30. August 2000

DBV erneuert Kritik an getrennter Entsorgung von BSE-Risikomaterial

Themen: Archiv — info @ 10:08

Hohe Kosten ohne verbesserten Verbraucherschutz befürchtet

Bonn (agrar.de) – Gerd Sonnleitner, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hat Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer und Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke erneut aufgefordert, sich bei der EU-Kommission gegen eine getrennte Entsorgung bestimmter Gewebeteile von Rindern im Schlachtprozess einzusetzen. Die Verwertung dieser so genannten Risikomaterialien über die Tiermehlherstellung nach dem deutschen Sicherheitsstandard müsse weiterhin möglich sein. Nach Ansicht des DBV-Präsidenten geht eine Entfernung aus der Futtermittelkette würde über die Erfordernisse des Verbraucherschutzes hinaus und lenkt vom eigentlichen Problem ab.

Sollte die EU-Kommission an ihrer Entscheidung festhalten, müsse sie die Finanzierung der zusätzlich entstehenden Kosten übernehmen. Denn bei getrennter Entsorgung des Risikomaterials würde die deutsche Fleischwirtschaft über 100 Millionen DM zusätzliche Kosten tragen müssen, so Sonnleitner in einer Preesemeldung des DBV.

Nach dem Beschluss der EU-Kommission sollen alle Schlachtunternehmen BSE-Risikomaterial ab dem 1. Oktober 2000 unschädlich beseitigen, eine Verwertung als Tierfutter ist nicht mehr zulässig.

Sonnleitner räumt ein, dass die Entfernung der Risikomaterialien aus der Lebensmittelkette als Maßnahme eines vorbeugenden Verbraucherschutzes nachvollziehbar wäre. Weshalb diese Gewebeteile jedoch auch aus der Futterkette entfernt werden müssten, bleibe schleierhaft. Die in Deutschland übliche Drucksterilisation der Schlachtabfälle und Verwertung über die Futterkette (Schweine, Hühner) entsräche dem politisch erwünschten Kreislaufgedanken.

Das Entstehen und die Ausbreitung des BSE-Erregers in Großbritannien und in anderen EU-Mitgliedstaaten sei eindeutig darauf zurückzuführen, dass dort die Anforderungen an die Verarbeitung von Schlachtabfällen und die Herstellung von Tiermehl nicht erfüllt worden seien. In Deutschland werde hingegen durch das Drucksterilisationsverfahren aller Tierkörper und Tierkörperteile in den zugelassenen Tierkörperbeseitigungsanstalten eine Methode angewandt, die eine Inaktivierung des BSE-Erregers sicher stelle, was auch der Wissenschaftliche Lenkungsausschuss der EU nicht in Frage stellte, betonte Sonnleitner.

Mit einer solchen Verarbeitung bei der Tiermehlherstellung werde der gesundheitliche Verbraucherschutz voll und ganz erfüllt. Hingegen würden durch Herausnahme bestimmter Gewebeteile die BSE-Risiken nicht behoben. Werde das Material nicht verbrannt, sondern vergraben, erhöhten sich sogar die Risiken noch erheblich, gab Sonnleitner zu bedenken.

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag zur Diskussion: ‚Der Bauernverband versteht es nicht‚ von Roland Heynkes.




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