11. Juli 2001

Preisindex im Juni um 3,1 Prozent über dem Vorjahresstand

Themen: Archiv — info @ 14:07

Wiesbaden (agrar.de) – Haushalte in Deutschland im Juni 2001 gegenüber Juni 2000 um 3,1 Prozent und gegenüber Mai 2001 um 0,2 Prozent gestiegen. Die Schätzung für Juni 2001 auf Grund der Ergebnisse aus sechs Bundesländern wurde damit vom Bundesstatistikamt bestätigt. Die Preissteigerung im Mai 2001 hatte im Vorjahresvergleich noch 3,5 Prozent betragen.

Die Jahresteuerungsrate bei Nahrungsmitteln erhöhte sich im Juni 2001 um durchschnittlich 6,9 Prozent (Mai 2001: + 6,7 Prozent). Hervorzuheben sind insbesondere die Preissteigerungen bei Fleisch und Fleischwaren um 9,7 Prozent (Mai 2001: + 9,5 Prozent), Gemüse um 14,4 Prozent (Mai 2001: + 15,4 Prozent), Obst um 8,5 Prozent (Mai 2001: + 10,6 Prozent) sowie Molkereiprodukten und Eiern um 6,2 Prozent (Mai 2001: + 4,5 Prozent).

Links zum Thema Agrarbericht und Statistik.

Saatgutschutz und Pflanzenschutzmittel im ökologischen Landbau

Themen: Archiv — info @ 13:07

Kleinmachnow (agrar.de) – Nach 2003 darf im ökologischen Landbau nur noch Saat- und Pflanzgut eingesetzt werden, das nach den Kriterien der entsprechenden Verbände erzeugt wurde. Vertreter aus Wissenschaft, Industrie, Anbauverbänden und Behörden diskutierten Ende Juni in zwei Fachgesprächen an der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA), wie Erzeuger auch nach 2003 mit Saat- und Pflanzgut versorgt werden können.

Noch bis 2003 dürfen Ökobauern konventionell erzeugtes Saatgut nutzen. Danach ist nur Saatgut erlaubt, das nach Kriterien des ökologischen Landbaus gewonnen wurde. Auch dieses Saatgut muss von höchster Qualität und vom Bundessortenamt (BSA) zugelassen sein.

Vertreter der ökologischen Anbauverbände forderten, dass die Sortenprüfung unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus erfolgt, d. h. auf Flächen, die nach den Qualität sein Richtlinien des ökologischen Landbaus bewirtschaftet werden. Außerdem müssen für den ökologischen Landbau alternative Methoden zur Saatgutbehandlung beschrieben werden, um samenbürtige Krankheitserreger regulieren zu können. Die Teilnehmer des Fachgesprächs appellierten daher an die Züchter, Sorten speziell für diesen Bedarf bereitzustellen.

Ähnliche spezielle Anforderungen des ökologischen Landbaus gibt es für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Im Rahmen eines zweiten Fachgespräches ‚Hinreichende Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln im ökologischen Landbau‘ stellte die BBA als Zulassungsbehörde für Pflanzenschutzmittel dar, dass diese Probleme gelöst sind: Pflanzenschutzmittel werden auch zukünftig nur dann zugelassen, wenn sie eine hinreichende Wirksamkeit aufweisen. Dabei stellt die Bewertung der Wirksamkeit einen Abwägungsprozess dar, in dem z. B. neben der Biologie des Schaderregers und der Kulturart auch das Anbauverfahren Berücksichtigung finden kann. Im Einzelfall wird sich die BBA mit den Verbänden des ökologischen Landbaus beraten.

Zusammenfassungen der bisher durchgeführten Fachgespräche zum ‚Pflanzenschutz im ökologischen Landbau‘ finden Sie im Internet.

Links zum Thema Bio-Saatgut und %url4%biologischer Pflanzenschutz%/%.

