11. Oktober 2001

Künast: Kriterien des konventionellen Siegels müssen über dem gesetzlichen Standard liegen

Themen: Archiv — info @ 10:10

Noordwijk (agrar.de) – Die Diskussion um ein Prüfzeichen für konventionell erzeugte landwirtschaftliche Produkte komme voran, erklärte Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast am Rande einer deutsch-niederländischen Konferenz zu Lebensmittelsicherheit in Noordwijk. Eine privatwirtschaftliche Gesellschaft werde für die Durchführung und Handhabung eines solchen Zeichens zuständig sein.

Sicher sei, dass ein solches Prüfzeichen nur für einen Standard oberhalb der bestehenden gesetzlichen Regelungen gelten könne, so die Ministerin. Die Einhaltung der Gesetze sei selbstverständlich und verdiene keine besondere Auszeichnung. Ein Prüfzeichen für gesetzlichen Standard hätte keinen Nutzen für die Verbraucher und werde sich am Markt daher nicht durchsetzen.

Vielmehr gehe es darum, dass die Auszeichnung durch das Prüfzeichen für die Verbraucher eine Orientierungshilfe sein müsse. Einigkeit bestehe in einigen Kriterien. Über die Aufnahme weiterer Kriterien müsse noch diskutiert werden. ‚Die Perspektive für eine zunehmend tier- und umweltgerechte Landwirtschaft muss sich darin wiederfinden‘ sagte Künast.

10. Oktober 2001

Thüringen: Schweinetag in Bösleben

Themen: Archiv — info @ 12:10

Bösleben (agrar.de) – Im Rahmen des 4. Thüringer Nutztierforums fand heute in der Bauernscheune in Bösleben der Thüringer Schweinetag 2001 statt. Auf dieser Veranstaltung wurden die Thüringer Schweinezüchter und -produzenten sowie interessierte Gäste über die neuen gesetzlichen Regelungen für den Immissionsschutz informiert. Die Diskussion über den Stand und die Bedeutung der Zuchtwertschätzung bei Schweinen in bezug auf die Fruchtbarkeit sowie die Bedeutung und Zukunft der Genomforschung für die Schweinefleischerzeugung waren weitere Schwerpunkte. Gleichzeitig erfolgte an diesem Tag ein Rückblick auf zehn Jahre Thüringer Schweinezucht- und Produktionsverband (TSPV).

In seinem Statement ging der Thüringer Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Dr. Volker Sklenar, auf die große Bedeutung der Rückgewinnung des Verbrauchervertrauens ein. ‚Dies verlangt Transparenz, Plausibilität, eine verbrauchergerechte Sprache und beginnt bereits bei tierartgerechten Produktionsverfahren‘, so Minister Dr. Sklenar. Aber auch auf die Reserven bei der Schweinezucht und -produktion, insbesondere bei den Leistungsdaten aufgezogener Ferkel je Sau und Jahr, bei der Erhöhung der Tageszunahmen und des Anteils der wertvollen Fleischteile wies der Minister hin. Eine ständige Aufgabe sei auch die Senkung der Produktionskosten.

Zum Jahresende 2000 wurden in Thüringen rund 684.000 Schweine gehalten. Damit stieg der Bestand zum Vorjahr geringfügig um 0,2 Prozent. Strukturell entscheidend dabei ist der beträchtliche Anstieg um rund 5.000 Zuchtsauen, was auf eine positive Entwicklung im Jahr 2001 und darüber hinaus hindeutet. Auch die aktuellen Notierungen der Schweinepreise von 3,17 DM/kg Schlachtgewicht unterstützen den optimistischen Ausblick. Alle Schweineproduzenten vergessen aber auch nicht das schnelle Auf und Ab der Schweinepreise mit dem Tiefstpunkt von 1,50 DM im ersten Halbjahr 1999.

Links zum Thema Thüringen, Links zum Thema Schweine.

