16. Januar 2001

EU-Kommission schlägt Verbesserungen in der Schweinehaltung vor

Themen: Archiv — info @ 09:01

Brüssel (agrar.de) – Die Europäische Kommission hat heute einen Bericht über die intensive Schweinehaltung sowie einen Vorschlag zur Änderung der EU-Rechtsvorschriften zum Schutz von Schweinen angenommen, bei dem es um die Verbesserung der Haltungsbedingungen geht.

Der Vorschlag verbietet es, Sauen für den größten Teil der Tragezeit in Einzelbuchten unterzubringen, was ihre Bewegungsfreiheit drastisch einschränkt. Auch legt er Regelungen für die allgemeine Verbesserung der Lebensbedingungen für Schweine und Ferkel, einschließlich Anforderungen an Lebensraum, Stallfläche und geeignete Fütterungssysteme fest. Neue Anforderungen für die Ausbildung der in den Betrieben arbeitenden Personen werden ebenfalls eingeführt. Zusätzlich schlägt die Kommission strengere Regelungen für Lärm- und Lichtbelastung, Zugang zu Futter und Wühlmaterial, das Absetzmindestalter für Ferkel und Bodenausführungen sowie ein Verbot der schlimmsten Arten routinemäßiger Verstümmelungen vor. Damit sollten die gravierendsten Probleme der Schweineintensivhaltung beseitigt werden, die der Bericht der Kommission aufgezeigt hat, der sich auf eine gründliche Analyse ihres Wissenschaftlichen für Tiergesundheit und Tierschutz (SCAHAW) stützt.

David Byrne, für Gesundheits- und Verbraucherschutz zuständiger Kommissar, sagte: ‚Die Intensivierung der Schweinehaltung in den letzten zehn Jahren hat zu Praktiken geführt, die unnötiges Leiden verursachen und sich zunehmend als kontraproduktiv erweisen. Ich nehme die Stellungnahmen unserer Wissenschaftlicher zu dieser Frage sehr ernst und werde alles daransetzen, die Rechtsvorschriften entsprechend zu ändern. Wenn diese neuen Maßnahmen erst einmal in Kraft sind, wird die Schweinewirtschaft eine Chance haben, ihr Bild in der Öffentlichkeit zu verbessern. Tierschutzaspekte sind fester Bestandteil der künftigen EU-Agrarpolitik. Wir möchten zu einer Form der Landwirtschaft gelangen, die effiziente Aufzuchtverfahren mit Aufzuchtbedingungen kombiniert, die für die Bevölkerung insgesamt akzeptabel sind.‘

Der heute vorgelegte Vorschlag der Kommission für eine Richtlinie des Rates geht auf eine Stellungnahme des Wissenschaftlichen Ausschusses für Tiergesundheit und Tierschutz der EU aus dem Jahre 1997 zur Schweineintensivhaltung zurück. Die Wissenschaftler betonen die Notwendigkeit, die Bedingungen in der Intensivhaltung zu verbessern. Die wichtigsten Erkenntnisse der Wissenschaftler zu Tierschutzproblemen in der Schweineintensivhaltung sind:

– die Haltung von Schweinen in sozialer Isolation und insbesondere die Haltung von Sauen in Einzelbuchten behindert das Sozialverhalten und natürliche Verhaltensweisen wie das Wühlen;

– Kunststoffböden und Vollspaltenböden verursachen Verletzungen, beeinträchtigen das Wohlbefinden und behindern das normale Wühlverhalten;

– bestimmte Fütterungssysteme können aggressives Verhalten der Tiere fördern, insbesondere dann, wenn trockengestellte Sauen unzureichend gefüttert werden und einen Großteil ihres Lebens hungern;

– nicht qualifiziertes Personal verursacht selbst bei sachgerechter Unterbringung unnötiges Leiden für die Tiere.