10. Juli 2001

Die Arbeitswoche der Land- und Forstwirte hat 61 Stunden

Themen: Archiv — info @ 09:07

Wiesbaden (agrar.de) – Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, dauerte in Deutschland im Mai 2000 die normale Arbeitswoche für die knapp 320.000 Selbstständigen in der Land- und Forstwirtschaft (einschl. Fischerei) durchschnittlich 61,1 Stunden. Damit liegt sie deutlich über dem Durchschnitt aller Selbstständigen (49,7 Stunden pro Arbeitswoche).

Das zeigen die Ergebnisse des Mikrozensus 2000, der europaweit größten jährlichen Haushaltsbefragung zu den Lebens- und Arbeitsverhältnissen in Deutschland.

Für die abhängig Erwerbstätigen fällt mit einem Wochendurchschnitt von 35,7 Stunden eine wesentlich kürzere Arbeitszeit an, teilweise bedingt durch den hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigung. Fast 20 Prozent aller abhängig Erwerbstätigen in Deutschland arbeiteten im Mai 2000 in Teilzeit, wobei mehr als ein Drittel (38 Prozent) der erwerbstätigen Frauen diese Arbeitsform wählten.

Weitere ausgewählte Ergebnisse des Mikrozensus 2000 – u.a. auch zu durchschnittlich geleisteten Wochenarbeitsstunden von Erwerbstätigen – enthält die Publikation ‚Leben und Arbeiten in Deutschland‘, die im Internet abrufbar ist.

09. Juli 2001

Künast: Modulation kommt

Themen: Archiv — info @ 13:07

Ländermehrheit einigt sich über Einführung

Berlin (agrar.de) – ‚Die Modulation kommt. Jetzt ist der Weg frei, auch in Deutschland Mittel aus der direkten Förderung der Produktion in die Unterstützung von Umweltprogrammen und sozialen Maßnahmen umzuschichten,‘ erklärte Renate Künast, Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft im Anschluss an die heutige Tagung mit den Länderministern. Die Mehrheit der Länderminister stimmte der Einbringung des Gesetzesentwurfs im Bundesrat zu. Damit kann das Verfahren noch vor der Sommerpause anlaufen. ‚Wir werden weiterhin gemeinsam mit den Ländern konstruktiv die Zukunft der Landwirschaft organisieren,‘ so Künast.

Vom 1. Januar 2003 an werden die EU-Direktzahlungen an die Landwirte ab einem Freibetrag von 20.000 Mark um 2 Prozent gekürzt. Der frei werdende Betrag wird national ergänzt und über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur für Umwelt- und Sozialmaßnahmen eingesetzt. Die Ausgestaltung der Finanzierung zwischen Bund und Ländern soll im weiteren Beratungsverlauf geklärt werden.

06. Juli 2001

Sonnleitner: Agrarpolitik ist voller Widersprüche

Themen: Archiv — info @ 16:07

Kundgebung des Deutschen Bauerntages in Münster

Münster (agrar.de) – Nur eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft kann auch ihre Aufgaben für die Umwelt und die Erhaltung von Arbeitsplätzen erfüllen. Statt diese Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen, stellt sich die Agrarpolitik aus Berlin und Brüssel aber voller Widersprüche dar. Dies ist die zentrale Kritik der Bauern an der Bundesregierung, die der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, bei der Bauerntags-Kundgebung im westfälischen Münster äußerte.

In seiner Rede vor über 5.000 Bauern verwahrte sich der DBV-Präsident gegen Äußerungen von Bundesministerin Renate Künast, die Bauern würden für ‚Überschüsse, Tierquälerei und Raubbau‘ bezahlt. In Wahrheit würden die Verbraucher durch die niedrigen Nahrungsmittelpreise seit Jahrzehnten subventioniert, diese seien die Inflationsbremse Nr. 1. Vom Agraretat würden zwei Drittel in der Agrarsozialpolitik eingesetzt. Von den massiven Preissenkungen infolge der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik sei den Bauern nur knapp die Hälfte ausgeglichen worden. Die Bauern seien wütend, weil die Politik große Klasse sei im Produzieren von Schlagzeilen, im Hochtreiben von Kosten und im Anbieten von Scheinlösungen.