TA-Luft: WLV-Vorstand beschließt Boykott

Themen: Archiv — info @ 11:10

Umsetzung des Immissionsschutzrechts abgelehnt

Münster (agrar.de – ‚Die Situation in den Veredlungsbetrieben ist bedrückend. Viele wissen nicht mehr, ob sie auch in Zukunft noch Bauer bleiben können und vor allem bei kleineren und mittleren Betrieben, die sich noch entwickeln müssen, herrscht große Betroffenheit.‘ In knappen Sätzen schilderte Präsident Franz-Josef Möllers zu Beginn der außerordentlichen WLV-Vorstandssitzung vergangene Woche Freitag die Stimmung auf den Veredlungsbetrieben in Westfalen-Lippe vor dem Hintergrund der ganzen Flut von neuen Gesetzen und Auflagen. Im Baurecht, beim Naturschutz und bei der Tierhaltung beabsichtige die ‚grüne‘ Politik aus Berlin und Düsseldorf ihre ideologisch verbrämten und nur nach Wählerstimmen schielenden Vorhaben umzusetzen.

Einstimmig beschloss der WLV-Vorstand, die Umsetzung des im Sommer neu gefassten Immissionsschutzrechtes so lange zu boykottieren, wie die Folgen des Gesetzes nicht entschärft oder die Inhalte der geplanten ‚Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft‘ (TA-Luft), die das Immissionsschutzrecht fachlich begleitet, nicht abschließend bekannt sind. Schließlich seien die politisch Verantwortlichen im Bund und in den Ländern kontinuierlich und auf vielfältige Weise seitens des Deutschen Bauernverband und der Landesbauernverbände in den vergangenen Monaten auf die vorgesehenen, fachlich unqualifizierten Bestimmungen hingewiesen worden. So habe Präsident Möllers u.a. sowohl durch ein Gespräch mit Ministerin Höhn als auch mit Briefen an Ministerpräsident Clement und an westfälisch-lippische Mitglieder des Vermittlungsausschusses zwischen Bundestag und -rat interveniert.

Alle Bauern und Bäuerinnen mit Tierhaltung in Westfalen-Lippe seien aufgerufen, sich mit ihrer Unterschrift an diesem Boykott zu beteiligen; die Unterschriftensammlung läuft über die Kreis- und Ortsverbände des WLV. Die viehhaltenden Betriebe, die auf Grund der Absenkung der Schwellenwerte einer Genehmigung bedürften, werden aufgefordert, keine Meldung an die zuständige Behörde zu machen bzw. erst dann der Aufforderung der Behörden Folge zu leisten, wenn ein Bußgeld droht. (Nach dem Gesetzeswortlaut kann theoretisch ein Bußgeld bereits dann verhängt werden, wenn diese Meldung nicht innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes – hier bis zum 3. November 2001 – bei den zuständigen Staatlichen Umweltämtern vorliegt).

Präsident Möllers: ‚Wir müssen uns gegen die ungerechtfertigte Vorgehensweise der Politik wehren, damit wir zu Gesprächen über das Immissionsschutzgesetz und die Ausgestaltung der TA-Luft zurückfinden.‘ In der Zwischenzeit werde im Auftrag des WLV ein fachwissenschaftliches Gutachten zu den Auslöseschwellen des Immissionsschutzrechtes und zu den geplanten Inhalten der TA-Luft eingeholt. Die WLV-Kreisverbände seien gefordert, auf Informationsveranstaltungen über die aktuelle Gesetzeslage und die Auswirkungen auf die Betriebe zu berichten.

Links zum Thema Verbände.

Bioland: Größter Wachstumsschub in 30jähriger Geschichte

Themen: Archiv — info @ 10:10

Mainz (agrar.de) – Der Anbauverband Bioland meldet bereits für die Zwischenbilanz dieses Jahres den größten Wachstumsschritt in seiner 30jährigen Geschichte: Mit etwa 350 neuen Landwirtschaftsbetrieben gehören Bioland nun über 4.000 Mitglieder an. Die Zahl der Bioland-Verarbeiter ist um knapp 20 Prozent auf 700 Betriebe angestiegen. Nicht nur die Anzahl der Betriebe, sondern auch die der Stammkunden hat deutlich zugenommen: Die Bioland-Hofläden registrieren mittlerweile rund 20 Prozent mehr Stammkunden im Vergleich zum Vorjahr.

