20. September 2001

Über 1.800 Nutztier-Rassen weltweit vom Aussterben bedroht

Themen: Archiv,Tiere — info @ 16:09

National Geographic: Genetische Vielfalt akut gefährdet

Hamburg (agrar.de) – Weltweit ist nach den Schätzungen der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) etwa ein Drittel der 5.500 registrierten NutztierRassen vom Aussterben bedroht. In Deutschland gelten allein 90 Rassen als schutzwürdig, so die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) gegenüber dem %url1%National Geographic Deutschland. Für 2002 hat die GEH in Deutschland das Angler Rind als bedrohte Rasse des Jahres benannt.

Die moderne Landwirtschaft verwendet wenige besonders leistungsstarke Nutztier-Rassen. So verteilen sich beispielsweise 99 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Schweine auf nur vier Rassen. Bei Rindern sieht es nicht besser aus: 96 Prozent gehören ebenfalls zu lediglich vier Rassen und das, obwohl es in Europa 100 unterschiedliche Rinder-Rassen gibt. Eine Folge der industriellen Landwirtschaft ist die massive Reduzierung der genetischen Vielfalt.

Mit zum Teil schweren Folgen: Die hochgezüchteten Tiere sind meist viel anfälliger für Krankheiten und Stress. Antibiotika in großen Mengen sollen sie fit halten; die Medikamente gefährden allerdings die Gesundheit des Menschen, weil Krankheitskeime immer schneller resistent werden. Der Erhalt der alten Rassen, so National Geographic Deutschland, ist daher keineswegs reine Liebhaberei. Ihre Gene enthalten Eigenschaften, deren Einkreuzung die Hochleistungsrassen wieder robuster machen können. Die alten Rassen sind überdies perfekt an spezifische Lebensräume angepasst und können in Gegenden überleben, in denen Turbo-Tiere keine Chance haben. Das sibirische Jakut-Rind beispielsweise kann Temperaturen bis minus 60°C ertragen, eine interessante Eigenschaft angesichts des letzten Rekordwinters in der Mongolei, bei dem tausende von Tieren erfroren sind. Darüber hinaus pflegen und erhalten die alten Rassen heimische Naturlandschaften wie Salzwiesen oder Almhänge.

In Deutschland haben sich die so genannten Arche-Höfe, ein Projekt der GEH, der Erhaltung dieser Rassen angenommen. Inzwischen gibt es 76 Arche-Höfe, 30 stehen kurz vor der Anerkennung. Zusammen halten sie 65 Nutztierrassen. Deren akute Bedrohung veranschaulicht die Stückzahl: Vom Angler-Sattelschwein gab es im Sommer 2001 noch 50 Exemplare bundesweit, von den Schleswiger Kaltblütern existieren 200 und von den Walachenschafen 123 Stück. Und ganze drei Züchter halten noch Bergische Landhühner. Die alten robusten Arten und ihren Genpool zu erhalten, könnte in Zukunft aber erheblich an Bedeutung gewinnen, berichtet National Geographic Deutschland, da beispielsweise der Klimawandel einen weltweiten Austausch von Nutztier-Genen mit Eigenschaften wie Wärme- oder Kältetoleranz erforderlich machen könnte. Die Rückzüchtung bereits ausgestorbener Rassen ist allerdings unmöglich. Wohl lässt sich durch Kreuzungen ein ähnliches Aussehen erzielen, die Gene jedoch sind ein für alle Mal verloren.

Links zum Thema Biodiversität, Links zum Thema %url4%Seltene Rassen%/%.

WTO: Sonnleitner fordert weltweit verbindliche Standards

Themen: Biogas,Energie,NaWaRos — info @ 13:09

Hamburg (agrar.de) – In der heutigen Ausgabe der Tageszeitung ‚Die Welt‘ äußert sich der Präsident des Deutschen und Bayerischen und Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, mit folgendem Kommentar zur bevorstehenden WTO-Konferenz:

Frei und fair

Vom 9. bis 13. November findet die Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) im arabischen Emirat Katar statt. Die 142 Mitgliedstaaten der WTO werden dort entscheiden, ob eine neue umfassende Welthandelsrunde eröffnet wird. Die Worte ‚Welthandel‘ und ‚Globalisierung‘ prägen in jüngster Zeit Schlagzeilen in den Medien und öffentlichen Diskussionen. Welche Chancen und Risiken verbergen sich hinter diesen Begriffen?

