15. August 2000

NRW: Landwirtschaftlich genutzte Fläche nimmt ab

Themen: Archiv — info @ 11:08

Düsseldorf (agrar.de) – Die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Nordrhein-Westfalen hat von 1995 bis 2000 um 348 Quadratkilometer abgenommen – eine Größenordnung, die in etwa der Fläche der Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal (zusammen: 332 km2) entspricht. Wie das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik mitteilt, nimmt die landwirtschaftlich genutzte Fläche mit 17.444 km2 gleichwohl noch mehr als die Hälfte (51,2 Prozent) der gesamten Landesfläche ein, die sich auf insgesamt 34.081 km2 beläuft.

Ein weiteres Viertel Nordrhein-Westaflens (24,7 Prozent; 8.422 km2) ist bewaldet; hier verzeichneten die Statistiker seit 1995 praktisch keine Veränderung.

Auf Gebäude- und zugehörige Freiflächen (hierzu zählen auch gewerblich genutzte Gebäude) entfallen 12,2 Prozent der Landesfläche, auf Verkehrsflächen 6,6 Prozent und auf Wasserflächen 1,8 Prozent.

DBV bietet Agrar-Praktikum in Japan

Themen: Archiv — info @ 10:08

Bonn (agrar.de) – Der Deutsche Bauernverband (DBV) bietet jungen Landwirten und Gärtnern ein einjähriges Fachpraktikum in Japan an. Interessierte Bewerber zwischen 19 und 30 Jahren erwartet qualifizierte fachliche Fortbildung verbunden mit persönlicher und kultureller Herausforderung.

Japanische Sprachkenntnisse sind nicht Vorbedingung für die Teilnahme. Anmeldeschluss für die Bewerbung zum Praktikum ist der 30. November 2000. Anfang Dezember werden die Bewerber bei einer Auswahltagung in Bonn bestimmt. Vor der Abreise nach Japan im April 2001 werden die Teilnehmer mit einem dreiwöchigen Sprachkurs im Januar/Februar 2001 am Landesspracheninstitut Nordrhein-Westfalen in Bochum auf ihr Praktikum vorbereitet. Die Unterbringung während des Praktikums erfolgt direkt auf dem jeweiligen Gastbetrieb. Jeder Teilnehmer erhält während des Praktikums neben freier Unterkunft und Verpflegung ein Taschengeld sowie eine internationale Kranken- und Unfallversicherung. Der Eigenanteil an dem einjährigen Praktikum beträgt pro Teilnehmer insgesamt 3.300 DM.

Das Japan-Praktikum organisiert der DBV im Auftrag des BML. Weitere Informationen und Bewerbungsunterlagen beim Deutschen Bauernverband, z. Hd. Frau Hoffmann, Godesberger Allee 142 – 148, 53175 Bonn, Tel.: 0228-8198-299 oder Fax: 0228-8198-205.

14. August 2000

Jetzt auch die Schweinepest aus Großbritannien

Themen: Schweinepest,Tierseuchen — info @ 16:08

(agrar.de) – Nach dem Ausbruch der Schweinepest in Ostengland hat das britische Landwirtschaftsministerium die Tötung tausender Schweine angekündigt. Bisher wurden 6.000 Tiere von drei Bauernhöfen gekeult, auf denen die Krankheit in der vergangenen Woche auftrat. Aber auch alle Schweine fünf weiterer Höfe müssen nun getötet werden, erklärte das Ministerium. Um die betroffenen Farmen wurden Sicherheitszonen abgesteckt. Hunderte Bauernhöfe werden noch überprüft.

Mehr als 100 belgische Schweinemastbetriebe sind im Zusammenhang mit der Schweinepest in Großbritannien unter verschärfte Aufsicht gestellt worden. Die 105 betroffenen Betriebe dürfen auf Anordnung des Landwirtschaftsministeriums in Brüssel vorerst keine Schweine verkaufen. Die Schweinefarmen haben möglicherweise Tiere mit Schweinepest aus Großbritannien importiert.

