02. Februar 2001

Ozon: Wissenschaftler befürchten Ernteschäden

Themen: Archiv — info @ 11:02

Shanghai (agrar.de) – Hohe Ozonkonzentrationen werden im Laufe des 21. Jahrhunderts in vielen Regionen der Erde Asthma-Epidemien, Ernteschäden und Waldsterben auslösen. Zu dieser Einschätzung kommt einer Studie des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Die Autoren der Studie rechnen mit einer Verdreifachung der Ozonkonzentration auf der nördlichen Erdhalbkugel bis zum Jahr 2100.

So werde der Ozongehalt von derzeit rund 25 ppb (parts per billion) bis zum Jahr 2060 auf voraussichtlich 60 ppb steigen. Nach weiteren 40 Jahren könnte er bereits bei über 70 ppb liegen. Nach Angabe der Europäischen Umweltagentur (EEA) verwelkt Getreide bei Ozonwerten über 30 ppb. Da Ozon in den unteren Schichten der Atmosphäre als Treibhausgas wirkt, könnte sich zudem die globale Erwärmung beschleunigen.

Derzeitige Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit würden damit weit übertroffen, so die Wissenschaftler. Ozonsmog sei künftig nicht mehr auf große Städte beschränkt. Ursache der Entwicklung sei die starke Zunahme von ozonverursachenden Luftschadstoffen wie Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen besonders in den asiatischen Ländern. Ozon ist ein Reaktionsprodukt der genannten Stoffe.

Die komplette Studie ‚Climate Change 2001: The Scientific Basis‘ ist auf der Webseite des IPCC abrufbar.

Novelle zum Bundesnaturschutzgesetz vorgestellt

Themen: Archiv — info @ 10:02

Berlin (agrar.de) – Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat den Entwurf für das neues Bundesnaturschutzgesetz (als PDF-Dokument) vorgestellt. Darin werden zehn Prozent der Gesamtfläche Deutschlands in einem Biotop-Verbundsystem zusammengefasst und dauerhaft unter Naturschutz gestellt. Naturschutzverbänden räumt das Gesetz erstmals ein Verbandsklagerecht ein.

Vor dem Hintergrund der BSE-Krise sei das Gesetz auch ein Beitrag zu dem geforderten ökologischen Umsteuern in der Landwirtschaft, sagte Trittin in Berlin. Mit dem neuen Gesetz werde ‚eine Ökologisierung der Landwirtschaft insgesamt‘ angestrebt. Damit werde die von der Regierung angestrebte Neuorientierung der Landwirtschaft unterstützt. In dem Entwurf werde ‚gute fachliche Praxis‘ definiert. Dazu gehöre etwa, Tierhaltung und Futtermittelproduktion stärker und regional ausgewogen zu koppeln sowie die Ertragsfähigkeit von Böden langfristig zu sichern. Ferner müssten Bauern den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln künftig dokumentieren.

Die vorgestellte Novelle berücksichtige die von der Agrarministerin Künast angekündigte Wende in der Landwirtschaft nur unzureichend, kritisiert Dr. Gerhard Timm, Bundesgeschäftsführer des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Zwar enthalte die Novelle in vielen Passagen auch positive Ansätze zum Ausbau des Naturschutzes in Deutschland, diese seien jedoch vor allem in der Agrarpolitik nur vage erkennbar.

‚Das Trittin-Gesetz zum Naturschutz bedarf weiterer Verbesserungen. Die neue Politik der Verbraucherministerin Künast für eine umweltfreundliche Landwirtschaft bleibt leider außen vor. Eine verbraucherfreundliche Landwirtschaft ist auch praktizierter Naturschutz. Spätestens seit BSE muss Schluss sein mit einer Landwirtschaft, die schwere Natur- und Tierschutzprobleme verursacht‘, so Timm.