Der Vorschlag der Kommission sieht daher folgende Maßnahmen vor:

– ein Verbot der Unterbringung tragender Sauen in Einzelbuchten bis zu 7 Tagen vor dem Abferkeltermin;

– ein Verbot der Anbindehaltung von Sauen und Jungsauen;

– eine obligatorische Mindestgröße der Sauenbuchten, so dass sich die Tiere zumindest umdrehen können;

– obligatorischer ständiger Zugang der Schweine zu Wühlmaterial und Futter mit Faseranteilen;

– detaillierte Anforderungen an die Bodenausführung mit separaten Kotplätzen und Liege-/Fressbereichen;

Die sozioökonomischen Auswirkungen der vorgeschlagenen Verbesserungen auf die bestehenden EU-Vorschriften dürften begrenzt sein. Abgesehen davon, dass bestimmte Kernbestimmungen in einigen Ländern bereits in Kraft sind, gilt, dass die neuen Regeln schrittweise über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren eingeführt werden, damit die Industrie ihre Gebäude an die höheren Normen für den Schutz der Schweine anpassen kann.

Die Regeln sollen 2012 in Kraft treten, wobei einige Schlüsselbestimmungen für neue Haltesysteme bereits ab dem 1. Januar 2002 gelten. Die Landwirte haben im Rahmen des Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft Anspruch auf finanzielle Unterstützung für Investitionen in Gebäude und technische Ausrüstungen, die auf die Verbesserung des Tierschutzes abzielen.

Fünf Mitgliedstaaten (UK, Niederlande, Dänemark, Finnland, Schweden) haben bereits strengere nationale Rechtsvorschriften erlassen als in den Gemeinschaftsvorschriften von 1991 vorgesehen. Dabei geht es insbesondere um das Verbot von Einzelbuchten für tragende Sauen und die Schaffung einer angemessenen Umgebung, die dem natürlichen Verhalten und dem Sozialverhalten entgegen kommt.

Der Schweinebestand in der EU belief sich 1998 auf 125 Millionen Tiere; davon sind 12,6 Millionen Zuchtsauen, die hauptsächlich in Deutschland, Spanien, Frankreich, den Niederlanden und Dänemark gehalten werden. Die Schweineerzeugung hat sich zu einem hochspezialisierten Wirtschaftszweig entwickelt, der auf die Mast der Tiere nach vorgegebenen Standards ausgerichtet ist und strengen Lieferfristen unterliegt. Derzeit sind in der EU fast 65 Prozent der tragenden Sauen in Einzelbuchten untergebracht, und über 60 Prozent dieser Tiere steht kein Stroh zur Verfügung.

Der heute angenommene Vorschlag der Kommission für eine Richtlinie des Rates ändert die Richtlinie 91/630 des Rates über Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinen. Er wird dem Ministerrat zur Verabschiedung übermittelt. Das Europäische Parlament wird angehört, hat aber in dieser Angelegenheit keine Mitentscheidungsbefugnis, da die Rechtsgrundlage des Vorschlags Artikel 37 ist Gemeinsame Agrarpolitik.

Ein zweiter Vorschlag für einen Beschluss der Kommission zur Änderung der technischen Anhänge der Richtlinie 91/630/EWG wird dem Ständigen Veterinärausschuss zur Stellungnahme vorgelegt. Wenn eine qualifizierte Mehrheit der Vertreter der Mitgliedstaaten im Ausschuss den Vorschlag unterstützt, wird dieser von der Kommission verabschiedet.

Den vollständigen Wortlaut des Berichts über die Schweineintensivhaltung und das wissenschaftliche Gutachten von 1997 dazu finden Sie im Internet.

15. Januar 2001

Merkblatt über Sofortmaßnahmen bei Gewässerverunreinigungen und Fischsterben veröffentlicht

Themen: Archiv — info @ 13:01

Erfurt (agrar.de) – Für Beobachter und Betroffene von Fischsterben und Gewässerverunreinigungen wurde vom Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt ein Handlungskonzept als Faltblatt ‚Fischsterben und Gewässerverunreinigungen – Was ist zu tun?‘ veröffentlicht.

