27. November 2001

BBV kritisiert Spiegel-Bericht als „üble Meinungsmache“

Themen: Archiv — info @ 14:11

München (agrar.de) – Als ein ‚besonderes Beispiel schlampiger Recherche und übler Meinungsmache‘ kritisiert der Bayerischen Bauernverbandes (BBV) einen Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel vom 26. November 2001 mit dem Titel ‚Proben im Majonäseglas‘ (unsere Meldung).

Der von Prüfern der Europäischen Union vorgelegte Bericht über die Zustände bei Lebensmittelkontrollen sei von Spiegel-Redakteuren dazu missbraucht worden, alte Ressentiments gegen die Bauern weiter zu schüren. Der EU-Bericht liege dem BBV nicht vor, er enthalte sich deshalb einer Wertung, zumal offensichtlich auch die Bundesländer hierzu keine Stellungnahme abgegeben hätten. Unfair und in unzulässiger Weise bringe der Spiegel damit aber den Tiergesundheitsdienst (TGD) und angebliches Verhalten der Bauern in Verbindung.

Die Behauptung, die Agrarlobby verhindere eine bessere Überwachung des Arzneimitteleinsatzes in der Tierhaltung, entbehre jeder Grundlage. Tatsache sei, dass die Bauern in Bayern und die von ihnen gegründete Selbsthilfeeinrichtung ‚Tiergesundheitsdienst Bayern‘ nachhaltig das Ziel verfolgen, den Arzneimitteleinsatz im Tierbestand zu minimieren.

Das Horror-Szenario des Spiegel, mit ‚Pharmaka voll gepumpte Tiere‘ könnten regulär geschlachtet und verwertet werden, stelle einen besonders schweren Fall übler Nachrede für einen gesamten Berufsstand dar. Der Spiegel kritisiere Mängel im Kontrollwesen, hintergründig werde aber damit ein Bild völliger Verantwortungs- und Skrupellosigkeit der Bauern gezeichnet.

Es ist ganz einfach nicht wahr, so der BBV, dass Tiere mit Medikamenten ‚vollgepumpt‘ und dann zum Schlachten gebracht werden. Auf der Grundlage von anscheinend festgestellten Lücken im Kontrollsystem suggeriert der Spiegel damit, dass es ein weit verzweigtes illegales System gebe, an dem zahlreiche Mastbetriebe beteiligt seien. Der Verband fragt, warum nicht erwähnt werde, dass nach den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren bisher keine einzige Strafanzeige gegen einen Landwirt erhoben wurde.

Auch die Tatsachenbehauptung, dass gegen den Tiergesundheitsdienst (TGD) in Bayern wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelrecht ermittelt wird, färbe der Spiegel tendenziös zur böswilligen Unterstellung um: Der TGD sei als ‚Mastdoper‘ ins Gerede gekommen. Damit alles zusammenpasse, werde das seit 1994 nicht mehr zugelassene ‚Chloramphenicol‘ zum ‚Wachstumsbeschleuniger‘ erklärt. Festzustellen sei, dass bis dato gegen keinen TGD-Tierarzt Anklage erhoben worden ist.

Der BBV bezeichnet den Spiegel-Beitrag als ein in höchstem Maße verwerfliches Spiel mit der Angst der Verbraucher, ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt.

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