Vor allem bei der Definition der ‚guten fachlichen Praxis‘ landwirtschaftlicher Aktivitäten gibt es nach BUND-Auffassung im vorliegenden Gesetzentwurf erheblichen Nachbesserungsbedarf. Tierhaltung sollte ausschließlich artgerecht, flächenbezogen und in naturverträglicher Besatzdichte erfolgen dürfen, Lebensmittel nur ohne gentechnisch veränderte oder strahlenbehandelte Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen produziert werden. Die Bewirtschaftung sollte weitgehend mit betriebsinternen Futter- und Düngemitteln erfolgen. Chemisch-synthetische Dünge- und Planzenschutzmittel sollten vermieden werden.

Der BUND hat einen eigenen Entwurf für ein neues Bundesnaturschutzgesetz, in dem diese Vorgaben berücksichtigt wurden, erarbeitet und den zuständigen Ressorts der Bundesregierung zugeleitet. Timm sagte, der Entwurf werde aber bisher nicht berücksichtigt. Er forderte Bundesumweltminister Trittin und Landwirtschaftsministerin Künast auf, die vorliegende Gesetzesnovelle den Zeichen der Zeit folgend noch einmal zu überarbeiten. Das Bundesnaturschutzgesetz müsse so gestaltet werden, dass es die ökologische Leitlinie zur Überarbeitung aller entsprechenden Fachgesetze zur Tierhaltung, zum Pflanzenschutz und zum Düngemitteleinsatz würde.

Öffentliche Anhörungen zum Gesetz sind für März geplant. Das parlamentarische Verfahren soll noch vor der Sommerpause beginnen.

Links zum Thema %url4%Landschaft + Natur%/% – %url5%Gesetze und Verordnungen%/%

Demeter Baden-Württemberg bietet Info-Hotlines zur Umstellung

Themen: Archiv — info @ 09:02

Stuttgart (agrar.de) – Wegen der derzeitigen großen Nachfrage von Landwirten nach einer Umstellung auf Ökolandbau hat der Demeter-Verband Baden-Württemberg Beratungs-Telefone eingerichtet.

Fragen zum Demeter-Anbau mit den speziellen biologisch-dynamischen Präparaten, zur ökologischen Landwirtschaft, zu Anbaumöglichkeiten, Zuschüssen, Ertragsaussichten oder Absatzmöglichkeiten werden beantwortetet. Für Landwirte aus Baden-Württemberg bietet die Demeter-Mitgliedschaft nach Informationen des Verbandes derzeit interessante Marktchancen. Demeter-Getreide und zum Teil -Milch werden gesucht. Die Nachfrage nach Gemüse, Obst und Schweinefleisch ist höher als das Angebot.

In Zusammenarbeit mit den Beratungsdiensten für ökologischen Landbau bietet der Verband ab sofort folgende Info-Hotlines an:

– Raum Nordwürttemberg Tel. 07904-7007201 (7.-9.2. nicht besetzt) – Raum Stuttgart/Ulm, Oberschwaben, Bodensee, Alb Tel. 0731-24729 – Raum Schwarzwald, Oberrhein Tel. 07682-920301 (Mo-Do) – Raum Mittelbaden Tel. 07844-2128 (Mo 8 -19 Uhr, Di-Fr 7.30-9 Uhr) – für alle übrigen Regionen Tel. 0711-902540 (Mo-Fr 9-12 Uhr).

Die Telefonnummern sind nur für Landwirte geschaltet, die Fragen zur Umstellung auf Öko-Landbau haben, so der Verband. Verbraucher erhalten weiterhin Informationen unter Tel. 0711-902540 (Mo-Fr 9-12 Uhr) oder können im Internet Infomaterial bestellen.

Links zum Thema Biolandbau

01. Februar 2001

Biogas-Kalkulator im Internet

Themen: Archiv,Biogas,Energie — info @ 16:02

Berlin (agrar.de) – Wollten Sie schon immer wissen, ob sich eine Biogasanlage für Ihren Betrieb lohnt? Die ECB Enviro Berlin AG, ein Anbieter von schlüsselfertigen Biogasanlagen, bietet jetzt einen Biogas-Kalkulator im Internet an, mit dem Sie eine erste Einschätzung eines solchen Vorhabens vornehmen können.

