30. November 2000

Bioland erwartet grundlegende Neuorientierung der Agrarpolitik

Themen: Archiv — info @ 16:11

Bundesdelegierte fordern eindeutige Ausrichtung auf Ökolandbau

Mainz (agrar.de) – Eine grundlegende Neuorientierung der Agrarpolitik und eine Ausrichtung auf die Produktionsweisen des ökologischen Landbaus fordern die Bundesdelegierten des Anbauverbandes Bioland. Die Regierung ergreife mit dem Verbot der Tiermehlfütterung zwar eindeutige Maßnahmen, an einem generell fehlgeleiteten System einer Landwirtschaft mit Massentierhaltung und dem Einsatz chemisch-synthetischer Produktionsmittel ändere sich jedoch nichts. Dieses System ist mit hohen Risiken verbunden, die immer wieder zu einem neuen Lebensmittelskandal führen können und führen (Beispiele Dioxin , BSE, ..).

‚Statt immer weiter an Symptomen zu kurieren, muss in der Landwirtschaft endlich ein wirklich nachhaltiger Weg eingeschlagen werden‘, so Bioland-Vorstand Thomas Dosch.

Die Forderungen des Bio-Verbandes:

1. Korrektur der seit Jahren verfehlten Agrarpolitik, die von den Bauern immer billigere Produkte verlangt.

Die Gefährdung der Bevölkerung durch BSE ist nicht entstanden, weil sich landwirtschaftliche Betriebe gesetzeswidrig verhalten haben. Vielmehr sind Betriebe durch die bisher übliche Subventionspolitik dazu angeregt worden, immer billiger zu produzieren.

Die Richtlinien des Biolandbaus lassen keine Billigproduktion zu. Sie geben dagegen größtmögliche Sicherheit für Verbraucher. Biobauern arbeiten nach weit höheren Standards, als sie für die konventionelle Landwirtschaft üblich sind. Damit sich die höheren Standards am Markt durchsetzen können, bedarf es gezielter Maßnahmen von Seiten der Politik.

2. Der ökologische Landbau muss im Rahmen der offiziellen Förderprogramme eine Vorrangstellung erhalten.

Biobetriebe stellen gesunde Lebensmittel zur Verfügung. Doch leisten sie weit über die Produkte hinaus einen Beitrag zum Wohlstand: sie schonen Boden, Grundwasser, Klima und erhalten die Artenvielfalt. Durch die konsequenten Bio-Anbaurichtlinien ist das Risiko von Fehlentwicklungen minimiert.

3. Kampagne zur Information der Bevölkerung über die Leistungen des Biolandbaus für Umwelt und Gesundheit.

Solange Verbraucher nicht erkennen, dass gesunde und umweltgerecht erzeugte Lebensmittel ihren Preis haben, muss darauf im Rahmen einer Aufklärungskampagne gezielt hingewiesen werden. Biobetriebe füttern ihre Tiere mit Gras und Heu sowie Weizen, Gerste ,Mais, Erbsen, Ackerbohnen und Mineralstoffen – überwiegend vom eigenen Betrieb. Tiermehl und gentechnische Verfahren sind absolut Tabu. Nur informierte Menschen können bewusst entscheiden.

27. November 2000

Tiermehlverfütterung verboten

Themen: Archiv — info @ 09:11

Hörsten/Berlin (agrar.de) – Nach der Entdeckung des ersten Falles von BSE in Deutschland hat der Krisenstab von Bund und Ländern beschlossen, daß von Mittwoch an kein Tiermehl verfüttert werden darf. Außerdem gilt ab sofort ein Verbot für die Ein- und Ausfuhr von Tiermehl.

Rund 600.000 Tonnen Tiermehl werden in Deutschland jährlich produziert. Das meiste davon wird in Kraftfutter für Hühner und Schweine gemischt, es galt bislang dank eines Herstellungsverfahrens unter hohen Temperaturen und Drücken als nicht infektiös. Seit 1994 ist Tiermehl als Beigabe für Rinderkraftfutter verboten.