Eine Fortsetzung des Trends zur Betriebsumstellung sei zu erwarten. ‚Die Bioland-Berater stehen noch in zahlreichen Beratungsgesprächen zur Betriebsumstellung und viele Betriebe können erst nach der letzten Ernte Planungen für das nächste Jahr angehen‘, so Bioland Bundesvorstand Thomas Dosch. Daher erwartet Bioland auch zum Jahreswechsel beziehungsweise im nächsten Jahr weiterhin hohe Mitgliederzuwächse.

Die Bioland-Verarbeiter aus der Milch-, Fleisch-, Getränke-, Getreide- und Backwarenbranche decken den gesamten Lebensmittelsektor ab. Dadurch ist eine Sortimentsvielfalt in Bioland-Qualität sicher gestellt, die dem konventionellen Angebot kaum nachsteht. Um möglichst vielen Neukunden Biolebensmittel zugänglich machen zu können, setzt Bioland auf Kooperationen mit dem Handel. So fließen bereits heute über 30 Prozent der Bioland-Rohstoffe in die Naturkost- bzw. Reformhausfachgeschäfte und knapp 30 Prozent in den konventionellen Lebensmitteleinzelhandel.

Information: Bioland – Bundesverband für organisch-biologischen Landbau e.V., Kaiserstr. 18, 55116 Mainz, Tel.: 06131-239790, Fax: 06131-2397927, E-Mail.

Links zu %url3%Biolandbau-Verbänden%/%.

QS: Neues Dokumentations- und Kontrollsystem für Fleisch

Themen: Archiv — info @ 10:10

Münster (agrar.de) – Das stufenübergreifende Dokumentations- und Kontrollsystem für Fleisch und Fleischwaren steht vor dem Start. Dies berichtete Franz-Josef Möllers, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), auf der Sitzung des WLV-Vorstandes am 5. Oktober in Münster.

Unter der Bezeichnung ‚Qualität und Sicherheit‘ (QS) werde in Kürze eine Gesellschaft gegründet, deren Gesellschafter der Deutsche Bauernverband für die Landwirtschaft, der Deutsche Raiffeisenverband und der Deutsche Verband Tiernahrung für die Futtermittelindustrie, der Verband für Fleischwirtschaft für Schlachtung und Zerlegung, der Verband der Deutschen Fleischwarenindustrie für die Verarbeitung, der Handel für Marktwirtschaft für den Lebensmitteleinzelhandel sowie die CMA sein werden.

Die ‚Qualität und Sicherheit GmbH‘ werde ein Prüfzeichen für ‚konventionell‘ erzeugtes Fleisch und daraus hergestellter Erzeugnisse vergeben. Die Zeichen-Rechte für das ‚QS‘-Zeichen lägen bei der CMA, die auch die Absatzförderung übernimmt. ‚Ich betrachte das ‚QS‘-Prüfzeichen als Chance, Vertrauen bei den Verbrauchern zu schaffen und zu rechtfertigen‘, so Präsident Möllers.

Das Prüfzeichen sei aber auch notwendig, um im Wettbewerb mit den Nachbarländern bestehen zu können. Gerade in Dänemark und Holland seien Qualitätsaspekte bereits seit langem ein wesentlicher Bestandteil der Absatzstrategie und diene zur Gewinnung von Marktanteilen. Möllers: ‚Entscheidend wird sein, ob die Aldis, die Metros und die Lidls mitspielen, denn nur dann lassen sich viele Bauern für dieses freiwillige System gewinnen und lohnt sich der geforderte Mehraufwand für die Dokumentation der Produktion.‘

Links zum Thema Lebensmittel.

„Öko“ muß auch gekauft werden!

