27. Februar 2001

MKS: Höhn sieht deutsche Landwirtschaft am Rand einer Katastrophe

Themen: Archiv,MKS — info @ 13:02

Düsseldorf (agrar.de) – Nordrhein-Westfalens grüne Umweltministerin Bärbel Höhn sieht Deutschland durch die Gefahr der Maul- und Klauenseuche (MKS) am Rand einer Katastrophe. Der ARD Tagesschau erklärte sie, dass in Gewebeproben von drei Schafen aus Großbritannien, die in Nordrhein-Westfalen getötet worden waren, Antikörper der Maul- und Klauenseuche festgestellt wurden. Die Proben seien ’sehr schwach positiv‘ gewesen. Dies deute aber darauf hin, dass die Tiere mit dem Erreger Kontakt gehabt haben müssen.

Inzwischen breitet sich die Seuche in Großbritannien landesweit aus. Der britische Landwirtschaftsminister Brown hat jetzt insgesamt 17 MKS-Ausbrüche bestätigt.

In der Krisensitzung haben sich Bund und Länder am Montag, den 26. Februar auf ein Sechs-Punkte-Programm zum Schutz vor der Maul- und Klauenseuche verständigt. Das in Bonn vorgestellte Konzept sieht vor:

1. Weitere Kontrolle und Beobachtung aller Tiere, die in den vergangenen vier Wochen aus Großbritannien eingeführt wurden.

2. Außerdem werden die möglichen Transportwege von Tieren und Fleischprodukten auch über Drittländer aus den vergangenen acht Wochen rekonstruiert. Tiere aus befallenen britischen Beständen werden vorsorglich getötet, wie das in Nordrhein-Westfalen schon geschehen ist.

3. Die Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere führt umfangreiche Stichproben unter Schafen auf Maul- und Klauenseuche durch.

4. Ab Mittwoch, dem 28. Februar werden bundesweit alle Viehmärkte und Sammelstellen für sieben Tage geschlossen. Außerdem werden Tiertransporte stärker kontrolliert. Bei Vorliegen eines Verdachts können Tiertransporte auch verboten werden.

5. Für den Fall eines Ausbruchs der Seuche wurde ein Notimpfprogramm vorbereitet. Bis zur Tötung der betroffenen Bestände soll damit ein weiteres Ausbreiten der Krankheit vermieden werden.

6. Weil vermutet wird, dass die Seuche in Großbritannien ihren Ursprung durch die Verfütterung von Speiseresten genommen hat, soll es auch in Deutschland verstärkte Kontrollen gegen diesen möglichen Infektionsherd geben. Die schleswig-holsteinische Landesregierung will sich dafür einsetzen, dass EU-weit keine Speisereste mehr an Tiere verfüttert werden dürfen.

Impfung bringt keine 100 prozentige Sicherheit

Obwohl Impfstoffe existieren, sind Massentötungen nach Ansicht von Wissenschaftlern derzeit die einzige Lösung, um die Maul- und Klauenseuche in den Griff zu bekommen. Das Wissenschaftsmagazin ‚New Scientist‘ berichtet, eine Impfung könne zwar vor der Seuche schützen, sie wirke aber zumeist nicht bei allen Tieren. Nach Expertenmeinung triff ein Impfschutz nach einer einmaligen Impfung mit einer ölbasierten Vakzine nach etwa zehn Tagen ein. Wird ein sogenannter ‚Aluminiumhydroxid-Impfstoff‘ eingesetzt, dürfte eine belastbare Immunität nach etwa 15 Tagen erreicht werden. Der Impferfolg bei immunkompetenten Tieren liegt weit über 99 Prozent.

Kopfschmerzen bereitet die Tatsache, dass etwa 0,2 bis 0,4 Prozent aller Rinder wegen einer Immunschwäche nicht auf einen Impfstoff reagieren und ungeschützt bleiben. Auch erfolgreich geimpfte Tiere können das Virus bis zu zwei Jahre in sich tragen und damit direkt oder in Form von Produkten für ungeimpfte Tiere ein Risiko darstellen.

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