09. Mai 2001

DBV fordert Stärkung der einzelbetrieblichen Förderung

Themen: Archiv — info @ 16:05

Bonn (agrar.de) – In seiner Stellungnahme zur Reform der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) hat sich das Präsidium des Deutschen Bauernverbandes (DBV) für eine Förderung ausgesprochen, die allen land- und forstwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland Markt- und Einkommenschancen eröffnet. ‚Der Deutsche Bauernverband unterstützt jede Reform der Agrarstrukturpolitik, die den Markt- und Wettbewerbsverhältnissen der deutschen Landwirtschaft Rechnung trägt und gleichzeitig die hohen Standards im Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutz nachhaltig sichert‘, heißt es in der Erklärung.

Die Reform der Gemeinschaftsaufgabe sollte nach Meinung des DBV-Präsidiums mehrere Ziele erreichen: So sollten landwirtschaftliche Unternehmen gezielt in die Lage versetzt werden, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten und sich an geänderte Verbraucherwünsche unter Berücksichtigung von Umwelt- und Tierschutzzielen anzupassen. Auch in Zukunft müsse eine flächendeckenden Landbewirtschaftung sichergestellt werden. Die Erschließung neuer Einkommensquellen in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum sollte unterstützt werden. Damit diese vielseitigen Aufgaben erfolgreich wahrgenommen werden können, müssen nach Ansicht des DBV die Mittel für die Gemeinschaftsaufgabe deutlich angehoben werden. Mit dem bisherigen Ansatz in der mittelfristigen Finanzplanung von 1,7 Milliarden D-Mark Bundesmitteln pro Jahr sei keine sinnvolle Reform der Agrarstrukturpolitik mehr möglich, kritisierte das DBV-Präsidium.

Für den DBV ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe von herausragender Bedeutung. Deshalb sei die einzelbetriebliche Förderung unverzichtbar, heißt es in der Erklärung. Sie müsse für konventionelle Betriebe wie für Betriebe des ökologischen Landbaues unter gleichen Bedingungen erfolgen. Alle Produktionsformen müsse sich in dem vom nationalen und internationalen Wettbewerb geprägten Markt durchsetzen und die Umwelt- und Verbraucherschutzziele gleichermaßen erfüllen. Der DBV fordert deshalb, dass im Mittelpunkt der künftigen einzelbetrieblichen Investitionsförderung ein allgemeiner zinsgünstiger Agrarkredit mit geringem bürokratischen Aufwand steht. Für Junglandwirte und für Landwirte in den von der Natur benachteiligten Gebieten müssten die durch die EU vorgegebenen Fördermöglichkeiten voll ausgeschöpft werden.

Bei den Ökobetrieben sollte das Förderschwergewicht auf einem aktiven Marketing, verbesserten Vermarktungsstrukturen und einer aktiven Markenpolitik liegen, fordert der DBV. Einen bestimmten Flächenanteil des ökologischen Landbaues als politisches Ziel zu formulieren, sei hingegen der falsche Weg. Die vorgesehene Erhöhung der Flächenprämien für die Umstellung oder die Beibehaltung des Ökolandbaues müsse mit der Absatzsicherung ökologisch erzeugter Produkte zu angemessenen Preisen einhergehen.

Der DBV plädiert zudem dafür, die Ausgleichszulagenmittel für benachteiligte Gebiete wieder aufzustocken, um eine flächendeckende Landbewirtschaftung und eine attraktive Kulturlandschaft sicherzustellen. In den von der Natur benachteiligten Gebieten sei die Ausgleichszulage von existenzieller Bedeutung für die dort wirtschaftenden Betriebe. Ihr Gewinnrückstand ist nach Angaben des Agrarberichtes der Bundesregierung weiterhin sehr groß. Vehement abgelehnt wird der vorgesehene Ausschluss von Ackerflächen aus der Ausgleichszulagengewährung.

Der Bauernverband sieht in der Fortentwicklung von Qualitätssicherungssystemen eine gute Möglichkeit, dem Verbraucher zusätzliche Sicherheit und Transparenz in der Nahrungs-mittelerzeugung zu geben. Gefördert werden sollten solche flächendeckenden durchgängigen und praxisgerechten Qualitätssicherungssysteme über alle Stufen der Lebensmittelerzeugung hinweg unter dem Motto ‚gläserne Produktion‘ durch die Gemeinschaftsaufgabe.

