24. Juli 2000

FAO: Nahrungsangebot wird schneller wachsen als Weltbevölkerung

Themen: Archiv,International — info @ 12:07

Rom (FAO) – Die Weltbevölkerung von über acht Milliarden Menschen im Jahre 2030 wird insgesamt besser ernährt sein und mehr Menschen werden angemessenen Zugang zu Nahrung haben, doch Hunger und Unterernährung werden weiterhin weit verbreitet sein. Dies geht aus einem neuen, vorläufigen Bericht der Welternährungsorganisation (FAO) mit dem Titel: „Landwirtschaft bis zum Jahre 2015/30“ hervor. Rund 580 Millionen Menschen werden im Jahre 2015 chronisch unterernährt sein, so die FAO.

Das Bevölkerungswachstum wird in den kommenden Jahren sinken, der Nahrungsverbrauch wird in einer wachsenden Zahl von Ländern zunehmen. „Dies führt dazu, dass die Weltagrarerzeugung in den kommenden Jahren langsamer anwächst, aber immer noch höher als das Bevölkerungswachstum sein wird,“ betonte die FAO. „In den vergangenen zwei Jahrzehnten wuchs die Weltlandwirtschaft um jährlich 2,1 Prozent, im Zeitraum bis zum Jahre 2015 werden es 1,6 Prozent sein, bis zum Jahre 2030 rund 1,3 Prozent. Die Weltbevölkerung wird dagegen in den kommenden 15 Jahren um 1,2 Prozent steigen, in der Periode bis bis zum Jahre 2030 um 0,8 Prozent.“

Getreide wird auch in Zukunft die wichtigste Nahrungsquelle sein und die Hälfte des täglichen Kalorienbedarfs decken. Die Weltgetreideerzeugung wird bis zum Jahre 2030 nach Einschätzung der FAO um nahezu eine Milliarde Tonnen steigen, sie liegt gegenwärtig bei 1,84 Milliarden Tonnen. „Dieser Zuwachs wird grösser sein als der Anstieg in den zurückliegenden drei Jahrzehnten,“ so die FAO. Die Hälfte der höheren Produktion wird auf Nahrungsmittel entfallen, rund 45 Prozent auf Viehfutter. Der Futtergetreideverbrauch in den Entwicklungsländern wird eines der dynamischsten Elemente der Weltgetreidemärkte sein, so die FAO.

Die Entwicklungsländer werden zunehmend auf die Einfuhr von Getreide angewiesen sein. Ihre Netto-Getreideimporte werden von 107 Millionen Tonnen in den Jahren 1995/97 auf 270 Millionen Tonnen im Jahre 2030 steigen. Die traditionellen Exporteure wie Nordamerika, Westeuropa und Australien werden ihre Netto-Exporte von 142 Millionen Tonnen in den Jahren 1995/97 auf 280 Millionen Tonnen im Jahre 2030 erhöhen können.

Die Erzeugung von pflanzlichen Produkten in den Entwicklungsländern wird nach FAO-Einschätzung bis zum Jahre 2030 um 70 Prozent wachsen, verglichen mit 1995/97. Rund 80 Prozent des Wachstums werden aus der Intensivierung des Anbaus stammen, für den Rest ist eine weitere Ausdehnung der Agrarflächen erforderlich.

Die Anbauflächen werden in den Entwicklungsländern voraussichtlich um zwölf Prozent oder 120 Millionen Hektar wachsen, vor allem in Südamerika und Afrika südlich der Sahara. Dem werden voraussichtlich beträchtliche Waldflächen zum Opfer fallen, so die FAO. Unklar sei allerdings, in welchem Ausmass.

Die Bewässerungslandwirtschaft werde in den Entwicklungsländern eine zunehmend wichtigere Rolle spielen, so die FAO. Gegenwärtig werden rund 60 Prozent der gesamten Getreideproduktion auf bewässerten Feldern erzeugt. Die bewässerten Flächen werden in den Entwicklungsländern von voraussichtlich 197 Millionen Hektar (1995/97) auf 242 Millionen Hektar im Jahre 2030 ausgedehnt werden, so die FAO.

Der Druck auf die Umwelt wird insgesamt weiter zunehmen, wegen des Rückgangs der Agrarproduktion allerdings nicht so stark wie in der Vergangenheit, hiess es in dem FAO-Bericht. Die Zerstörung der Wälder werde sich vermutlich verlangsamen, da die Umwandlung von Böden in Agrarland langsamer wachsen werde. Ausserdem sei bei der Tierproduktion mit einem niedrigeren Wachstum zu rechnen. Auch beim übermässigen Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln werde es einen Rückgang geben, wenn bessere Technologien zugänglich gemacht und strengere Vorschriften eingehalten würden und der ökologische Landbau einen höheren Stellenwert erhalte.

Bei der Weltfleischproduktion rechnet die FAO mit einer niedrigeren Wachstumsrate, sie werde in den kommenden beiden Jahrzehnten vermutlich bei 1,9 Prozent jährlich liegen, verglichen mit 2,8 Prozent in den vergangenen zwanzig Jahren.

In den Entwicklungsländern ist der jahrliche Fleischverbrauch pro Person von 11 Kilogramm Mitte der 70er Jahre auf gegenwärtig 23 kg gestiegen, und könnte im Jahre 2030 bei 35kg liegen. In Afrika südlich der Sahara wird wenig Fleisch gegessen. In Ländern wie China und Brasilien werden angesichts eines bereits hohen Fleischkonsums niedrigere Zuwachsraten erwartet. 1995/97 wurden in China pro Person 39 kg und in Brasilien 62 kg Fleisch verzehrt.

Die FAO wies darauf hin, dass es bei der unkontrollierten Ausdehnung hochintensiver Viehbetriebe grosse Umweltgefahren gebe. Bei einer weiteren Intensivierung der Erzeugung, einer höheren Bestandsdichte, einer veränderten Zusammensetzung des Viehfutters, wachse die Besorgnis mit Blick auf die Lebensmittelsicherheit bei Fleischprodukten und der Übertragung von Tierkrankheiten auf den Menschen. In den Entwicklungsländern drohe ausserdem die Gefahr, dass grosse kommerzielle Produzenten kleine Betriebe verdrängen könnten, was zu mehr Armut in den ländlichen Gebieten führen könne.

In der Weltforstwirtschaft nehme die Bedeutung von industriellen Plantagen zur Holzerzeugung weiter zu. Die Nutzung von Brennholz werde in den kommenden zwei Jahrzehnten weiter ansteigen, danach leicht zurückgehen. Mehr als 60 Prozent des Weltholzverbrauchs entfielen 1995 auf Brennholz.

Der Fischkonsum werde von weltweit rund 16kg im Jahre 1997 auf etwa 20kg pro Person im Jahre 2030 steigen, das seien rund 150-160 Millionen Tonnen für den direkten menschlichen Konsum. Die Fischzucht werde bei der Erhöhung des Angebots eine entscheidene Rolle spielen. Der Anteil von Fischmehl und -öl, derzeit rund 30 Millionen Tonnen, werde vermutlich sinken.

Die endgültige Fassung des FAO-Berichts „Landwirtschaft bis zum Jahre 2015/30“ wird Anfang des Jahres 2002 veröffentlicht.




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