Verdacht bestätigt

Mittlerweile wurde der BSE-Verdacht in Hörsten (Schleswig–Holstein) bestätigt. Der Hof von Peter Lorenzen ist gesperrt, die Herde soll geschlachtet werden. Der Landwirt kann sich nicht erklären, wie sich das Rind angesteckt haben kann. Mit dem Veterinäramt habe er die Futterlisten immer wieder überprüft, sagte er in Interviews.

Kontrollen beim Landhandel

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus hat heute eine Reihe von Maßnahmen veranlasst, um die BSE-Gefahr im Land abzuwenden. So wird heute in allen Mischfutterwerken das Futter für Wiederkäuer auf eventuelle Spuren von Tiermehl beprobt. Auch die vorhandenen Bestände an Fertigfutter werden überprüft. ‚Das ist eine reine Vorsorgemaßnahmen. Ich bin mir sicher, dass in unseren Mischfutterwerken das Futter den Vorschriften entsprechend produziert wird. Der Verbraucherschutz steht für mich jedoch an erster Stelle. Deshalb werden wir alles unternehmen, um eine lückenlose Aufklärung zu erreichen und um jedwede Eventualität auszuschließen‘, so der Minister.

In einem niedersächsischen Mischfutterwerk im Landkreis Cloppenburg wurde bei einer Routinekontrolle durch das Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) Oldenburg Tiermehl in Rinderfutter entdeckt. Das berichtet ‚animal-health-online‚.

Der Mischfutterbetrieb, in dem neben Rinderfutter auch Futtermittel für Schweine und Geflügel hergestellt wurden, sei umgehend geschlossen worden. Der Betrieb beziehe sein Tiermehl von einem Hersteller aus Nordrhein-Westfalen, der auch an ausländischen Tierkörperbeseitigungsanstalten beteiligt sei.

24. November 2000

Erstmals BSE-Verdacht in Schleswig-Holstein

Themen: Archiv — info @ 15:11

Kiel (agrar.de) – Heute wurde in Schleswig-Holstein der Verdacht auf ein an BSE erkranktes Rind bekannt, das in Deutschland geboren wurde. Das Fleisch des Schlachttieres wurde sofort sichergestellt, der Schlachthof geschlossen und der Rinderbetrieb gesperrt.

Nach einer Meldung des Landwirtschaftsministeriums in Kiel handelt sich dabei um eine Rot-Bunte Kuh, die am 22. November in Itzehoe geschlachtet und im Rahmen eines freiwilligen Untersuchungsprogrammes auf BSE getestet wurde. Der BSE-Schnelltest – mit A- und B-Probe – erfolgte in einem Privatlabor in Hamburg.

Das Tier stammt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Am 22. November wurden drei weitere Tiere aus demselben Bestand geschlachtet. Die Kuh wurde 1996 geboren und bis zur Schlachtung auf dem selben Betrieb gehalten.

Die sichergestellten Risikomaterialien wurden an das Lebensmittel- und Veterinäruntersuchungsamt in Neumünster und von dort an das nationale Referenzlabor für BSE in Tübingen weiter geleitet. Die Untersuchungsergebnisse werden voraussichtlich am Anfang kommender Woche vorliegen.

Am heutigen Vormittag wurden folgende Sofortmaßnahmen angeordnet:

· Sicherstellung aller 153 Schlachttiere vom 22. November – einschließlich der vorhandenen Schlachtnebenprodukte.

· Sicherstellung der gesamten Tiermehlproduktion seit dem 22. November in der für den Schlachtbetrieb zuständigen Tierkörperbeseitigungsanstalt.

· Vorläufige Sperre des landwirtschaftlichen Herkunftsbetriebes des BSE-verdächtigen Rindes.

Die Ministerin für ländliche Räume Ingrid Franzen und Umweltminister Klaus Müller kündigten in der heutigen Pressekonferenz in Kiel Konsequenzen an. Franzen stellte klar, dass

· die Fütterung des Tiers lückenlos nachvollzogen wird. Alle Tiere, die das gleiche Futter erhalten haben, werden getötet.

· sie ein vollständiges Verbot der Verfütterung von Tiermehl durchsetzen wird, auch im nationalen Alleingang.

Umweltminister Klaus Müller betonte, dass

· alle Rinder des Herkunftsbestandes getötet werden, wenn die Untersuchungen im Tübinger Referenzlabor ebenfalls einen positiven BSE-Befund ergeben.

