31. Dezember 1999

Frankreich hebt Rindfleisch-Importverbot nicht auf

Themen: Archiv — info @ 15:12

Brüssel und Paris ziehen vor Gericht

Brüssel (agrar.de) – Die EU-weite Aufhebung des Embargos für britisches Rindfleisch kommt nun endgültig vor den Europäischen Gerichtshof. Frankreich und die EU-Kommission verklagen sich gegenseitig.

Paris will seinen Importstopp auch nach Ablauf der von der EU gesetzten Bedenkzeit nicht aufheben. Man werde gegen die Entscheidung der EU-Kommission, die das Exportverbot im August aufgehoben hatte, klagen. Es gebe schwerwiegende Zweifel über Risiken, die Menschen durch britisches Rindfleisch entstünden, so die Begründung aus Paris. Die Kommission habe sich mit ihrer Entscheidung über das Vorsichts-Prinzip hinweggesetzt.

Die EU-Kommission wiederum will, wie angedroht, am Montag gegen die Weigerung Frankreichs klagen, britisches Rindfleisch ins Land zu lassen.

Auch Deutschland droht im neuen Jahr ein rechtliches Verfahren, falls der Bundesrat sich der Aufhebung der einseitigen Importsperre widersetzt. Vor allem die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn macht sich für ein Importverbot stark. Es dürfe erst aufgehoben werden, wenn eine Kennzeichnung des Fleischs sichergestellt sei. Höhn trat dafür ein, zum Schutz der Verbraucher auch ein Vertragsverletzungsverfahren der EU billigend in Kauf zu nehmen.

Noch kurz vor Weihnachten hatte einer der ersten Wissenschaftler, die auf einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Rinderwahnsinn BSE und der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen hinwiesen, die Unbedenklichkeit von britischem Rindfleisch angezweifelt. Es sei unmöglich festzustellen, ob britisches Beef sicher sei, sagte Richard Lacey, ehemals Professor für klinische Mikrobiologie an der Universität Leeds. ‚Wir haben keine wissenschaftlichen Daten, wir können das nicht untersuchen.‘ Lacey warf der britischen Regierung vor, sie räume den Forderungen der Fleischproduzenten mehr Bedeutung ein als den Bedürfnissen der Konsumenten, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

30. Dezember 1999

Raiffeisen: Positive Bilanz trotz Umsatzminus

Themen: Archiv — info @ 11:12

Bonn (agrar.de) – Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) zieht für das Jahr 1999 eine positive Bilanz. Die etwa 4000 Raiffeisen-Genossenschaften blicken nach Angaben des Verbandes trotz zu erwartender Umsatzrückgänge mit Zuversicht ins neue Jahr. Der addierte Umsatz werde 1999 mit rund 74 Mrd.DM zwar leicht unter dem Vorjahreserlös liegen, vor dem Hintergrund vielfach rückläufiger Preise und der schwierigen Entwicklung auf den Agrarmärkten sei dies aber ein ‚beachtliches Jahresergebnis‘, so Verbandspräsident Manfred Nüssel.

1999 seien deutliche Strukturfortschritte zur Verbesserung der Marktposition erzielt worden. Dazu zählt Nüssel den Zusammenschluss von fünf Molkereigenossenschaften zur Nordmilch eG und die Fusion der Hauptgenossenschaften aus Frankfurt und Köln zur RWZ Rhein-Main eG. Weitere Anpassungen mit dem Ziel, die wirtschaftlichen Kräfte zu bündeln, werden im kommenden Jahr folgen. „Die angestrebte Fusion der Hauptgenossenschaften aus Hannover und Münster (wir berichteten) ist die richtige Antwort auf den fortschreitenden Konzentrationsprozess in den vor- und nachgelagerten Bereichen“, erklärte der DRV-Präsident.

Für das kommende Jahr erwartet der Verband weitere Umsatzrückgänge, die nach Nüssels Worten politisch verursacht sind, so durch Preissenkungen bei Getreide, Ölsaaten und Rindfleisch basierten, die im Zuge der Agenda 2000 ab 1. Juli greifen sollen.

Weitere Informationen: DRV-Pressestelle, Adenauerallee 127, 53113 Bonn, Tel.: 0228/106-367, Fax: 0228/106-266, E-Mail: presse@drv.raiffeisen.de, Internet: http://www.raiffeisen.de

Grosse Waldschäden durch Orkan „Lothar“

Themen: Archiv,Wald,Wetter — info @ 10:12

Stuttgart/Paris (agrar.de) – Allein in Baden-Württemberg verursachte der Jahrhundert-Orkan ‚Lothar‘ nach vorläufigen Berechnungen einen Schaden von mindestens 250 Millionen Mark. Nach Angaben von Landwirtschaftsministerin Gerdi Staiblin sind rund 90 Prozent der Waldfläche betroffen, in den Hauptschadensgebieten sind zwischen 30.000 bis 40.000 Hektar Kahlfläche entstanden. Besonders schwer geschädigt sei der mittlere Schwarzwald mit seinen großen zusammenhängenden Waldgebieten. Dort seien viele Waldbauern betroffen und teilweise in ihrer Existenz bedroht. Insgesamt sei der Schaden im Südwesten größer als der, den die Stürme ‚Vivian‘ und ‚Wiebke‘ im Jahr 1990 angerichtet hätten, sagte die CDU-Politikerin.

