22. Januar 2001

UN-Klimabericht: Erde erwärmt sich schneller als vermutet

Themen: Archiv — info @ 13:01

Shanghai (agrar.de) – Die globale Erwärmung wird immer stärker. Gleichzeitig gibt mehr und bessere Beweise als je zuvor, dass der Mensch weitgehend dafür verantwortlich ist. Das geht aus einem Bericht des UN-Wissenschaftsrates zur Klimaveränderung (IPCC) hervor, an dem mehr als 600 führende Wissenschaftler und Regierungsvertreter aus aller Welt drei Jahre geschrieben haben. Der Bericht wurde in Shanghai veröffentlicht.

Die Wissenschaftler erwarten eine schnellere und ‚potenziell katastrophale globale Erwärmung‘ von 1,4 bis 5,6 Grad in diesem Jahrhundert. Bislang war nur mit einem Temperaturanstieg von 1 bis 3,5 Grad von 1990 bis 2100 gerechnet worden. Klaus Töpfer, der Leiter des UN-Umweltprogramms, ist der Meinung, dass der Bericht ‚in jeder Hauptstadt und jeder lokalen Gemeinde die Alarmglocken klingeln lassen sollt‘.

Der Bericht liefere außerdem neue, stichhaltigere Beweise dafür, dass die Erwärmung, der vergangenen 50 Jahre größtenteils menschlichen Aktivitäten zuzuschreiben sei.

Mehr als die Hälfte der negativen Folgen der Treibhausgas-Emission seien direkt auf Kohlendioxid (CO2) zurückzuführen. Dadurch, dass nun auch die Wirkung von Methan und anderen Gasen auf das Klima besser erforscht sei, könnten nun auch genauere Prognosen für die künftig zu erwartende Erderwärmung gemacht werden.

Die 90er Jahre seien vermutlich das wärmste Jahrzehnt und 1998 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1861 gewesen. Weitere Untersuchungen hätten gezeigt, dass auch die Erwärmung im zu Ende gegangenen Jahrhundert wahrscheinlich die höchste in den vergangenen 1.000 Jahren gewesen sei.

Das Tempo der Erderwärmung lasse sich besonders deutlich am kontinuierlichen Anstieg der nächtlichen Mindesttemperaturen ablesen. Dies habe bereits eindeutige Konsequenzen für die Landwirtschaft gehabt. Die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen seien im gleichen Zeitraum weniger schnell gestiegen als die Nachttemperaturen.

FAO: Rückgang der Waldflächen verlangsamt

Themen: International,Statistik,Wald,Waldbericht — info @ 11:01

Rom (agrar.de) – Die Waldflächen der Erde gehen langsamer zurück als noch vor fünf Jahren. Wie Experten der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) am Montag erklärten, verlor die Welt seit 1995 pro Jahr neun Millionen Hektar Wald, 20 Prozent weniger als in den vorangegangenen fünf Jahren.

Am schnellsten schreitet der Waldverlust in Afrika und Lateinamerika voran. In Asien werden die Verluste der natürlichen Wälder durch Plantagenpflanzungen ausgeglichen, in Europa und den Nordamerika nehmen die Waldflächen zu. Insgesamt stehen laut FAO jedem Erdenbürger etwa 6.000 Quadratkilometer Wald zur Verfügung. Diese Fläche reduziere sich jedes Jahr um zwölf Quadratmeter.

Mit der jüngsten Waldzustandserhebung stellt die FAO in 50 Jahren erstmalig einen Bericht vor, der auf einer weltweit einheitlichen Wald-Definition basiert. Die FAO veröffentlichte die Zahlen auf Ihrer Wald-Seite, sie werden offiziell im Weltwaldbericht 2001 anläßlich des nächsten Treffens des Committee on Forestry (COFO) am 12.März vorgestellt. An diesem FAO-Konferenz nehmen über 100 Mitgliedsstaaten teil.

Links zum Thema Wald + Forst

19. Januar 2001

Wieviel Bio-Landbau ist möglich?

Themen: Archiv — info @ 14:01

Neue Studie zum Konsumverhalten der Verbraucher zeigt Prerspektiven

Darmstadt (agrar.de) – In der aktuellen Diskussion um den BSE-Skandal wird auch die Forderung nach Ausdehnung der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland erhoben. Damit verbunden ist die Frage nach Ernährungssicherung dieses Landbewirtschaftungssystems im Vergleich zum konventionellen. Gegner der Ausdehnung der ökologischen Landwirtschaft befürchten einen Rückgang der Naturalerträge und somit einen erhöhten nationalen Lebensmittelimportbedarf. Befürworter halten dagegen die nationale Ernährungssicherung unter Berücksichtigung der derzeitigen Überschussproduktion landwirtschaftlicher Produkte für unproblematisch.

Welche Konsequenzen hätte eine vollständigen Umstellung der deutschen Landwirtschaft auf ökologischen Landbau?

Markus Seemüller, greenhirn-Forschungspreisträger 2000, weist in seiner Studie ‚Der Einfluss unterschiedlicher Landbewirtschaftungssysteme auf die Ernährungssituation in Deutschland in Abhängigkeit des Konsumverhaltens der Verbraucher‘ nach, dass die derzeit vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland – sollte eine großflächige Umsetzung der ökologischen Landwirtschaft angestrebt werden – zur Ernährungssicherung nicht ausreichen.

Eine Ausweitung der Flächen im benötigten Umfang – ca. 5,5 Mio. ha – ist unrealistisch. Allerdings bestehen Lösungsmöglichkeiten nicht allein im Import fehlender Nahrungsmittel. Die Verminderung des Verbrauchs von Flächen für die Produktion ‚tierischer‘ Nahrungsmittel steht alternativ bzw. ergänzend an. Anstelle des vorhandenen ‚tierischen Verbrauchs‘ von 39 Prozent müßte sich der Konsum dieser Produkte auf 24 Prozent reduzieren. Dies entspricht annähernd der Situation in Italien – hier liegt der Verbrauch bei 26 Prozent.