Nach der Eingabe einiger Kennzahlen aus dem landwirtschaftlichen Betrieb wie z.B. Anzahl der Kühe, Rinder, Kälber und Schweine sowie der Menge erzeugter Gras- und Maissilage oder Bioabfall errechnet der Kalkulator den Input an Gülle und Vergärungs-Substraten, die die Größe der Anlage und die daraus erzeugbare Energie bestimmen. Ein zweiter Schritt ermittelt mit dem erzeugten Strom- und Wärmeenergieoutput des Blockheizkraftwerkes die Erlöse, die den jährlich entstehenden Kosten gegenübergestellt werden.

Links zum Thema Biogas.

Kritik an Beschluss zur Rindertötung

Themen: Archiv — info @ 13:02

Berlin (agrar.de) – Der Beschluss der Bundesregierung zur Tötung von rund 400.000 älteren Rindern stößt in Deutschland weiter auf Kritik. Tierschützer, Politiker der Grünen und auch Vertreter der SPD kritisierten die geplante Massenschlachtung als ethisch bedenklich.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten forderte die Regierung auf, die zur Tötung anstehenden Rinder nicht zu vernichten, sondern zu verwerten. NGG-Chef Franz-Josef Möllenberg verwies in der ‚Neuen Osnabrücker Zeitung‘ darauf, dass in deutschen Kühlhäusern bereits rund 50.000 Tonnen nicht auf BSE getestetes Rindfleisch unverkäuflich gelagert werde.

Der Grünen-Europapolitiker Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf hat den EU-Agrarrat aufgefordert, seine Landwirtschaftspolitik neu auszurichten. Er sehe die Gefahr, dass mit der Massentötung die eine ‚undifferenzierte‘ staatliche Politik wiederbelebt werden könnte, sagte Graefe zu Baringdorf dem InfoRadio Berlin-Brandenburg. Er forderte stattdessen die Einführung von Qualitätskriterien für die Rindfleischproduktion.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hingegen unterstützt die Pläne zur Massenvernichtung der Tiere. Er erklärte, die ‚Not der Bauern und ihrer Tiere‘ dulde keinen Aufschub. EU-weit sollen etwa 1,5 Millionen Rindern getötet und beseitigt werden. EU-Agrarkommissar Fischler sagte zu Fragen zum Thema Massenvernichtung, am Markt sei das Fleisch von alten Kühen nicht zu verkaufen, die Exportmärkte seien zusammengebrochen. Es bleibe nur die Möglichkeit, die Überschüsse möglichst kostengünstig zu beseitigen. Es handele sich um Tiere, die ohnedies geschlachtet werden würden und für die die Bauer keinen Abnehmer fänden.

Gegen die Einlagerung in Kühlhäuser spreche, dass so das Fleisch einzulagern, einzufrieren und später für teures Steuergeld zu vernichten wäre. Ausserdem gebe es in Europa nicht genug Lagerkapazitäten. ‚Wir befinden uns in einer absoluten Notsituation und ich habe von den Kritikern noch keine einzige machbare Alternative gehört‘ so der EU-Kommissar.

Links zum Thema BSE.

Landwirtschaft nicht in die „Discount-Falle“ treiben

Themen: Archiv — info @ 12:02

Köllitsch (agrar.de) – ‚Junge landwirtschaftliche Unternehmer arbeiten marktorientiert, betonte der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend, Dirk Detlefsen, bei der Eröffnungsfeier des Berufswettbewerbes 2001 der deutschen Landjugend im sächsischen Lehr- und Versuchsgut Köllitsch.

Die jungen Unternehmer stellten sich den neuen Herausforderungen der Gesellschaft, unabhängig ob sie eine Ausbildung als Landwirt, Forstwirt, Hauswirtschafterin oder Winzer absolvierten. Gesunde Tiere und ein fruchtbarer Boden seien nicht nur Basis ihrer Arbeit, sondern auch das wertvollste Kapital. Oberste Priorität für die jungen Bäuerinnen und Bauern als professionelle und verantwortungsvolle Unternehmer würden sichere und qualitativ hochwertige Nahrungsmittel sein.

