26. Oktober 2000

Französische Imker protestieren erneut gegen Bayer-Pestizid

Themen: Archiv,Bienen — info @ 11:10

Paris (agrar.de) – Französische Bienenzüchter haben erneut das Pestizid ‚Gaucho‘ des deutschen Chemie- und Pharmakonzerns Bayer für den Tod ihrer Bienen verantwortlich gemacht. Das Insektenvernichtungsmittel vergifte die Bienen und ruiniere ihre Honig-Produktion, sagten Vertreter von Bienenzüchtern, die am Mittwoch vor dem Bayer-Werk in Cormery bei Tours demonstrierten. Die Imker warfen aus Protest verlassene Bienenstöcke in den Hof des Werks und verlangten ein Verkaufsverbot für das Mittel ‚Gaucho‘.

Bereits 1994 hatten Imker erste Schädigungen von Beständen gemeldet, die in der Nähe ‚Gaucho‘-behandelter Sonnenblumenfelder lagen. Kurz nach der Blüte der Pflanzen waren ganze Bienenvölker verschwunden. Eine erste Studie kam zum Ergebnis, daß die Honigproduktion in der Nähe von ‚Gaucho‘-Feldern um 50 bis 100 Prozent geringer sei, Labor-Untersuchungen belegten zudem die schädigende Wirkung selbst geringster Dosen ‚Gaucho‘ auf Orientierungs- und Geruchssinn der Bienen.

1998 wurde der Gebrauch von ‚Gaucho‘ auf Sonnenblumenfeldern in drei verschiedenen Departements untersagt worden. Im Januar 1999 untersagte der französische Landwirtschaftsminister Jean Glavany die Ausbringung des Bayer-Insektizids auf Sonnenblumenfeldern im ganzen Land, wenige Tage vor der Entscheidung des Ministers hatten sich 700 Bienenzüchter aus ganz Frankreich zu einer Kundgebung am Eiffelturm versammelt. Die Confédération Paysanne und die FNSEA unterstützten sie bei ihrem Protest.

Das Unternehmen Bayer sieht keinen Zusammenhang zwischen der Saatgutbeizung mit ‚Gaucho‚ (Wirkstoff: Imidacloprid) in Sonnenblumen und Bienenschäden in Frankreich. Das Unternehmen diagnostiziert vielmehr neuartige Bienenschäden ‚zeitnah zur Einführung dieses Saatbeizmittels.‘ ‚Die zeitliche Koinzidenz ließ betroffene Imker einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Mittel und diesen Bienenschäden vermuten.‘ In einer Meldung vom 16.10.2000 heißt es weiter:

‚Analysen von Nektar- und Pollenproben gebeizter Sonnenblumen ergaben keine Rückstände bzw. Rückstände unterhalb der Bestimmungsgrenze von 10 ppb an Wirkstoff und strukturell verwandter Metabolite. Begleituntersuchungen zu möglichen anderen Auslösefaktoren wurden bei allen bisherigen Untersuchungsprogrammen leider nur in sehr unzureichendem Umfang durchgeführt. Dabei ist bekannt, dass eine Reihe von Faktoren alleine oder in Wechselwirkung miteinander, Symptombilder hervorrufen können, welche weitgehend dem Schadensbild entsprechen, das von den betroffenen Erwerbsimkern in Frankreich geschildert wurde. Unter anderem betrifft dies Fehl- und Mangelernährung der Bienen, Parasiten, Krankheitserreger, toxische Stoffe, ungünstige Witterungsbedingungen, genetische Mängel und Fehler bei der Bienenhaltung (z.B. falsche Behandlung von Krankheiten). Hochgradig resistente Varroa-Milbenstämme sowie latente Virus- und Bakterien-Infektionen haben sich gerade in den letzten Jahren in die Gebiete ausgebreitet, in denen über verstärkte Bienenschäden berichtet wird. Insbesondere Varroa-Milben, die häufig in Verbindung mit Paralyseviren und Spiroplasmen auftreten, können zu Symptombildern führen, die annähernd identisch sind mit den neuartigen Schadensbildern an Bienen in Frankreich.‘

Der Wirkstoff Imidacloprid ist nach Angaben des Konzerns für 70 Kulturen und in 90 Ländern der Welt zugelassen.




   (c)1997-2017 @grar.de