Zusätzliche öffentliche Leistungen, zum Beispiel im Zusammenhang mit der Ausweisung von FFH- und Vogelschutzgebieten oder dem Ausbau der Agrarumweltförderung, verlangen nach DBV-Meinung eine zusätzliche verlässliche Finanzausstattung. Ohne die Bereitstellung zusätzlicher Mittel sei die Aufnahme des FFH-Ausgleichs in das Förderprogramm der Gemeinschaftsaufgabe nicht hinnehmbar.

Links zum Thema Agrarförderung.

Leitlinie für Eigenkontrollsystem in der landwirtschaftlichen Direktvermarktung veröffentlicht

Themen: Archiv — info @ 15:05

Oldenburg (agrar.de) – Mit der Novellierung der Lebensmittelhygiene-Verordnung sind neue Anforderungen an landwirtschaftliche Direktvermarkter bezüglich sogenannter Eigenkontrollsysteme gestellt worden.

Die Fördergemeinschaft ‚Einkaufen auf dem Bauernhof‚ hat unter Federführung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) eine Leitlinie für eine gute Lebensmittelhygiene-Praxis und zur Durchführung betrieblicher Eigenkontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben mit Direktvermarktung erarbeitet, um die gesetzlichen Bestimmungen der Lebensmittelhygiene-Verordnung praxisorientiert zu interpretieren.

Dabei soll ein gutes und effizientes Eigenkontrollsystem zu einer besseren Produktqualität mit größerer Sicherheit für den Direktvermarkter und den Verbraucher verhelfen, indem mögliche gesundheitliche Gefahren bereits während der Erzeugungs- und Vermarktungsprozesse vermieden und nicht erst am Endprodukt festgestellt werden. Ebenso können mit dem Eigenkontrollsystem Vorlieferanten besser als bisher in die ‚Pflicht‘ genommen werden.

Die Leitlinie für eine gute Lebensmittelhygiene-Praxis und zur Durchführung betrieblicher Eigenkontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben mit Direktvermarktung konkretisiert die allgemeinen Hygieneanforderungen der Lebensmittelhygiene-Verordnung für den landwirtschaftlichen Direktvermarkter. Sie soll dem Praktiker helfen, ein einfaches und praktikables Eigenkontrollrezept für seinen Betrieb zu entwickeln. Dabei werden Hinweise, Tipps und Arbeitsanweisungen zu allen wichtigen und notwendigen Hygieneanforderungen in der Direktvermarktung gegeben. Dokumentationshilfen werden in Form von Dokumentationslisten vorgeschlagen, die in einem Anhang zusammengestellt sind. Die Vielseitigkeit der Direktvermarktung findet Berücksichtigung durch Erläuterungen zu den einzelnen Produktbereichen.

Die Hygieneleitlinie richtet sich in erster Linie an kleinere und mittlere Direktvermarkter. Die in der Leitlinie enthaltenen Dokumentationshilfen sind als Grundlage für die Entwicklung eines betriebsspezifischen Eigenkontrollkonzeptes zu verstehen. Sie berücksichtigen die zu beachtenden Mindestanforderungen. Je nach Größe und Vielschichtigkeit des Betriebes kann es sinnvoll oder auch erforderlich sein, Verantwortlichkeiten extra zu regeln, Kontrollfrequenzen zu variieren und weitergehende Schecklisten zu führen.

Die Leitlinie für eine gute Lebensmittelhygiene-Praxis und zur Durchführung betrieblicher Eigenkontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben mit Direktvermarktung – Ordner mit 160 Seiten im DIN A 4 – Format einschließlich CD mit den Checklisten zur Dokumentation – ist unter dem Stichwort ‚Hygieneleitlinie für Direktvermarkter‘ zu beziehen bei: Deutscher Agrar-Verlag GmbH, Godesberger Allee 142-148, 53175 Bonn, Fax: 0228-8198231, zum Preis von DM 25,00 zuzüglich Verpackung, Porto und Mehrwertsteuer.

