07. November 2001

Hessen: Gentechnisch verändertes Saat- und Pflanzgut auf Kirchenland

Themen: Gentechnik,Hessen,Pacht&Besitz — info @ 10:11

Friedrichsdorf (agrar.de) – In letzter Zeit häuften sich die Anfragen von Landwirten, die sich beim Hessischen Bauernverband darüber beklagten, dass Kirchenvorstände aufgrund einer Empfehlung der Kirchenleitungen Pachtverträge mit folgendem Zusatz versehen wollen: ‚Der Pächter verpflichtet sich, kein gentechnisch verändertes Saat- und Pflanzgut auf der Pachtfläche auszubringen.‘

Dies hat den Präsidenten des Hessischen Bauernverbandes, Heinz Christian Bär, dazu veranlasst, sich kürzlich mit einem entsprechenden Schreiben an Dr. Peter Steinacker, den Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, sowie an Dr. Martin Hein, den Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck zu wenden.

Zu der vorgenannten Empfehlung der Kirchenleitungen nimmt der Hessische Bauernverband wie folgt Stellung:

1. Gentechnisch verändertes Saat- und Pflanzgut ist in Deutschland derzeit nicht zugelassen.

2. Aufgrund ihrer Verantwortung für die Erzeugung gesunder Nahrungsmittel nehmen unsere Landwirte die Ängste in der Bevölkerung sehr ernst.

3. Eine ganz wesentliche Vorraussetzung für eine stärkere Nutzung der Grünen Gentechnik in der Landwirtschaft ist die entsprechende Akzeptanz bei den Verbrauchern. Kein Bauer wird Produkte erzeugen, die unverkäuflich sind.

4. Alle Beteiligten, insbesondere Politik und Wissenschaft, sind aufgerufen, mögliche Risiken für die Gesundheit und Umwelt durch gesetzliche Vorgaben auszuschalten. Der Gesetzgeber muss sowohl für Landwirte als auch für Verbraucher Rechtssicherheit schaffen.

5. Es muss ein zuverlässiges und praktikables Etikettierungssystem für gentechnisch veränderte Produkte, das auch für Importwaren gilt, etabliert werden.

6. Der Einsatz von gentechnisch verändertem Saat- und Pflanzgut ist für den Landwirt nur dann interessant, wenn die gesellschaftliche Akzeptanz gegeben ist.

Sofern die Punkte 2 – 6 erfüllt sind, dürfe dem Landwirt die Verwendung von gentechnisch verändertem Saatgut nicht verwehrt werden. Ansonsten drohten aufgrund der zunehmenden Liberalisierung der Agrarmärkte Wettbewerbsverzerrungen, die unsere Bauern nicht kompensieren könnten, betonte Präsident Bär. Sofern die Kirchengemeinden vor Ort den oben genannten Zusatz in ihre Pachtverträge aufnehmen und somit den Einsatz von gentechnisch verändertem Saat- und Pflanzgut verbieten, sollte eine angemessene Minderung des Pachtpreises vorgenommen werden.

Präsident Bär appellierte an die jeweiligen Kirchenleitungen, gegenüber der Forschung auf dem Gebiet der Grünen Gentechnik aufgeschlossen zu sein. Denn, wenn es auf diesem Wege gelingen sollte, Sorten zu züchten mit zum Beispiel einem höheren Gehalt an wertgebenden Inhaltsstoffen, einer besseren Widerstandsfähigkeit gegen Kälte-, Hitze- und Wasserstress oder einem höheren Nährstoffaneignungsvermögen, dann wäre dies ein Gewinn insbesondere für die hungerleidenden Menschen in der Dritten Welt. Diese Chance dürfe auch im Hinblick auf nachfolgende Generationen unter keinen Umständen vertan werden.

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