Die Niederlande, Belgien und Spanien haben inzwischen ein Importverbot von Schweinen, Schweinefleisch und Sperma verhängt, um sich so vor einer Ansteckung der für Schweine zwar tödlichen, aber für den Menschen ungefährlichen Seuche zu schützen. Dies kann schwerwiegende Folgen für die britische Landwirtschaft haben. Rund 15 % der britischen Schweineprodukte werden exportiert und bringen jährlich ca. 126 Millionen Pfund (407 Millionen Mark / 208 Millionen Euro) ein.

Wie gravierend diese Folgen auf betriebswirtschaftlicher Ebene sein können, zeigte sich in den 90er Jahren in Norddeutschland, als nahezu das gesamte Gebiet von der Schweinepest betroffen war. Zahlreiche Betriebe mußten ihre Produktion einstellen, da nicht genügend Kapital vorhanden war, um die Krisenzeit zu überstehen. Hierbei handelte es sich in erster Linie um kleinere Familienbetriebe. Die wirtschaftlichen Probleme waren für viele Betriebsleiter und deren Familien eine große psychische Belastung, die sich entweder in psychosomatischen Erkrankungen oder veränderten Verhaltensweisen (Aggressionen, Alkoholismus) äußerte.

Eine Studie über die psychosozialen Auswirkungen der Schweinepest, die in den vergangenen Jahren am Institut für rurale Entwicklung der Georg-August-Universität in Göttingen durchgeführt wurde, belegt dies. Laut Aussage von Regina Grüßing, die u. a. mit dem Thema befaßt war, soll es sogar vorgekommen sein, dass die Verzweiflung einiger Betroffener in Suizidversuchen endete.

Die Keulung war nach Meinung vieler Betroffenen kein adäquates Mittel, um die Schweinepest auszumerzen. Da die Infektionswege schwer nachvollziehbar sind, käme letztendlich nur die Impfung mit markierten Impfstoffen in Betracht, um die Seuche einzudämmen. Bis diese jedoch einsatzfähig sind, kommt laut EU-Verordnung nur die Tötung infizierter Schweine für die Bekämpfung der Seuche in Frage.

RKI schafft Forum zum Monitoring gentechnisch veränderter Pflanzen

Themen: Archiv — info @ 11:08

Berlin (agrar.de) – Gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel werden in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Nach einer Meldung des Robert Koch-Instituts (RKI) wird derzeit in der EU über eine neue Version der EU-Richtlinie 90/220/EWG zur Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen beraten. Mit einem Internet-Forum will das Institut einen öffentlichen Dialog zu den wissenschaftlichen Beobachtungen, dem sog. Monitoring, in Gang setzen und den Zugang zu wissenschaftlich fundierten Informationen ermöglichen.

In Deutschland gibt es noch keinen großflächigen kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Grundlage der wissenschaftlichen Einschätzung, welche Folgen das Inverkehrbringen haben wird, sind bislang die Ergebnisse aus kontrollierten Freisetzungsversuchen. Der Umweltrat empfiehlt, diese ökologischen Vorhersagen langfristig in der Realität zu überprüfen, mit Schwerpunkt auf den gentechnisch veränderten Kulturpflanzen und ihren Wildverwandten. Das Monitoring sollte vorrangig den Zielen der biologischen Sicherheit dienen und die ökologischen Auswirkungen untersuchen, die sich aus einer möglichen Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen bzw. der eingesetzten Fremdgene ergeben. Außerdem sollte nach Meinung des Umweltrates die Entstehung resistenter Unkräuter, die Ausbreitung von tierischen Schädlingen und das Verhalten von Nützlingen beobachtet werden.

Das Internet-Forum des Robert Koch-Instituts soll alle drei Monate eine „Session“ mit jeweils drei bis vier Beiträgen im Internet präsentieren (in deutsch oder in englisch mit einer Zusammenfassung in der jeweils anderen Sprache), die via E-Mail oder per Post kommentiert werden können. Vorschläge und Fragen sollen vom Zentrum für Gentechnologie auswertet und den Referenten der Beiträge zur Beantwortung und zur Fortführung der öffentlichen Diskussion übermittelt werden.