Die Welt rückt näher zusammen. Bedeuteten räumliche Distanzen früher schwer überwindbare Hindernisse bei der Übermittlung von Waren oder Informationen, so scheint New York heute nur einen Mausklick entfernt zu sein. In den Lebensmittelmärkten profitiert der Verbraucher von einem saisonunabhängigen Angebot an Nahrungsmitteln aus aller Welt. Gerade exportorientierte Branchen sind auf ausländische Märkte angewiesen. Auch die Agrar- und Ernährungswirtschaft nutzt ihre dortigen Marktchancen.

Aber dies ist nur die eine Seite der Medaille. Globalisierung und Freihandel bescheren uns kein Schlaraffenland der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Kehrseite der Medaille zeigt sich im Sozial- und Umweltdumping, im zunehmenden Einfluss internationaler Finanzmärkte auf die heimische Wirtschaft sowie in der wachsenden Marktmacht internationaler Großkonzerne. Zum Beispiel im Lebensmitteleinzelhandel setzen die fünf größten Konzerne über drei Viertel aller Lebensmittel in Deutschland um.

Deshalb dürfen die WTO-Verhandlungen sich nicht nur auf Handelsvereinbarungen beschränken. Weltweit verbindliche Verbraucherschutz-, Tierschutz-, Hygiene-, Umwelt- und Sozialstandards sind zwingende Voraussetzung, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Solange es jedoch keine einheitlichen internationalen Regeln gibt, muss es den einzelnen Ländern gestattet sein, sich gegen Importe zu schützen, die unter wesentlich geringeren Standards und damit kostengünstiger produziert wurden. Freihandel darf nicht gleichbedeutend sein mit Schutzlosigkeit, sondern muss faire Rahmenbedingungen bieten.

Auch für die Erhaltung der bayerischen Landwirtschaft sind faire Handelsregeln von Bedeutung. Hier kann für Bauernfamilien und Verbraucher viel auf dem Spiel stehen: die Verfügbarkeit heimischer Nahrungsmittel, die attraktive Kulturlandschaft Bayerns und nicht zuletzt Arbeitsplätze in der Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Die Aufgaben und Leistungen der Landwirtschaft in Europa sind vielfältig und beschränken sich nicht nur auf die Erzeugung qualitativ hochwertiger Nahrungsmittel. Vor allem der Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaft liegen in den Händen der Bäuerinnen und Bauern. Darüber hinaus betätigen sich Land-wirte beispielsweise als Energiewirte, indem sie nachwachsende Rohstoffe anbauen oder mit Biogasanlagen eigenständig Energie erzeugen. Auch auf dem Sektor der Dienstleistungen sind Landwirte unter anderem mit dem Angebot ‚Urlaub auf dem Bauernhof‘ erfolgreich aktiv.

Die EU-Delegation muss in Katar selbstbewusst und geschlossen dafür eintreten, dass dieses europäische Modell einer nachhaltigen und multifunktionalen bäuerlichen Landwirtschaft in den internationalen Vereinbarungen fest verankert wird. Denn Nachhaltigkeit im Sinne einer Balance zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Erfordernissen ist der einzige Weg, damit die künftigen Generationen die gleichen Chancen und Möglichkeiten erhalten wie die jetzige und die vorigen Generationen.

Alles oder Nichts beim Welthandel, das ist für die anstehenden Beratungen nicht die Frage. Denn kein Land kann sich gegen die fortschreitende Globalisierung abschotten. Aber nur offene und faire Verhandlungen werden zu Ergebnissen führen, die für alle Beteiligten im wahrsten Sinne des Wortes ein guter Handel sind.