Information: Landwirtschaftskammer Weser-Ems, Telefon: 0441-801 809

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Bundesrat kritisiert Reform der landwirtschaftlichen Sozialversicherung

Themen: Archiv — info @ 13:05

Berlin (agrar.de) – Der Bundesrat hat Kritik an einem von der Bundesregierung vorgelegten Gesetzentwurf zur Reform der landwirtschaftlichen Sozialversicherung geübt. Das meldet das Pressezentrum des Deutschen Bundestages.

In der Stellungnahme der Länderkammer zu dem im Übrigen mit einer Gesetzesvorlage von SPD und Bündnis 90/Die Grünen wortgleichen Entwurf heißt es, eine ‚weitergehende Zwangsvereinigung‘ landwirtschaftlicher Sozialversicherungsträger missachte nur die zwischenzeitlich erzielten und auch weiterhin beabsichtigten Konsenslösungen zwischen den Trägern selbst. Darüber hinaus stelle sie aus Ländersicht einen gravierenden, nicht hinnehmbaren Eingriff in deren Verwaltungskompetenzen dar.

Nach Angaben der Länderkammer haben die Selbstverwaltungen der landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträger den Reformbedarf erkannt und einen freiwilligen Vereinigungsprozess eingeleitet. Damit sei das Ziel einer deutlichen Reduzierung der Träger bereits durch das eigenverantwortliche Handeln der sie tragenden Selbstverwaltung erreicht.

Die Bundesregierung schreibt in ihrer Gegenäußerung, die Position des Bundesrates würden den veränderten Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft und dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit nicht gerecht. Die Länderkammer fordere Änderungen des Gesetzentwurfs, die auf einen Regelungsverzicht oder auf bloße Empfehlungen hinausliefen. Das Interesse des Bundes, die in diesem Versicherungssystem eingesetzten Bundesmittel wirtschaftlich und sparsam einzusetzen, werde nicht angemessen berücksichtigt.

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Ziegenhaltung in Westfalen-Lippe

Themen: Archiv — info @ 12:05

Münster (agrar.de) – Insgesamt werden in Westfalen-Lippe etwa 8.000 bis 9.000 Ziegen gehalten, teilt die Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe mit. Davon sind etwa zehn Prozent der Tiere im Westfälischen Zuchtbuch eingetragen. Herdbuchzüchter versorgen die breite Landeszucht mit qualitativ hochwertigen Zuchttieren.

Der Landesverband Westfälisch-Lippischer Ziegenzüchter zählt 122 Mitglieder. Diese halten etwa 1.000 Ziegen und Böcke in ihren Ställen und auf der Weide. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich der Zuchttierbestand um etwa 100 Tiere, da zwei größere Ziegenzuchtbetriebe die Haltung aufgegeben haben und in ein anderes Bundesland umgezogen sind.

Die Weiße Deutsche Edelziege (WDE) ist mit 36 Prozent der leistungsgeprüften Tiere in Westfalen-Lippe nach wie vor am weitesten verbreitet. Auf Rang zwei folgt die Rasse Bunte Deutsche Edelziege (BDE) mit 22 Prozent. Hier dicht gefolgt mit 17,5 Prozent von der Rasse Toggenburger, deren Anteil im vergangenen Jahr konstant blieb. Es folgen die Burenziege mit knapp zehn Prozent, die damit im Vergleich zum Vorjahr 4,2 Prozentpunkte verlor. Weiterhin vertreten sind Spezialrassen wie Anglo-Nubier, Thüringer Waldziege, Waliser Schwarzhalsziege und Zwergziegen, die jedoch nur in geringen Tierzahlen gehalten werden. Das Rassespektrum ist in diesem Bundesland sehr breit. Die Zucht solcher Rassen stellt allerdings die Züchter immer wieder vor besondere Schwierigkeiten. Denn in unmittelbarer Nähe gibt es kaum Linien, die nicht miteinander verwandt sind. Deshalb müssen die Züchter größere Wege und Anstrengungen unternehmen, um passende Anpaarungstiere zu finden.