Von 1990 bis 1996 ging der Konsum ‚tierischer‘ Kalorien in Deutschland um 2,1 Prozent zurück. Sollte sich dieser Trend linear fortsetzen, wäre die Ernährungssicherung durch eine vollständige ökologische Landwirtschaft spätestens im Jahre 2024 gewährleistet.

Die Studie von Markus Seemüller (114 S., DIN A4, ISBN 3-934490-08-5, 42 DM/21,47 EUR) kann beim Öko-Institut e.V., Frau Romy Klupsch, Postfach 6226, 79038 Freiburg, Fax: 0761-475437, E-Mail bestellt werden.

DBU auf der Grünen Woche: Akzente für eine umweltverträgliche Landwirtschaft

Themen: Archiv — info @ 10:01

Neue Broschüre zeigt 16 beispielhafte Projekte

Osnabrück/Berlin (agrar.de) – 250 Projekte für eine umweltgerechtere Landwirtschaft hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, seit Aufnahme ihrer Fördertätigkeit 1991 unterstützt. DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde: ‚Seit einem Jahrzehnt setzen wir Akzente, die gerade jetzt im Mittelpunkt des Interesses stehen: Die Suche und Entwicklung von umweltverträglichen Produktionsformen, die auch ökonomisch tragbar sind. Die 120 Millionen Mark, die wir in die 250 Projekte gesteckt haben, erweisen sich als sehr zukunftsorientiert angelegt.‘

Vor allem die Tatsache, dass mehr als fünfzig Prozent der Fläche Deutschlands landwirtschaftlich genutzt würden, verdeutliche die Bedeutung des DBU-Engagements in diesem Bereich: ‚Wir wollen unsere Anwesenheit bei der Grünen Woche in Berlin nutzen, um einen zentralen Bereich unserer Förderung einer interessierten Fachöffentlichkeit näher zu bringen‘, erläutert Brickwedde. Der Stand der DBU ist während der Sonderausstellung ‚Erneuerbare Energien‘ (25. bis 27. Januar) in Halle 14.2 zu finden.

Rechtzeitig vor Messestart kommt eine 44-seitige neue Broschüre der DBU auf den Markt. Die Broschüre ‚Neue Chancen für Landwirtschaft und Umwelt‘ zeige mit 16 Projektbeispielen, dass es Wege der modernen Agrarproduktion gebe, von denen Bauern und Umwelt gleichermaßen profitieren. Vor zehn Jahren, als die DBU mit der Förderung begonnen habe, hätte der Umweltschutz noch als unpopuläre und unwirtschaftliche Belastung gegolten. Die Projektpartner hätten jedoch bewiesen, dass Ökologie und Ökonomie sich in der Landwirtschaft nicht ausschließen, so Brickwedde. ‚Wir haben Projekte gefördert, die innovative, umweltverträgliche Landnutzungsformen demonstrieren und vor allem deren Verbreitung in der Praxis unterstützen.‘

So habe die Fachhochschule Osnabrück gemeinsam mit den Amazonen-Werken aus Hasbergen (Niedersachsen) eine sensorgesteuerte Querhacke entwickelt, die es ermöglicht, Unkräuter von Nutzpflanzen zu unterscheiden und diese mechanisch zu entfernen. Auf den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln könne so verzichtet werden. Auch die Bekämpfung von Schädlingen stelle bisher ein Problem dar, für dessen Lösung die Landwirtschaft oft nur den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln kenne. Ein Projekt der Universität Hohenheim (Stuttgart) in Zusammenarbeit mit der TRIFOLIO-M aus Lahnau habe jedoch erfolgreich bewiesen, dass beispielsweise Blattläuse mit Extrakten aus dem indischen Neem-Baum umweltverträglich bekämpft werden können.

Auch Argumente und Strategien für eine ökologische Orientierung der Landwirtschaft will die DBU liefern. Aus diesem Grund habe sie gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der ArbeitsGemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL) den Leitfaden „Wasserschutz durch Ökologischen Landbau“ entwickelt, der Wasserwerkern und Bauern praktische Tipps für die schonende Bewirtschaftung liefern soll.

‚Wirksamer Umweltschutz in der Landwirtschaft heißt, bei allen Entscheidungen und Maßnahmen die Wirkungen auf die Umwelt zu beachten. Bei dieser schwierigen Aufgabe wollen wir den Landwirten helfen‘, verdeutlicht Brickwedde. Hier böten sowohl der Ratgeber als auch die Broschüre Denkanstöße und Beispiele.

Die neue Publikation kann bei der DBU, An der Bornau 2, 49090 Osnabrück, Telefon 0541-9633-0, bezogen werden.

Lebensmittelsicherheit und BSE dominieren Eröffnung der Grünen Woche

Themen: Archiv — info @ 10:01

Berlin (agrar.de) – In Berlin wurde gestern die 66. Internationale Grüne Woche (IGW) feierlich eröffnet. 1.570 Ausstellern aus 59 Ländern (etwa 1.100 davon aus Deutschland) stellen auf einer Fläche von 114.000 qm bis zum 28.Januar aus.

Dazu bietet die Grüne Woche mehrere Sonderschauen (zum Beispiel zum Thema ‚Erneuerbare Energien‘ und mehr als 250 Kongresse, Symposien und Foren zu unterschiedlichsten Themen. Der Bio-Markt mit dem Motto ‚Land der Sinne‘ dürfte in diesem Jahr zu einem besonderen Publikumsmagneten werden.

Neu im Angebot der IGW: ein Kongress für ökologische Finanzanlagen und ethisches Investment mit dem Titel ‚Grünes Geld‘. Vom 25. bis 27. Januar geht es dort zum Beispiel um Windkraftbeteiligungen, Umwelt-Investmentfonds und ‚Grüne Aktien‘.