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Stächele: „Rindfleischerzeuger haben faire Preise verdient“

Themen: Archiv — info @ 12:09

Stuttgart (agrar.de) – ‚Die Schere zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen beim Rindfleisch hat sich weiter geöffnet. Das darf so nicht weitergehen. Die Rinderhalter haben faire Erzeugerpreise verdient‘. Dies erklärte der Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Willi Stächele, am Mittwoch in Stuttgart. Minister Stächele appellierte an alle Stufen der Fleischvermarktung, sich ihrer Mittlerfunktion entsprechend zu verhalten. ‚Dies bedeutet, durch Weitergabe der entsprechenden Marktsignale an die vor- und nachgelagerten Stufen einen möglichst reibungslosen Marktausgleich herbeizuführen‘, so Stächele.

Seit neun Monaten liegen die Erzeugerpreise für Schlachtrinder deutlich unter dem jeweiligen Vorjahresstand, zeitweise um bis zu 40 Prozent, derzeit immer noch um 20 bis 30 Prozent. Demgegenüber liegt der Rindfleischkonsum im Lande nur noch um 15 Prozent unter dem Vorjahresstand während sich die Verkaufspreise längst erholt haben und teilweise deutlich über dem Vorjahresniveau liegen.

‚Hier ist eine Preis-Schere aufgegangen, bei der der Erzeuger das Nachsehen hat‘, stellte Minister Stächele fest. Zwar entstehen in der Vermarktung durch die BSE-Tests, zusätzliche Entsorgung von Nebenprodukten und weitere Faktoren auch höhere Kosten. Diese könnten jedoch die extreme Ausweitung der Vermarktungsspanne in dieser Höhe nicht rechtfertigen.

In Baden-Württemberg wird jedes Rind, das älter ist als 24 Monate auf BSE-getestet. Bislang sind nun über 300.000 Tests durchgeführt worden. Die Zahl der festgestellten BSE-Fälle in Baden-Württemberg liegt bei neun Tieren, bundesweit sind es mittlerweile 108 Fälle. Minister Willi Stächele: ‚Durch konsequente Beseitigung des spezifizierten Risikomaterials, dem Verfütterungsverbot für Tiermehl und der sofortigen Kohortentötung in den betroffenen Fällen wird umfangreich gehandelt. Die Verbraucher in Baden-Württemberg können darauf Vertrauen, dass alles dafür getan wird um nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft höchstmögliche Sicherheit zu ermöglichen‘.

Minister Stächele appelliert auch an die Verbraucher, die gesicherte Qualität aus dem Land zu honorieren: ‚Die Qualitätssicherung durch regional erzeugte und transparent auf dem Markt verfügbare Nahrungsmittel ist ein Wert, der sich auch im Verkaufspreis wiederfinden muss.‘

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BBV: Positionspapier zum ökologischen Landbau

Themen: Archiv — info @ 10:09

München (agrar.de) – Am vergangenen Montag hat das Präsidium des Bayerischen Bauernverbands (BBV) ein Positionspapier zum Ökologischen Landbau mit folgendem Wortlaut verabschiedet:

1. Ausgangssituation

Der Bayerische Bauernverband vertritt die Interessen aller Bäuerinnen und Bauern – unabhängig von dem Bewirtschaftungssystem des Betriebes. Entsprechend der wachsenden Bedeutung des ökologischen Landbaus hat das Präsidium des Bayerischen Bauernverbandes am 26.03.2001 beschlossen, seine Aktivitäten für diesen Bereich deutlich zu akzentuieren. Vor diesem Hintergrund wurde die Arbeitsgruppe Ökolandbau im Bayerischen Bauernverband eingerichtet. Ziel der Arbeitsgruppe ist es, die Anliegen der ökologisch wirtschaftenden Bäuerinnen und Bauern zu erfassen, Lösungsansätze zu erarbeiten und deren Umsetzung tatkräftig zu unterstützen.

2. Die Rolle des ökologischen Landbaus im Leitbild der nachhaltigen Landbewirtschaftung

Das Aktionsprogramm Agenda 21 der Konferenz der Vereinten Nationen von Rio de Janeiro im Jahre 1992 ist Grundlage der nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft. Der Bayerische Bauernverband bekennt sich ausdrücklich zu diesem Leitbild. Landbewirtschaftungssysteme sind nachhaltig, sofern sie die Grundprinzipien der Nachhaltigkeit im Sinne der Agenda 21 erfüllen. Das heißt, dass sie sozial verantwortlich, ökonomisch sinnvoll und ökologisch tragfähig sind.