Ziegen geben auch Milch. Die Ergebnisse der Milchleistungsprüfung aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass die durchschnittliche Milchmenge bei der Weißen Deutschen Edelziege von 765 Kilogramm auf 872 Kilogramm gestiegen ist. Hingegen ist bei der Bunten Deutschen Edelziege ein leichter Rückgang von durchschnittlich 645 Kilogramm auf 600 Kilogramm zu verzeichnen. Bei den Toggenburgern stieg die Milchleistung von 660 Kilogramm im Vorjahr auf 776 Kilogramm im Jahr 2000.

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AbL fordert Freibetragsgrenze bei der Modulation

Themen: Archiv — info @ 11:05

Berlin (agrar.de) – ‚Die nächsten Wochen werden zu einer Nagelprobe um die Neuorientierung der Agrarpolitik. Die Weichen müssen jetzt deutlich auf mehr soziale Gerechtigkeit und Umwelt gestellt werden, um glaubhaft für die Landwirtschaft und für die Gesellschaft eine Neuorientierung einzuleiten,‘ so die Bundesvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Maria Heubuch aus Leutkirch (Allgäu) und Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf aus Spenge (Westfalen), im Vorfeld der in Kürze von Ministerin Künast angekündigten Entscheidungen.

Als sehr wichtigen Baustein einer sinnvollen Agrarwende beurteilt die AbL die Ausgestaltung der Modulation, d.h. die Möglichkeit der differenzierten Prämienkürzung und Umverteilung zu Gunsten von Agrarumweltmaßnahmen. Die AGENDA 2000 sieht die Modulation gesetzlich vor, stellt aber die Umsetzung in das Belieben der EU-Mitgliedstaaten. Ex-Agrarminister Funke, die Spitze des Bauernverbandes sowie einzelne Länderregierungen hatten die Umsetzung blockiert, weil sie die Vorteile für rationalisierte Großbetriebe erhalten wollen.

‚Der EU-Rechnungshof hat festgestellt, dass bei der bisherigen Prämienregelung ohne die Modulation 80 Prozent der Prämien an 20 Prozent der Betriebe geht und 4 Prozent der Marktfruchtbetriebe allein 40 Prozent der Prämien erhalten. Auf Arbeitskräfte bezogen heißt das: Rationalisierte Großbetriebe erhalten umgerechnet bis zu 150.000 DM pro Arbeitskraft/Jahr, kleine und mittlere Höfe bekommen lediglich 10 – 15.000 DM pro Arbeitskraft/Jahr,‘ so Graefe zu Baringdorf. ‚Bei Ministerin Künast steht die Modulation erfreulicherweise wieder ganz oben auf der agrarpolitischen Tagesordnung – entscheidend ist jetzt die praktische Durchführung‘, so die AbL–Vorsitzenden.

Die AbL schlägt vor, allen landwirtschaftlichen Betrieben eine Freibetragsgrenze (z.B. bis 30.000 DM Prämiensumme keine Kürzung) zu gewähren und oberhalb dieser Freibetragsgrenze Kürzungen vorzunehmen. Bei einer linearen Kürzung – wie aktuell vom Berliner Ministerium und einigen Länderregierungen angedacht – wird die soziale Ungleichheit fortgeschrieben, zu Lasten der kleinen und mittleren Betriebe. Eine lineare Kürzung ist zudem rechtlich nicht gedeckt, weil die EU-Verordnung die Modulation und dabei die Differenzierung der Zahlungen verlangt.

‚Die von der AbL vorgeschlagene Freibetragsgrenze hat nichts mit Neidkomplexen, mit Ost-West-Auseinandersetzungen und mit Großbetriebe ‚plattmachen‘ zu tun, wie uns das Reformgegner unterstellen. Der Vorschlag soll ein Stück weit soziale Ungerechtigkeit beseitigen und die Übersubventionierung rationalisierter Großbetriebe beenden‘, so Maria Heubuch.

Bei den Tierprämien stimmt die AbL dem Krisenplan von EU-Agrarkommissar Fischler zu, die Prämiengrenze bei 90 Rindern wieder obligatorisch zu machen und die Prämienzahlungen an die im Betrieb geleistete Arbeit zu binden. Die AbL befürwortet den Vorschlag des Agrarausschusses im Europäischen Parlament, Betrieben mit einem bislang höheren Prämienanspruch auf Antrag zu erlauben, die Hälfte ihrer sozialersicherungspflichtigen Lohnkosten als Bemessungsgrenze in Ansatz zu bringen, um die Prämienkürzungen abzumildern. Dies begünstigt Betriebe mit tiergerechter und umweltschonender Haltung.

