24. Oktober 2000

Mecklenburg-Vorpommern: Gemüseanbau legt kontinuierlich zu

Themen: Archiv — info @ 12:10

Schwerin (agrar.de) – Der Gemüseanbau in Mecklenburg-Vorpommern wurde seit 1994 fast kontinuierlich ausgedehnt. Wie das dortige Statistische Landesamt mitteilt, ist damit eine zunehmende Konzentration auf nur wenige Gemüsearten verbunden. Von den insgesamt 2.249 Hektar Freilandgemüse entfallen 71 Prozent auf Eissalat, Brokkoli und Spargel. Weitere 15,4 Hektar Gemüsefläche befinden sich unter Glas.

Nach den Ergebnissen der im Juli durchgeführten allgemeinen Gemüseanbauerhebung wurde in diesem Jahr auf einer Fläche von 2.249 Hektar Freilandgemüse angebaut, 5 Prozent mehr als 1999. Seit 1991 ist folgende Entwicklung festzustellen: 1991: 1.423 ha, 1992: 1.050 ha, 1993: 967 ha, 1994: 1.155, 1995: 1.362 ha, 1996: 1.427 ha, 1997: 1.596 ha, 1998: 1.640 ha, 1999: 2.136 ha.

Den größten Anteil an der Gemüsefläche hat mit 804 Hektar (36 Prozent) der Eissalat, Brokkoli nimmt 514 ha ein, Spargel 272 ha. Überhaupt ist seit einigen Jahren eine Konzentration auf wenige Gemüsearten zu beobachten. Große einheitliche Partien sind für die Landwirte und Gärtner betriebswirtschaftlich günstiger als das ‚klassische‘ Gemüsesortiment, das von nur noch wenigen Gartenbaubetrieben angeboten wird. So stand in diesem Jahr der für Mecklenburg-Vorpommern einst traditionelle Kopfkohl (Weißkohl, Rotkohl, Wirsing) auf lediglich 133 ha, im Vorjahr waren es noch 187 ha, vor zehn Jahren gar rund 850 ha.

Zunehmend wird auch im Gemüsebau nach Nischen gesucht; einstiges ‚Liebhabergemüse‘ beginnt sich auf größeren Flächen zu etablieren: Allein Kürbis ist in diesem Jahr von 29 ha zu ernten.

Die Gemüsefläche hat am Ackerland einen Anteil von 0,2 Prozent. Im klimatisch vergleichbaren Schleswig-Holstein liegt dieser – vor allem wegen des umfangreichen Kohlanbaus – bei 1,2 Prozent (zum Vergleich 1989 Mecklenburg-Vorpommern: 0,7 Prozent; Schleswig-Holstein: 1,0 Prozent).

Der Anbau von Gemüse in Unterglasanlagen ist seit Jahren relativ stabil. Jedoch bedeuten die 15,4 ha in diesem Jahr eine Steigerung von knapp 8 Prozent gegenüber 1999. Die Anbaustruktur in den Gewächshäusern blieb fast unverändert gleich: 77 Prozent Tomaten, 8 Prozent Gurken, 8 Prozent sonstiges Gemüse (vorwiegend Petersilie), der Rest entfällt zu fast gleichen Teilen auf Kohlrabi, Kopfsalat, Feldsalat, Radieschen und Paprika.

23. Oktober 2000

BSE: Entschädigungen für CJK-Opfer?

Themen: Archiv — info @ 15:10

London (agrar.de) – Die britische Regierung plant nach Zeitungsberichten, Entschädigungen an Opfer der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK), der menschlichen Form des Rinderwahns zu zahlen. Die Regierung Blair wolle so Gerichtsverfahren und einer ‚moralischen Entrüstung‘ der Bevölkerung aus dem Weg gehen. Der Plan soll am Donnerstag zusammen mit dem offiziellen Bericht zur BSE-Krise der Regierung vorgestellt werden.

Bislang sind 84 Fälle von CJK bekannt geworden. Allein auf der britischen Insel sind 75 Menschen daran gestorben, vermutlich nach dem Verzehr von BSE-verseuchtem Fleisch.