Akute Gewässerverunreinigungen treten meist nur kurzfristig auf. Um nachteilige Auswirkungen für die Gewässer so gering wie möglich zu halten, müssen die Ursachen der Verunreinigung kurzfristig ermittelt werden. Hierbei hat sich die Unterstützung der zuständigen Behörden durch die Anlieger, Fischereiausübende und erstbeobachtende Bürger als nützlich, bisweilen als entscheidend herausgestellt. Dies gilt insbesondere für die sofortige Meldung einer Gewässerverunreinigung, aber auch für die möglichst schnelle Entnahme von Wasserproben für eine spätere Analyse.

In diesem Merkblatt sind die wesentlichen Anzeichen für eine Gewässerverunreinigung sowie die Hinweise für die Benachrichtigung der zuständigen Behörden aufgezeigt. Darüber hinaus werden Anregungen für die Probenahme mit einfachen Mitteln zur Beweissicherung und für den Versand von Wasserproben gegeben. Für die notwendigen Angaben bei der Probenahme erweist sich das abtrennbare Ermittlungsprotokoll als hilfreich.

Das Faltblatt ist kostenfrei erhältlich im: Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Beethovenplatz 3, 99096 Erfurt

11. Januar 2001

Heereman hofft auf konstruktiven Dialog mit neuer Bundesministerin Künast

Themen: Archiv — info @ 13:01

Bedauern über Funkes Rücktritt

Bonn (agrar.de) – Mit Bedauern hat der Deutsche Jagdschutz-Verband auf den Rücktritt von Bundeslandwirtschaftsminister Funke reagiert. ‚Wir haben mit Karl-Heinz Funke in seiner Amtszeit trotz teilweise kritischer Themen einen sehr offenen und konstruktiven Meinungsaustausch gepflegt‘ erklärte DJV-Präsident Constantin Freiherr Heereman. Da meldet die Pressestelle des deutschen Jagdschutz-Verbandes.

Eine solche Zusammenarbeit wünsche er sich auch mit der neuen Ministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Renate Künast, der Heereman zur Amtsübernahme gratulierte und viel Erfolg wünschte.

‚Ich hoffe, dass wir mit Frau Künast bald ein persönliches Gespräch führen können, um einen konstruktiven Dialog über Fragen des Jagdwesens in Gang zu setzen‘, so das Anliegen Heeremans. Schließlich gehe er davon aus, daß gerade einer grünen Ministerin der Erhalt einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt und einer intakten Umwelt ebenso am Herzen liegt wie der Jägerschaft, erklärte der DJV-Präsident.

Links zum Thema Jagd und Wild

Renate Künast übernimmt Agrarministerium

Themen: Archiv — info @ 12:01

Berlin (agrar.de) – Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) benannte gestern die Grünen-Parteichefin Renate Künast als Nachfolgerin des wegen der BSE-Krise zurückgetretenen Landwirtschaftsministers Karl-Heinz Funke (SPD). Gleichzeitig kündigte Schröder eine Neuordnung der betroffenen Politikfelder an. Das Agrarpolitik soll einem Verbraucherschutzministerium unterstellt werden, das auch maßgeblich für den Bereich Ernährung zuständig sein wird. Diese Veränderung solle dazu beitragen, das durch die BSE-Krise erschütterte Vertrauen der Bürger wiederherstellen.

Im ZDF erklärte Frau Künast: ‚Die Grünen und ich stehen dafür, dass wir im Laufe der nächsten fünf Jahre den wirklich ökologischen Landbau auf zehn Prozent hochsetzen. Nur wenn wir ein Stück naturnäher produzieren, ist die ökonomische Zukunft der Landwirte gesichert.‘ Sie verlasse sich darauf, dass die Bauern Interesse an ihren Arbeitsplätzen hätten. Die Zukunft der Landwirtschaft liege fest in der Hand der Verbraucher.