Letztendlich seien jedoch immer der Markt und die Haltung der Verbraucher die Richtschnur für die Produktion der Landwirtschaft. Deshalb würde auch ein staatlich verordneter Wandel zu ökologischen Landwirtschaft das zukunftsträchtige Marktsegment in die ‚Discount-Falle‘ treiben, was nicht das Ziel der zukünftigen Agrarpolitik sein könnten, so Detlefsen.

Am Wettbewerb um die besten Auszubildenden in den vier Sparten Landwirtschaft, Hauswirtschaft, Weinbau und Forstwirtschaft nehmen bundesweit in diesem Jahr rund 10.000 Auszubildende teil. Der Berufswettbewerb mit dem Motto ‚Grüne Berufe sind grenzenlos lebenswichtig‘ wird vom Deutschen Bauernverband und dem Bund der Deutschen Landjugend mit den Landesverbänden getragen und finanziell vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft unterstützt.

Links zum Thema Landjugend

Pestizide zweiter Klasse?

Themen: Archiv — info @ 12:02

Rom/Genf (agrar.de) – Rund ein Drittel der in Entwicklungsländern verkauften Schädlingsbekämpfungsmittel mit einem Marktwert von rund 900 Millionen Dollar entspricht nicht den international geltenden Vorschriften. Dies teilten die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer gemeinsamen Erklärung mit. Diese Pestizide seien eine Gefahr für Mensch und die Umwelt.

‚Diese qualitativ minderwertigen Pestizide enthalten oft gefährliche Substanzen oder sind stark verunreinigt. In vielen Ländern sind derartige Substanzen inzwischen längst verboten oder ihr Verkauf ist stark eingeschränkt worden‘, sagte FAO-Mitarbeiter Gero Vaagt.

Weltweit wurden im vergangenen Jahr Pestizide im Wert von rund 32 Milliarden Dollar verkauft, in den Entwicklungsländern wird der Markt auf etwa drei Milliarden Dollar geschätzt. Die Entwicklungsländer benutzen Pestizide hauptsächlich in der Landwirtschaft, aber auch im Gesundheitsbereich, beispielsweise als Insektizide zur Bekämpfung von Malariamücken.

Als mögliche Gründe für die oft schlechte Qualität von Pestiziden nannten FAO/WHO eine nicht fachgerechte Produktion und eine ungenügende Auswahl von Pestiziden. ‚Bei vielen Produkten liegt beispielsweise die Konzentration von Wirkstoffen ausserhalb der international gültigen Grenzwerte‘, sagte WHO-Mitarbeiter David Heymann. ‚Ausserdem gefährden diese Pestizide Mensch und Umwelt, wenn sie giftige Beimischungen enthalten oder verunreinigt sind‘.

Wenn es um die Qualität der Kennzeichnung und der Verpackung gehe, sei der Anteil der in den Entwicklungsländern verkauften qualitativ minderwertigen Pestizide sogar noch höher, betonten FAO/WHO. ‚Beschriftungen sind oft kaum verständlich formuliert, und die Angaben zu den Wirkstoffen, zur Anwendung, zum Herstellungsdatum und zur sicheren Anwendung der Chemikalien sind in vielen Fällen unzureichend‘. Für den Verbraucher sei die Beschriftung aber die einzige Möglichkeit, um das Produkt sicher anzuwenden. In vielen Ländern seien seit Jahren Pestizide mit falschen Aufklebern auf dem Markt, für die es keine Qualitätskontrolle gebe.

Die Situation sei besonders in Afrika südlich der Sahara kritisch, da die Voraussetzungen für eine umfassende Qualitätskontrolle dort selten gegeben seien.