· er schnellstmöglich BSE-Tests bei allen Schlachttieren einführt, die älter sind als 30 Monate. Das heißt, vor dem von der EU vorgesehenen Einführungstermin 1. Juli 2001.

Azoren melden BSE-Fall bei aus Deutschland stammender Kuh

Themen: Archiv — info @ 11:11

São Miguel/Lissabon (agrar.de) – Auf den Azoren ist der erstmals ein Fall von Rinderwahn aufgetreten. Es handelt sich bei dem erkrankten Tier offenbar um eine in Deutschland geborene Kuh. Das portugiesische Landwirtschaftsministerium teilte mit, die Bundesregierung in Berlin und die EU-Kommission seien über den Fall informiert worden. Die Kuh wurde den Angaben zufolge am 23. September 1995 in der Nähe von Hannover geboren und am 27. Oktober 1998 auf die Insel São Miguel exportiert, wo es am 2. Oktober diesen Jahres geschlachtet wurde.

Für den Europa-Abgeordneten Paulo Casaca ist ‚klar‘, dass das Tier seine Erkrtankung aus Deutschland mitbrachte. Dafür spreche die lange Inkubationszeit und das Importdatum. Für ihn ist der neue BSE-Fall der Beleg, dass ‚die Garantien der deutschen Behörden völlig haltlos‘ seien und ‚die Region dadurch geschädigt wurde‘.

Die Europäische Kommission hat nach portugiesischen Zeitungsberichten aktuell keine Exportbeschränkungen für Rindfleisch von den Azoren vorgesehen. Dort sollen nun über 2.600 importierte Rinder geschlachtet werden, um den Markt für Rindfleisch, das als regionale Spezialität einen wichtigen Exportartikel darstellt, zu schützen.

Tiermehl-Verfütterungsverbot „so schnell wie möglich“

Themen: Archiv — info @ 11:11

Berlin (agrar.de) – Ein völliges Verbot der Verfütterung von Tiermehl in Deutschland soll ’so schnell wie möglich‘ erreicht werden. Das sagte heute eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Berlin. Das Verfütterungsverbot werde durch eine Änderung der Viehverkehrsverordnung auf alle landwirtschaftlichen Nutztiere ausgedehnt. Ein Termin lasse sich aber nicht nennen, da sich der Bundesrat damit befassen müsse.

Im m Bundesrat zeichnet sich eine Mehrheit für das Tiermehl-Verbot als auch für einen Importstopp bei Rindfleisch aus Großbritannien und Frankreich ab. Verschiedene Bundesländer kündigten entsprechende Initiativen an. Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn sprach sich im Fernsehsender Phoenix zudem für einen Importstopp für britisches Schafsfleisch aus, da ein Überspringen des BSE-Erregers auf Schafe festgestellt worden sei.

Die Verfütterung von Tiermehl steht im Verdacht, die Verbreitung der BSE-Erreger zu begünstigen. Bislang ist in Deutschland nur die Verfütterung an Wiederkäuer wie Rinder verboten.

Eine Arbeitsgruppe im Agrarministerium soll nun Möglichkeiten erörtern, wie man das eiweißhaltige Tiermehl in der Landwirtschaft ersetzen kann. Landwirtschaftsminister Funke hatte darauf hingewiesen, dass pflanzliches Eiweiß nicht kurzfristig in ausreichender Menge in Deutschland erzeugt werden könne. Staatssekretär Martin Wille wies darauf hin, dass bei einem Tiermehl-Verbot verstärkt Soja importiert werden müsse. Rund die Hälfte des in den USA angebotenen Sojamehls stamme jedoch von genmanipulierten Pflanzen. In Frankreich habe dies bereits heftige Diskussionen ausgelöst. ‚Hier entsteht ein riesiges Problem‘, so Wille.

Klimaforscher prognostizieren Sintflut

Themen: Forschung,Klima — info @ 09:11

Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 13 Meter in diesem Jahrtausend

Genf (agrar.de) – Durch die Erderwärmung könnte der Meeresspiegel weit mehr ansteigen als bisher angenommen, warnt der New Scientist in seiner dieswöchigen Ausgabe und bezieht sich dabei auf einen noch unveröffentlichten Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen. Bewahrheiten sich die Prognosen der Autoren, werden Dutzende der Teilnehmerstaaten am Weltklimagipfel in Den Haag einfach von der Landkarte verschwinden.