Die erste Session startet am 14.08.2000 mit drei Beiträgen: Ein Kapitel aus dem Umweltgutachten des Deutschen Umweltrates zu „Umweltproblemen der Freisetzung und des Inverkehrbringens gentechnisch veränderter Pflanzen“ soll die Diskussion als Übersichtsdarstellung eröffnen. Die Aachener Hochschulforscher Professor Schuphan und Dr. Bartsch präsentieren ein Monitoring-Projekt zur möglichen Resistenzausbildung beim Maiszünsler gegen einen bakteriellen Giftstoff, das Bacillus thuringiensis-Toxin, der gentechnisch in Maispflanzen eingebracht wurde und so die Pflanze gegen den Hauptschädling im Körnermaisanbau schützen soll. Professor Vidal von der Universität Göttingen äußert sich zum Langzeit-Monitoring der Auswirkungen von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen auf Insekten in Agrar-Ökosystemen.

Schweinepest: EU verhängt Exportverbot für Großbritannien

Themen: EU,Schweinepest,Tierseuchen — info @ 10:08

Paris (agrar.de) – Die EU-Kommission hat ein Exportverbot für lebende Schweine und Ebersperma aus Großbritannien verhängt. Das teilte das französische Landwirtschaftsministerium mit.

Infolge des Aufkommens von Fällen der Klassischen Schweinepest im Vereinigten Königreich habe sich Jean Glavany, der amtierende Präsident des Agrar-Ministerrates dafür eingesetzt, daß die Kommission sich mit dem Fall befaßt. Er befürwortete ein gemeinsames Vorgehen der Mitgliedsstaaten.

Seit der Bestätigung der Schweinepestfälle in Ostengland hatten die Niederlande, Belgien und Spanien bereits beschlossen, ihre Grenzen zu schließen.

Der ständige Veterinärausschuß soll sich nun am 22. August versammeln, um über weitere Maßnahmen zu beschließen. Der Ausschuß soll die Entwicklung der Schweinepest im Vereinigten Königreich abschätzen und über die Aufrechterhaltung oder Rücknahme des Verbots entscheiden.

12. August 2000

EUREGIO Tagung Regionales Energieholz

Themen: Archiv — info @ 09:08

Rheine (agrar.de) – In der Diskussion um den Ausbau der regenerativen Energieerzeugung nimmt die Biomasse eine immer größere Rolle ein. Insbesondere die Liberalisierung der Energiewirtschaft sowie neue gesetzliche Rahmenbedingungen haben die Chancen für den verstärkten Einsatz von Biomasse vergrößert.

Der Biobrennstoff Holz wird im zunehmenden Maß als Energielieferant anerkannt. Verbunden sind damit Fragen nach den Potentialen, energieeffizienten Technologien und praktischen Beispielen, nach der Wirtschaftlichkeit und nach der öffentlichen Förderung.

Die 1. EUREGIO Biomasse – Tagung informiert über rechtliche und politische Rahmenbedingungen, Voraussetzungen und Konzepte und stellt umgesetzte Projekte vor. Für den deutsch – niederländischen Dialog werden besonders kommunale Entscheidungsträger, Investoren, Land- und Forstwirte, Planer und Architekten sowie Unternehmen im Bereich der Biomassenutzung angesprochen.

Die Tagung findet am 25. Oktober 2000 von 9.30 bis 17.00 Uhr im Transferzentrum für angepasste Technologien GmbH (TaT), in Rheine statt.

11. August 2000

Licht und Schatten: Mangelhafte Online-Marktplätze

Themen: Archiv — info @ 15:08

Hamburg (agrar.de) – Business-to-Business-Marktplätze (B2B), auch im Agrarbereich, werden den aktuellen Markterfordernissen meistens nicht gerecht. Ein Großteil unterstützt die Kunden nur unzureichend auf ihrem Weg zum Geschäftsabschluss, schlußfolgert eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Mummert + Partner aus Hamburg.