Die UN-Organisationen riefen Regierungen sowie internationale und regionale Organisationen dazu auf, die weltweit gültigen FAO/WHO-Pestizid-Qualitätsnormen einzuhalten. Diese Vorschriften sollten überall rechtsverbindlich gemacht werden. Die Hersteller von Schädlingsbekämpfungsmitteln sollten ihre Produkte der FAO und WHO zur Begutachtung vorlegen. Die FAO/WHO-Normen seien besonders für die Entwicklungsländer wichtig, die nicht in der Lage seien, die Produktqualität von Pestiziden selbst zu beurteilen.

FAO und WHO vereinbarten, in Zukunft gemeinsame Qualitätskriterien und Verfahren für die FAO/WHO-Normen zu entwickeln. Damit können einheitliche Standards angewandt und die Prüfverfahren verbessert werden.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der entsprechenden Internetseite der FAO.

Links zum %url4%Thema Pflanzenschutz%/%

Biopatentrichtlinie: Enquete-Kommission warnt vor „übereilter“ Umsetzung

Themen: Archiv — info @ 11:02

Berlin (agrar.de) – Vor einer ‚übereilten‘ Umsetzung der sogenannten EU-Biopatentrichtlinie, mit der ein rechtlicher Schutz biotechnologischer Erfindungen gewährleistet werden soll, hat die Enquete-Kommission ‚Recht und Ethik der modernen Medizin‘ des Bundestages gewarnt. Das berichtet die Pressestelle des Bundestages.

Nach Worten der Kommissionsvorsitzenden, der SPD-Abgeordneten Margot von Renesse, sah sich die Parlamentskommission wegen der gegenwärtigen Vorarbeiten, diese Richtlinie in deutsches Recht umzusetzen, veranlasst, einen Zwischenbericht abzugeben. Das Votum erfolgte von Renesse zufolge mehrheitlich, jedoch nicht einstimmig. Wegen ‚erheblichen Meinungsunterschieden‘ über Fraktionsgrenzen hinweg formulierten mehrere Abgeordnete und wissenschaftliche Sachverständige ein Minderheitenvotum.

Die Mehrheit der Enquetekommission vertritt die Ansicht, die EU-Biopatentrichtlinie sollte nur dann in nationales Recht umgesetzt werden, wenn einige so genannte Eckpunkte Berücksichtigung finden. Dazu gehöre, dass Patente auf biotechnologische Erfindungen sich nur auf die erfinderische Leistung erstrecken könnten. Sie dürften weder DNA-Sequenzen noch Lebewesen oder deren Teile noch andere in der Natur bereits vorhandene Phänomene umfassen. Das Stoffpatent, so die Mehrheit der Kommission, sei kein adäquates Instrument zum Schutz geistigen Eigentums bei lebenden Systemen. Zudem, so das Mehrheitsvotum weiter, müsse die Belohnung der erfinderischen Tätigkeit angemessen sein. Sie sollte daher auf belegbare Anwendungen begrenzt sein.

In diesem Kontext übt die Mehrheit der Kommission Kritik an großen Biotechnologie-Unternehmen, welche das Patentrecht nutzten, um über eine möglichst weitreichende Absteckung ihrer „Claims“ Märkte zu erschließen und zu sichern. Es würden Patente erteilt, deren Reichweite unangemessen groß sei, so die Abgeordneten und Sachverständigen. Diese Patentierungen, vor allem von Gen-Sequenzen, ermöglichten es den Patenthaltern, mit so genannten Global- und Netzpatenten zukünftige Entwicklungsfelder der Biotechnologie zu besetzen und damit für andere zu blockieren. Dies könne zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen führen. Verlangt wird zudem, dass bei Umsetzung der EU-Biopatentrichtlinie Schutzbestimmungen des deutschen Embryonenschutzgesetzes und des Transplantationsgesetzes als Patentierungsschranke verankert werden. Die Mehrheit der Abgeordneten und Sachverständigen verweist zudem auf Kritik auch in anderen EU-Mitgliedstaaten an der Richtlinie und spricht sich deshalb für eine ’notwendige breite öffentliche Debatte‘ aus.