Die Eröffnungsfeier der Grüne Woche wurde erwartungsgemäß vom Thema BSE dominiert. Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) bot der Landwirtschaft den Dialog bei der Neuausrichtung der Agrarpolitik an. DBV-Präsident Gerd Sonnleitner zeigte sich gesprächsbereit, warnte die Politik aber davor, einen Keil zwischen die Bauern und ihre gewählten Repräsentanten zu treiben.

Waldzustandsbericht: Buche mit höchsten Schadensniveau

Themen: Statistik,Wald,Waldbericht — info @ 09:01

Berlin (agrar.de) – Der Flächenanteil von Wäldern mit deutlichen Schäden ist im vergangenen Jahr vermutlich leicht angestiegen, und zwar von 22 Prozent im Jahr 1999 auf 23 Prozent. Dies geht aus dem Ergebnis des forstlichen Umweltmonitoring des Waldzustandsberichts der Bundesregierung 2000 (14/4967) hervor.

Die Veränderungen lägen jedoch in einem sehr engen, statistisch nicht gesicherten Bereich, wobei sich für die einzelnen Baumarten ein differenziertes Bild ergebe. Langfristig gesehen liege der Flächenanteil der deutlichen Schäden mit 25 Prozent bei der Fichte und 13 Prozent bei der Kiefer deutlich unter den Werten, die zu Beginn der Erhebung 1984 ermittelt worden seien. Gegenüber 1999 habe sich der Flächenanteil deutlicher Schäden bei diesen Baumarten nicht mehr verändert. Anders stelle sich die Situation bei den Laubbäumen Buche und Eiche dar, so die Regierung.

Im siebzehnjährigen Beobachtungszeitraum sei der Anteil von Buchen mit deutlichen Schäden angestiegen und liege nun erheblich über dem Ausgangsniveau von 1984. Von 1998 bis 2000 sei der Flächenanteil deutlicher Schäden von 29 Prozent auf 40 Prozent gestiegen.

Damit sei die Buche die Hauptbaumart mit dem höchsten Schadensniveau. Auch bei der Eiche sei dieses Niveau von 1984 bis 1997 kontinuierlich gestiegen und bis 2000 auf 35 Prozent wieder zurückgegangen.

Der Waldzustand werde durch zahlreiche Faktoren beeinflusst, heißt es in dem Bericht weiter. Witterung, Insektenfraß und andere natürliche Faktoren beeinflussten den Zustand der Bäume. Den Luftverunreinigungen komme dabei eine Schlüsselrolle zu. Untersuchungen belegten, dass für den Wald nach wie vor ein hohes Gefährdungspotenzial bestehe. Die Eintragsraten von Schwefel seien seit Anfang der achtziger Jahre drastisch, auf ostdeutschen Waldflächen bis zu 85 Prozent, zurückgegangen.

Uneinheitlich sei dagegen die Entwicklung bei den Stickstoffeinträgen und vor allem bei den Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft. Die auf deutschen Flächen gemessenen Werte gehören nach Regierungsangaben zu den höchsten in Europa. Auf über 90 Prozent der Beobachtungsflächen seien langfristige, stickstoffbedingte Veränderungen in der Zusammensetzung der Bodenvegetation zu befürchten. Auf etwa 30 Prozent müsse mit einer Stickstoffsättigung der Waldökosysteme sowie mit einem Anstieg der Nitratausträge mit dem Sickerwasser gerechnet werden. Die Säurebelastung erreiche auf fast allen Beobachtungsflächen relevante Größenordnungen und beschleunige somit die natürliche Bodenversauerung und die Nährstoffverluste. Hinweise auf hohe Ozonkonzentrationen gebe es vor allem im Südschwarzwald, im Pfälzer Wald sowie im Thüringer Wald.

Nach Darstellung der Regierung müssen die Maßnahmen zur Immissionsminderung fortgesetzt und ergänzt werden. Nur stabile und artenreiche Wälder seien in der Lage, auf Dauer ihre Funktionen zu erbringen. Im Staats- und Körperschaftswald und immer mehr auch im Privatwald werde nach den Prinzipien der naturnahen Waldwirtschaft gearbeitet. Dabei stehe der Anbau standortgerechter Baumarten und die Schaffung von strukturreichen, ungleichaltrigen Mischwäldern im Mittelpunkt.

Links zum Thema Wald/Waldberichte.

18. Januar 2001

EP fordert Einhaltung der Umweltgesetzgebung

Themen: Archiv — info @ 16:01

Straßburg (agrar.de) – Das Europäische Parlament fordert die Kommission auf, weiterhin ohne Zögern die ihr zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel zu ergreifen, um die richtige Durchführung der Richtlinie 92/43/EG über natürliche Lebensräume sicherzustellen und der Nichteinhaltungen der Mitgliedstaaten nachzugehen. Gleichzeitig soll die Kommission die Verwaltungsmaßnahmen zur Verkürzung des Untersuchungs- oder Bewertungszeitraums hinsichtlich der Einhaltung oder Nichteinhaltung der Umweltgesetzgebung verkürzen.

Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert sicherzustellen, dass alle vorgeschlagenen Gebiete von Gemeinschaftsinteresse unverzüglich vor schädlichen Wirkungen geschützt werden sollen. Außerdem sollen sie ihrer Berichtspflicht nachkommen. Allgemein fordert das Parlament die Ausstattung des Netzes mit den notwendigen finanziellen Mitteln und eine bessere Verbreitung von Informationen. Von Gebietsausweisungen betroffene Bürgerinnen und Bürger sollen besser beteiligt werden. Die Kommission wird schließlich aufgefordert, einen Jahresbericht über die Auswirkungen der Gemeinsamen Agrarpolitik auf die Lebensräume der Tier- und Pflanzenarten in der EU vorzulegen.

