28. Februar 2001

Landwirtschaft und Naturschutz: Kriterienkatalog zur „Guten fachlichen Praxis“

Themen: Archiv,Umwelt — info @ 15:02

Frankfurt (agrar.de) – Was ist ‚Gute fachliche Praxis‘? Diese Frage wurde bisher von Naturschutz und Landwirtschaft unterschiedlich beantwortet. Vor dem Hintergrund der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes ist eine eindeutige und verbindliche Bestimmung des Begriffes unerlässlich. Im Rahmen des Umweltforschungsplanes 1998 hatte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) deshalb ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben ausgeschrieben, das sich mit der Frage einer Konkretisierung auseinandersetzen sollte. Bearbeitet wurde das Vorhaben am Institut für Ländliche Strukturforschung (IfLS) an der Goethe-Universität Frankfurt in Kooperation mit dem Fachgebiet Naturschutz der Universität Marburg.

Die Ergebnisse dieses Vorhabens liegen nun als Bericht vor, in dem wissenschaftliche Grundlagen für eine Konkretisierung der GfP zusammen getragen wurden; dies auch um den Dialog zwischen Naturschutz und Landwirtschaft konstruktiv weiterzuführen und in neue Bahnen zu lenken.

Hervorgehoben werden die Probleme, die einer Festlegung von Mindestanforderungen entgegenstehen und die kennzeichnend sind, für die grundsätzlichen Schwierigkeiten, mit denen die Agrarumweltpolitik konfrontiert ist:

– Die Ursachen des Artenrückgangs sind komplex und lassen sich nur sehr bedingt auf einzelne Einflussfaktoren, etwa allein auf den Einsatz von Pestiziden oder Düngemitteln, zurückführen. Dieser Komplexität muss auch die Ableitung wissenschaftlich begründeter Anforderungen an die Wirtschaftsweise Rechnung tragen.

– Die regionale, naturräumliche und agrarstrukturelle Vielfalt bedingt, wenigstens in Bezug auf besonders umweltsensible Gebiete, differenzierte standortbezogene Regelungen. Umgekehrt steht sehr differenzierten Lösungen der hohe administrative Umsetzungs- und Kontrollaufwand entgegen.

– Viele Naturschutzziele sind nur bei Vorhandensein eines anerkannten Referenz- oder Zielsystems und entsprechender Schwellen- oder Grenzwerte einsetzbar. Unter den Kriterien, die die GfP definieren, gibt es solche, für die diese Schwellenwerte bundesweit festlegbar sind, etwa die Breite der Randstreifen ohne Pflanzenschutzmitteleinsatz an Gewässern oder der Einsatz bestimmter Applikationstechniken. Andere können allerdings auf Bundesebene nur in ihrer allgemeinen Form bestimmt werden, während ihre Konkretisierung auf Landesebene bzw. für die einzelnen Naturräume erfolgen muss.

– Neben der Definitionsarbeit sind zur Operationalisierung von Anforderungen der GfP nicht nur geeignete Indikatoren sondern auch die für deren praktischen Einsatz notwendigen Grunddaten erforderlich. Auch die Frage, ob eher ein hand-lungsorientierter oder – aus ökologischer Sicht vorzugsweise – eher ein ergebnisorientierter Ansatz verfolgt werden kann, hängt vor allem von der Verfügbarkeit von Daten ab.

– Die Konkretisierung der GfP dient letztlich vor allem auch der Beantwortung der Frage, wer die wirtschaftlichen Konsequenzen von Nutzungsbeschränkungen tragen muss, d.h. welches umweltrechtliche Prinzip – das Verursacher- oder das Gemeinlastprinzip – zur Anwendung kommt. Einer adäquaten Definition GfP ist daher auch in Hinblick auf den notwendigen Ausgleich zwischen Schutz- und Nutzungsinteressen besondere Bedeutung beizumessen.

Ausführlich begründet werden insgesamt zwölf Kriterien (teilweise mit Grenzwerten bzw. Toleranzbereichen), die den Erkenntnisstand über die direkten und indirekten Einflüsse der Landwirtschaft auf den Bestand und die Veränderungen von Flora und Fauna sowie ihren Lebensräumen widerspiegeln. Mit Querverweisen auf die Ergebnisse einschlägiger Untersuchungen werden einzelne Anforderungen und Kriterien ausführlich begründet. Mit den Kriterien wurde darüber hinaus versucht, den normativen Zielvorgaben der Naturschutzgesetzgebung Rechnung zu tragen.

Eckpunkte des Kriterienkatalogs sind die Erhaltung geschützter, schutzwürdiger und gefährdeter Biotope; die Bereitstellung eines landschaftstypischen Mindestanteils von ökologischen Ausgleichsflächen und Gestaltung von Biotopverbundsystemen; die Grünlandnutzung in überschwemmungsgefährdeten Fließgewässerauen und erosionsgefährdeten Hanglagen; die Düngung nach Bedarf, schlagbezogene Nährstoffbilanzierung und Führung schlagspezifischer Daten zum Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatz; die flächengebundene Tierhaltung und die Anwendung der Grundsätze des Integrierten Pflanzenschutz (IPS).

Empfehlungen zur Umsetzung der Ergebnisse schließen den Bericht ab. Überprüft werden die bestehenden Gesetze und Verordnungen hinsichtlich der darin genannten naturschutzrelevanten Vorgaben an die GfP. Diskutiert werden der Regelungsbedarf und die Regelungsmöglichkeiten. Weitere Ansätze, die für die Umsetzung einer naturschutzgerechten GfP von Bedeutung sind, wie Raumordnung und Landschaftsplanung, Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK), Umweltinformation und Beratung sowie Agrarförderung, Bewirtschaftungsbeiträge und Vertragsnaturschutz werden kritisch beleuchtet.

Nähere Information zum Vorhaben können angefragt werden bei: Dr. Karlheinz Knickel (%url3%Email%/%). Der Abschlussbericht zum Vorhaben ist als Heft 41 der Schriftenreihe Angewandte Landschaftsökologie des Bundesamtes für Naturschutz, Landwirtschaftsverlag Münster erschienen (ISBN 3-7843-37122-0).

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