Der DBV-Präsident bekräftigte, dass die Bauern zum gesundheitlichen Verbraucherschutz stehen und am Aufbau einer ‚gläsernen Produktion‘ arbeiten. Er erinnerte an eine Äußerung von Bundeskanzler Gerhard Schröder, in der Landwirtschaft künftig von der Ladentheke aus zu denken. Dumm sei nur, dass bei Aldi und anderen Lebensmittelketten, die die Preise diktierten, schon lange keine Theken mehr stehen. Und wie freudig die Verbraucher höhere Preise zahlen, sehe man an den Reaktionen der Öffentlichkeit auf jüngste Steigerungen der Inflationsrate. Der DBV-Präsident forderte Frau Künast auf, eine konstruktive Diskussion über die Agrarpolitik und die Zukunft der Landwirtschaft zu führen. Dabei sei aber klar, dass jede Agrarpolitik, die sich gegen die Bauern richte, scheitern werde. Gesundheitsschutz sei unteilbar und müsse auch für Importprodukte gelten. Der Staat dürfe keine Produktionsform einseitig bevorzugen oder benachteiligen. Die Bauern hätten die alten Grabenkämpfe zwischen ‚öko‘ und ’nicht-öko‘ schon längst eingestellt.

In Deutschland und Europa würden den Bauern immer höhere Auflagen aufgedrückt, während sie gleichzeitig mit immer mehr Importen aus Drittländern konkurrieren müssten, bei denen Gesundheitsschutz, Schutz der Umwelt und der Tiere keine große Rolle spielten. Sonnleitner: ‚Und die deutsche Politik packt dann immer noch einen obendrauf‘. Als Beispiele nannte der DBV-Präsident die Gemeinschaftsaufgabe zur Förderung der Agrarstruktur. Sie werde mit Maßnahmen überfrachtet, die mit der eigentlichen Zielsetzung der Agrarstrukturverbesserung nichts mehr zu tun hätten. Gleiches gelte für die beabsichtigte massive und einseitige Förderung des ökologischen Landbaus oder für die nationale Verschärfung der Hennenhaltungs-Verordnung weit über die entsprechenden EU-Regeln hinaus.

Auch die Umweltverträglichkeitsprüfung werde nicht 1:1 auf Deutschland übertragen, sondern maßlos verschärft; in der Pflanzenschutz-Zulassung werde eine Extratour gefahren. Das neue Bundesnaturschutzgesetz stelle ökologische Zielsetzungen weit über die Bedürfnisse der Menschen im ländlichen Raum und wolle einen Ausschließlichkeitsanspruch durchpauken.

Auch im Naturschutz gehe es nur mit den Bauern. 30 Prozent der gesamten deutschen Agrarfläche sei schon heute freiwillig in Agrarumweltprogrammen verankert. Naturschutz funktioniere am besten als Vertragsnaturschutz und nur mit früher und voller Beteiligung der Eigentümer. Die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes ziele auf das genaue Gegenteil hin. Der Vertragsnaturschutz werde ‚abgemeiert‘ und die Verpflichtung der Bundesländer zur finanziellen Entschädigung werde gestrichen.

Sonnleitner bekräftigte, die Bauern wollten auf dem Land wirtschaften und leben, die jungen Landwirte forderten zu Recht Perspektiven. Die Bauern, ihre Familien und der Berufsstand seien bereit zum Dialog mit Gesellschaft und Politik. ‚Wir haben keinen Grund, uns zu verstecken, sondern allen Grund, an uns zu glauben, auf unsere Kräfte zu setzen.‘

AGÖL: Bauernverband sollte Chancen der Agrarwende erkennen

Themen: Archiv — info @ 15:07

Münster (agrar.de) – Die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL) fordert den Bauernverband anläßlich des Bauerntages in Münster dazu auf, nicht den Rückzug in längst verlassene Grabenkämpfe anzutreten und die Chancen der Agrarwende für die Landwirte zu erkennen.