Themen: Archiv — info @ 10:10

Bonn (agrar.de) – Der Mehraufwand für die Bereitstellung von Ökoprodukten muß bezahlt werden. Darüber sind sich alle einig. Wenn die Nachfrage- der Angebotmenge entspricht, dürfte das kein Problem sein. Nach Informationen des Zentralverbandes der Deutschen Schweineproduktion (ZDS) zeigen Erfahrungen aus Österreich und aus Dänemark, dass Ökoprodukte immer häufiger zu niedrigeren Preisen verkauft werden müssen.

So berichte der österreichische Ernte-Bioverband, dass im Jahr 2000 rd. 43 Prozent der erzeugten Ökomilch (rd. 120 Mio. kg) als ‚Normalmilch‘ vermarktet werden mußte. In Dänemark könnten bisher nur 40 Prozent der ökologisch erzeugten Milch mit einem Preisaufschlag von etwa 40 Prozent abgesetzt werden.

Auch in Deutschland wird mit einem Anstieg der Ökomilchvermarktung gerechnet (unsere Meldung). Der Marktanteil dürfte zum Ende des Jahres bei rd. 3 Prozent liegen. Allerdings wird auch in Deutschland vor zu großer Euphorie gewarnt. Nach Einschätzung von Dr. Karl-Heinz Engel, Vorsitzender der Exportunion, hätte die Verbraucher auf die Preiserhöhungen im Segment Milch bereits mit Kaufzurückhaltung reagiert.

Links zum Thema Bio-Landbau.

Künast: Mehr Lebensmittelsicherheit und Qualität europaweit voranbringen

Themen: Archiv — info @ 10:10

Berlin (agrar.de) – ‚In ganz Europa erwarten die Verbraucherinnen und Verbraucher ein Umsteuern in der Agrar- und Ernährungspolitik. Als wichtigen Schritt hierzu müssen wir auch über die nationalen Grenzen hinweg für mehr Lebensmittelsicherheit und Qualität sorgen. Dieser Auftrag geht gleichermaßen an Politik und Wirtschaft. Nachdem es in Deutschland gelungen ist, im Rahmen des ‚magischen Sechsecks‘ alle an der Lebensmittelproduktion Beteiligten an einen Tisch zu bringen, begrüße ich es, dass wir jetzt auch grenzüberschreitend ein entsprechendes Forum gefunden haben und weiter entwickeln können‘, sagte Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast heute in Noordwijk aan Zee. Künast und ihr niederländischer Ressortkollege Jan Laurens Brinkhorst hatten Vertreterinnen und Vertreter aus Lebensmittelwirtschaft und Verbraucherverbänden aus Deutschland und den Niederlanden eingeladen, um über das Thema ‚Gesellschaftlicher Wandel und dessen Bedeutung für die Lebensmittelkette‘ zu diskutieren.

Umsteuern in der Agrar- und Ernährungspolitik sei ein schwieriger und langwieriger Prozess, so Künast. Er könne nur gelingen, wenn breiter gesellschaftlicher Dialog organisiert werde. Dies sei in Deutschland im Rahmen des ‚magischen Sechsecks‘ bisher sehr erfolgreich.

Das Konzept des ‚magischen Sechsecks‘ überzeuge und mache es immer unwahrscheinlicher, dass künftig nur ein einzelner Partner aus der Lebensmittelkette seine Maßstäbe diktieren könne. Das letzte Wort hätten ohnehin immer die Verbraucher, so die Ministerin.

Künast bat die Bürgerinnen und Bürger, sich an dieser europäischen Diskussion zu beteiligen. Hierzu starten Künast und Brinkhorst in Noordwijk heute um 17 Uhr die deutsch-niederländische Internetdiskussion ‚Future-of-Food‚. Vom 11. Oktober bis zum 21. November stehen die Themen ‚Lebensmittelsicherheit‘, ‚Artgerechte Tierhaltung‘ und ‚Bauernhof der Zukunft‘ zur Debatte.

Links zum Thema Lebensmittel.

Baden-Württemberg: „Markwirtschaftliche Erzeugerberatung“ überarbeitet

Themen: Archiv — info @ 10:10

Schwäbisch Gmünd (agrar.de) – Die Landesstelle für Landwirtschaftliche Marktkunde (LLM) in Schwäbisch Gmünd hat die ‚Markwirtschaftliche Erzeugerberatung‘ (MEB) neu überarbeitet und aktualisiert.