Innerhalb der verschiedenen nachhaltigen Landbewirtschaftungsformen nimmt der ökologische Landbau mit seinen klar definierten Richtlinien eine Sonderstellung ein. Der ökologische Landbau verzichtet konsequent und dauerhaft auf chemisch-synthetische Produktionsmittel im Pflanzenbau sowie auf den Ein-satz der Gentechnik im gesamten Produktionskreislauf. Mit den Richtlinien für die Tierhaltung ist die Grundlage für eine artgerechte Tierhaltung geschaffen. Der Bayerische Bauernverband anerkennt den ökologischen Landbau.

3. Der ökologische Landbau – Perspektive für die bäuerliche Landwirtschaft

Die Leistung der Ökobauern hat ein zukunftsfähiges Landbewirtschaftungssystem geschaffen. Der Bayerische Bauernverband sieht in der Zunahme der ökologischen Wirtschaftsweise eine bedeutende Perspektive für die bäuerliche Landwirtschaft in Bayern, wenn durch eine weiterhin steigende Nachfrage nach ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln entsprechende Marktchancen vorhanden sind. Bedeutend ist hierfür, dass höherer Produktionsaufwand und geringere Mengenerträge über höhere Produktpreise abgedeckt werden. Der Bayerische Bauernverband wird auch in Zukunft die Vermarktung ökologisch erzeugter Produkte unterstützen und vorantreiben. Zur Ausdehnung des ökologischen Landbaus ist zugleich die kostenoptimierte Nutzung der Vermarktungsstruktu-ren fortzuentwickeln. Für die ökologisch wirtschaftenden Betriebe kommt der Forschung, Bildung und Beratung in Produktions- und Marktfragen eine wachsende Bedeutung zu. Der Bayerische Bauernverband setzt sich dafür ein, diese Aspekte zu verbessern, um letztendlich eine günstige Infrastruktur für die Ausdehnung der ökologischen Landwirtschaft zu schaffen.

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19. September 2001

Sachsen: Reges Interesse am Internetangebot des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums

Themen: Archiv — info @ 14:09

Dresden (agrar.de) – Mehr als 585.200 Mal wurde in den vergangenen sechs Monaten auf die rund 8.000 Internetseiten des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums zugegriffen. Damit habe sich die Zahl der Interessenten im Vergleich zu den Anfangsmonaten mehr als verzehnfacht, teilte das Ministerium mit.

Vier Web-Adressen stehen seit dem Start am 16. Januar 2001 zur Auswahl. Neben zahlreichen Fakten, Sachinformationen und aktuellen Veranstaltungshinweisen können auch Antragsformulare beispielsweise für Förderungen und den Umweltpreis oder Musterverträge für den Holzkauf abgerufen werden. Als Renner unter den websites erwies sich die Adresse www.smul.sachsen.de die 244.931 (Februar: 23.474) mal angeklickt wurde. Ganz dicht darauf folgt die Landwirtschaftsseite (www.landwirtschaft.sachsen.de) mit 202.618 Zugriffen (Februar: 11.700). Dabei interessierten vor allem Informationen zum Ländlichen Raum (65.415 Zugriffe) und zu Agrarumweltmaßnahmen (13.812).

Das Thema Umwelt (www.umwelt.sachsen.de) stand 83.287 Mal im Mittelpunkt des Interesses. Am häufigsten frequentiert wurden hier die Links zu Luft, Lärm und Klima (33.399 mal). Unter www.forsten.sachsen.de gab es 54.441 (Februar: 6.520) Zugriffe. Dem enormen Informationsbedarf der Bevölkerung solle laut Ministerium mit einer höheren Aktualität Rechnung getragen werden. So werden, nachdem die Anfangsphase vorbei ist, alle nachgeordneten Behörden ihre Angaben direkt ‚einspeisen‘ und müssen nicht den ‚Umweg‘ über das Ministerium nehmen.

Links zum Bundesland Sachsen.

Gentechnikfreie Zonen für den Öko-Landbau?