Mit der in Recklinghausen (NRW) geborenen, 45-jährigen Künast steht erstmals eine Frau und erstmalig eine Politikerin der Grünen an die Spitze des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Als ausgebildete Sozialarbeiterin betreute sie in den 70er Jahren Gefangene in der Berliner Haftanstalt Tegel. Später studierte sie Jura, wurde Rechtsanwältin und setzte sich für Asylbewerber ein. In Berlin gehörte sie zu den Mitbegründern der grün-alternativen Liste und wurde 1985 erstmals ins Abgeordnetenhaus gewählt. Die ehemalige Fraktionschefin steht seit sechs Monaten mit Fritz Kuhn an der Spitze der grünen Bundespartei. Dieses Amt wird sie, so verlangen es die grünen Parteistatuten, aufgeben müssen. Ihre Nachfolgerin soll auf dem Grünen-Parteitag Anfang März gewählt werden.

Während die Naturschutzverbände BUND und NABU die Neustrukturierung der Ministerien und die Wahl von Frau Künast begrüßten, äußerte sich der Deutsche Bauernverband eher zurückhaltend. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) gratulierte der Bundesregierung zu ihrer Entscheidung, mit der sie zugleich Weitsicht und Mut bewiesen habe. Mit dem neuen Zuschnitt des Ministeriums ermögliche man eine vorsorgende, vorausschauende Politik für Bauern und Verbraucher und habe einen weiteren wichtigen Schritt nach vorne getan, so die AbL. Einschränkend bemerkte die AbL, dass ‚mit Frau Künast eine zwar starke Persönlichkeit mit ausgewiesener politischer Erfahrung als neue Ministerin zu benennen, die aber gleichzeitig bisher kaum über fachliche Kenntnisse sowohl im Verbraucherschutz als auch im landwirtschaftlichen Bereich verfügt.‘

Bundeskanzler Schröder unterstrich die eher eher politisch motivierte Besetzung mit dem Hinweis an die ‚Agrarlobby‘, sie müsse sich darauf einstellen, zukünftig weniger Einfluß auf die Gestaltung der Agrarpolitik zu haben.

DLG: Jeder dritte Bauernhof hat einen Internet-Anschluss

Themen: Archiv — info @ 11:01

Münster (agrar.de) – Nach Angaben der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) verfügt bereits jeder dritte der rund 430.000 Betriebe in Deutschland über einen Internet-Anschluss. Damit zähle die Agrarwirtschaft zu den Branchen mit der höchsten Internet-Nutzung im Mittelstand, sagte DLG-Präsident Philip Freiherr von dem Bussche am Mittwoch auf der DLG-Wintertagung in Münster.

Bei den Betrieben über 50 Hektar Nutzfläche liegt der Anteil der für das Internet-Surfen ausgestatteten Betriebe bei 45 Prozent. Die wichtigsten Aktivitäten sind die Informationsbeschaffung, Online-Banking und die Kommunikation mittels E-Mail. Online-Geschäfte, zum Beispiel an den verschiedenen Agrar-Handelsplattformen, sind dagegen noch nicht etabliert.

Neben der Bestandsaufnahme und Diskussion der zukünftigen Entwicklung von Internet und Informationstechnologie in Landwirtschaft, Landtechnik und Agrarhandel waren der Ministerwechsel und die BSE-Krise bestimmende Themen der Tagung. Von dem Bussche kritisierte hier, dass es beim grenzüberschreitenden Problem BSE keine keine europaweit einheitlich Vorgehensweise sondern den Betrieb einer ‚hektisch angeworfenen Gesetzes- und Verbotsmaschinerie.‘ Gleichzeitig warnte er vor einem politischen Weg ‚zurück zum Museumsbauernhof.‘

Mörsdorf legt Grundsatzpapier „Für eine neue Agrarpolitik – für Mensch und Natur“ vor

Themen: Archiv — info @ 11:01

Saarbrücken (agrar.de) – Eine umweltgerechte Landwirtschaft auf der ganzen Fläche, die die natürlichen Lebensgrundlagen schont und erhält sowie gesunde Lebensmittel produziert – das ist das Ziel eines agrarpolitischen Grundsatzpapiers, das der saarländische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Stefan Mörsdorf heute veröffentlicht hat.

