10. März 2001

Bund Naturschutz: BSE-Krise nicht als Hebel zur Klärschlammverbrennung nutzen

Themen: Archiv — info @ 16:03

München (agrar.de) – Die BSE-Krise wird nach Meinung des Bund Naturschutz derzeit missbraucht, um ein Verbot der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung in Bayern durchzusetzen. Dazu veröffentlicht der Verband folgende Mitteilung:

Die weitreichenden Folgen eines solchen Verbotes für die Phosphatversorgung der Böden und die Wasserqualität der Flüsse werden nicht bedacht. Die Klärschlammverbrennung ist allerdings ein gutes Geschäft für den Energiekonzern E-ON.

Der Bund Naturschutz fordert, an der landwirtschaftlichen Verwertung des Klärschlammes festzuhalten. Die Bemühungen um eine bessere Qualität des Abwassers und Klärschlammes müssen verstärkt fortgesetzt werden.

Entsprechende Forderungen, die Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftlich genutzte Felder zu beenden, wurden vom Bayerischen Landwirtschaftsminister Josef Miller, von den Grünen in Bayern und vom Bayerischen Bauernverband erhoben. Sogar die Kompostverwertung wird schon in Frage gestellt. Sollen nun alle organischen Abfälle verbrannt werden?

Klärschlamm ist ein wertvoller Dünger

Nach Auskunft des Umweltbundesamtes geht von kommunalen Klärschlämmen nach derzeitigem Kenntnisstand der Übertragungswege von BSE keine Gefahr aus. Es gibt auch keinen Anlass zu behaupten, dass der Klärschlamm im Augenblick so schadstoffbelastet sei, dass eine weitere Ausbringung auf den Feldern unverantwortlich sei.

Die Messwerte für Schwermetalle und organische Schadstoffe liegen bei den meisten Klärschlämmen, besonders in den ländlichen Regionen Bayerns, weit unter den Grenzwerten der Klärschlammverordnung. Die Schadstoffbelastung der Klärschlämme ist in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen.

Der Bund Naturschutz ist der Ansicht, dass Klärschlamm aufgrund seiner wertvollen Biomasse, Pflanzennährstoffe und Spurenelemente landwirtschaftlich verwertet werden muss. Die Voraussetzung für die landwirtschaftliche Verwertung ist, dass die Gehalte an toxischen Schadstoffen höchstens 30 Prozent der Grenzwerte der Klärschlammverordnung betragen und verstärkt Maßnahmen zur Reduzierung des Eintrags von Schadstoffen in das Abwasser und damit in den Klärschlamm durchgeführt werden.

Durch die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung können große Mengen Mineraldünger eingespart werden. Aufgrund der knappen Weltvorräte an Phosphat wird es in wenigen Jahren zu einer dramatischen Versorgungskrise dieses unverzichtbaren Pflanzennährstoffes kommen. Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung dient in hohem Maße der Schonung von Ressourcen.

Nicht berücksichtigt wird auch, dass durch Mineraldünger neben den erwünschten Nährstoffen auch unerwünschte Schadstoffe in den Boden eingetragen werden. Z.B. kann Phosphat-Dünger einen wesentlichen Eintragspfad für Cadmium darstellen, dabei bestimmt die geologische Entstehung der Lagerstätte die Höhe der Begleitstoffe. Der Cd-Gehalt von Rohphosphat aus nordafrikanischen Lagerstätten ist mit 20-70 mg/kg Cd außerordentlich hoch.[1]

Der Bund Naturschutz nimmt das Problem der Schadstoffbelastung des Klärschlamms ernst. Wir haben hierzu einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zur Schadstoffentfrachtung des Abwassers und damit zur Verbesserung der Klärschlammqualität vorgelegt. Die Maßnahmen umfassen Herstellungs- und Anwendungsverbote für besonders umweltgefährdende Stoffe, die getrennte Erfassung von schadstoffhaltigen Flüssigkeiten mit Pfand- und Rücknahmepflichten, innerbetriebliche Abwasserreinigung bis zu Aufklärungskampagnen für umweltverträgliche Wasch- und Putzmittel.