Die Studie, erstellt in Zusammenarbeit mit dem ersten deutschen Lehrstuhl für E-Commerce von an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, untersucht ein Querschnitt von 20 globalen, auch für deutsche Unternehmen zugänglichen B2B-Marktplätzen. Die Auswahl umfasste sowohl die Sektoren Industrie, Landwirtschaft, Gesundheit, Finanzen als auch die horizontalen Querschnittsmärkte. In Europa gibt es zurzeit 200 virtuelle Marktplätze bei einer Wachstumsrate von 40 Prozent.

Nach Auskunft von Jörg Forthmann, Pressesprecher bei Mummert + Partner, zeigt auch der Bereich ‚Agrar- und Lebensmittel‘ Licht und Schatten: So belegt der nord-amerikanische Agrar-Handelsplatz ‚xsAg.com‚ sogar der ersten Platz in der Gesamtbewertung. Auf xsAg.com handeln etwa 50.000 Nutzer mit Saatgut, Agrarchemikalien und Zubehör, Waren für über 45 Mio.$US werden dort aktuell zum Handel angeboten. Zwei weitere Adressen, das ‚%url4%CattleinfoNet%/% aus den Segment ‚Viehhandel‘ und ‚%url5%FoodTrader.com%/%‘ (Segment ‚Lebensmittel‘) konnten nicht überzeugen und lagen in der Bewertung ‚weit dahinter‘.

Nur 15 Prozent der untersuchten B2B-Marktplätze bieten dem Nutzer in allen wichtigen Geschäftsphasen wirklich zufrieden stellende Unterstützung an. Mehr als die Hälfte unterstützt wesentliche Phasen der Geschäftsabwicklung überhaupt nicht. Jeder zweite Marktplatz ist lediglich ein Treffpunkt, obwohl technisch mehr möglich wäre. Vereinbarung und Abwicklung von Transaktionen bleiben oft der Kreativität der Partner überlassen. Wer im Internet zu einem Handelsabschluss kommen will, muss am Ende doch häufig auf das Telefon, die Post oder das Fax zurückgreifen. Unabhängig davon kostet die Nutzung nahezu aller B2B-Marktplätze Geld.

Im Rahmen der Studie wurde ein Modell für einen virtuellen prozessorientierten Marktplatz entwickelt, der einen durchgängigen elektronischen Handel ermöglicht. Die Unternehmensberater wünschen sich im Idealfall einen B2B-Marktplatz mit Rundum-Service von der Information bis hin zur Lieferung. Dazu sollten auch Begleitdienste wie Finanzierung und Versicherung als Standard gehören.

Ob das für 2001 europaweit prognostizierte B2B-Umsatzpotenzial von 159 Milliarden Dollar realisiert werden kann, ist nach Ansicht von Mummert + Partner fraglich. Deutschland soll, so die Marktanalysten, mit rund 20 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2003 der Spitzenreiter in Europa sein.

Eine Liste deutscher Online-Handelsplätze für die Landwirtschaft und vor-/nachgelagerte Bereiche finden Sie %url6%hier%/%.

Informieren, feiern und genießen – Aktionstage Öko-Landbau in NRW

Themen: Archiv — info @ 09:08

Düsseldorf (agrar.de) – ‚Informieren, feiern und genießen“ heißt es wieder bei den landesweiten Aktionstagen Öko-Landbau in Nordrhein-Westfalen, die am 30. August beginnen.

Im vergangenen Jahr besuchten über 200.000 Menschen die Veranstaltungen rund um die Öko-Landwirtschaft. Auch in diesem Jahr laden das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, die ökologischen Landbau- und Handelsverbände, die CMA und viele weitere Akteure während der fünf Aktionstage zu über 200 Veranstaltungen ein. Geboten werden: Markt- und Hoffeste, Betriebsbesichtigungen und Feldbegehungen, Kinder-Feste, Workshops und Diskussionsforen.