‚Die derzeitige Krise der Landwirtschaft muss als Chance begriffen werden für grundlegende agrarpolitische Reformen. Das System der Agrarsubventionen muss jetzt auf den Prüfstand gestellt werden. Der Steuerzahler hat ein Recht darauf, für die Milliarden an Subventionen, die er für die Landwirtschaft zahlt, als Gegenleistung eine umweltgerechte Landwirtschaft zu bekommen, die gesunde Nahrungsmittel produziert‘, unterstrich Mörsdorf.

In dem Papier ‚Für eine neue Agrarpolitik – für Mensch und Natur‘ wird ein Fördersystem für die Landwirtschaft vorgeschlagen, das nicht mehr produkt-, sondern flächenbezogen ist. Danach erhalten die Landwirte nach einem dreistufigen System Prämien, wenn sie bestimmte ökologische Mindeststandards erfüllen. Betriebe, die freiwillig auf bestimmte Produktionsmethoden verzichten, etwa chemische Pflanzenschutzmittel, erhalten zusätzliche Prämien. Honoriert werden soll auch der Arbeitskräfteeinsatz in den landwirtschaftlichen Betrieben.

Mörsdorf wird das Papier morgen bei einem Spitzengespräch mit Vertretern der saarländischen Landwirtschaft und des Verbraucherschutzes diskutieren. Das Grundsatzpapier „Für eine neue Agrarpolitik – für Mensch und Natur“ ist im vollen Wortlaut im Internet abrufbar.

BSE: Erstmals mehrere Tieren in einer Herde?

Themen: Archiv — info @ 10:01

Kiel (agrar.de) – Möglicherweise wurden erstmals mehrere Tiere in einer deutschen Rinderherde mit BSE infiziert. Das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium teilte mit, bei einer Kuh von einem Bauernhof im Kreis Stormarn habe sich bei einem Schnelltest ein BSE-Verdacht ergeben.

Der Verdacht müsse noch durch eine zweite Probe erhärtet werden, deren Ergebnis für den Nachmittag erwartet werde, so ein Sprecher. Die Kuh stammt aus einer Herde mit insgesamt 26 Tieren, die nach dem zweiten bestätigten BSE-Fall in Schleswig-Holstein auf dem Bauernhof am Mittwoch getötet worden war. Die Rinder waren im März 2000 von einem Hof in Dissau in Ostholstein an den Hof in Stormarn verkauft worden.

Einen weiteren BSE-Verdachtsfall gibt es im Regierungsbezirk Gießen (Hessen). Bei einem am 9. Januar geschlachteten vierjährigen Rind wurden nach Informationen des Landesgesundheitsministeriums ein positiver Befund festgestellt. Endgültige Sicherheit bringe aber erst die Untersuchung durch die Tübinger Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere.

In Deutschland wurde BSE bisher bei insgesamt zehn Rindern festgestellt. Sechs der Fälle stammen aus Bayern, je zwei aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Künast kündigt neue Ökosiegel für Fleisch an

Themen: Archiv — info @ 09:01

Berlin (agrar.de) – Die künftige Landwirtschaftsministerin Renate Künast will in der BSE-Krise mit neuen Ökosiegeln das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen. Es müsse sicher gestellt werden, dass kein Fleisch auf den Markt komme, das nicht auf die Rinderseuche getestet sei, sagte Künast im ZDF. Die Landwirte sollten gemeinsam mit den Konsumenten überlegen, wie mehr Lebensmittelsicherheit produziert werden könne.

Eine klare Absage erteilte Künast der Massentierhaltung. Ebenso wandte sie sich gegen den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft. Was die Zahl der BSE-Fälle in Deutschland angehe rechne sie nicht damit, dass der Höhepunkt bereits erreicht sei.

DBV kritisiert Widersprüche

Themen: Archiv — info @ 09:01

Bonn (agrar.de) – Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht in der neuen Agrarpolitik der Bundesregierung einen Widerspruch zu ihrer bisherigen Haltung. Mit der vor zwei Jahren beschlossenen Agenda 2000 sei den Bauern die Orientierung am Weltmarkt vorgegeben worden.

