27. Februar 2001

Maul- und Klauenseuche breitet sich rasch aus

Themen: Archiv,MKS — info @ 13:02

Möglicherweise 25.000 Tiere auf Märkten angesteckt

London/Brüssel (agrar.de) – Auf der Suche nach dem Ursprung der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien haben die Behörden beunruhigende Neuigkeiten gemeldet: Durch drei Viehmärkte in Mittel- und Nordengland, auf denen vermutlich erkrankte Tiere gehandelt wurden, könnten nach Schätzungen rund 25.000 Tiere mit der hochansteckende Krankheit infiziert worden sein. Die Tiere wurden gehandelt, noch bevor das Handelsverbot am Freitag in Kraft trat.

Als Konsequenz aus der Seuche will Großbritannien das Exportverbot für Tiere, Fleisch und Milchprodukte vorerst aufrechterhalten. ‚Wir werden unser Problem nicht exportieren‘, sagte Landwirtschaftsminister Nick Brown am Montagabend in Brüssel. Die britische Regierung werde an dem Exportstopp so lange festhalten, bis die Krankheit ausgerottet sei. Bislang sind nach Angaben des Ministers Tiere von zwölf britischen Höfen befallen. Mehrere tausend Tiere betroffener Betriebe sind bereits verbrannt worden.

Vorsichtsmaßnahmen

Premierminister Tony Blair und der Präsident des Bauernverbandes, Ben Gill appellierten an die Bevölkerung, in den kommenden Tagen nicht in ländliche Gebiete zu reisen. Alle Viehmärkte und drei große Parkanlagen in der Umgebung Londons sind geschlossen worden, um ein Übergreifen der Seuche auf weitere Tier- und Wildbestände zu verhindern.

Die EU hatte am Mittwoch vergangener Woche ein Exportverbot für Tiere, Fleisch und Milchprodukte aus Großbritannien verhängt. Die Maßnahme soll zunächst bis zum 1. März in Kraft bleiben. Eine Verlängerung dieser Frist durch den ständigen Veterinärausschuss bei der EU gilt als wahrscheinlich.

Der von Verbraucherschutzministerin Renate Künast einberufene Krisenstab beschloss, alle deutschen Viehmärkte ab Mittwoch für zunächst eine Woche zu schließen. Der Handel wurde aufgefordert, Tiertransporte möglichst weit einzuschränken.

In Nordrhein-Westfalen wurden 350 Schafe getötet, die direkt aus einem von der Seuche befallenen britischen Betrieb stammten. Mehrere Schweinebetriebe wurden vorsorglich gesperrt. In Niedersachsen wurden 20 Höfe mit 3.000 aus Großbritannien stammenden Schweine isoliert. In Bayern, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt wurden ebenfalls Betriebe unter Quarantäne gestellt. In Hessen wurden die Schweinebestände zweier Höfe untersucht, in denen Tiere aus Großbritannien standen. Weil die Bluttests ohne Befund blieben, wurde die Sperrung dort bereits wieder aufgehoben.

Die hoch ansteckende Viruserkrankung ist in Deutschland seit zwölf Jahren nicht mehr aufgetreten. Gefährdet sind Paarhufer wie Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Damwild. Für den Menschen ist sie ungefährlich.




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