Das Schwerpunktthema der Informationsveranstaltungsreihe heißt aus aktuellem Anlaß ‚Ökologische Tierhaltung‘: am 24. August 2000 tritt eine umfangreiche EU-Verordnung zur ökologischen Tierhaltung in Kraft. Sie soll die Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor Irreführung schützen und durch klare und eindeutige Regeln das Vertrauen in die ökologische Erzeugung stärken. Ab dem Stichtag gelten europaweit im Bereich der ökologischen Landwirtschaft einheitliche Mindeststandards zur artgerechten Haltung von Tieren, zum maximalen Tierbesatz pro Fläche, zur Fütterung mit ökologisch erzeugtem Futter und zur Krankheitsvorsorge mit eingeschränktem Medikamenteneinsatz.

Neben zahlreichen Bio-Landwirten und Naturkostfachgeschäften haben sich erneut viele verschiedene Institutionen dem Aktionstage-Bündnis angeschlossen. Zumeist mit eigenen Veranstaltungen dabei sind u.a. die Verbraucher-Zentrale und die Verbraucher Initiative NRW, die Umweltverbände NABU und BUND, die beiden Landwirtschaftskammern, verschiedene Kommunen, der Gaststättenverband DEHOGA NRW, der WDR, Unternehmen des Einzelhandels, Bildungsträger und kirchliche Einrichtungen.

Ein kostenloses Programmheft mit Informationen zum ökologischen Landbau, zu den Fachveranstaltungen, zum Thema Ökologische Tierhaltung sowie dem Veranstaltungskalender kann ab sofort schriftlich beim Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, 40190 Düsseldorf oder unter der Faxnummer 0211/4566-388 angefordert werden. Der Inhalt ist auch im Internet abrufbar.

10. August 2000

Preisindex steigt, Lebensmittel fallen

Themen: Archiv — info @ 16:08

Wiesbaden (agrar.de) – Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, ist der Preisindex für die Lebenshaltung der privaten Haushalte für Deutschland im Juli 2000 gegenüber Juli 1999 um 1,9 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Juni 2000 stieg der Index um 0,5 Prozent.

Wie in den vergangenen Monaten wirkten sich vor allem die gestiegenen Preise der Mineralölerzeugnisse auf die Jahresteuerungsrate aus. Eine aus Sicht der Verbraucher günstige Preisentwicklung innerhalb Jahresfrist wiesen nach wie vor die Nahrungsmittel und alkoholfreien Getränke auf. Sie waren im Durchschnitt im Juli 2000 um 0,3 Prozent billiger als im Juli 1999. Insbesondere gingen die Preise für Molkereiprodukte und Eier (- 1,7 Prozent), Speisefette und -öle (- 2,6 Prozent) sowie für Kaffee, Tee, Kakao (- 3,0 Prozent) zurück.

08. August 2000

EU: Endgültige Schlußfolgerungen über das geographische BSE-Risiko

Themen: Archiv — info @ 09:08

Brüssel – Der Wissenschaftliche Lenkungsausschuß (WLA) der EU hat heute seine endgültige Stellungnahme zum geographischen BSE-Risiko sowie ausführliche Bewertungsberichte für 23 Länder veröffentlicht. Die Analyse beruht auf einem vom Wissenschaftlichen Lenkungsausschuß entwickelten qualitativen Modell, das auf Informationen angewendet wurde, die die betreffenden Länder freiwillig vorgelegt haben. In allen Ländern, in denen bereits BSE-Fälle aufgetreten sind (Vereinigtes Königreich, Irland, Belgien, Luxemburg, Niederlande, Frankreich, Portugal, Schweiz und Dänemark), ist seit 1994 oder 1996 eine Stagnation oder ein Rückgang des geographischen BSE-Risikos zu verzeichnen. Der Wissenschaftliche Lenkungsausschuß kam zu dem Schluß, daß das Vorliegen von BSE in Italien, Spanien und Deutschland unterhalb der Nachweisgrenzen der Überwachungssysteme dieser Länder wahrscheinlich, in Österreich, Finnland und Schweden hingegen unwahrscheinlich aber nicht ausgeschlossen ist. Mit Ausnahme der Schweiz wurden in keinem der neun bisher geprüften Drittländer BSE-Fälle nachgewiesen. Der Wissenschaftliche Lenkungsausschuß folgerte daraus, es sei höchst unwahrscheinlich, daß BSE in Australien, Chile, Norwegen, Neuseeland, Argentinien und Paraguay auftrete. Daß BSE in den USA und in Kanada vorliegt, ist nach Ansicht des Ausschusses unwahrscheinlich, jedoch nicht ausgeschlossen.