Für das Katastrophen-Szenario nennt der IPCC-Bericht zwei Hauptfaktoren: Zum Einen sei bei anhaltender Erwärmung der Atmosphäre mit einem allgemeinen Ansteigen der Ozeantemperatur zu rechnen. Die daraus resultierende thermische Ausdehnung des Wassers würde bereits zu einer Erhöhung des Meeresspiegels um etwa einen halben bis vier Meter führen. Dramatischer noch erscheine das Abschmelzen der Grönland-Gletscher, die genügend Wasser für einen weiteren Anstieg um bis zu sieben Meter speichern. Eine Temperaturerhöhung um 2,7 Grad sei dafür bereits ausreichend, heisse es in der Studie. Zwar erstrecke sich die dargestellte Entwicklung über zehn Jahrhunderte, einmal in Gang gebracht sei der Meeresspiegelanstieg aber nicht mehr rückgängig zu machen.

Der IPCC-Bericht, an dem laut New Scientist die weltweit führenden Klimaforscher mitgearbeitet haben, soll vom IPCC im Mai nächsten Jahres veröffentlicht werden. Bis dahin sei es den beteiligten Wissenschaftlern untersagt, den Inhalt öffentlich zu kommentieren. Die Regierungen der UN-Mitgliedsstaaten seien aber bereits mit der Lektüre beschäftigt.

In einem früheren Bericht aus dem Jahr 1996 hatte das IPCC die Klimaentwicklung noch optimistischer eingeschätzt. Damals war man von einem Ansteigen des Meeresspiegels um einen halben Meter in 100 Jahren, beziehungsweise um 1,5 bis drei Meter in 500 Jahren ausgegangen.

23. November 2000

Langzeitstudie belegt Vorteile des Biolandbaus

Themen: Archiv — info @ 15:11

Energiebilanz und Produktivität um 20 Prozent höher

Frick (agrar.de) – Die Ergebnisse eines Schweizer Langzeitversuchs im Biolandbau zeigen spektakuläre Resultate, meldet das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick (Schweiz). In einem Langzeitversuch über 21 Jahre erzielt der biologische Landbau gemessen an Dünger- und Energieverbrauch um durchschnittlich 19 Prozent bessere Erträge als andere Anbaumethoden.

Wie das Forschungsinstitut mitteilt, lagen die Erträge von Weizen, Kartoffeln, Feldgemüse, Futtergerste und Kunstwiese im langjährigen Schnitt nur 20 Prozent tiefer als bei konventionellem Anbau. Da im Biolandbau 30 bis 60 Prozent weniger Dünger eingesetzt wird, ist der Ertrag im Vergleich zum Dünger-Input ungleich höher. Dasselbe gilt für den Energieverbrauch: Die gleiche Menge Bioprodukte kann mit rund 20 Prozent weniger direkter oder indirekter Energie angebaut werden als im konventionellen oder integrierten Landbau.

Die Ergebnisse, die vom FiBL in Zusammenarbeit mit der Eidg. Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau (FAL) publiziert worden sind, zeigen auch eine dramatische Verbesserung der Fruchtbarkeit des Bodens. In den stabileren und saugfähigeren Böden sind Nützlinge wie Regenwürmer und Insekten doppelt so häufig wie in den konventionellen. Die Masse der Kleinstlebewesen (Bakterien, Pilze, Einzeller) ist in Bioböden bis zu 40 Prozent höher als in integrierten und bis zu 85 Prozent höher als in konventionellen Böden, schreibt das FiBL.

Wolle man Nachhaltigkeit und Artenschutz als prioritäre Ziele der Landwirtschaft verfolgen, müsse der Biolandbau ausgedehnt werden. Auch unter dem Gesichtspunkt der langfristigen Wirtschaftlichkeit sei der Biolandbau auf Grund seiner höheren Effizienz zu favorisieren.