Das Parlament begrüßt die Bemühungen der Kommission, den Mitgliedstaaten den Zugang zu EU-Mitteln zu verwehren, wenn diese nicht sichergestellt haben, dass die Anforderungen des Umweltschutzes bei der Durchführung von Maßnahmen im Rahmen der Strukturfonds und des Kohäsionsfonds einbezogen werden. Es betont aber, dass die Zurückstellung von Zahlungen nur dann gerechtfertigt ist, wenn es ernste Hinweise gibt, dass dies zu einer Beeinträchtigung eines wichtigen Habitats führen würde. Das Parlament fordert ferner eine Überprüfung der FFH-Richtlinie im Hinblick auf ihre Anwendung in den Mitgliedstaaten, die zu mehr Klarheit für die Betroffenen führen soll.

Die Richtlinie über natürliche Lebensräume hat zum Ziel, die Artenvielfalt durch den Erhalt der natürlichen Lebensräume zu sichern. Für wildlebende Tiere und Pflanzen sollen die Lebensräume bewahrt oder wiederhergestellt werden. Dazu soll ein kohärentes, europäisches ökologisches Netz besonderer Schutzgebiete mit dem Namen Natura 2000 errichtet werden. Jeder Mitgliedstaat muss dazu Schutzgebiete ausweisen. Die Staaten legen dazu jeweils eine Liste mit Gebieten vor.

Die Europäische Kommission hat bisher in sechs Fällen Vertragsverletzungsverfahren gegen Mitgliedstaaten wegen der Habitat-Richtlinie eröffnet, davon zwei gegen Frankreich, zwei gegen Irland und jeweils ein Verfahren gegen Griechenland und Deutschland. Letzteres ist 1995 wegen der damals fehlenden Liste verwarnt worden. Mittlerweile ist eine Liste vorgelegt worden, sie ist jedoch nach Ansicht der Kommission unzureichend. Lediglich 3,9 Prozent der Landfläche sollen unter Schutz gestellt werden. Dies ist nach Belgien der geringste Flächenanteil. Als zufriedenstellend bewertet die Kommission keine einzige der vorgelegten Listen. Als unzureichend werden außer der deutschen auch die belgische, die französische, die irische und die britische Liste bezeichnet.

Weitere Informationen: Judith Ecker, (Straßburg) Tel.: (33) 3 881 74076, (Brüssel) Tel.: (32-2) 28 42629, E-Mail

Breite Koalition für Agrarwende

Themen: Archiv — info @ 15:01

Berlin (agrar.de) – Erstmals haben der Deutsche Naturschutzring (DNR), das AgrarBündnis, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (%url5%AGÖL%/%) gemeinsam bei einer Pressekonferenz zur Eröffnung der Internationalen Grünen Woche in Berlin eine Agrarwende verlangt.

Der DNR mit seinen 5 Mio. Mitgliedern und die anderen Verbände unterstützen die Bestrebungen der Bundesregierung für eine umfassende Neuorientierung der Agrarpolitik. Die Entscheidung der Bundesregierung, den Verbraucherschutz und den Tierschutz mit der Landwirtschaft eng zu verzahnen und dabei die Erzeugung gesunder Lebensmittel in den Mittelpunkt der zukünftigen Agrarpolitik zu rücken, wird sehr begrüßt.

‚Wir halten es für richtig, wenn Bundeskanzler Schröder die Notwendigkeit einer grundlegenden Neuorientierung der Agrarpolitik einfordert und dies auch von den landwirtschaftlichen Interessenvertretungen erwartet. Die enge Verflechtung zwischen der Agrarindustrie, der Führungsspitze des Deutschen Bauernverbandes und Teilen des Landwirtschaftsministeriums muss aufgebrochen werden‘, betonte DNR-Präsident Hubert Weinzierl. Hier liegt eine große Chance für eine offene gesellschaftliche Diskussion und die Umsetzung einer anderen Agrarpolitik, aus der die Verbraucher und Bauern gemeinsam als Gewinner hervorgehen können. ‚Wir wollen gemeinsam mit der großen Mehrheit der Landwirte die Agrarwende schaffen‘, führte H. Weinzierl weiter aus. Die BSE-Krise ist eine Wertekrise, die nur überwunden werden kann, wenn der Umgang mit Natur und Tieren neu überdacht wird und Lebensmittel einen höheren Stellenwert erhalten. Wird weniger Tiereiweiß verbraucht, kommt dies allen zu gute.

Nicht nur die landwirtschaftliche Erzeugung selbst, sondern auch der vorgelagerte Sektor (wie z.B. die Futtermittel-, Dünger- und Pflanzenschutzindustrie) muss in das kritische Blickfeld rücken. Die vollständige offene Deklaration der Futtermittel muss selbstverständlich sein, ebenso die Verwendung von Futtermittelkomponenten gemäß einer Positivliste. An Futtermittel müssen die selben strengen Anforderungen gestellt werden wie an Lebensmittel. Der nachgelagerte Sektor trägt ebenfalls eine Mitverantwortung für die augenblickliche Entwicklung. Das Verramschen von Lebensmitteln zu Preisen unter den Gestehungskosten muss aufhören. Hier brauchen wir ein strenges Antidumpinggesetz, das dem Lebensmittelhandel nicht mehr erlaubt, die Preise für Lebensmittel ins Uferlose zu drücken und damit für einen enormen Kostendruck in der Landwirtschaft sorgen.