Themen: Archiv — info @ 12:09

Byrne und Fischler rufen zu politischer Verantwortung im Zusammenhang mit GVO auf

Alden Biesen (agrar.de) – Beim informellen Agrarrat in Alden Biesen/Belgien haben EU-Kommissare Franz Fischler (Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Fischerei) und David Byrne (Gesundheit und Verbraucherschutz) die politischen Entscheidungsträger dazu aufgerufen, eine Führungsrolle in der Diskussion über genetisch veränderte Organismen (GVO) zu übernehmen.

‚Wie die hitzige öffentliche Diskussion in Europa zeigt, ist es äußerst wichtig, auf die Sorgen und Bedenken unserer Gesellschaft einzugehen. Das hat die Kommission getan, indem sie eine klare Etikettierung, das Prinzip der Rückverfolgbarkeit und ein sicheres, wissenschaftlich begründetes Zulassungsverfahren vorgeschlagen hat. Eine politische Führungsrolle bedeutet meiner Ansicht nach nicht, populistische Einstellungen anzunehmen und Ängste auszunutzen, um Stimmen zu gewinnen‘, so Fischler.

David Byrne fügte hinzu, dass ein hohes Schutzniveau, die Wahlmöglichkeit des Verbrauchers und ein transparentes, einheitliches und effizientes Zulassungsverfahren die wichtigsten Elemente zur Schaffung von sozialer Akzeptanz und Vertrauen in die Biotechnologie in den Lebens- und Futtermittelsektoren darstellen. ‚Die Debatte über GVO hat die Gemüter oft mehr erhitzt als aufgeklärt. Wir müssen als politisch Verantwortliche dafür sorgen, dass unseren Bürgern objektive Tatsachen über die Biotechnologie vorgelegt werden und sie sich selbst ein Urteil bilden können. Es hat zu viele falsche Behauptungen gegeben, die nicht das wissenschaftlich gestützte Konzept der Lebensmittelsicherheit wiederspiegeln, das ich befürworte. Ich rufe daher alle Seiten auf, eine rationale Diskussion zu führen und einen ausgewogenen Ansatz zu wählen. Für die europäische Öffentlichkeit ist Sicherheit die wichtigste Lebensmittelzutat. Kompromisse sind im Bereich der Lebensmittelsicherheit keine Lösung. Das Grundprinzip der bestehenden und der vorgeschlagenen Rechtsvorschriften der Kommission über GVO lautet, dass Lebens- und Futtermittel keine Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Tier und die Umwelt darstellen und dies auch in Zukunft nicht darstellen dürfen.‘

Fischler zufolge ‚ist die Frage der GVO nicht nur für die Landwirte, die Industrie oder die Wissenschaft von großer Bedeutung, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der Beschäftigung. Die Verbraucher sollten vor möglichen Risiken geschützt und die Vor- und Nachteile der Biotechnologie offen diskutiert werden. Die EU sollte pro-aktiv handeln und den Menschen auch erklären, welche Risiken mit einer Ablehnung dieser Technologie verbunden sind. Auch die Vorteile der Biotechnologie von der Bekämpfung von Hungersnöten durch dürreresistente Pflanzen bis hin zu einer verantwortungsbewussten Anwendung in der Medizin sollten klar dargelegt werden. Und hier gibt es zugegebenermaßen noch viel zu tun‘.

Fischler hob darüber hinaus hervor, dass eine der Herausforderungen im Zusammenhang mit GVO darin liegt, die Lebensfähigkeit der konventionellen und der ökologischen Landwirtschaft zu erhalten. ‚Ökologisch erzeugte Produkte müssen frei von GMO bleiben. Wir müssen sicherstellen, dass diese Erzeugnisse nicht mit GVO kontaminiert werden.‘

Möglicherweise müssten zukünftig ‚gentechnikfreie Zonen‘ eingerichtet weden, damit ökologisch wirtschaftende Landwirte weiterhin 100 Prozent GVO-freie Produkte anbieten können, so Fischler. Wissenschaftler hatten vor dem Treffen erklärt, dass eine Streuung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) bei einem großflächigen Einsatz dieser Technologie nicht zu verhindern sei. Damit Bio-Betriebe weiterhin selbst geringe GVO-Spuren in ihren Produkten vermeiden können, müssten sie räumlich von der konventionellen Landwirtschaft mit GVO-Einsatz getrennt werden.