Viele Kommunen bemühen sich im Hinblick auf die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung, Maßnahmen zur Verringerung der Schadstoffe im Abwasser durchzuführen und Betriebe zu überwachen.

Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung dient auch der Reinhaltung der Oberflächengewässer. Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung war bisher der zentrale Hebel, den nötigen Druck auf die gewerblichen Einleiter auszuüben. Wenn der Klärschlamm verbrannt wird, entfallen Motivation und Druck, Maßnahmen zur Abwasserreinigung über die gesetzlichen Anforderungen hinaus durchzuführen. Das wird auch negative Folgen für die Qualität der Oberflächengewässer haben. Die Kläranlage kann nur leicht abbaubare organische Stoffe abbauen. Schwer abbaubare organische Schadstoffe und Schwermetalle finden sich sowohl im Vorfluter als auch im Klärschlamm wieder.

Nach einer Erhebung des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz für die Jahre 1994 bis 1998 ist die Schadstoffbelastung der Bayerischen Klärschlämme mit toxischen Schadstoffen zurückgegangen. siehe Anhang Die Bemühungen um eine bessere Qualität des Abwassers und Klärschlammes müssen fortgesetzt werden.

Biologische Kreisläufe werden zerschlagen

Im Jahr 1997 betrug die Verwertungsquote für Klärschlamm in der Landwirtschaft und für Rekultivierungszwecke noch 81,5 Prozent. 1998 machte der Energiekonzern E-ON preisgünstige Angebote an die bayerischen Städte, Klärschlamm in den Kohlekraftwerken zu verbrennen. Die Billigangebote wurden angenommen. Die Verwertungsquote betrug 1998 nur noch 75,3 Prozent und sank weiter auf 64,9 Prozent im Jahr 1999. Soll nun der gesamte Klärschlamm in den Kohleöfen verfeuert werden? – Ein gutes Geschäft für den Energiekonzern E-ON! E-ON verdient gleich zweimal. E-ON bekommt Geld für die Beseitigung des Klärschlammes und kann gleichzeitig Brennstoffkosten einsparen. Die bayerischen Städte und Gemeinden geraten in die Abhängigkeit eines Monopolunternehmens, welches in Zukunft die Preise diktieren wird. Regionale Verwertungsstrukturen werden zerschlagen. Die Verkehrsbelastung durch unnötige Transporte nimmt zu.

Die Verbrennung des Klärschlammes ist kein Gewinn für die Umwelt, weil wertvolle Biomasse, Pflanzennährstoffe und Spurenelemente vernichtet werden. Probleme der Schadstoffbelastung werden nicht vermieden, sondern in andere Umweltmedien, vor allem in die Luft verlagert.

Durch die Klärschlammverbrennung werden ursachenorientierte Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltsituation blockiert und biologische Kreisläufe unwiderruflich zerschlagen.

Der Bund Naturschutz fordert die Verantwortlichen auf, grundsätzlich an der landwirtschaftlichen Verwertung des Klärschlamms festzuhalten. Die Bayerischen Kommunen müssen sich allerdings noch intensiver als bisher um eine gute Qualität des Abwassers und Klärschlammes bemühen.

[1] Schriftenreihe der Bayerischen Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau 5/97.

Die Medianwerte (1999) der toxischen Schwermetalle Blei, Cadmium, Chrom, Nickel, Quecksilber und der organischen Schadstoffe Dioxin und PCB betragen nur noch rund ein Zehntel der Grenzwerte der Klärschlammverordnung. Die Medianwerte 1999 für AOX (adsorbierbare organisch gebundene Halogene) betragen rund 40 Prozent des Grenzwertes der Klärschlammverordnung. Kupfer und Zink gehören zu den sog. essentiellen Schwermetallen. Sie sind in niedrigen Konzentrationen für Pflanzen, Menschen und Tiere lebensnotwendig. Erst in hohen Konzentrationen wirken sie giftig. Die Messwerte für Kupfer und Zink haben sich in den letzten Jahren wenig verändert. Die Medianwerte 1999 betragen rund 40 Prozent der Grenzwerte der Klärschlammverordnung.




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