Die Verbände befürchten, dass die bisherigen BSE-Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind. Auf vielen Höfen geht die Angst vor einem BSE-Fall um. Es muss deshalb kurzfristig von Seiten der verantwortlichen Politik Sorge getragen werden, dass kein Betrieb mit einem BSE -Fall vor dem betrieblichen Aus stehen wird. Eine abgestimmte Entschädigungsregelung zwischen EU, Bund und Bundesländern ist notwendig. Die gründliche und schnelle Erforschung der BSE- Ursachen steht auf der Tagesordnung. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, betonte, ‚die EU-weite Tötung von Rindern ist allein marktwirtschaftlich begründet, da ein Überangebot an Rindfleisch herrscht und das Absinken des Preisniveaus verhindert werden soll. Das hat nichts mit BSE-Vorbeugung oder einem vorsorgenden Verbraucherschutz zu tun.‘

Tierschutz – zentraler Dreh- und Angelpunkt für eine Agrarwende Die konsequente Umsetzung des Tierschutzes ist ein zentraler Punkt bei der Umkehr in der Agrarpolitik. Tierschutz ist der Schlüssel für eine Verbraucher- und umweltfreundliche Landwirtschaft, die für die Zukunft unverzichtbar ist. Eine einzelbetriebliche Förderung muss mit den Zielen einer artgerechten Tierhaltung und damit gleichbedeutend mit einem umfassenden Verbraucherschutz gekoppelt werden.

Hierbei gilt besonders das Projekt ‚Neuland – Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung e.V.‘ als Muster. An diesem Projekt beteiligen sich neben dem Deutschen Tierschutzbund die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Bundesverband Verbraucherinitiative, der BUND und der Bundeskongreß entwicklungspolitischer Aktionsgruppen. Die Motivation dazu kam aus der ethischen Verpflichtung gegenüber Mensch, Tier und Umwelt. Damit wurde zudem eine Möglichkeit zum Erhalt bäuerlicher Betriebe eröffnet. Das Projekt Neuland steht auf drei Säulen: der artgerechten Tierhaltung, der Wahrung der Verbraucherinteressen und dem Fortbestand der ländlichen Strukturen.

Eine einzelbetriebliche Förderung muss direkt am Betrieb ansetzen. Vorrang müssen dabei die Förderungen für eine artgerechte Tierhaltung und die regionale Vermarktung haben. Hierbei hat das Land Nordrhein-Westfalen bereits ein Länderprogramm aufgelegt, dass genau diesen Erfordernissen entspricht. Ein bundesweites Programm für Erzeugergemeinschaften, die eine tiergerechte und umweltschonende Haltung auf freiwilliger Basis mit den strengen Richtlinien (u.a. Flächenbindung, Auslauf, verhaltene Mast, Strohhaltung, keine antibiotischen Masthilfsstoffe, keine Gentechnik) anpacken wollen, ist von der Bundesregierung endlich bundesweit zu unterstützen. Das alles sind die Grundlagen, die heute auch zu den zentralen Anliegen einer Agrarwende gehören. Bisher wurde z.B. die bundesweite Förderung des Projektes Neuland von der Bundesregierung abgelehnt.

Tierquälerische Transporte und tierquälerische Haltungsformen müssen grundsätzlich unterbunden werden. Daher muss der gesetzliche Rahmen für die Sicherstellung artgerechter Tierhaltung, Transport und Schlachtung so gesteckt werden, dass niemand mehr Preispolitik und Marktmacht zu Lasten von Mensch und Tier durchsetzen kann. Das Feilschen um Zentimeter bei Haltungssystemen muss dabei von durchgreifenden Änderungen abgelöst werden. Damit könnte auch ein großer Teil der konventionell wirtschaftenden, fleischerzeugenden Betriebe in die Lage versetzt werden, große Schritte in eine tiergerechte Haltung zu gehen.

‚Die strukturelle Tierquälerei in den Agrarfabriken ist der eigentliche Verursacher für die Krise in der Landwirtschaft. Wer Verbraucher und Umwelt wirksam schützen will, muss deshalb beim Tierschutz beginnen‘, fasste Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, die tierschützerischen Erfordernisse an eine Agrarwende zusammen.

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz wurde auch der Kritische Agrarbericht 2001 von den Herausgebern AgrarBündnis und der Universität Kassel der Öffentlichkeit präsentiert. ‚Wenn heute eine andere Form der Agrarpolitik und eine bessere Verständigung zwischen Landwirtschaft, Verbrauchern, Umweltschützern, Tierschützern und Entwicklungspolitik gefordert wird, dann können wir selbstbewusst sagen: Im AgrarBündnis – und insbesondere mit der jährlichen Herausgabe des Kritischen Agrarberichtes – haben diese Gruppen schon seit über 10 Jahren gemeinsam neue Perspektiven entwickelt, meinte Prof. Hubert Weiger, agrarpolitischer Sprecher des BUND, als Vertreter des AgrarBündnisses. Die Kooperation mit der AG ländliche Entwicklung der Universität Kassel hat dafür gesorgt, dass aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse kontinuierlich in diese Konzeptionen eingeflossen sind. Der kritische Agrarbericht ist beim ABL-Verlag, Marienfelderstr. 14, 33378 Rheda ISBN 3-930 413-19-1, Tel.: 05242-48185, Fax: 05242-47838 erhältlich.

Eine Neuorientierung der Agrarpolitik muss die große Mehrheit der bäuerlichen Betriebe im Blick haben. Agrarindustrielle Betriebe, die es auch in Deutschland gibt, z.B. mit 23.000 Mastrindern oder 12.000 Schweinen oder 1 Millionen Legehennen je Betrieb – müssen wie Gewerbebetriebe behandelt werden. Subventionen für diese Betriebe müssen drastisch reduziert werden.

‚Wenn 20 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe 80 Prozent der Subventionen erhalten, ist diese Subventionspolitik insgesamt sozial ein Skandal und zudem ökologisch schädlich, sie muss dringend geändert werden‘, sagte Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf von der AbL. Die bäuerlichen Betriebe müssen agrarpolitische Rahmenbedingungen erhalten, die eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft kostendeckend ermöglichen und eine Ökologisierung der gesamten landwirtschaftlichen Erzeugung verwirklichen.

