Stuttgart (agrar.de) – Das größte Wachstum seiner Geschichte konnte der Bioland-Landesverband Baden-Württemberg im vergangenen Jahr verzeichnen. Die biologisch-organisch bewirtschaftete Fläche im Südwesten nahm in 2001 um 17,5 Prozent zu, die Zahl der Bioland-Verarbeiter stieg um 12 Prozent auf 241.
Insgesamt 109 Landwirte aus Baden-Württemberg haben sich im vergangenen Jahr dazu entschlossen, bei Bioland Mitglied zu werden. Damit arbeiten heute im Südwesten 887 Betriebe auf einer Fläche von 28.365 Hektar nach den strengen Richtlinien des Öko-Anbauverbands. Die neuen Höfe sind vor allem Milchviehbetriebe aus dem Schwarzwald, dem Allgäu und der Hohenlohe. Bemerkenswert ist auch der starke Anstieg bei den Sonderkulturen: Vier neue Obstbetriebe aus dem Bodenseeraum und der Gegend um Heilbronn gehören mit ihren rund 100 Hektar jetzt zu Bioland. Auch das Lebensmittelhandwerk zeigte ungebrochenes Interesse am Einstieg in die Bio-Produktion: Das größte Wachstum konnte dabei bei den Metzgern erreicht werden: Ihre Zahl stieg von 22 auf 38 und damit um 72 Prozent. Noch immer erhält die Bioland-Geschäftsstelle in Nürtingen neue Anfragen von interessierten Betrieben aus dem Fleischerei-Handwerk. Bei den Bäckern wurden 8 neue Verträge geschlossen, so dass jetzt 146 Backstuben nach den Richtlinien von Bioland arbeiten. Somit stammen über 43 Prozent der Bioland-Bäcker bundesweit aus dem Südwesten.
Insgesamt wurde das wachsende Angebot an Bioprodukten problemlos vom Markt aufgenommen. Offensichtlich haben auch die Verbraucher mehr Waren in Bioland-Qualität nachgefragt. Bei Speisegetreide ist im vergangenen Jahr die Nachfrage sogar so stark gestiegen, so dass der Bioland-Verband jetzt händeringend nach neuen Ackerbaubetrieben sucht. Der Naturkostgroßhandel, ein wichtiger Abnehmer von Bioland, konnte in 2001 seine Umsätze um 32 Prozent auf 404 Millionen Euro steigern.
Die Umsatzentwicklung der einzelnen Bioland-Betriebe wird von der Geschäftsstelle des Bioland-Landesverbandes zwar nicht systematisch erhoben, aber einige Trends lassen sich dennoch erkennen: So konnten vor allem Höfe mit Direktvermarktung durch die Lebensmittelskandale letztes Jahr neue Kunden gewinnen. Es zeigte sich, dass viele Neukunden zunächst aus Sorge vor BSE zu Biowaren griffen, aber dann etliche dabei blieben, weil sie mit der Qualität und dem Geschmack der Produkte sehr zufrieden waren.
Auch bei den Metzgern gab es in den Monaten der BSE-Krise hohe Umsatzzuwächse, die später jedoch wieder zurückgegangen sind. Allerdings hat sich der Verkauf auf einem leicht höheren Niveau als vorher eingependelt.
Fazit: Die neuen Zahlen belegen, dass sich der Ökolandbau in Baden-Württemberg sehr positiv entwickelt und viele Landwirte an einer Umstellung interessiert sind. Auch bei den Verbrauchern ist die Bereitschaft gewachsen, mehr auf Qualität zu achten und Bioprodukte zu wählen. ‘Damit in den nächsten Jahren tatsächlich eine Agrarwende stattfindet’, so Bioland-Geschäftsführer Matthias Strobl, ‘sind jetzt vor allem der Handel und die Politik gefordert: Der Handel muss die Bioprodukte in einem breiteren Sortiment und mit mehr Werbung präsentieren. Von der Landesregierung erwarten wir, dass sie sich klar zum Leitbild einer nachhaltigen Landwirtschaft bekennt und dafür einsetzt.’
Informationen: Bioland Baden-Württemberg, Pressestelle, Andreas Greiner, Sophienstr. 19, 70178 Stuttgart, Tel.: 0711 -60755-01, Fax: 0711-60755-02.
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