Es muß betont werden, daß das geographische BSE-Risiko kein Indikator des für den Menschen über die Nahrungsaufnahme bestehenden Risikos darstellt, sondern einen qualitativen Indikator für das Risiko, daß sich lebende Rinder mit dem BSE-Erreger infizieren. Das Risiko für den Menschen hängt auch vom Risikomanagement ab. Der Ausschluß von spezifiziertem Risikomaterial (SRM) wie Gehirn, Rückenmark und anderen Geweben mit möglicherweise hoher BSE-Infektiosität aus der Nahrungskette senkt das Risiko für den Menschen erheblich.

Diese Maßnahme gilt in der EU ab dem 1. Oktober 2000. Nach Aussage der Wissenschaftler wird das geographische Risiko in der gesamten EU auch weiter sinken, sofern die Maßnahme ordnungsgemäß umgesetzt wird. Damit setzt sich die Entwicklung fort, die 1994 mit dem Verbot der Verfütterung von Säugetierproteinen an Wiederkäuer und mit der Verordnung von 1996 begann, die die Druck- und Hitzebehandlung von gefährlichen Stoffen vorschrieb. Die genannten Maßnahmen trugen auch in Ländern, in denen keine BSE-Fälle auftraten, zu dieser Entwicklung bei.

Etwa 50 externe unabhängige Sachverständige wurden mit dieser Analyse beauftragt. Sie erstellten 23 Länderberichte zur Einschätzung des geographischen BSE-Risikos. Sachverständige der einzelnen Länder gaben Unterstützung durch Erklärungen, Erläuterungen und Ergänzungen der von den Ländern zur Verfügung gestellten Informationen. Der Wissenschaftliche Lenkungsausschuß weiß die aufgeschlossene Mitwirkung der meisten Länder sehr zu schätzen, ebenso wie die ungeheuren Bemühungen seitens der unabhängigen Sachverständigen. Als Dank an die vielen, die zu dieser Arbeit beigetragen haben, hat der Wissenschaftliche Lenkungsausschuß ihre Namen im Anhang zur Stellungnahme aufgeführt.

Konzept der Risikobewertung

Der Wissenschaftliche Lenkungsausschuß hat für diese Risikobewertung ein neues Konzept entwickelt, das er in seiner Stellungnahme ausführlich beschreibt. Es beruht auf einem vereinfachten, rein qualitativen Modell, das die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in diesem Bereich berücksichtigt. Nach diesem Konzept wird zunächst die Frage gestellt, ob es möglich, wahrscheinlich oder sicher ist, daß der BSE-Erreger in ein Land eingeschleppt wurde, und, wenn ja, wann dies geschah und in welchem Umfang. Zweitens wird gefragt, ob der BSE-Erreger, falls er eingeschleppt wurde, in die Futtermittelkette gelangt ist oder ob er eliminiert wurde. Ausgehend von den Antworten auf die ersten beiden Fragen lautet die dritte: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß heute eines oder mehrere Rinder infiziert werden können?