Auswirkungen der bisherigen Agrarpolitik

Enormer Preisdruck durch Erzeugerpreissenkungen hat zu der jetzt beklagten Intensivierung und zur Arbeitsplatzvernichtung in der Landwirtschaft geführt. Über 100.000 landwirtschaftliche Betriebe mussten in den letzten 10 Jahren für immer die Hoftür in Deutschland schließen.

Die Beseitigung und Beeinträchtigung naturnaher und natürlicher Biotope und Landschaftselemente wie Feuchtwiesen, Hekken, Feldraine, Bäche und Weiher gefährdet die wildlebenden Tier- und Pflanzenarten. Die Ausräumung von Landschaften beeinträchtigt auch ihren Erholungswert. Überdüngungen belasten in einigen Regionen Oberflächengewässer und Grundwasser. Bodenverdichtungen begünstigen Erosionen und damit den Abbau der Humusschicht. Der Einsatz von Herbiziden führt zu großen ökologischen Schäden und in Form von Krebserkrankungen auch zu gesundheitlichen Belastungen. Die bodenunabhängige Tierhaltung verursacht – abgesehen von Tierschutzaspekten – Probleme bei der Abfallbeseitigung und bei Emissionen (Methan).

Kurzfristige Maßnahmen

1. Verknüpfung der EU-Ausgleichszahlungen mit Tierschutz- und Umweltkriterien

Die Tier- und Flächenprämien der EU müssen stärker mit der Tierschutz- und Umweltpolitik verknüpft werden. Ausgleichszahlungen sollten künftig nur gewährt werden, wenn bestimmte Umweltstandards eingehalten werden. Die im EU-Recht dazu verankerten Möglichkeiten des sog. ‚cross compliance‘ sollten auch in Deutschland Anwendung finden. Dafür sollte der Begriff der ‚guten fachlichen Praxis‘ (%url1%Hintergrund%/%) in den Fachgesetzen konkretisiert und zusätzlich in den entsprechenden Verordnungen zur landwirtschaftlichen Tierhaltung und im Bundesnaturschutzgesetz definiert werden.

2. Degressive Ausgestaltung der EU-Ausgleichszahlungen

Die Flächen- und Tierprämien der EU müssen sich auch an sozialen Kriterien messen lassen, indem z.B. die Zahl der Arbeitskräfte berücksichtigt wird. Die Höhe der Ausgleichszahlungen sollte die Leistungsfähigkeit der Betriebe berücksichtigen. Es ist geboten, auch in Deutschland von der im EU-Recht festgelegten Möglichkeit der degressiven Ausgestaltung der Zahlungen Gebrauch zu machen (sog. Modulation). Die auf diese Weise frei werdenden Mittel werden unter anderem den Landwirten für eine nachhaltige ländliche Entwicklung zu gute kommen.

3. Weiterentwicklung der Gemeinschaftsaufgabe ‚Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes‘

Die Gemeinschaftsaufgabe muss nach dem Vorbild EU-Verordnung ‚Ländlicher Raum‘ weiterentwickelt werden. Agrarstrukturfragen sollen konsequent mit den Agrarumweltbelangen verknüpft werden. Die Aufnahme der markt- und standortangepassten Landbewirtschaftung in das Gemeinschaftsaufgabengesetz 1993 war ein erster Einstieg. Die Fördermöglichkeiten der Grünlandextensivierung und des Öko-Landbaus sind auf große Resonanz gestoßen. Dieser Förderrahmen muss konsequent weiter ausgebaut werden. Möglichkeiten gibt es in folgenden Bereichen:

Stärkung des ökologischen Landbaus

‚Erstmals ist mit 10 Prozent Öko-Landbau bis zum Jahr 2005 ein klares Ziel vorgegeben‘, sagte Dr. Klaus-Peter Wilbois, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau. ‚Damit dieses Ziel erreicht wird, müssen jedoch Taten folgen, politische Absichtserklärungen reichen da nicht‘. Er fordert unter anderem eine verbesserte einzelbetriebliche Förderung z.B. durch Beihilfen beim Bau artgerechter Ställe, im Umfang der zukünftigen Bedeutung des Ökologischen Landbaus angemessene praxisnahe Forschung zur Weiterentwicklung des Ökologischen Landbaus, verstärkte Unterstützung der Vermarktung von Öko-Produkten beispielswesie durch eine breit angelegte Aufklärungs- und Imagekampagne für Öko-Produkte sowie gemeinsame Anstrengungen aller Akteure zum Durchbruch des Öko-Prüfzeichens. Falls die Umsetzung gelingt, ist laut Wilbois bei 10 Prozent Öko-Landbau jedoch nur ein Etappenziel erreicht, denn ‚Öko-Landbau ist keine Nische, sondern als Alternative das Leitbild einer zukunftsgerichteten Agrarpolitik‘. Neben der Stärkung des ökologischen Landbaus sind Maßnahmen zu treffen, die tiergerecht wirtschaftende Betriebe stärken.

Gewährung eines FFH (Flora-Fauna-Habitat)-Ausgleichs

FFH- und Vogelschutzrichtlinie schreiben die Schaffung eines Netzes von Schutzgebieten mit europaweiter und damit auch bundesweiter Bedeutung vor. FFH-Ausgleichszahlungen sollen rasch in die Gemeinschaftsaufgabe aufgenommen werden. Es ist nicht nachvollziehbar, warum rechtlich bedingte Standortnachteile anders behandelt werden als naturbedingte Wirtschaftserschwernisse. Für letztgenannte wird seit über 20 Jahren die Ausgleichszulage gewährt.

Stärkung des Vertragsnaturschutzes

Ein bundesweiter Biotopverbund von mindestens 10 Prozent der Fläche lässt sich besser erreichen, wenn gleichzeitig der Vertragsnaturschutz im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe ausgebaut wird.

