16. Februar 2000

Kommt die Genehmigung für Bt-Mais?

Themen: Gentechnik,Mais — info @ 15:02

Berlin/Hannover (agrar.de) – Der Sortenausschuss des Bundessortenamtes berät zur Zeit über die endgültige Zulassung von Bt-Mais, einer weitgehend schädlings- und pestizidresisitente Mais-Sorte aus den Labors des Schweizer Biotechnikkonzerns Novartis. Die Genehmigung ist wahrscheinlich – falls das Sortenamt, das dem Agrarministerium untersteht, die Befassung nicht im letzten Moment vertagt.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat indes Berichte zurückgewiesen, wonach die gentechnisch veränderte Nutzpflanze (GVO) kurz vor der Zulassung für den uneingeschränkten Anbau stehe. ‚Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abschlossen‘, sagte ein Ministeriumssprecher am Dienstag in Berlin. Die ‚Berliner Zeitung‘ hatte berichtet, dass die Experten des Ministeriums den veränderten Mais mit der Bezeichnung ‚Bt-Mais 176‘ noch in dieser Woche als eigene Sorte anerkennen wollten und Bauern den Mais künftig ohne Beschränkung anpflanzen und als Nahrungsmittel und Tierfutter vermarkten könnten.

Der Bt-Mais hat das Gen eines Bodenbakteriums namens Bacillus thuringiensis eingepflanzt bekommen und produziert in der Pflanze ein Gift, das Insekten tötet. Der Mais soll sich dadurch selbst vor dem verheerenden Befall mit Maiszünslern schützen. Umweltschützer kritisieren, der Genmais töte nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge wie etwa die Florfliege sowie Schmetterlinge. Mögliche Auswirkungen auf die Nahrungskette seien unvorhersehbar. Novartis hingegen hält seinen Mais für unbedenklich und verweist auf eigene Studien. Ein Sprecher des Konzerns wies gegenüber der ‚Frankfurter Rundschau‘ Behauptungen zurück, die Firma sei inzwischen von ihrem eigenen Produkt abgerückt. Allerdings bestätigte er, dass Novartis an einer neuen gentechnisch veränderten Maissorte arbeite, die ohne antibiotika-resistente Gene auskomme.

Die Umweltorganisation Greenpeace warnte vor einer uneingeschränkten Zulassung. Die Umweltauswirkungen des Gen-Mais seien ’nur völlig unzureichend untersucht worden‘. Das Gift, das in der Maispflanze gebildet werde, schädige nicht nur die Larven des Maiszünslers, sondern auch nützliche Insekten, wie die natürlichen Feinde der Fraßschädlinge. Außerdem gefährde es Raupen geschützter Schmetterlinge und andere Bodeninsekten, weil das Insektengift über die Wurzeln an den Boden abgegeben werde und sich an Tonpartikeln anreichere.

Nach einem Bericht der Tageszeitung ‚taz‘ vom Mittwoch bat Umweltminister Trittin ‚in der Sorge um mögliche Schäden für die Umwelt‘ Minister Funke darum, ‚das Bundessortenamt anzuweisen, die Zulassungsentscheidung für den Bt-Mais bis auf weiteres zurückzustellen‘. Die Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen erklärte, dass aus Vorsorgegründen keine antibiotikaresistenten Pflanzen wie Bt-Mais verwendet werden dürften. Diese Meinung würden auch die Kommission für Biologische Sicherheit und das Robert-Koch-Institut vetreten.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnte ebenfalls vor einer Zulassung des Bt-Mais und forderte Bundesgesundheitsministerium Andrea Fischer (B90/Grüne) auf, die Brüsseler Genehmigung in Deutschland sofort auszusetzen und damit dem Beispiel anderer EU-Staaten zu folgen. Das Umweltbundesamt (UBA) hatte sich bereits Ende vergangenen Jahres dafür ausgesprochen, die Marktzulassung von Bt-Mais zunächst auf sieben Jahre zu befristen und den Anbau solcher Pflanzen auf Gebiete zu beschränken, in denen erfahrungsgemäß mit Ertragseinbußen durch Maiszünsler zu rechnen sei.

Bei der Zulassung durch das Bundessortenamt werden allein die landbaulichen Qualitäten des Maises untersucht. Unter ökologischen oder gesundheitlichen Aspekten hatte der Bt-Mais bereits im Januar 1997 die Zulassung von der EU erhalten. In Spanien, Portugal und Frankreich wurden bereits entsprechende Genehmigungen erteilt.




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