Für die Mitgliedstaaten lautet die Antwort auf die erste Frage, daß es in allen Fällen wahrscheinlich oder sicher ist, daß BSE-infizierte Tiere oder BSE-kontaminierte Futtermittel eingeführt wurden, und zwar hauptsächlich Ende der 80er Jahre, als das BSE-Risiko noch nicht in vollem Umfange bekannt war und nicht realistisch eingeschätzt wurde. Die meisten Drittländer waren dieser „äußeren Gefahr“ nicht ausgesetzt, da sie keine oder nur geringere Mengen von möglicherweise infizierten Tieren oder kontaminierten Futtermitteln eingeführt haben.

Auf die zweite Frage läßt sich allgemein antworten, daß der BSE-Erreger in den meisten Ländern Ende der 80er Jahre über die Futtermittelkette verbreitet wurde. Während dies in den Mitgliedstaaten nun nicht mehr der Fall ist, könnte es jedoch in vielen Drittländern immer noch vorkommen. Diese beiden Entwicklungen zusammen erklären die Schlußfolgerungen des Wissenschaftlichen Lenkungsausschusses.

Die Stellungnahme erörtert auch, ob das WLA-Konzept mit dem BSE-Kapitel des Internationalen Tiergesundheitskodex des Internationalen Tierseuchenamts (OIE) vereinbar ist. Der WLA betrachtet seine Methode als eine von mehreren Möglichkeiten zur Durchführung der Risikobewertung, die vom Internationalen Tierseuchenamt gefordert wird. Die WLA-Methode stellt sicher, daß der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse über die BSE-Seuche in vollem Umfang berücksichtigt wird. Dazu gehören insbesondere die Erkenntnisse über den Hauptübertragungsweg und den langen Zeitraum zwischen Infektion und Ausbruch der Seuche. Letzterer ist von besonderer Bedeutung, da der Erreger bei der Entdeckung des ersten Falls bereits seit fünf Jahren im Land ist. Die Stellungnahme geht auch auf Risikomanagementverfahren ein wie geeignete Tierkörperverarbeitung, Verfütterungsverbote und Verwendungsverbote für spezifiziertes Risikomaterial oder andere Maßnahmen, die das Risiko des Einschleppens oder Verbreitens des BSE-Erregers wirksam verringern. Durch die Verwendung einheitlicher Parameter werden die Risikobewertungen für verschiedene Länder vergleichbar.

Transparenz des Verfahrens

Ein weiterer Vorteil liegt in der Transparenz des Verfahrens, das den Vertretern der einzelnen Länder die Möglichkeit bietet, Mißverständnisse aufzuklären und Erläuterungen zu geben. Die Offenheit dieses Verfahrens zeigt sich daran, daß die Bewertung bei mehreren Ländern geändert wurde, nachdem sie ergänzende Daten vorgelegt haben. Bei der öffentlichen Anhörung zur vorläufigen Stellungnahme und den entsprechenden Länderberichten legten die betreffenden Länder neue oder korrigierte Daten vor.

Jede Art von Risikobewertung hängt offenkundig von der Qualität der verfügbaren Informationen ab. Der WLA hat festgestellt, daß die Qualität der vorgelegten Daten sehr unterschiedlich war, und weiß die Prüfberichte des Lebensmittel- und Veterinäramts zu schätzen, die, sofern verfügbar, eine wertvolle Quelle für die Bestätigung der Daten waren. Allerdings hatten die meisten Datensätze noch Lücken, und zum Zwecke dieser Risikobewertung wurden vertretbare Worst-case-Annahmen verwendet. Um größtmögliche Objektivität zu erzielen, wurde jedes Land von mindestens drei Sachverständigen bewertet, und alle Berichte wurden abschließend von einem kleinen Team einer eingehenden Prüfung unterzogen. Dies geschah hauptsächlich, um die unvermeidlichen Bewertungsabweichungen zu glätten, bevor die Berichte dem WLA zur endgültigen Genehmigung vorgelegt wurden.

Der vollständige Wortlaut der Stellungnahme und die jeweiligen Länderberichte sind im Internet abrufbar.

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