Einzelbetriebliche Förderung

Im Rahmen der einzelbetrieblichen Förderung sind Aspekte der Wettbewerbsverbesserung (z.B. Kostensenkung und Rationalisierung) stärker als bisher mit den Zielen artgerechte Tierhaltung und Verbraucherschutz sowie mit einer umweltschonenden und nachhaltigen Landbewirtschaftung zu verknüpfen. Hierbei sind insbesondere eine stärkere Flächenbindung und eine bevorzugte Förderung besonders artgerechter Haltungsverfahren notwendig.

Regionale Vermarktung

Die regionale Vermarktung reduziert die Transportwege, stärkt regionale Wirtschaftskreisläufe, erleichtert die Versorgung mit Frischprodukten und verbessert die Transparenz für den Verbraucher. Sie muss nach Auffassung von Josef Göppel vom Deutschen Verband für Landschaftspflege verstärkt gefördert werden.

Zur Bewältigung der neuen Herausforderungen ist es erforderlich, den Bundesfinanzplafonds bei der Gemeinschaftsaufgabe von 1,7 auf 2,0 Mrd. DM pro Jahr anzuheben.

Mittelfristige Maßnahmen

Bei der erforderlichen Reform der EU-Agrarpolitik sollen die Kriterien Arbeit, Tiersschutz und Umwelt die maßgeblichen Parameter der Agrarförderung sein. Hier muss Deutschland zusammen mit Frankreich eine Vorreiterrolle einnehmen.

Im Hinblick auf die Erfordernisse einer nachhaltigen Landbewirtschaftung müssen die Ausgleichszahlungen mit folgender Zielrichtung weiterentwickelt werden:

– Einführung einer Grünlandprämie zur Sicherung der flächendeckenden Landbewirtschaftung und zur Stabilisierung der rindviehhaltenden Grünlandbetriebe.

– Anhebung der Flächenprämien für heimische Eiweißpflanzen wie z.B. Ackerbohnen und Erbsen zur Verbesserung der Proteinversorgung von Schweinen und Geflügel aus heimischer Erzeugung Zur Gegenfinanzierung ist die Silomaisprämiezu streichen. Die Flächenstilllegungsflächen müssen für den Anbau und die Verwendung von Kleegras freigegeben werden.

‚Eine Beibehaltung der bisherigen Preisstützung und der Agrarförderung ist generell nur noch für solche Betriebe zu rechtfertigen, die ökologische und soziale Mindestkriterien einhalten‘, betonte Gerd Billen vom NABU. Bis spätestens 2020 muss mindestens die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland auf den ökologischen Landbau umgestellt sein. Der Anteil der Agrarausgaben in der EU für den ökologischen Landbau ist deshalb von derzeit knapp 1,5 Prozent auf 25 Prozent zu erhöhen. Wer zukünftig mit Massenerzeugung weiter für den Weltmarkt produzieren möchte, der möge dies tun, aber ohne öffentliche Subventionen, sagten die Verbandsvertreter.

Die Landwirtschaft allein kann die Vitalität im ländlichen Raum nicht sichern! Multisektorale Ansätze sind daher notwendig. Die Verordnung zur Förderung der Entwicklung des ländlichen Raumes gehört nach Ansicht der Verbände zu den vielversprechenden Initiativen der EU-Kommission. Die Fördermittel für den ländlichen Raum und damit auch die Agrarumweltprogramme müssen aber bis zum Jahr 2006 auf mindestens 50 Prozent der gesamten Agrarausgaben der EU aufgestockt werden. Wie groß das Arbeitspotential im ländlichen Raum ist, zeigen die Ergebnisse von Modellprojekten für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Hierbei sind vor allem die Entwicklungschancen nachhaltiger Tourismusangebote und der bevorstehende Durchbruch bei den erneuerbaren Energien (in erster Linie Windkraft, Biomasse, Biogas und Geothermie) erfolgversprechend.

Information: Helmut Röscheisen, DNR-Generalsekretär, Am Michaelshof 8-10, 53177 Bonn, Tel.: 0228-359005, Fax: 0228-359096

Agrar- und Umweltminister legen Zehn-Punkte-Papier zur Landwirtschaft vor

Themen: Archiv — info @ 13:01

Berlin (agrar.de) – In einem 10-Punkte-Papier haben sich die Agrar- und Umweltminister der CDU/CSU-geführten Bundesländer auf eine agrarpolitische Neuausrichtung verständigt. Das Papier folgt in wesentlichen Punkten den Vorschlägen, die der saarländische Umweltminister Stefan Mörsdorf mit seinem Grundsatzpapier ‚Für eine neue Agrarpolitik – für Mensch und Natur‘ (unsere Meldung) gemacht hatte.

‚Wir sind uns darin einig, dass das Verbraucherinteresse verstärkt in die Agrarpolitik mit einzubeziehen ist. Das heißt aber auch, dass die Erzeugung gesunder Nahrungsmittel auf der gesamten Fläche unter den Gesichtspunkten der Umweltverträglichkeit, der Nachhaltigkeit und der biologischen Vielfalt erfolgen soll‘, unterstrich Mörsdorf.