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FAO warnt vor Pestizid-Müll

Themen: Archiv — info @ 09:05

Rom (agrar.de) – Mehr als eine halbe Million Tonnen Pestizid-Giftmüll bedroht in fast allen Entwicklungsländern sowie in vielen Staaten des ehemaligen Ostblocks die Gesundheit von Millionen von Menschen und die Umwelt. Dies geht aus einem neuen Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hervor (*). Die neuen Angaben sind dramatisch höher als alle früheren Schätzungen, die sich auf rund 100.000 Tonnen beliefen. Bei dem Müll handelt es sich um alte, nicht mehr benutzbare Schädlingsbekämpfungsmittel, die zum Beispiel in vielen Ländern längst verboten sind oder deren Verfallsdatum abgelaufen ist.

In Afrika und im Nahen Osten wird der Pestizid-Müll auf rund 100.000 Tonnen geschätzt, in Asien auf über 200.000 Tonnen und in Osteuropa und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion auf ebenfalls über 200.000 Tonnen. Für Lateinamerika liegen bislang noch keine Angaben vor.

‚In vielen Ländern sind die Pestizid-Müllbestände alarmierend hoch‘, sagte FAO-Mitarbeiter Alemayehu Wodageneh. ‚Dieser ‚vergessene‘ Müll ist extrem gesundheitsgefährdend und bedroht die Böden und das Grundwasser. Wo Schädlingsbekämpfungsmittel versickern, können grosse Flächen vergiftet werden, die dann für den Anbau von Nahrungsmitteln nicht mehr zu gebrauchen sind‘.

Der Giftmüll hat sich nach FAO-Angaben in den vergangenen 30 Jahren angesammelt und wächst weiter an. Es handelt sich dabei um einige der gefährlichsten Insektenbekämpfungsmittel wie Aldrin, Chlordan, DDT, Dieldrin, Endrin und Heptachlor, sowie um Organophosphate. Pestizide können nach ihrem Verfallsdatum in andere Substanzen zerfallen, die oft giftiger sind als das ursprüngliche Produkt. Ausser Chemikalien gehören noch verseuchte Spritzgeräte, leere Pestizidtonnen, Kartons und Mengen an hochverseuchten Böden zu den Altlasten.

Der Giftmüll lagert oft in der Nähe von Feldern und Brunnen, sowie in Dörfern und Städten, direkt neben Häusern, Lebensmittelläden und Märkten, so die FAO. Oft liegen Tonnen mit Pestiziden im Freien, für jeden zugänglich. Es gibt keine Sicherheitsvorkehrungen. Manchmal wird der Müll in einfachen Lehm- oder Strohhütten aufbewahrt. Viele Metalltonnen sind verrostet und undicht.

In unmittelbarer Nähe dieser Giftmüllplätze bereiten Menschen ihre Nahrung zu, spielen Kinder oder grasen Tiere. Es gibt keine genauen Untersuchungen über Gesundheitsschäden, aber viele Menschen klagen über Kopfschmerzen, Übelkeit und Atembeschwerden.

Der Pestizidmüll hat sich nach FAO-Angaben angesammelt, da viele Produkte nicht benutzt und anschliessend nicht beseitigt wurden. Sie blieben als Müll in den Empfängerländern zurück. Viele afrikanische Länder haben beispielsweise bis Ende der 80er Jahre bei der Bekämpfung von Heuschrecken Dieldrin benutzt. Als damals entschieden wurde, Dieldrin nicht mehr einzusetzen, blieben die noch vorhandenen Bestände als Altlasten zurück.

Im allgemeinen sind Pestizide rund zwei Jahre lang haltbar; unter tropischen Bedingungen jedoch und bei unsachgemässer Lagerung können sie noch früher verfallen.