Links zum Thema Bio-Landbau, Links zum Thema Biotechnologie.

NABU stellt Konzept „Naturschutz in Deutschland“ vor

Themen: Archiv — info @ 10:09

Berlin (agrar.de) – Der Naturschutzbund NABU hat sein Konzept ‚Naturschutz in Deutschland‘ vorgestellt. Zu den Kernanliegen des Naturschutzes hierzulande gehöre laut NABU der Schutz solcher Ökosysteme und Arten, für deren Erhalt Deutschland eine internationale Verantwortung trage. Dies treffe vor allem auf das Wattenmeer und die Buchenwälder zu, die ihren weltweiten Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland haben. ‚Wir können nicht nur vom Regenwald schwärmen und dabei die Wildnis vor der eigenen Haustür vernachlässigen‘, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Gerd Billen.

Der NABU fordert, den Anteil der Naturschutzfläche Deutschlands von derzeit unter 5 Prozent auf 15 Prozent zu erhöhen. Ein Biotopverbund auf nur 10 Prozent der Fläche, wie es der Regierungsentwurf zum Bundesnaturschutzgesetz vorsehe, reiche keinesfalls aus. Auf einem erheblichen Anteil der vom NABU geforderten Schutzgebietsfläche sollte Natur besonders konsequent, nämlich ganz ohne menschliche Einwirkungen und Nutzungen gesichert werden. Da es aber beim überwiegenden Flächenanteil darauf ankäme, Land- und Forstwirtschaft naturverträglich auszugestalten, begrüßte der NABU die im Regierungentwurf zum Bundesnaturschutzgesetz erstmals vorgelegten Regeln zur guten fachlichen Praxis einer naturverträglichen Land- und Forstwirtschaft.

Eine naturverträgliche Landnutzung und neue Schutzgebiete ließen sich nur umsetzen, wenn in der Naturschutzpolitik neue Wege beschritten würden. Ausgleichszahlungen für Naturschutzmaßnahmen und die personelle Betreuung von Schutzgebieten durch die Bundesländer seien überwiegend mangelhaft, so Billen: ‚Mit rostigen Verbotsschildern können wir niemandem die Bedeutung von Naturschutzgebieten erklären.‘ Der NABU forderte Bund und Länder dazu auf, durch eine Kommunikationsoffensive und eine deutlich verbesserte personelle Betreuung der Schutzgebiete deren Akzeptanz zu steigern. Zur Lösung der Konflikte mit Landnutzern schlägt der NABU die Ausweitung von Programmen zum Ankauf von Naturschutzflächen vor.

Die NABU-Broschüre ‚Naturschutz in Deutschland‘ ist in der NABU-Pressestelle (Tel.: 0228-4036-141) abrufbar.

Links zum Thema %url2%Landschaft und Natur%/%.

WLV: Viele Rindermäster in Westfalen-Lippe vor dem Aus

Themen: Archiv — info @ 09:09

Münster (agrar.de) – ‚Die Situation am Rindermarkt ist nach wie vor düster und ohne Hoffnung auf baldige Besserung‘. Das betonte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Franz-Josef Möllers, heute in Münster. ‚Der durch BSE bedingte Nachfragerückgang bei Rindfleisch, aber auch die enorm hohen Kosten für die Beseitigung von Tiermehl, für BSE-Tests und für deutlich höhere Schlachtkosten treiben unsere Betriebe reihenweise in den Ruin‘, so Möllers weiter.

Denn aufgrund der Marktmacht der großen Lebensmitteleinzelhandelsketten blieben die Bauern, so der WLV-Präsident, alleine auf diesen Kosten in einer Größenordnung von 250 bis 300 DM je Tier sitzen. Hinzu käme der nachfragebedingte Preisrückgang von etwa 100 DM je Schlachtrind. Seit November vergangenen Jahres haben die Rindfleischerzeuger, nach Berechnungen des WLV, allein in Westfalen-Lippe etwa 200 Millionen DM verloren.