‚Es ist unverständlich‘, so ihr Vorsitzender, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, ‚dass jetzt eine solche Fundamental-Opposition gegen die Agrarwende gefahren wird. Agrarwende meint doch nicht Kehrtwende! Niemand verlangt, dorthin zurückzukehren, wo man vor Jahrzehnten war. Es geht darum zu sehen, was falsch gelaufen ist, um eine neue, zukunftsfähigere und den Verbraucherwünschen entsprechende Richtung in der Nahrungsmittelerzeugung und Landbewirtschaftung einzuschlagen!‘ Hierzu seien in letzter Zeit beim Bauernverband deutliche Erkenntnisfortschritte erzielt worden, hinter die man nun nicht zurückfallen dürfe.

Die AGÖL möchte klar machen, dass der Ökologische Landbau die Alternative ist, an der sich orientieren kann, wer aus den Fehlern gelernt hat, die zu immer intensiveren und immer problematischeren Produktionsmethoden in der Landwirtschaft geführt haben. ‚Es ist verständlich, dass sich der Bauernverband vor die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder stellen muß‘ erklärt Löwenstein, der selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb ökologisch bewirtschaftet. ‚Dabei darf jedoch die Wirkung der Landwirtschaft auf Natur und Umwelt und damit auch auf das Ansehen in der Bevölkerung nicht links liegen gelassen werden.‘ Deshalb werde auch die konventionelle Landwirtschaft Veränderungen in den Förderprogrammen und in den Produktionsvorschriften hinnehmen müssen. Dass auf die Wettbewerbsfähigkeit der bäuerlichen Betriebe geachtet werden müsse, sei dabei oberste Pflicht aller Verantwortlichen, damit das Höfesterben nicht weiter zunimmt. Gerade hier könne der Öko-Landbau Chancen bieten, weil er einer stetig wachsende Nachfrage nach derart erzeugten Produkten gegenüberstehe. Genau dies müsse der Bauernverband seinen Mitgliedern auch sagen und nicht den Versuch unternehmen, den Öko-Landbau in die Nische zurückdrängen zu wollen.

Links zum Thema Bio-Landbau.

Getreide dominiert die Anbaustatistik

Themen: Archiv — info @ 15:07

(agrar.de) – Für die Ernte 2001 setzen die deutschen Landwirte verstärkt auf Getreide und Ölfrüchte. Dagegen haben sie das Kartoffelareal gegenüber dem Jahr zuvor deutlich eingeschränkt, zitiert der Landvolk-Pressedienst die Frühjahrsschätzung des Bundeslandwirtschaftsministeriums zum Feldfruchtanbau.

Danach ist die Getreideanbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent auf 7,06 Millionen Hektar (ha) ausgedehnt worden. Dem Anbau von Raps und Rübsen reservierten die deutschen Landwirte mit knapp 1,14 Millionen ha 5,6 Prozent mehr als in 2000, während die Silomaisfläche um 1,7 Prozent auf 1,13 Millionen ha schrumpfte. Die Kartoffelfläche umfasst mit 288.000 ha sogar 5,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor, während der Anbau von Körnersonnenblumen um sieben Prozent auf 28.000 ha ausgeweitet wurde.

Im Vergleich zum Vorjahr hat der Wintergetreideanbau nur geringfügig auf 5,75 Millionen ha zugenommen. Dabei wurde die Winterweizenfläche um 0,7 Prozent auf 2,89 Millionen ha reduziert, während Wintergerste um 2,8 Prozent auf 1,49 Millionen ha zulegte. Zudem säten die Landwirte 8,3 Prozent mehr Triticale aus, die Anbaufläche stieg auf 541.000 ha. Trotz der schlechten Aussaatbedingungen erweiterten die Landwirte den Anbau von Sommergetreide um 1,3 Prozent auf 925.000 ha. Dabei favorisierten sie den Anbau von Sommergerste und weiteten deren Anbauareal um 2,7 Prozent auf 637.200 ha aus.