Die MEB enthält Grundlagen der Agrarmarktpolitik, eine Darstellung der Marktordnungen, Kapitel über agrarwirtschaftliche Grundlagen und Außenhandel sowie Informationen zu den Grundlagen des Marktes, Marketing, Verbraucherpolitik und Ernährungsfragen. Die MEB wird in der Beratung der Landwirtschaftsverwaltung, im Fachschulunterricht sowie in der Erwachsenenbildung in Baden-Württemberg eingesetzt.

Die online-Version der Markwirtschaftliche Erzeugerberatung ist im Internet abrufbar. Bei der Landesstelle für Landwirtschaftliche Marktkunde, Oberbettringer Strasse 162, 73525 Schwäbisch Gmünd, Tel: 07171-917-208) kann auch eine Druckversion (Ringordner mit ca. 300 Seiten, DM 40,-) bestellt werden.

Links zum Thema Wirtschaft.

09. Oktober 2001

Sachsen-Anhalt: Erhalt gefährdeter Schafrassen wird gefördert

Themen: Schafe — info @ 12:10

Antragsverfahren läuft bis Ende Oktober 2001

Magdeburg (agrar.de) – Dem Antrag des Landes Sachsen-Anhalt zur Förderung der Erhaltung gefährdeter Schafrassen wurde auf der Agrar-Ausschußsitzung bei der EU am 26.09.2001 zugestimmt. Schafhalter können jetzt bei den Ämtern für Landwirtschaft und Flurneuordnung noch einen Förderantrag für 2001 stellen. Förderfähig ist die Haltung von Reinzucht-Mutterschafen der Rassen:

– Weiße hornlose Heidschnucke

– Rauhwolliges pommersches Landschaf

– Rhönschaf

Die Antragsfrist läuft allerdings nur noch bis zum 31. Oktober 2001. Der Antrag beinhaltet u.a. die Verpflichtung, fünf Jahre lang am Förderprogramm teilzunehmen. Die jährliche Zuwendung für die Haltung von älter als acht Monate alten Reinzucht-Mutterschafen beträgt 15,30 EURO pro Mutterschaf.

Interessierte Schafhalter und Züchter erhalten alle erforderlichen Antragsunterlagen bei dem für sie zuständigem Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung.

Information: Ministerium für Raumordnung, Landwirtschaft und Umwelt (MRLU), Olvenstedter Str.4, 39108 Magdeburg, Tel: 0391-567-1950, Fax: 0391-567-1964

Links zum Thema Schafe, Links zum Thema Förderung

Kritik an geplanter Umsetzung der neuen EU-Schweinehaltungsverordnung

Themen: Archiv — info @ 11:10

Mainz (agrar.de) – Mit seiner Entscheidung über die Schweinehaltungsrichtlinie hat der EU-Agrarrat am 19. Juni eine Reihe von Veränderungen für die Schweinehaltung beschlossen. Bis zum 1. Januar 2003 ist die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Seitdem prüft das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL), wie die Umsetzung der Richtlinie erfolgt beziehungsweise in welchen Bereichen über die Mindestanforderungen der Richtlinie hinausgegangen werden soll.

In diesem Zusammenhang warnt der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Norbert Schindler, sowie die Fachexperten des Verbandes vor einer vollständigen Übernahme der EU-Ratsrichtlinie zur Änderung der Richtlinie 91/630/EWG über Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinen beziehungsweise den Vorschlägen des Deutschen Tierschutzbundes.

Bestimmte Forderungen wie unter anderem der Ausstieg aus der Vollspaltenbodenhaltung beziehungsweise die Verpflichtung, bei mindestens 60 Prozent der Bodenfläche in der Sauenhaltung eine Planbefestigung vorzunehmen, wirke genauso stark gegen das Wohlbefinden der Tiere wie die Forderung des Tierschutzbundes, einen Teil der Liegefläche einzustreuen, um eventuellen Liegeschwielen vorzubeugen.