Pestizidmüll entstand auch, weil Behälter nicht beschriftet waren oder Gebrauchhinweise so verfasst wurden, dass viele Menschen sie nicht verstehen konnten. Deshalb wurden viele Schädlingsbekämpfungsmittel nicht benutzt.

Internationale Hilfsorganisationen haben oft in guter Absicht Schädlingsbekämpfungsmittel in die Entwicklungsländer geliefert. In vielen Fällen aber gab es keine Absprachen zwischen den Organisationen und es wurden zu viele Pestizide geliefert. In zentralistisch organisierten Ländern wurden Pestizide zudem unabhängig vom tatsächlichen Bedarf geordert, sie blieben hinterher in vielen Fällen ungenutzt.

Vielfach waren die Chemikalien auch ungeeignet, um Schädlinge oder Unkraut zu bekämpfen, und sie wurden deshalb nicht benutzt. Darüberhinaus lässt sich das Ausmass von Schädlingsplagen oft nur schwer vorhersagen. Besonders bei der Heuschreckenbekämpfung haben viele Länder Pestizid-Altlasten angehäuft, da manche Plage weniger schlimm war als ursprünglich befürchtet, und es wurden somit weniger Pestizide benötigt.

Die grössten Hersteller von Schädlingsbekämpfungsmitteln sind in Europa, USA, Japan, China und Indien. Der jährliche Umsatz wird auf mehr als 30 Milliarden Dollar geschätzt. ‚Hohe Geldsummen spielen bei der Lieferung von Pestiziden eine grosse Rolle‘, hiess es in dem FAO-Bericht. ‚Dies kann dazu führen, dass versteckte Interessen die Entscheidungen über den Kauf von Pestiziden beeinflussen. Oft stimmen diese Interessen nicht mit den besten technischen Lösungen zur Schädlingsbekämpfung überein.‘

Die Beseitigung von Pestizidmüll ist teuer und wird auf etwa 3 Dollar pro Kilogramm oder Liter geschätzt. Bislang haben fast ausschliesslich Regierungen und Hilfsorganisationen für die Aufräumarbeiten bezahlt, darunter die Niederlande, Deutschland, USA, Schweden sowie die FAO. In Afrika und im Nahen Osten sind bisher weniger als 3.000 Tonnen Giftmüll beseitigt worden.

Die FAO unterstützt gegenwärtig die Regierung Äthiopiens dabei, rund 3.000 Tonnen Altpestizide und hochverseuchtes Bodenmaterial zu beseitigen. Es ist das bislang grösste Projekt dieser Art in Afrika. Der Giftmüll lagert an rund 900 Stellen, die über das ganze Land verteilt sind. Der Giftmüll soll zum Verbrennen nach Finnland gebracht werden. Die Hochtemperatur-Verbrennung ist nach Einschätzung der FAO derzeit die einzige Möglichkeit, um den Pestizidmüll sicher und umweltgerecht zu vernichten. Die Aufräumaktion in Äthiopien wird schätzungsweise rund 8 Millionen Dollar kosten. Bislang stehen erst vier Millionen Dollar zur Verfügung, die von den Niederlanden, USA und Schweden gezahlt werden.

Die FAO appellierte an die in der Globalen Pflanzenschutzföderation zusammengeschlossenen Firmen, sich dringend an der Verbrennung von Pestiziden finanziell zu beteiligen. Die Industrie hat sich in der Vergangenheit dazu verpflichtet, die Verbrennung zu finanzieren; bisher haben sich die Firmen aber kaum daran gehalten, so die FAO.

‚Die Unterstützung von seiten der Industrie ist auch für zukünftige Aufräumaktionen besonders wichtig,‘ sagte Wodageneh. ‚Hilfsorganisationen und Geberländer allein können die Kosten nicht tragen.‘

(*) Mitherausgeber des Berichts sind die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und das UN-Umweltprogramm (UNEP).

Links zum Thema %url4%Pflanzenschutz%/%.