Die Entschädigung der Opfer kann als Eingeständnis von groben Fehlern im Umgang mit der BSE-Problematik verstanden werden. Britische Politiker und Beamte sollen einem Bericht der ‚Süddeutschen Zeitung‘ zufolge über Jahre Druck auf BSE-Forscher ausgeübt und Ergebnisse verschleppt oder zensiert haben. Die frühere Regierung habe so versucht, die Öffentlichkeit zu täuschen und das BSE-Risiko herunterzuspielen, berichtet die Zeitung aus einer Studie, für die 50 britische und deutsche Experten befragt wurden.

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Neue BSE-Fälle in Frankreich

Themen: Archiv — info @ 10:10

Paris (agrar.de) – In 39 Filialen der französischen Carrefour-Kette wurde Fleisch angeboten, das möglicherweise mit Erregern des Rinderwahnsinns (BSE) verseucht ist. Die Supermarktkette zog fast eine Tonne Rindfleisch aus dem Handel. Nach einer entsprechenden Information des Landwirtschaftsministeriums sei das Fleisch sofort aus den Regalen genommen worden, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit.

Nach Angaben des Ministeriums kaufte Carrefour bei einem Großhändler rund eine Tonne Rindfleisch aus einer Herde, in der ein Tier mit eindeutigem Befund an Rinderwahn erkrankt ist. Zwei weitere Tonnen Fleisch von Tieren dieser Herde wurden noch in einem Schlachthaus sichergestellt.

In Frankreich wurden allein in der letzten Woche neun neue BSE-Fälle bekannt. Seit Jahresbeginn sind es 71, mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Der hohe Wert resultiert auch aus den umfangreicheren Analysen mit dem neuartigen Prionics-Test, mit dem auch am vergangenen Freitag nachgewiesen wurde, dass ein Tier aus der fraglichen Herde vom Rinderwahnsinn befallen war.

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20. Oktober 2000

Sport: Der Härteste im Bundestag

Themen: Archiv — info @ 16:10

Kona/Rheine/Berlin (agrar.de) – Reinhold Hemker, Mitglied im Agrarausschuß des Bundestages, kann sich seit dem letzten Wochenende mit Recht als härtester Abgeordneter des Parlaments bezeichnen.

Mit einer Zeit von 12 Stunden, 52 Minuten und 52 Sekunden hat der 56-jährige aus dem münsterländischen Rheine am vergangenen Samstag bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft im Ultra-Triathlon, dem Ironman auf Hawaii, nach 226 km Schwimmen, Radrennen und Laufen das Ziel in Kona erreicht.

Bei Temperaturen um 35 Grad und starken Sturmböen seit Jahren konnte er allerdings sein selbst gestecktes Ziel, die bei der Qualifikation im bayrischen Roth vorgelegte Zeit von 12 Stunden, 29 Minuten und 2 Sekunden noch zu verbessern, nicht ganz erreichen.

Ein kurzer Bericht und Bilder vom Ironman finden sich auf der Internet-Seite des Abgeordneten.

NABU: Haubentaucher ist Vogel des Jahres 2001

Themen: Archiv — info @ 13:10

Berlin (agrar.de) – Mit seiner Wahl des Haubentauchers zum ‚Vogel des Jahres‘ lenkt der Naturschutzbund NABU die öffentliche Aufmerksamkeit erstmals auf die Bedrohung eines Wasservogels. Der Haubentaucher leidet nach Ansicht der Naturschützer vornehmlich unter Schwimmern, Anglern und Surfern, kurz gesagt: unter der Freizeitgesellschaft.

Die Haubentaucher gehören zu den Lappentauchern, einer uralten Vogelfamilie, die schon vor 80 Millionen Jahren die Erde bevölkerte. Mit etwa 50 Zentimeter sind sie ungefähr so groß wie die Stockente. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt: Hals und Bauchunterseite sind weiß. Auffallendstes Merkmal ist im Frühjahr und Sommer die rotbraun und schwarz gefärbte Federhaube. In Deutschland brüten nach NABU-Schätzungen etwa 22.000 bis 32.000 Haubentaucher-Paare.