Der Anbau von Raps, Rübsen und Körnersonnenblumen dürfte für die Landwirte aufgrund der höheren Preise attraktiv gewesen sein, obwohl die Flächenbeihilfen erneut gesenkt wurden. Dagegen hat bei Kartoffeln die ungünstige Preisentwicklung im vergangenen Wirtschaftsjahr für eine Anbau-einschränkung gesorgt.

Bundesvorgabe zur Reduzierung der landwirtschaftlichen Versicherungsträger gestrichen

Themen: Archiv — info @ 13:07

Berlin (agrar.de) – SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und F.D.P. gehen davon aus, dass die Zahl der Verwaltungsgemeinschaften in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung von 17 auf neun reduziert wird. In einem Antrag der Fraktionen heißt es, dies könne auch ohne eine entsprechende bundesgesetzliche Regelung durch Organisationsmaßnahmen der Selbstverwaltung beziehungsweise der Länder vorgenommen werden.

Der Bund und die Länder würden davon ausgehen, dass der sich in den letzten Jahren verstetigende, strukturbedingte Rückgang der Versichertenzahlen in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung es erfordert, die Verwaltungsstrukturen zum 1. Januar 2003 anzupassen.

Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat hatte zuvor beschlossen, die bundesgesetzliche Vorgabe zur Reduzierung der Versicherungsträger ersatzlos zu streichen. Stattdessen erwarten beide Kammern, dass dieses Ziel durch Organisationsmaßnahmen der Selbstverwaltungen beziehungsweise der Länder erreicht wird.

DBV: Obst- und Gemüseanbauer fürchten um die Qualität ihrer Produkte

Themen: Archiv — info @ 12:07

Große Anwendungslücken im Pflanzenschutz seit 1. Juli 2001

Münster (agrar.de) – Obst- und Gemüseanbauer überreichten vor der Kundgebung zum Deutschen Bauerntag dem Staatssekretär im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Matthias Berninger, die ‚letzten‘ madenfreien Süßkirschen aus deutschem Anbau.

Seit dem 1. Juli 2001 dürfen wichtige zugelassene Pflanzenschutzmittel für viele Obst- und Gemüsesorten nicht mehr angewendet werden. Mit einer überlebensgroßen Made machten die Obst- und Gemüsebauern gemeinsam mit der fränkischen Kirschenkönigin, Doris Fahner, dem Vorsitzenden des Bundesausschusses Obst und Gemüse, Josef Klein, und dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, auf die veränderte Situation aufmerksam. Ab dem nächsten Jahr wird es auf Grund fehlender zugelassener Pflanzenschutzmittel zum Beispiel für den Süßkirschenanbau zur Bekämpfung der Kirschfruchtfliege kaum mehr madenfreie Kirschen geben, befürchten die Kirschenanbauer. Das Beispiel der Süßkirsche, so DBV-Präsident Sonnleitner, stehe für viele Kulturen im Obst-, Gemüse- und Arzneipflanzen-Anbau.

Das nationale Pflanzenschutzrecht ist zum 1. Juli 2001 durch die Politik verändert und nach Ansicht der Obst- und Gemüsebauern untragbar verschlechtert worden. Dadurch gibt es für viele so genannte Sonderkulturen keine Anwendung ausgewiesener Pflanzenschutzmittel mehr. Auf diesen schon seit einiger Zeit sich abzeichnenden Missstand hat der Berufsstand in vielzähligen Gesprächen und Aktionen die Bundesregierung, die zuständigen Fachministerien und den Politikern auf Bundes- und Landesebene hingewiesen. Bis zum heutigen Tage hat die Politik nichts unternommen, um den deutschen Anbauern eine adäquate Lösung zu unterbreiten. Nun sei es die berühmten ‚drei Minuten nach zwölf‘. Sonnleitner forderte Berninger auf, umgehend die seit dem 1. Juli 2001 offenen Anwendungsgebiete zu schließen. Dazu sei eine indikations- oder produktbezogene Verlängerung der bisherigen Rechtslage bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erforderlich. Diese produkt- oder indikationsbezogene Lösung sei zwingend für das Überleben des deutschen Sonderkulturanbaus.