Lebensmittelhandel: Die Riesen wachsen weiter

Themen: Archiv — info @ 14:11

Frankfurt (agrar.de) – Die fünf größten Lebensmittelhändler in Europa haben ihren Marktanteil innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt. Das meldet der Informationsdienst ‚EurodatFood‚ unter Berufung auf Zahlen der Frankfurter Unternehmensberatung M+M Eurodata.

Für das Geschäftsjahr 2000 werden danach Carrefour, Metro, Tesco, Rewe und Intermarché einen Marktanteil von 26 Prozent (226 Mrd. Euro) auf sich vereinen. 1990 lag der Anteil noch bei 13,8 Prozent. Diese Entwicklung sei auf den Ausbau der Filialnetze, Expansion nach Osteuropa und Übernahmen zurückzuführen. Zwischen 1990 und 1995 legten Intermarché (plus 102 Prozent) und Tesco (plus 78 Prozent) am meisten zu. Zwischen 1995 und 2000 wuchs Carrefour durch die Übernahme von Promodès sogar um 257 Prozent. Eurodata erwartet, das die Konzentrationsflut sogar noch zunehme und in den kommenden Jahren Giganten mit Jahresumsätzen von 150 Mrd. Euro die Norm seien.

Funke befürwortet Einsatz der Gentechnik in Landwirtschaft

Themen: Archiv — info @ 09:11

Spitzengespräch im Kanzleramt

Berlin (agrar.de) – Im Vorfeld von Verhandlungen über den Anbau genmanipulierter Pflanzen kündigte Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) an, den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft zu erleichtern. Er sagte der ‚Berliner Zeitung‘, Zulassungsverfahren für den unbegrenzten Anbau genmanipulierter Pflanzen sollten künftig ’schneller und problemloser als bisher ablaufen‘.

Zu Bedenken gegen die Gentechnik meint Funke: ‚Es wird leider zu wenig wahrgenommen, welche Chancen die grüne Gentechnik eröffnet‘. Mögliche Risiken stünden im Vordergrund der Diskussion. Funke betonte, mit der Gentechnik könne man die landwirtschaftliche Erträge steigern, die Umweltbelastung durch Pflanzenschutzmittel verringern und Nahrungsmittel mit gewünschten Inhaltsstoffen anreichern.

Im Kanzleramt verhandeln heute Vertreter von Bundesregierung und Biotech-Branche über die zukünftige Verfahrensweise zum Anbau genmanipulierter Pflanzen. Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) äußerten Bedenken, ein flächendeckender Anbau von Gentech-Pflanzen könne die Wahlfreiheit der Verbraucher zwischen konventionellen und genmanipulierten Lebensmitteln gefährden.

Befürworter der grünen Gentechnik, wie der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP), lehnen ein Moratorium zur Erforschung veränderter Kulturen bislang ab. Sie drohten bereits mit umfangreichen Freisetzungen im nächsten Jahr. Sicherheitsabstände zwischen Feldern mit konventionell und gentechnisch gezüchteten Nutzpflanzen halten sie für überflüssig.

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) hatte auf einer Umweltministerkonferenz in Berlin gefordert, zum Schutz der Ökobauern in Zukunft Felder mit genetisch veränderten Pflanzen von anderen Feldern abzuschotten. Der Abstand solle ökologisch und konventionell arbeitende Bauern schützen.

Ein Sicherheitsabstand von 200 oder 300 Metern würde auf ein Verhinderung von Gentechnik in der Landwirtschaft hinaus laufen, glaubt Ferdinand Schmitz, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter. Sein Verband favorisiere eine Regelung, die eine ‚Fremdbestäubung‘ von drei Prozent toleriere. ‚Wir brauchen Schwellenwerte, eine ‚Nullemission‘ von Pollen genveränderter Pflanzen wird es nicht geben können.‘ Selbst bei ’sortenreinem‘ Saatgut sei eine Verunreinigung von drei Prozent vom Gesetz her toleriert.

Gegner der Grünen Gentechnik argumentieren, dass nicht 100-prozentig gentechnikfreie Nutzpflanzen unverkäuflich und ein ökonomischer Schaden für diese Bauern nicht auszuschließen sei.