Als das gravierendste Problem sehen die Naturschützer den ‚zunehmenden Freizeitdruck‘: ‚Wie die meisten Wasservögel wird auch der Haubentaucher von der Freizeitgesellschaft gejagt‘, erklärte der NABU. Badebetrieb und Wassersport in Ufernähe oder Sportangler im Schilfgürtel störten die Brut. Schon ein einzelner Surfer reiche aus, um bis zu 90 Prozent der Wasservögel im Umkreis von 500 Meter zu verscheuchen. Und schon ein einzelner Angler könne zu einer Halbierung der Bestandsdichte brütender Wasservögel führen.

Als wirkungsvollste Maßnahme zum Schutz des Haubentauchers nennt der Naturschutzbund die Sicherung geeigneter Lebensräume. Insbesondere an kleineren Gewässern sei es notwendig, geeignete Brut- und Ruhezonen auszuweisen, in denen keine Nutzungen erlaubt sind.

Seit 1971 stellt der NABU jährlich einen ‚Vogel des Jahres‘ vor, um auf dessen Bedrohung und Zerstörung seines Lebensraums aufmerksam zu machen. Hier die Liste der Vögel des Jahres: 1971 Wanderfalke, 1972 Steinkauz, 1973 Eisvogel, 1974 Mehlschwalbe, 1975 Goldregenpfeifer, 1976 Wiedehopf, 1977 Schleiereule, 1978 Kranich, 1979 Rauchschwalbe, 1980 Birkhuhn, 1981 Schwarzspecht, 1982 Großer Brachvogel, 1983 Uferschwalbe, 1984 Weißstorch, 1985 Neuntöter, 1986 Saatkrähe, 1987 Braunkehlchen, 1988 Wendehals ,1989 Teichrohrsänger, 1990 Pirol, 1991 Rebhuhn, 1992 Rotkehlchen, 1993 Flussregenpfeifer, 1994 Weißstorch, 1995 Nachtigall, 1996 Kiebitz, 1997 Buntspecht, 1998 Feldlerche, 1999 Goldammer, 2000 Rotmilan, 2001 Haubentaucher.(ad)

Landwirte fordern Moratorium und Recht auf Nachbau

Themen: Archiv — info @ 12:10

Jameln/Bonn (agrar.de) – ‚Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Wenn der Bund der Deutschen Pflanzenzüchter und sein Koperationspartner – die Führungsspitze des Deutschen Bauernverbandes – meinen, sie könnten mit einer Prozesswelle uns Landwirte in die Knie zwingen, haben sie sich getäuscht. Wir werden weiter gegen die Auskunftpflicht und gegen die Zahlung von Nachbaugebühren kämpfen‘ so Adi Lambke aus Jameln, Sprecher der bundesweiten Interessengemeinschaft gegen die Nachbaugesetze und Nachbaugebühren.

Zur ‚Besetzung‘ der Verbandgebäudes des Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) am gestrigen Donnerstag bekräftigte Lambke in einem Gespräch mit der agrar.de-Redaktion, dass es dabei nicht zur Zerstörung oder Entwendung fremden Eigentums gekommen sei, wie der BDP in einer Pressemeldung andeutete. In einer symbolischen Aktion habe die Gruppe von Mitgliedern der Interessengemeinschaft, unterstützt durch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und die Umweltschutzorganisation Greenpeace vor und im BDP-Gebäude demonstriert, aber nicht randaliert. Die EDV-Räume habe kein einziger Demonstrant betreten.

