht des NABU umgehend zu verbieten. ‚Der Integrierte Obstbau wirbt nur mit Selbstverständlichkeiten. Daher verstößt er gegen das Wettbewerbsrecht und betreibt eine vorsätzliche Verbrauchertäuschung‘, so Billen. Es sei nun dringend geboten, den Integrierten Pflanzenschutz generell auf den Prüfstand zu stellen und im Fachgesetz zu konkretisieren. Darüber hinaus müsse eine Umstellung auf ökologischen Obstbau sowie eine systematische Stärkung und Verbreitung prophylaktischer Pflanzenschutzmaßnahmen besser gefördert werden.

Links zum Thema Pflanzenschutz.

ANJN: Nachtjagd deutlich einschränken

Themen: Archiv — info @ 14:02

Göttingen (agrar.de) – Auf Anfrage der Jagdzeitschrift ‚Die Pirsch‘ stellt die Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd klar, das eine Bejagung von Wild zur Nachtzeit weitestgehend abgelehnt wird. Die Nachtzeit ist bei uns die einzige Tagesperiode, in der unser heimisches Wild den schützenden Wald verlassen kann, sofern nicht Jäger auf den Hochständen am Waldrand lauern. Nur bei ausreichend periodischen und täglichen Ruhephasen wird es dem Wild möglich sein, den gegeben Lebensraum optimal zu nutzen. Wildschäden im Wald können reduziert werden.

Unsere heimischen Wildtiere haben nicht grundsätzlich Angst vor dem Menschen. Erst die Verfolgung durch uns Jäger führt bei den Tieren zur Scheu und damit zu geändertem Verhalten im Lebensraum. Zahlreiche Studien belegen dies. So konnte nachgewiesen werden, das selbst das Standorttreue Rehwild beliebte Wechsel oder Äsungsflächen an häufig frequentierten Jagdständen meidet oder nur zu Zeiten nutzt, in denen der Jäger üblicherweise nicht anwesend ist. Wer an einer schmackhaften Wildwiese kein Rehwild mehr zu Sehen bekommt, sollte mal außerhalb der üblichen Jagdzeiten sein Glück versuchen, zum Beispiel mittags und möglichst nicht von der bekannten Kanzel. Die Ergebnisse sind erstaunlich!

Jogger, Wanderer, Pferde oder Mofas beunruhigen unser Wild im übrigen weitaus weniger als der schleichende oder ansitzende Jäger. Stark beanspruchte Erholungsgebiete oder Nationalparke zeigen, das unsere Wildtiere sehr genau erkennen, wer ihnen wann gefährlich werden kann. Es ist in etwa so wie mit dem satten Löwen in der Zebraherde!

Ein Verbot der Nachtjagd auf alle Wildtiere ist wünschenswert. Der Hirsch im Feld erkennt nicht, ob der Jäger wohl nur einen Fuchs erlegen will. Auch die Kirrjagd auf die Schwarzkittel beunruhigt Reh, Hirsch und Hase ebenso.

Dennoch wird auf die Nachtjagd im Feld (und eben nur im Feld!) nicht vollständig verzichtet werden können. Schwarz-, Rot- und Damwild können dort zur Nachtzeit erhebliche Schäden anrichten. Dann, und nur dann, erscheint eine Nachtjagd örtlich notwendig und zulässig. Um die Nachtjagd im Feld weitgehend zu reduzieren sollten Schutzvorrichtungen einer Bejagung vorgezogen werden. Zusätzlich müssen durch effektive Jagdmethoden in Herbst und Winter (Gemeinschaftsansitze; Drück- und Stöberjagden) die Wildbestände rechtzeitig bejagt werden. Dies erfordert großzügige Freigaben (z. B. beim Rot- oder Damwild nur nach Altersklassen ohne Rücksicht auf die Trophäe oder auch die Freigabe des männlichen Rehwildes). Ferner sollten die Nachtansitze ebenfalls in Gruppen erfolgen. So kann die Jagd erfolgreich sein und auf wenige Tage beschränkt bleiben.

Zusammenfassend lehnt die ANJN eine Bejagung unserer Wildtiere zur Nachtzeit ab! Ausnahmen bei Wildschäden im Feld, und nur dort, müssen als Kompromiß akzeptiert werden. Bei der Umsetzung setzt die ANJN auf die Freiwilligkeit der Jäger. Bürokratische Kontrollen sollten unterbleiben. Eine Aufnahme des Nachtjagdverbotes im Wald in ein neu gefaßtes Bundesjagdgesetz wäre wünschenswert. Der beste Lohn für alle Revierinhaber wird bei konsequenter Umsetzung sein, das das Wild bei verringertem Jagddruck wieder deutlich besser sichtbar wird. Dies allein sollte Anreiz genug sein.

Information: Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd Norddeutschland, Stephan Boschen, Postfach 2225, 37012 Göttingen, Tel.: 0172-9000364, E-Mail.

Links zum Thema Jagdverbände.

In eigener Sache: @grar.de Umfrage

Themen: Archiv — info @ 12:02

Rheine (agrar.de) – Die ersten Ergebnisse der @grar.de Umfrage zum Thema ‚Bio-Landbau‘ sind online abrufbar. Sie finden sie ab sofort im Umfragen-Archiv. Wir danken allen Teilnehmern für ihren Beitrag. Die Gewinner der Verlosung wurden informiert und erhalten ihre Preise in den nächsten Tagen.

Aus aktuellem Anlass – @grar.de nimmt an den Agrar-Computer-Tagen in Göttingen teil – befaßt sich unsere neue Umfrage mit PC, EDV und Internet. Und wieder winken Preise: Unter allen Teilnehmern bis zum 12.März verlosen wir fünf @grar.de Baseball-Caps, sechs Bücher zum Thema ‚Agrar-Energie‘ und eine Digital-Kamera.

23. Februar 2002

„Spiegel“-Bericht falsch: Datenbank arbeitet fehlerfrei

Themen: Archiv — info @ 16:02

Landwirtschaftsministerium weist Kritik an HIT zurück

München – Entgegen den jüngsten Darstellungen im ‚Spiegel‘ weist die Tierdatenbank HIT keine Mängel auf. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in München arbeitet die Anlage, in der jährlich rund 40 Millionen Meldungen gespeichert werden, einwandfrei. Das habe vor kurzem auch der Europäische Rechnungshof bestätigt. Danach sind technisches Konzept und Funktionalität der Datenbank ‚in Europa wohl einmalig‘. Dass Fehler bei den übermittelten Daten und im Bestand sofort entdeckt werden, ist laut Ministeriumssprecher Alfons Kraus gerade der große Vorteil des HIT-Systems: ‚Die Datenbank registriert unbestechlich den Weg der Rinder von der Geburt bis zum Schlachthof. Wenn auch nur eine Meldung nicht mit den vorhandenen Daten übereinstimmt, schlägt sie Alarm.‘

Das Landwirtschaftsministerium in München hat die HIT-Datenbank im Auftrag der Länder aufgebaut und betreibt sie seit September 1999. Für die Inhalte der Datenbank und damit für die Daten selbst sind die Veterinärverwaltungen der Länder verantwortlich.

Links zum Thema Hit und Kennzeichnung.

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