08. Mai 2001

Frauen in der EU-Landwirtschaft

Themen: Archiv — info @ 14:05

Brüssel/Berlin (agrar.de) – Die Frauen nehmen nach wie vor eine wichtige Stellung in der europäischen Landwirtschaft ein. 1997 stellten sie nämlich in der EU15 37 Prozent der regelmäßig beschäftigten landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. Ihre Rolle in der Landwirtschaft unterscheidet sich jedoch weiterhin erheblich von derjenigen der Männer, wie aus einem Vergleich zwischen Status und Merkmalen der Berufstätigkeit von Frauen und Männern hervorgeht. Dies geht aus einem Bericht des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaften (EUROSTAT) in Luxemburg hervor.

Der Anteil der Frauen an landwirtschaftlichen Arbeitskräften liegt danach seit zwanzig Jahren konstant bei 37 Prozent, ungeachtet der verschiedenen Erweiterungen. Der Anteil der Frauen als beständige Arbeitskräfte hat allerdings stark von einem Mitgliedstaat zum anderen geschwankt. Im Jahr 1997 war der Anteil der Frauen höher als 40 Prozent in Portugal (47 Prozent), Griechenland (44 Prozent) und Österreich (42 Prozent), dagegen niedriger als 30 Prozent in Spanien und Irland (jeweils 29 Prozent), in Dänemark (28 Prozent) und im Vereinigten Königreich (26 Prozent). In Deutschland betrug ihr Anteil 35 Prozent. Da in den Südländern der EU der Anteil der landwirtschaftlichen Bevölkerung beträchtlich ist, sind zwei von drei Landwirtinnen Italienerinnen, Griechinnen, Spanierinnen oder Portugiesinnen.

In den landwirtschaftlichen Betrieben der EU15 wird vorwiegend auf Teilzeitbasis gearbeitet. 1997 arbeiteten nur 27 Prozent der männlichen und 12 Prozent der weiblichen regelmäßig beschäftigten Arbeitskräfte Vollzeit. Auch hier sind zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten große Unterschiede festzustellen. In sechs Mitgliedstaaten war 1997 die Mehrheit der Männer Vollzeit beschäftigt, bei den Frauen war dies in keinem der EU15-Länder der Fall. Gleichwohl waren in Dänemark 40 Prozent der Landwirtinnen Vollzeit beschäftigt; in Irland waren es 32 Prozent und in Finnland 30 Prozent. Im Gegensatz dazu betrug dieser Anteil in Griechenland nur 4 Prozent, in Österreich 6 Prozent und in Italien 7 Prozent. In Deutschland arbeiteten 16 Prozent als Vollzeit-Landwirtinnen.

Was den Status der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte anbelangt (Betriebsleiter, Ehepartner, sonstiges Familienmitglied, familienfremde Arbeitskraft), so sind zwischen Männern und Frauen erhebliche Unterschiede festzustellen. Während 1977 die Hälfte der Frauen in der landwirtschaftlichen Bevölkerung in der EU als ‚Ehepartner‘ erfasst wurden, hatten 60 Prozent der Männer den Status eines ‚Betriebsleiters‘. Im Jahr 1997 wurden in der EU15 nahezu 7 Mio. Leiter landwirtschaftlicher Betriebe gezählt, 19 Prozent davon waren Frauen. In Österreich (29 Prozent) und in Italien (24 Prozent) wurden die höchsten Anteile verzeichnet, in den Niederlanden (6 Prozent) und in Dänemark (7 Prozent) die niedrigsten. In Deutschland lag ihr Anteil bei 9 Prozent.

Auch die wirtschaftliche Größe der von Frauen geleiteten Betriebe ist niedriger. Von 100 landwirtschaftlichen Betrieben, die 1997 in der EU15 von Frauen geleitet wurden, konnten 82 als ‚Kleinbetriebe‘ und nur drei als ‚Großbetriebe‘ eingestuft werden. Bei den von Männern geleiteten Betrieben lagen die entsprechenden Anteile bei 68 Prozent bzw. 9 Prozent.

Den vollständigen Bericht bietet EUROSTAT als PDF-Datei zum Download an.

Links zum Thema Landfrauen.

ÖJV fordert Verbot der Wildfütterung

Themen: Archiv — info @ 14:05

(agrar.de) – Der Ökologischer Jagdverein in Baden-Württemberg setzt sich, nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Situation, vehement für ein generelles Verbot der Wildfütterung ein.

Die Begründung dazu ist zweigeteilt.