Wenn die Politik nicht umgehend reagiere, würde ausländisches Obst und Gemüse in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels deutsches Obst und Gemüse verdrängen. Damit würde umweltschonend erzeugtes deutsches Obst und Gemüse der Konkurrenz aus der EU und Drittlandstaaten von der Konkurrenz verdrängt, befürchten die Obst- und Gemüsebauern. Dies sei falsch verstandener Verbraucherschutz. Die Bauern erwarten vom Bundesministerium für Verbraucherschutz kurzfristig bessere umfassendere Lösung ihrer Probleme.

Die deutschen Erzeuger müssten in den kommenden Jahren auf eine verlässliche Zulassungssituation bei Pflanzenschutzmitteln bauen können. Notwendig sei auch eine vollständige Harmonisierung in der EU bei der Zulassung und Anwendungsmöglichkeit von Pflanzenschutzmitteln.

Links zum Thema Pflanzenschutz.

Umweltverbände kritisieren „Wagenburg-Mentalität“ bei Bauernfunktionären

Themen: Archiv — info @ 10:07

Münster (agrar.de) – Der Naturschutzbund NABU hat sich enttäuscht über die offensichtliche Wagenburg-Mentalität der Funktionäre des Deutschen Bauernverbandes geäußert. Die Rede des Bauernpräsidenten Sonnleitner auf der heutigen Kundgebung des DBV in Münster habe weder Perspektiven für eine erneuerte Landwirtschaft noch für die eigene Klientel enthalten, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Gerd Billen: ‚Mit seiner rückwärtsgewandten Rhetorik des Weiter-so betreibt Sonnleitner eine Politik gegen den eigenen Berufsstand.‘ Wer sich gegen ökologische Mindeststandards ebenso sperre wie gegen verbesserten Tierschutz, verspiele die gesellschaftliche Akzeptanz der Landwirte und gefährde so deren ökonomische Zukunft.

Billen weiter: ‚Wenn Sonnleitner von einer massiven finanziellen Bevorzugung des Ökolandbaus im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz oder zu hohen Tierschutzstandards bei der Geflügelhaltung spricht, verdreht er bewusst die Realitäten.‘ Auch sei das allgemeine Bekenntnis zur Nachhaltigkeit keinen Pfifferling wert, wenn die DBV-Funktionäre darunter eine Landwirtschaft der subventionierten Überschussproduktion verstünden. Als kleinen Lichtblick bewertete Billen das Bekenntnis Sonnleitners zum Ausbau der Agrarumweltprogramme. Dies alleine rechtfertige aber keineswegs das Bauerntag-Motto ‚Wir packen’s‘.

‚Wer angesichts der Skandale und Krisen der letzten Monate ein Weiter-so in der Agrarpolitik propagiert, verspielt jeglichen Kredit bei den besorgten Verbraucherinnen und Verbrauchern, die schließlich mit Abermilliarden die Landwirtschaft finanzieren und damit ein Recht auf ökologische Gegenleistung haben‘, erklärte der Präsident des Deutschen Naturschutzringes, Hubert Weinzierl, anlässlich des Deutschen Bauerntages in Münster. ‚Gerd Sonnleitner wäre gut beraten, seine überholten Feindbilder endlich abzubauen und eine Koalition mit der Umweltbewegung zu Gunsten der bäuerlichen Landwirtschaft einzugehen‘, so Weinzierl.

Links zu Verbänden.

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