31. Oktober 2001

Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz

Themen: Archiv — info @ 13:10

Bonn (agrar.de) – Nachhaltigkeit ist ein dynamischer Prozess, in dem die Verbraucherwünsche, die Ansprüche des Umweltschutzes, die wirtschaftlichen Anforderungen und die sozialen Belange der Beschäftigen und des ländlichen Raumes ständig überprüft und gegeneinander abgewogen werden müssen. Zu diesem Fazit kamen Referenten und Teilnehmer der Podiumsdiskussion ‚Nachhaltige Landwirtschaft – Weg, Ziel oder Utopie‘. Die Veranstaltung der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft e.V. (FNL) fand am 25. Oktober 2001 in Berlin statt.

‚Auch der Naturschutz verliert in der Nachhaltigkeit seinen sektoralen Stellenwert‘. Mit dieser Feststellung kennzeichnete Hilmar Freiherr von Münchhausen, Leiter Landwirtschaft des WWF Deutschland, seine Vorstellungen zum Thema. ‚Der Naturschutz muss sich beweisen im Austausch und in der Auseinandersetzung mit anderen gesellschaftlichen Interessen.“ Auch wenn der Begriff von den unterschiedlichen Gruppierungen kontrovers und häufig kritisch beurteilt werde, plädiert Freiherr von Münchhausen für mehr Miteinander. ‚Nachhaltigkeit ist kein Begriff, der spaltet, sondern ein Begriff, der eint.‘ Dies sei eine wesentliche Voraussetzung, um langfristig gemeinsam diejenigen politischen Rahmenbedingungen zu setzen, unter denen individuelle Bedürfnisse mit gesellschaftlichen Interessen in Einklang gebracht würden.

‚Die Politik muss die geeigneten Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung schaffen,‘ forderte Philip Freiherr von dem Bussche, Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und Vorstandsmitglied der FNL. Dazu zähle unter anderem auch die Förderung einer leistungsfähigen Landwirtschaft, die dynamische Entwicklung der ländlichen Räume und die Honorierung multifunktionaler Leistungen der Landwirtschaft. In diesem Zusammenhang machte von dem Bussche deutlich, dass ökologischer Landbau eine attraktive Variante, aber kein Leitbild für eine nachhaltige Landwirtschaft sei. Übergeordnetes Ziel sei es, ‚die Ressourceneffizienz zu erhöhen.‘ Die Nutzung technischer und wissenschaftlicher Innovationen sowie der grünen Gentechnik könnten wichtige Beiträge leisten. Freiherr von dem Bussche: ‚Nachhaltige Landwirtschaft ist ohne moderne Technik und ohne effiziente Agrarforschung nicht zu haben.‘

Dr. Dierk Peters, International Marketing Manager Sustainability Projects, Unilever Langnese/Iglo, machte in seinem Beitrag die besondere Verantwortung der Unternehmen der Lebensmittelindustrie deutlich. Schließlich werde hier auf die natürlichen Rohstoffquellen zurückgegriffen und landwirtschaftliche Flächen intensiv genutzt. Daher verfolge sein Unternehmen die Zielsetzung, das Prinzip der Nachhaltigkeit für die gesamte Lieferkette vom Feld bis auf den Tisch zu sichern. Dr. Peters: ‚Die Verbraucher sind sensibilisiert, sie erwarten Produkte bester Qualität, die aber im Blick auf soziale und Umwelt-Belange in verantwortlicher Weise produziert werden.‘




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