Diese Forderungen entbehrten jeglicher wissenschaftlicher und praktischer Grundlage, erklärt Norbert Schindler. Aufgrund der technischen Problematik, welche bei dem System der Haltung auf Gülle eine Mischung mit der Misthaltung nicht unmöglich macht, würden die Tiere allein durch Teilspaltenböden, aber erst recht bei einer Einstreu auf der Liegefläche oder durch das geforderte Stroh als Beschäftigungsmaterial extrem belastet. Theoretisch und praktisch sei bewiesen, dass durch diese Maßnahmen der Stall extrem verkotet werde. Dies führe auch bei den besten Entlüftungssytemen zu schlechter Luft, Staubbelastung und Schadgasen. Außerdem sei bei der höheren Verschmutzung die Trittsicherheit gefährdet, welches zu einer höheren Verletzungshäufigkeit führe.

Bei Stroh als Beschäftigungsmaterial werde außerdem mehr Harn und Kot aufgenommen, welches die Tiere zusätzlich durch einen höheren Parasitenbefall belaste beziehungsweise auch die Salmonellengefahr verstärke.

Dies würde wiederum einen stärkeren Einsatz von Antibiotika zum Schutz der Tiere fordern, womit sich die Katze letztendlich wieder in den eigenen Schwanz beiße, fasst Schindler zusammen. In allen streulosen Ställen müssten und würden die Landwirte von sich aus bereits Beschäftigungsmaterial wie Ketten, Scheuerbalken oder gummierte Spielmaterialien bereitstellen. Dies sei sinnvoll und auch vom BWV gewollt und werde von den Tieren gut angenommen, so Schindler. Stroh, Späne, Torf etc. als Beschäftigungsmaterialien oder als Einstreu beim Güllesystem lehne der Verband jedoch strikt ab.

Absolut gegen die Tiere arbeite auch die Forderung, das Absetzalter von Ferkeln auf mindestens 28 Tage zu erhöhen. Bereits nach drei Wochen sei der Abwehrschutz des Ferkels durch die Sau aufgrund eines starken Rückgangs der so genannten maternalen Antikörper extrem niedrig. Ein späterer Absetzzeitpunkt der Ferkel führe somit zu einem extrem höheren Infektionsdruck im Abferkelstall und erfordere, sofern die Ferkel überleben sollten, wiederum einen verstärkten Antibiotikaeinsatz.

Massiv sprach sich Schindler auch gegen die durch die Bundesregierung geforderte zusätzliche Vergrößerung der Stallfläche gegenüber der EU-Richtlinie. Die von den EU-Experten aufgestellte Staffelung von 0,15 bis 1 Quadratmeter bei Schweinen mit einem Lebensgewicht von jeweils 10 bis über 100 Kilogramm, der Flächenbedarf für tragende Jungsauen von 1,64 beziehungsweise für Sauen von 2,25 Quadratmeter je Tier ist aus Sicht des BWV absolut ausreichend.

Bundesweit seien sich auch hier die Wissenschaftler darüber einig, dass dies dem optimalen Platzbedarf entspreche und größere Flächen ebenfalls zu höherer Verschmutzung und damit zu Belastungen durch Geruchs- und Ammoniakimmissionen führe. Durch das übliche drei- bis viermalige Aussortieren der schwersten Schweine zum Ende der Mast sieht Schindler den höheren Flächenbedarf durch die wachsenden Schweine ohnehin durch die Praxis gewährleistet.

Zusammenfassend warnt Schindler die Verantwortlichen der Politik sowie Bundeslandwirtschaftsministerin Künast davor, mit der Umsetzung der Richtlinie alle technischen und der tierischen und menschlichen Gesundheit dienenden Innovationen über Bord zu werfen und zurück ins Mittelalter zu kehren.

Information: Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V., An der Brunnenstube 33-35, 55120 Mainz, Tel.: 06131-62050, Fax: 06131-620544, E-Mail.

Links zum Thema %url4%Schweine%/%, Links zum Thema %url5%Tierhaltung%/%.

Seiten: << 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 >>



   (c)1997-2017 @grar.de