Auch der Vorschlag, die Förderung der Landwirtschaft statt an Produkt-Subventionen an der Fläche zu orientieren, fand in Berlin die Zustimmung der Agrar- und Umweltminister. So heißt es in dem Papier wörtlich: ‚Die Europäische Agrarpolitik ist konsequent dahin gehend weiter zu entwickeln, dass die Landwirte in eigener Verantwortung die marktorientierte Ausrichtung ihrer Produkte bestimmen und für die von der Gesellschaft geforderten Leistungen angemessen und produktionsneutral entlohnt werden.‘

‚Ich bin sehr zufrieden mit diesem Ergebnis. Damit haben die CDU/CSU-geführten Bundesländern die Weichen für eine Weiterentwicklung der Agrarpolitik in der Europäischen Union gestellt, die sowohl den Interessen der Verbraucher als auch den Interessen der Landwirte dient‘, so Umweltminister Stefan Mörsdorf. ‚Die Bundesregierung hingegen hat ihren großen Worten bisher keine Taten folgen lassen und bezeichnenderweise die lange geplante Konferenz aller Agrar- und Umweltminister in Potsdam platzen lassen. Und dies in einer schwierigen Situation für die Landwirtschaft und angesichts eines massiven Vertrauensverlustes der Verbraucher. Die Bundesregierung hat sich damit um eine wichtige Gesprächsmöglichkeit gebracht‘, kritisierte der saarländische Umweltminister.

Im Wortlaut: Das agrarpolitische Zehn-Punkte-Papier der Agrarminister- und Umweltminister der CDU/CSU und der für Agrar- und Umweltpolitik zuständigen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Weiterentwicklung der Agrarpolitik in der Europäischen Union

In der schwierigen Situation der Landwirtschaft und bei dem Einbruch im Verbrauchervertrauen hat die Bundesregierung die wichtige Gesprächsmöglichkeit einer gemeinsamen Konferenz mit ihren Agrar- und Umweltkollegen der Länder verweigert. Auch in der Öffentlichkeit hat sie die Chance der Vorlage einer neuen Konzeption vertan. Nach Auffassung der Agrar- und Umweltminister der CDU/CSU und der für Agrar- und Umweltpolitik zuständigen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion muss eine Weiterentwicklung der Agrarpolitik in der Europäischen Union diesen Eckpunkten folgen:

1. Die Agrar- und Umweltminister der CDU/CSU und die für Agrar- und Umweltpolitik zuständigen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion stellen sich ausdrücklich hinter die Deutschen Landwirte und ihre Familien. Sie fühlen sich Verbrauchern und Landwirten gleichermaßen verpflichtet.

2. Den von der Krise betroffenen Betrieben muss kurzfristig und unbürokratisch geholfen werden. Der Bund muss dazu einen herausragenden finanziellen Beitrag leisten. Die Deutschen Landwirte müssen die Chancen der Einkommensbildung erhalten, die mit der allgemeinen Einkommentsentwicklung der Bundesrepublik Schritt hält.

3. Eine verstärkte Einbeziehung des Verbraucherinteresses ist notwendig. Sicherheit und Transparenz der Nahrungsmittelproduktion vom Erzeuger bis zum Endverbraucher, die der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereiche sind in ein entsprechendes Überwachungssystem einzubeziehen.

4. Die Erzeugung gesunder Nahrungsmittel soll auf der gesamten Fläche unter den Gesichtspunkten der Umweltverträglichkeit, Nachhaltigkeit und der biologischen Vielfalt erfolgen.

5. Tierhaltung hat artgerecht zu erfolgen; ihre Grundlage ist die bewirtschaftete Fläche.

6. Regionale Qualitäts- und Herkunftskonzepte sind unter Einbeziehung der vor- und nachgelagerten Bereiche der Landwirtschaft gezielt auszubauen.

7. Der Ökolandbau ist unter Orientierung am Markt für Ökoprodukte voranzubringen.

8. Die Gemeinwohlleistungen in der Landwirtschaft sind verstärkt zu honorieren.

9. Standards einer nachhaltigen und verbraucherorientierten Nahrungsmittelproduktion sind in internationalen Abkommen zu verankern.

10. Die Europäische Agrarpolitik ist konsequent dahingehend weiterzuentwickeln, dass die Landwirte in eigener Verantwortung die marktorientierte Ausrichtung ihrer Produkte bestimmen und für die von der Gesellschaft geforderten Leistungen angemessen und produktionsneutral entlohnt werden.

Wasserschutz: EU-Kommission benennt „prioritäre Stoffe“

Themen: Archiv — info @ 10:01

Brüssel (agrar.de) – Als Folgemaßnahme im Anschluß an die Wasser-Rahmenrichtlinie hat die Europäische Kommission eine Liste von 32 prioritären Stoffen vorgelegt, die schrittweise aus dem Verkehr zu ziehen sind – darunter elf als gefährlich eingestufte Stoffe. Für die als gefährlich eingestuften Stoffe auf dieser Liste bedeuten diese Beschränkungen, dass alle Freisetzungen in Gewässer innerhalb eines Zeitraums von 20 Jahren eingestellt werden.

Einige von ihnen sind weithin bekannte Schadstoffe wie Quecksilber, Cadmium und der Antifoulingwirkstoff Tributylzinn, mit dem Schiffe behandelt werden. Für weitere elf prioritäre Stoffe, darunter Blei und mehrere Pflanzenschutzmittel(*), schlägt die Kommission eine sorgfaeltige Prüfung bis Ende des Jahres 2003 vor, um festzustellen, ob auch sie als ‚prioritäre gefährliche Stoffe‘ einzustufen sind.

Die Kommission hofft, daß der Ministerrat und das Europäische Parlament die Liste prioritärer Stoffe zügig verabschieden werden, wodurch die Mitte der neunziger Jahre begonnene Reorganisation der gemeinschaftlichen Wasserpolitik einen erfolgreichen Abschluß fände.

(*) Pflanzenschutzmittel: – als ‚gefährlich‘ eingestuft: Hexachlorcyclohexan

– als ’nicht gefährlich‘ eingestuft: Diuron, Isoproturon, Simazin

– als ‚zu prüfende prioritäre Stoffe‘ eingestuft: Atrazin, Chlorfenvinphos, Chlorpyrifos, Endosulfan, Pentachlorbenzol, Trifluralin

Links zum Thema Wasser und Wasserschutz

Seiten: << 1 2 3 4 5 6 7 >>



   (c)1997-2017 @grar.de