Zum einen bieten die aktuellen gesetzlichen Regelungen nach neuesten Erkenntnissen offensichtlich keinen hinreichenden Schutz vor Missbrauch. So wird sowohl gegen die zeitlichen Bestimmungen der Futtergabe als auch gegen die Bestimmungen über die zulässigen Futtermittel in nicht wenigen Fällen verstoßen. Punktuelle oder gar regionale Überprüfungen durch die zuständigen Behörden sind nur unzureichend und nicht in der Lage die Einhaltung der Bestimmungen des LjagdG Baden-Württemberg und seiner Durchführungsverordnung zu garantieren.

Auf der anderen Seite sind mit der Wildfütterung auch Gefahren verbunden, die in ihren Auswirkungen als auch Ursachen zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abschätzbar sind. Es ist nicht auszuschließen und zwischenzeitlich auch vom NABU stichprobenartig nachgewiesen, dass in Wildkraftfutter Tiermehl in nicht unbedenklichen Konzentrationen beinhaltet ist. Gesundheitliche Folgen sind sowohl beim Wild als auch beim Menschen nicht auszuschließen. Dass diese Art der Kraftfutterbeigabe dann auch nicht als lebensnotwendig sondern als trophäensteigernd betrachtet werden muss, ist neben den beiden genannten Gründen ein zusätzlicher Verbotsgrund.

Die unzureichenden gesetzlichen Bestimmungen und deren Kontrollmöglichkeiten in der Praxis, die gesundheitlichen Risiken die mit der Verabreichung von Kraftfutter gegeben sind und nicht zuletzt der Faktor der Quasidomestikation, können keine andere Forderung als ein generelles Verbot zur Folge haben. Ausnahmen sollen in begründbaren Fällen lediglich Rotwildfütterungen im Hochgebirge mit einer Beschränkung auf Erhaltungsfutter (Heu) sein.

Information: ÖJV Baden-Württemberg e.V., Klaus Maylein (Geschäftsführer), Haldenweg 4, 88212 Ravensburg, Tel.: 0751-3550884, Fax: 0751-3550883, E-Mail

Links zum Thema Jagd und Wild.

07. Mai 2001

FAZ: EU plant rigorosere GVO-Kennzeichnungspflicht

Themen: Archiv — info @ 14:05

Frankfurt (agrar.de) – Die EU-Kommission plant laut einem Bericht der ‚Frankfurter Allgemeine‚ eine Verschärfung der Vorschriften über die Kennzeichnung von Lebensmitteln, die gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten. Der Zeitung zufolge sollen die bisherigen Ausnahmen aufgehoben werden, unter anderem müsse künftig auch auf gentechnische Veränderungen bei Zusatzstoffen hingewiesen werden.

Strenge Zulassungs- und Kennzeichnungspflichten plant die Kommission auch für Tierfutter, das gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthält. Vervollständigt wird das Gesetzgebungspaket durch eine Regelung für die ‚Rückverfolgbarkeit‘ gentechnisch modifizierter Produkte bis zu ihrem Ursprung sowie Sondervorschriften für verändertes Saatgut.

Als Toleranzschwelle für zufällige Verunreinigungen von Lebensmitteln und Tierfutter mit GVO soll ein Gehalt von einem Prozent gelten. Jedoch sollen alle Lebensmittel, bei deren Herstellung mehr als 0,5 Gewichtsprozent GVO verwendet werden, einem besonderen Zulassungsverfahren unterworfen werden.

Mit den Vorschlägen will die Kommission die Blockade der grünen Gentechnik in Europa überwinden. Sechs Mitgliedstaaten haben angekündigt, sich GVO-Genehmigungen so lange zu widersetzen, bis ein verläßliches System für die Kennzeichnung und Überwachung von Gen-Produkten in Kraft getreten sei.

Nach Angaben der Zeitung soll der entsprechende Entwurf Anfang Juni im Ministerrat eingebracht werden.

Links zu Thema Biotechnologie.

BMVEL mit neuer Internetadresse

Themen: Archiv — info @ 13:05

Bonn/Berlin (agrar.de) – Die Homepage des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) ist ab sofort unter einer neuen Internetadresse erreichbar.

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