22. November 2000

EU-Ausschuß: Keine negativen Auswirkungen durch Glyphosattoleranz-Mais

Themen: Gentechnik,Mais — info @ 10:11

Brüssel (agrar.de) – Am 22. September 2000 hat der Wissenschaftliche Pflanzenausschuß der EU-Kommission (SCP) eine Stellungnahme zum Genehmigungsantrag auf Vermarktung von Glyphosat-tolerantem Mais (Zea Mais) der Firma Monsanto und DEKALB verabschiedet. Eine Zulassung steht noch aus.

Der Antrag erstreckt sich auch auf Saatgut, das aus reinen oder hybridischen Kreuzungen mit traditionell gezüchtetem Mais stammt. Der Genehmigungsantrag muß entsprechend der Novel-Food-Regulation vom Mai 1997 geprüft werden, obgleich im Antrag keine Verwendung dieses GM Maises für den direkten menschlichen Verzehr vorgesehen ist. (4.1)

Bei der Evaluation werden anhand der Maximalen Restmengegrößen von Glyphosat die Auswirkungen auf menschliche und tierische Gesundheit betrachtet und eingeschätzt. Es werden die Darlegungen des Antragstellers verwendet. Dieser Gen-Mais enthält das „mEPSPS-Gen“ als Charakteristikum der Glyphosattoleranz. (4.3) Vererbung der Charakteristika is im Mendel’schen Sinn in der Genkonstruktion stabil. Es besteht keine potentielle Ampicillin-Resistenz. (4.4.1)

Der vorgesehene Verwendungszweck dieses Gen-Maises als Tierfutter (Milchkuh, Huhn) wurde durch weitergehende Prüfungen bei Mäusen nicht durch entgegenstehende Feststellungen behindert. (4.4.2) Fütterung an Milchkühe zeigt im gesamten Kuhkörper eine mEPSPS-Menge bis zu 1 Gramm auf. Das liegt um das 200fache niedriger als die höchstmögliche Fütterungsdosis (sog. worst case) bei Mäusen. Glyphosphat-Restmengen u.a., wie sie vom Antragsteller genannt werden, geben keinen Anlaß zu Bedenken wegen möglicher Giftigkeit (nach WHO-Empfehlung von 0,3 mg pro kg Körpergewicht des Menschen.) Gemessen wurden diese Restmengen im Tierfutter, im Grünteil sowie im Fruchtteil des Gen-Maises. Nach Fütterungsversuchen und dem bekannten Restmengen-Niveau ist zu erwarten, daß in Produkten wie Fleisch, Fett, Leber, Milch und Eiern keine feststellbaren / meßbaren Glyphosinat-Reste zu finden sein werden. Eventuelle andere Restvorkommen können in der Niere von Widerkäuern vorkommen, und zwar am Ende der Lebenszeit.

Aus Anbauversuchen des Antragstellers 1996 mit selbstbestäubenden GA21-Mais- Saatlinien, die kein mEPSPS-Gen enthalten und nicht mit Glyphosat behandelt wurden, liegen detaillierte Stoff-Analysen vor. Der gleiche Anbauversuch des Antragstellers 1997 mit GA21-Mais-Saatlinien, die dieses Gen enthielten, wurde mit „Roundup“ durchgeführt und ebensolche detaillierten Stoff-Analysen erstellt. Statistisch liegen keine bedeutsamen Unterschiede der Analysewerte der beiden Versuchsjahrgänge vor.

Zum Ernährungswert des Gen-Maises im Vergleich zu konventionellem Mais ist durch Studien festgestellt worden, daß beide substantiell gleichwertig sind.

(4.5) Umweltrelevant ist das Fehlen einer mit dem Mais verwandten Art auf dem europäischen Kontinent. Saat-Verstreuung durch Wind ist gering einzuschätzen, weil keine genetischen Übergriffe Platz finden können. Auskeimende Erntereste haben kaum Überlebenschance, nicht nur wegen des Winters, sondern auch wegen landwirtschaftlicher Bearbeitungseingriffe.

(4.6) Die Schlußfolgerung des Wissenschaftlichen Pflanzenausschusses der EU-Kommission lautet, daß keine Beweise vorliegen, die eine negative Auswirkung des gentechnisch veränderten Maises auf Mensch und Umwelt andeuten.

Weitere Informationen: Beschlußempfehlung und Bericht des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (April 1999, PDF-Format) (as)

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