‚Und unsere Ministerin in Düsseldorf tut nichts, um die Not vieler bäuerlicher Familienbetriebe zu lindern‘, beklagt der Bauernpräsident. So sei weder das im Februar von Bärbel Höhn angekündigte Hilfsprogramm über die Gewährung von Zuwendungen als Liquiditätshilfe für Rinder haltende Betriebe angelaufen noch würde sich das Land bei den Kosten für BSE-Tests und Tiermehlentsorgung beteiligen. Deshalb fordert der WLV mit allem Nachdruck, dass die Bundes- wie die Landesregierung endlich aktiv werden und finanzielle Mittel für die betroffenen Betriebe bereit stellen, angefangen von Überbrückungshilfen bis hin zur Übernahme der BSE-Testkosten. Außerdem müsse der Absatz von Rind- und Kalbfleisch durch umfangreiche Werbemaßnahmen angekurbelt werden.

‚Doch statt dessen macht Ministerin Höhn Reklame für Bioläden eines Großhändlers und überzieht das Land mit einer teuren Werbekampagne, die mit ‚hübschen‘ Motiven fernab jeder Realität in der Landwirtschaft die Verbraucher gewinnen will. Unseren in Not geratenen Jungbullenmästern muss das Verhalten der NRW-Landwirtschaftsministerin wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen‘, so der WLV-Präsident.

18. September 2001

Körnermaisfläche in Deutschland stark ausgedehnt

Themen: Archiv — info @ 12:09

Bonn (agrar.de) – Die Maisanbaufläche bei Körnermais hat sich deutschlandweit gegenüber dem Vorjahr um über 11 Prozent auf insgesamt rund 305.000 erhöht. Dies berichtet das Deutsche Maiskomitee (DMK) unter Hinweis auf die jüngste Anbaustatistik. Laut DMK liegt die Ursache u.a. in der ungünstigen Wetterlage dieses Frühjahrs. Die nassen Monate zu Beginn des Jahres hätten den Landwirten die Aussaat von Sommergetreide vielerorts erschwert, so dass sich Körnermais als dankbare Alternative anbot.

Corn-Cob-Mix wird dieses Jahr um fast 5 Prozent mehr angebaut (92.200 ha), Silomais ist dagegen, wie bereits in den Vorjahren, weiterhin mit – 2,6 Prozent auf 1,12 Mio. ha) leicht rückläufig. Dennoch hat die Mais-Gesamtanbaufläche im Bundesgebiet immerhin ein halbes Prozent Zuwachs auf 1,52 Mio. ha erfahren. Meister im Maisanbau ist nach wie vor die Region Bayern mit insgesamt 393.500 ha (+0,7 Prozent gegenüber 2000), gefolgt von Niedersachsen (296.500 ha, + 1,9 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (213.100 ha, + 0,7 Prozent).

Im CCM-Anbau bleibt Nordrhein-Westfalen mit weitem Abstand führend, wo die Fläche (54.000 ha) auch in diesem Jahr um fast 11 Prozent ausgedehnt wurde. Niedersachsen folgt an zweiter Stelle mit 21.000 ha (-5,0 Prozent). Nimmt man Körnermais und CCM zu einer Nutzungsrichtung zusammen, dann ergibt das Jahr 2001 mit fast 400.000 ha einen neuen Anbaurekord, der die bisherige Bestmarke von 372.000 ha aus dem Jahr 1996 deutlich in den Schatten stellt.

Links zum Thema Mais.

Uni Bonn konzipiert Frische-Indikator für Fleisch

Themen: Archiv — info @ 11:09

Bonn (agrar.de) – ‚Gekühlt mindestens haltbar bis – siehe Bodenprägung.‘ Wer kennt sie nicht, die Mindesthaltbarkeitsangaben, die mehr oder weniger versteckt auf abgepacktem Frischfleisch oder eingeschweißten Wurstwaren prangen. Und dennoch zeigt das Fleisch manchmal Farb- und Geruchsabweichungen, auch wenn es laut Aufdruck noch in Ordnung sein müsste. Grund: Das Datum verrät nur die Haltbarkeit unter den angegebenen Lagerbedingungen – wenn die Kühlkette unterbrochen wird, machen sich schädliche Bakterien mitunter schon viel früher breit. Wissenschaftler der Universität Bonn sind an der Entwicklung eines Indikators beteiligt, der genau anzeigen soll, wie frisch beispielsweise das Schweinefleisch in der Kühltheke noch ist. Eine Entfärbung des Indikators zeigt an, dass das Fleisch möglicherweise verdorben ist.