In Musterprozessen der Interessengemeinschaft wurde entschieden, dass sich sowohl der Bundesgerichtshof als auch der Europäische Gerichtshof mit der Praxis der Nachbaugesetze beschäftigen werden. Vor diesem Hintergrund sei die Klagewelle völlig unverständllch, so Lambke. ‚Unsere Bedenken gegen die vollständige Ausforschung der Landwirte und das jährliche Abkassieren von Nachbaugebühren stehen auf sehr realen Füßen‘ argumentiert Lambke, der als IG-Sprecher die Führungsspitzen von BDP und DBV auffordert, keine neuen Klagen einzuleiten und die Aussetzung aller laufenden Gerichtsverfahren zu beschließen. Nach Angaben der Interessengemeinschaft hat die Saatgut-Treuhand mittlerweile bundesweit über 2.500 Landwirte vor Landgerichten verklagt, davon über 1.000 allein in Bayern.

Die Interessengemeinschaft setzte eine Frist bis zum 1. Dezember. ‚Wenn sich nichts bewegt, werden wir wiederkommen‘ kündigte Lambke an.

19. Oktober 2000

AbL besetzt Gebäude der Saatgut-Treuhand

Themen: Archiv — info @ 12:10

Bonn (agrar.de) – Der Abgeordnete des Europa-Parlamentes und Vorsitzende des Agrarausschusses des Europa-Parlamentes, Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, hat nach Angaben des Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) heute um 14.00 Uhr mit Landwirten das Verbandsgebäude des Bundesverbandes in Bonn ‚gestürmt‘.

Die Landwirte hätten sich gewaltsam Zutritt in das Gebäude verschafft, die Räume etwa eineinhalb Stunden besetzt und seien gezielt zu der EDV-Zentrale der Saatgut-Treuhandverwaltungs GmbH vorgedrungen. Ob Schäden angerichtet oder Daten entwendet wurden, sei noch nicht bekannt.

Hintergrund sind die Gebühren, die von der Saatgut-Treuhand für den Nachbau von Saatgut von den Landwirten eingefordert werden. Die das Gebäude des BDP besetzenden Landwirte protestierten gegen die anhängigen Gerichtsverfahren, in die die Landwirte ‚letztlich nur durch die bewusste Fehlleitung durch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) gekommen‘ seien, entgegen den gesetzlichen Vorschriften den Züchtern keine Auskunft zu geben.

Bei der Demonstration sei ein ZDF-Team anwesend gewesen, dass Tags zuvor den Verband besuchte und wünschte, die EDV-Zentrale der Saatgut-Treuhand zu filmen.

Der BDP will sich in der Angelegenheit an den ZDF-Intendanten wenden und behält sich des weiteren das Recht vor, rechtliche Schritte gegen die ‚Besucher‘ einzuleiten. (ad)

18. Oktober 2000

Präsentation des „Grünen Ovals“ im Deutschen EXPO-Pavillion

Themen: Archiv — info @ 11:10

Bonn (agrar.de) – Das Grüne Oval, eine von der Bundesforschungsanstalt für Naturschutz (BfN) im Rahmen der EXPO Hannover konzipierte virtuelle Reise durch 12 Naturräume und Naturschutzprojekte Deutschlands, ist gestern im Deutschen Pavillion der Öffentlichkeit präsentiert worden.

Bisher war das innovative Naturschutzprojekt bereits im Internet unter der Adresse: http://www.GruenesOval.de und im Rahmen des EXPO-Projektes Hannover Kronsberg im Kronsberghof zu sehen.

Ziel dieser virtuellen Präsentation von Naturschutzprojekten und ökologisch bedeutsamen Landschaftsräumen innerhalb Deutschlands war es, das EXPO-Motto ‚Mensch-Natur-Technik‘ zeitgemäß umzusetzen. Die Reise in faszinierende Landschaftsräume, wie das Wattenmeer, die Lüneburger Heide, die Schaalsee-Landschaft oder die Seehundstation Friedrichskoog soll vor allem bei jüngeren Menschen wieder Interesse an der Natur wecken und auf spielerische sowie unterhaltsame Weise Wissen über landschaftskundliche und ökologische Zusammenhänge vermitteln.

Videofilme, Bilder, virtuelle Rundblicke, Audioaufnahmen von Tierstimmen, allgemeine Gebietsinformationen sowie spezielle Informationen zur Flora und Fauna, zum Naturschutz und Besucherservice verschaffen einen interessanten und umfassenden Einblick in die dargestellten Landschaftsräume.