Der Generalsekretär des Verbands, Helmut Born, zeigte sich im Deutschlandfunk verwundert über die geforderte Agrarwende. Die ‚industriemäßigen Bedingungen‘ seien den Bauern aufgezwungen worden. Zwar seien die Bauern angesichts der BSE-Krise durchaus selbstkritisch. ‚Aber hier eine große Richtungsdiskussion zu führen, wo es um die Beseitigung einer wirklich gefährlichen Krankheit geht, das ist nicht richtig.‘

Born sagte, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe schon als Ministerpräsident in Niedersachsen mit der Globalisierung argumentiert und den Landwirten immer empfohlen, sich ‚leistungs- und wettbewerbsfähig zu machen, um im internationalen Wettbewerb klarzukommen‘. Wenn die Bundesregierung jetzt auf eine ökologische Landwirtschaft setze, müsse sie diese Haltung auch bei den Verhandlungen in der Welthandelsorganisation WTO über die Agrarwirtschaft gegen die USA durchhalten.

Klärungsbedarf in Bezug auf die kritisierte deutsche Agrarstruktur sieht auch Brandenburgs Landwirtschaftsminister Wolfgang Birthler (SPD). Der ökologische Landbau wird nach seiner Ansicht in Deutschland auch in Zukunft die ‚Produktion in einer Nische‘ bleiben. Vor allem die Höhe des Einkommen der Menschen setze an dieser Stelle Grenzen, meint Birthler. Schröder Angriff gegen ‚Agrarfabriken‘ seien nicht ohne weiteres als Schlag gegen die großflächigen Ost-Betriebe zu interpretieren. Die Frage sei: ‚Was meint der Kanzler damit?‘

10. Januar 2001

Minister Fischer und Funke zurückgetreten

Themen: Archiv — info @ 11:01

Berlin (agrar.de) – Als Konsequenz aus Versäumnissen in der BSE-Krise hat Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) ihren Rücktritt erklärt. Fischer begründete ihren Rücktritt damit, dass das Vertrauen der Bürger in die Bundesregierung bei der BSE-Krise erschüttert sei. Ihre Fehler hierbei seien zwar nicht schwerwiegend genug, um allein einen Rücktritt zu rechtfertigen. Sie wolle jedoch den Weg frei machen für einen auch personellen Neuanfang.

Agrarminister Karl-Heinz Funke (SPD) trat ebenfalls zurück. Er begründete dies damit, dass seine Agrarpolitik in der Koalition nicht mehr mehrheitsfähig sei. Funke sagte am gestrigen Abend in Berlin, er habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass seine Vorstellungen von Agrarpolitik ‚in großen Teilen der Koalition nicht mehr mehrheitsfähig ist‘. Er gehöre nicht ‚zu denen, die bereit sind zu streichen, was sie in langen Jahren für richtig gehalten haben‘. Deshalb habe er sich entschlossen, den Weg für den gewünschten Neuanfang in der Agrarpolitik freizumachen.

Als aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Landwirtschaftsministers gilt Funkes Staatssekretär Martin Wille. Er hatte sich bereits mit einem ‚Sieben-Punkte-Programm‘ zur Landwirtschaftspolitik profiliert, dass über die Pläne des Ministers hinausgeht (unsere Meldung). Als Kandidaten der Grünen für ein Ministeramt sind die nordrhein-westfälische Umwelt- und Agrarministerin Bärbel Höhn und die gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, im Gespräch.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sieht in den Rücktritten die Chance, dass aus der Krise eine ‚grundlegende Landwirtschaftswende‘ wird. Der personelle Neuanfang müsse auch ein inhaltlicher Neuanfang werden, damit Deutschland auch auf europäischer Ebene eine Vorreiterrolle für eine soziale, umwelt- und verbraucherfreundliche Landwirtschaftpolitik übernehme, so der Verband in einer ersten Strellungnahme.

Die Gesellschaft sei bereit für eine grundlegende Neuorientierung in der Landwirtschaft und der Agrarpolitik. Es sei nun wichtig, dass die bäuerlichen Betriebe Rahmenbedingungen erhalten, die eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft kostendeckend ermöglichen und eine Ökologisierung der Landwirtschaft verwirklichen.

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