Appetitlich sieht das rohe Schweinefleisch nicht mehr aus, das in den Brutschränken des Instituts für Tierhygiene seit Tagen bei 20 Grad Celsius langsam verdirbt. Salmonellen, Pseudomonaden und Enterobakterien haben von dem saftigen Filetstück Besitz ergriffen und vermehren sich munter – und das alles im Dienste der Wissenschaft.

Die Lebensmitteltechnologin Judith Kreyenschmidt untersucht hier, wie lange Fleisch bei verschiedenen Temperaturen genießbar bleibt. Alle vier Stunden entnimmt sie aus dem 20 Grad warmen Brutschrank Proben, die sie mit steriler Kochsalzlösung übergießt, maschinell zerkleinert und schließlich auf ihre Bakterienbelastung sowie verschiedene biochemische und sensorische Parameter bestimmt. Eine aufwendige Prozedur, die die Mitarbeiter des Instituts für Tierhygiene unter Leitung von Prof. Dr. Brigitte Petersen auch nachts und an den Wochenenden beschäftigt.

Die gewonnen Daten zum Fleischverderb dienen als Grundlage für die Weiterentwicklung eines Zeit-Temperatur-Indikators. Dieser soll als Zusatzinformation auf sogenannten ‚Intelligenten Verpackungen‘ dem Verbraucher über die Einhaltung der Kühlkette bei Transport und Lagerung von Fleischwaren Aufschluss geben. Bei dem von der Uni Bayreuth entwickelten Frischeindikator handelt es sich um einen auf Filterpapier aufgebrachten Farbstoff, der unter UV-Bestrahlung blau wird und sich dann zeit- und temperaturabhängig wieder entfärbt. Der Clou dabei: Die Entfärbung erfolgt innerhalb einer ähnlichen Zeitspanne, in der auch Fleisch verdirbt: je wärmer, desto schneller.

‚Wir möchten hier herausfinden, wie schnell Geflügel oder Schweinefleisch bei verschiedenen Temperaturen verdirbt‘, erklärt die Tiermedizinerin Dr. Susanne Knura-Deszczka. ‚Das Institut in Bayreuth untersucht gleichzeitig, wie schnell sich der Zeit-Temperatur-Indikator bei diesen Temperaturen entfärbt.‘ Im Idealfall ergibt sich daraus eine Aussage wie ‚ich muss den Indikator zwei Sekunden mit UV-Licht bestrahlen, damit er genau dann wieder entfärbt ist, wenn das Schweinefleisch nicht mehr für den Verzehr geeignet ist.‘

In der Herstellung kosten die Indikatoren nur wenige Pfennige. Das ‚Aufladen‘ mit Hilfe einer UV-Lampe ließe sich bei der Verpackung der Ware gleich mit erledigen. Der Kunde an der Kühltheke kann dann an der Farbe des Punktes direkt erkennen, wie frisch das Fleisch noch ist.

Sogenannte Zeit-Temperatur-Indikatoren sind übrigens bereits auf dem Markt. Die bisherigen Produkte haben aber verschiedene Nachteile: Sie müssen vor der Aktivierung bei sehr niedrigen Temperaturen gelagert werden oder sind für die Lebensmittelbranche mit ihren geringen Gewinnmargen einfach zu teuer. Der ‚blaue Punkt‘ der Arbeitsgruppe Bonn-Bayreuth hat daher gute Marktchancen – zumindest, wenn er sich auch in der Praxis bewährt. Ende nächsten Jahres sollen die ersten Praxistests anlaufen.

Information: Prof. Dr. Brigitte Petersen, Institut für Tierhygiene, Abteilung Präventive Gesundheitskontrolle, Tel.: 0228-73-2821, Fax: 0228-73-7938, E-Mail; Judith Kreyenschmidt, Tel.: 0228-73-3886, bzw. Dr. Susanne Knura-Deszczka, Tel.: 0228-73-2057

Links zum Thema %url4%Forschung%/% und %url5%Fleischwirtschaft%/%.

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