Neue Wege der Umweltbildung, die sich an den aktuellen technischen Entwicklungen und der zunehmend multimedial geprägten Bildungslandschaft orientieren, müssen beschritten werden, um dem wachsenden Desinteresse in unserer Gesellschaft an Natur- und Umweltschutzthemen entgegenzuwirken.

Aussagen des Wissenschaftlichen Beirates ‚Globale Umweltveränderungen‘ der Bundesregierung zufolge, befindet sich die Situation der Natur in einer tiefen Krise, deren Bewältigung keinen langen zeitlichen Aufschub mehr gestattet. Das Bewusstsein hierfür scheint jedoch in den letzten Jahren eher stark rückläufig zu sein.

Der Gedankenansatz, mit virtueller Wissensvermittlung wieder mehr Interesse an und Verantwortungsbewusstsein für unsere Umwelt zu wecken, könnte ein neuer Ansatz für einen nachhaltigen Umgang mit unserem Planeten Erde sein. (sh)

13. Oktober 2000

WWF: Für Verknüpfung der Agrarsubventionen mit Umweltstandards

Themen: Archiv — info @ 16:10

Umweltverbände wollen stärkere Einbeziehung bei Agrarpolitik

Madrid, Frankfurt (agrar.de) – Nur sieben der 15 EU-Saaten nutzen die Möglichkeit, Agrarsubventionen mit Umweltauflagen zu verknüpfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die der WWF heute auf einer Konferenz zum Thema Landwirtschaft und Umwelt in Madrid vorgestellt.

Vorreiter seien Großbritannien, Frankreich, Niederlande, Griechenland, Dänemark, Finnland und Irland. ‚Deutschland und die meisten anderen EU Staaten hinken wieder einmal hinterher. Sie verspielen damit eine Chance, die Umweltbelastungen durch ihre Landwirtschaft zu verringern,‘ bemängelt Hilmar Freiherr v. Münchhausen, Agrarexperte des WWF Deutschland. Die Verknüpfung der Subventionen mit Umweltkriterien könne die Gesetzgebung und die freiwilligen Umweltprogramme hervorragend ergänzen.

Die Subventionspolitik der EU erhalte durch die Osterweiterung zusätzliche Brisanz, so Münchhausen. Der WWF hält es für unsinnig, die Agrarsubventionen auf ein Land wie Polen zu übertragen. Besser sei es, die flächendeckenden Agrarsubventionen in Mittel- und Osteuropa gar nicht erst einzuführen und in der EU auslaufen zu lassen. ‚Wenn wir dieses Geld nehmen und damit gezielt Landwirte belohnen, die aktiv etwas für den Umwelt- und Naturschutz tun, setzen wir das Geld der Steuerzahler effizienter ein und tun etwas für eine nachhaltige Entwicklung in den ländlichen Räumen Europas,‘ betonte Münchhausen. Als Beispiele nannte er gezielte Hilfen für Betriebe, die auf ökologischen Landbau umstellen oder die Einkommensalternativen wie z.B. im ländlichen Tourismus aufbauen.

Auf der Konferenz in Madrid diskutieren über 100 Teilnehmer aus sämtlichen EU Staaten und den Beitrittsländern Mittel- und Osteuropas die Notwendigkeit, Umweltstandards für die Landwirtschaft festzulegen. Die Naturschützer drängen auf eine stärkere Beteiligung in der Agrarpolitik. Es könne nicht sein, dass sich die Landwirtschaft ihre Standards selber setze. Diese seien vielmehr unter Einbeziehung von Institutionen und Behörden des Umwelt- und Naturschutzes zu erarbeiten.