Acht Mitglieder der Kommission, darunter vier Abgeordnete aus den Reihen von SPD, CDU/CSU und FDP, sowie vier Wissenschaftler, kritisieren in ihrem Minderheitsvotum, die Auffassung der Mehrheit vermittle nicht die Grundlagen für ein ausgewogenes Urteil über die Biopatentrichtlinie. Das Mehrheitsvotum lasse die rechtsethisch zu begrüßenden Verbesserungen gegenüber dem früheren Rechtszustand völlig außer Betracht. Es stelle ‚in einseitig negativer Weise‘ und darum ‚verzerrt‘ die Auswirkungen dieser Richtlinie dar. Zudem würde der unzutreffende Eindruck erweckt, die Patentierung biotechnologischer Erfindungen liege vorwiegend im Interesse weltweit operierender Pharma-Konzerne. Dabei werde übersehen, dass junge innovative Startup-Unternehmen ohne Patente nicht die geringsten Entwicklungschancen hätten. Vor allem, so die Minderheit, verkenne das Votum der Mehrheit das vitale gesellschaftliche Interesse an der durch das Patentrecht erzwungenen Veröffentlichung biotechnologischer Erfindungen. Diese könnten auf diese Weise rasch zum ‚Stand der Technik‘ werden und weitere Forschung anregen, aber auch gesellschaftlich kontrolliert und kritisiert werden. Dies hätten einige ethisch fragwürdige Patenterteilungen, welche in letzter Zeit bekannt geworden seien, sehr deutlich gemacht.

NRW-Umweltministerin Höhn warnt vor Gesundheitsrisiken durch Klärschlamm

Themen: Archiv — info @ 09:02

Hamburg (agrar.de) – Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn hat vor gesundheitlichen Risiken durch die Verwendung von Klärschlamm als Dünger in der Landwirtschaft gewarnt. ‚Belasteter Klärschlamm aus städtischen Regionen gehört nicht auf den Acker‘, sagte die Grünen-Politikerin in der jüngsten Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT. Die im Klärschlamm enthaltenen Schadstoffe könnten in die Pflanzen gelangen und ‚letztlich auch in den menschlichen Körper‘, sagte Frau Höhn.

In dem Reststoff aus den kommunalen Kläranlagen ‚konzentrieren‘ sich nach Aussage von Frau Höhn die Schadstoffe, die mit dem Abwasser von Haushalten und Betrieben in die Kanalisation eingeleitet werden. ‚Wenn wir den Klärschlamm auf den Acker bringen, finden wir dort auch die ganze Palette der Schadstoffe wieder‘, sagte die Düsseldorfer Umweltministerin. Gleichzeitig kritisierte sie, dass der Schadstoffgehalt des Klärschlamms nur unzureichend kontrolliert werde. Entdeckt werde nur, ‚was wir auch messen. Wir leben also vom Prinzip Hoffnung.‘

Wenig belasteter Klärschlamm kann nach Höhns Ansicht auch in Zukunft landwirtschaftlich verwertet werden. Hochbelastetes Material müsse dagegen verbrannt werden. Der Wasserpreis steige dadurch pro Kubikmeter um rund 10 Pfennig. Das sei ‚vertretbar‘.

Den Landwirten, die bisher für die Ausbringung von Klärschlamm entlohnt werden, kündigte Frau Höhn an, die gesamte Finanzierung der Landwirtschaft ‚auf den Prüfstand‘ zu stellen. In Zukunft müsse sie am Umwelt- und Verbraucherschutz ausgerichtet werden. Es leuchte ihr dagegen nicht ein, die hart arbeitenden Bauern für Aktivitäten zu entlohnen, deren Resultate der Staat später teuer reparieren müsse. ‚Wohin das führen kann, zeigt BSE‘, sagte Bärbel Höhn in der ZEIT.

Links zum Thema Klärschlamm.

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