16. Dezember 1999

USDA genehmigt Bestrahlung von Fleisch

Themen: Archiv — info @ 13:12

Washington (agrar.de) – Zwei Jahre nach der Lebensmittelbehörde FDA hat nun auch das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) die Erlaubnis zur Bestrahlung von Lebensmitteln erweitert. Das berichten amerikanische Medien.

Die fleischverarbeitende Industrie, die lieber den Begriff ‚kalte Pasteurisierung‘ verwendet, begrüßte die Entscheidung, nach der es nun erlaubt ist, auch rotes Fleisch mittels Betrahlung zu behandeln, um schädliche Keime und Bakterien zu beseitigen.

Gegner der Methode kritisieren, daß ionisierende Strahlen wertgebende Inhaltsstoffe wie Vitamine vermindern oder zerstören könnten oder auch dazu verwendet werden könnten, bereits verdorbene Lebensmittel wieder ‚aufzufrischen‘. Ihrer Forderung nach eindeutiger und umfassender Kennzeichnung kommt die neue Verordnung entgegen, indem sie vorschreibt, bestrahltes Fleisch durch ein Label zu kennzeichnen, wenn es an der Ladentheke verkauft werden soll. In Restaurants verkauftes Fleisch muss jedoch nicht entsprechend deklariert werden.

Bei fachgerechter Anwendung ist die Bestrahlung von Nahrungsmitteln nach dem Stand der Wissenschaft nicht gesundheitsgefährdend. In rund 40 Ländern weltweit ist sie zugelassen, in den meisten schon seit Anfang der 80er Jahre. Diese Behandlung verhindert u. a. das Auskeimen von Kartoffeln und Zwiebeln, sie reduziert schädliche Keime in Gewürzen, Garnelen und Geflügelfleisch, erhöht die Saftausbeute bei Obst und verlängert die Haltbarkeit bei Früchten. Behandelte Nahrungsmittel eignen sich besonders für weitere Transportstrecken und längere Lagerung.

Verbraucherschützer mahnen, es sei besser, die Lebensmittel schnell und auf kurzem Weg zum Verbraucher gelangen zu lassen, um so jede künstliche Haltbarmachung überflüssig zu machen.

In der EU ist die Bestrahlung von Lebensmitteln bislang noch nicht einheitlich geregelt. In Deutschland und in Schweden ist diese Technik verboten. Produkte dürfen in Deutschland nur dann bestrahlt werden, wenn sie für den Export bestimmt sind. Nach Erkenntnissen des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin (BgVV) wird bislang auf dem deutschen Markt nur ein einziges bestrahltes Produkt, eine französische Gewürzmischung für die Lebensmittelindustrie, vertrieben. In Frankreich und den Niederlanden dürfen z.B. getrocknetes Obst, Geflügel und Shrimps bestrahlt werden, in Frankreich auch Getreideflocken und Bohnen.

Bis zum Ende des Jahres 2002 soll auch für die EU eine einheitliche Liste mit Lebensmitteln verabschiedet werden, die bestrahlt werden dürfen. Nach der geplanten Richtlinie sollen bestrahlte Lebensmittel oder bestrahlte Zutaten auch hier mit dem Hinweis ‚bestrahlt‘ oder ‚mit ionisierenden Strahlen behandelt‘ gekennzeichnet werden.




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