Informationen: WWF (Referat Landwirtschaft & Ländliche Entwicklung), Hilmar Freiherr v. Münchhausen, Tel.: 069-79144-147 oder 0171-8315105

Biodiesel – Absatz acht Mal so hoch

Themen: Archiv — info @ 12:10

(LH) – Seit der Verteuerung des Dieselkraftstoffes hat sich der Absatz von Biodiesel, nach Angaben der Erzeugergemeinschaft verachtfacht. Derzeit ist Biodiesel im Schnitt 20 Pfennig billiger als Dieselkraftstoff. Damit ist die Tankfüllung zwischen sieben und zehn Mark billiger. Viele Verbraucher, die bisher keinen Biodiesel getankt haben sind umgestiegen. Ein Drittel der Dieselkunden tankt derzeit Biokraftstoff.

Biodiesel ist nicht von der Ökosteuer betroffen, es wird keine Mineralölsteuer erhoben. Die Erzeugerpreise sind nur moderat von 33 DM auf 42 DM pro Doppelzentner gestiegen. Trotzdem ist mit dem Dieselkraftstoff auch der Biodiesel teurer geworden. Nach Jahren in denen die Verarbeitungsbetriebe draufgezahlt haben, wollen sie die Verluste ausgleichen, kommentiert der Erzeugerverband diese Entwicklung.

Bisher ließ sich mit dem Rapsanbau für die Biodieselerzeugung nur ein Ertrag von höchstens 200 DM pro Hektar erzielen. Für die Landwirte lohnte sich das nur bei Stillegungsflächen. Die EU schreibt derzeit vor, daß nur zehn Prozent der gesamten Ackerfläche der Gemeinschaft mit Agrarprodukten bebaut werden dürfen, die nicht zur Nahrungsmittelproduktion dienen. Zusätzlich zum Rapsertrag zahlt die EU eine Stillegungsprämie von 700 DM pro Hektar. Trotzdem wurden in Deutschland in diesem Jahr nur 360.000 Hektar Raps angebaut. 1989/99 verarbeiteten die Ölmühlen in Deutschland so viel Raps wie noch nie, 3,97 Millionen Tonnen. Der größte Teil des Rapses wird in Frankreich verestert. Das im Rapsöl enthaltenen Glycerin wird durch Alkohol ersetzt, es entsteht aus Rapsöl Biodiesel.

Die diesjährige Ernte ist um ein fünftel geringer ausgefallen. Auch in Osteuropa kam es zu Ernteeinbußen. Damit ist abzusehen, daß die Rapspreise im nächsten Jahr steigen werden. Es ist auch mit einer Vergrößerung der Anbauflächen zu rechnen, denn die Landwirte rechnen mit Erträgen von etwa 500 DM pro Hektar.

Bei der Ausdehnung gibt es jedoch ein Problem. 60 Prozent der Ausgangsmenge fallen bei der Rapsölpressung als Rapsölschrot an. Dieses Schrot kann als Viehfutter verkauft werden. Die EU hat mit der USA eine Vereinbarung getroffen (Blair-House-Abkommen) in dem sie sich zur Beschränkung der Rapsölschrot – Produktion verpflichtet. Die Höchstmenge wird bei einer Produktionssteigerung im nächsten Jahr wahrscheinlich überschritten. Mit dem Abkommen will die USA ihre Sojabohnenproduktion schützen, denn Sojaschrot ist das Konkurrenzprodukt zu Rapsschrot als Futtermittel. Die US – Landwirtschaft hat derzeit durch den starken Dollarkurs ohnehin Absatzprobleme auf dem europäischen Markt.

Der Vorsitzende der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V. (Ufop), Dr. Klaus Kliem, in einem Gespräch mit Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke für einen uneingeschränkten Ölsaatenanbau auf Stilllegungsflächen ausgesprochen. Das 1992 abgeschlossene Blair-House-Abkommen für Ölsaaten sei überholt, da die weltweite Nachfrage nach Speiseölen und Ölen für technische Anwendungen gestiegen sei. Der Minister solle sich bei der EU dafür einsetzen, die Grenze von 1 Mio. t Sojaschrotäquivalent für den Anbau von Ölsaaten auf Stilllegungsflächen unverzüglich abzuschaffen. Im Rahmen der WTO-Verhandlungen solle man dem Thema Ölsaaten Priorität einzuräumen.(eb)

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