Der Orkan vom vergangenen Sonntag hat den Angaben zufolge insgesamt rund 20 Mio. Festmeter Holz zu Boden gebracht, in Bayern sind nach ersten Schätzungen mehr als 2,5 Mio. Festmeter Schadholz angefallen.

Schlimmer noch hat es die französischen Nachbarn erwischt: Über zwei Millionen Haushalte waren noch am Mittwochmorgen von der Stromversorgung abgeschnitten. Nach Angaben der Forstbehörden wurden Waldgebiete im Elsass und in Lothringen durch die Orkanböen besonders hart getroffen. Im Großraum Paris wurden die Waldgebiete Bois de Vincennes und Bois de Boulogne zu einem Drittel zerstört. Im Schlosspark von Versailles wurden 10.000 Bäume entwurzelt.

Landwirtschaftsminister Jean Glavany sprach von der ’schlimmsten Forstkatastrophe, die Frankreich jemals erlebt hat‘. Nach Ansicht von Experten wurde durch die Vernichtung seltener Baumbestände unwiederbringlicher Schaden angerichtet. Es werde bis zu 200 Jahre dauern, um die Gebiete vollständig wieder aufzuforsten.

24. Dezember 1999

Eurostat: EU-Agrarerzeugerpreise sanken um 4,6 Prozent

Themen: Archiv — info @ 16:12

Luxemburg (agrar.de) – Die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise in der Europäischen Union fielen im laufenden Jahr real um 4,6 Prozent, nach einem Minus von 4,3 Prozent im Vorjahr. Diese erste Schätzung hat das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften, EUROSTAT in Luxemburg, veröffentlicht. Der Preisrückgang beläuft sich danach zwischen 1,1 Prozent (Luxemburg) und 9,3 Prozent (Niederlande). In Deutschland sanken die Erzeugerpreise real um 2,8 Prozent. Die weiteren Länder: Spanien (-1,9), Finnland (-3,6), Frankreich (-3,7), Österreich (-3,8), UK (-4,4), Schweden (-4,8), Griechenland (-5,3), Belgien (-6,1), Italien (-6,2), Irland (-7,1), Dänemark (-8,0), Niederlande (-9,3).

Gefallen sind auch die landwirtschaftlichen Terms of Trade, die mittels Division der realen Outputpreise durch die realen Inputpreise ermittelt werden. Für die EU berechnete Eurostat einen Rückgang um 1,9 Prozent. Spanien und Luxemburg mit plus 2,5 bzw plus 0,2 Prozent bildeten die Ausnahme, ansonsten sanken die Terms of Trade in der EU-Landwirtschaft zwischen 1,2 (Schweden) und 5,7 Prozent (Dänemark). Deutschland kommt in dieser Berechnung auf minus 1,7 Prozent. Die weiteren Länder: Finnland (-1,4), Frankreich (-1,3), Österreich (-1,5), UK (-3,0), Griechenland (-3,1), Belgien (-4,4), Italien (-3,8), Irland (-5,6), Niederlande (-5,5).

Die Preise für pflanzliche Erzeugnisse gingen EU-weit insgesamt um 3,0 Prozent zurück, bei Getreide und Reis sind es -2,6 Prozent, bei Frischgemüse -3,3 Prozent sowie bei Obst -11,8 Prozent. Insgesamt starke Rückgänge (-6,3 Prozent) werden für Tiere und tierische Erzeugnisse erwartet; ihren Niederschlag finden hier die Preissenkungen bei Rindern, Kälber ausgeschlossen (-4,2 Prozent), Milch (-5,0 Prozent), Schweinen (-8,7 Prozent), Geflügel (-10,2 Prozent) sowie bei Eiern (-11,9 Prozent).

Die Kartoffelerzeugung erholte sich nach dem starken Rückgang 1998 deutlich (+12 Prozent im Volumen). Die in diesem Jahr nur geringfügig durch Frost beeinträchtigte europäische Obsterzeugung stieg im Volumen um 9 Prozent. Mit der Ausnahme Griechenlands (-10 Prozent) und Spaniens (-4 Prozent) erhöhte sich das Volumen in der Weinproduktion in Luxemburg (+25 Prozent), Deutschland (+12 Prozent), Frankreich (+4 Prozent) sowie Italien (+4 Prozent).

Einkommen rückläufig

Die Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit ist voraussichtlich in zwölf Mitgliedstaaten (Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Finnland und im Vereinigten Königreich) zurückgegangen. Die stärksten Abnahmen waren in Irland (-13 Prozent) und in Dänemark (-11 Prozent) zu beobachten. Die einzigen Mitgliedstaaten, die voraussichtlich Zunahmen verzeichnen konnten, sind Luxemburg (+5 Prozent), Schweden (+6 Prozent) sowie Portugal (+14 Prozent). Für Deutschland wird ein Rückgang um 5 Prozent geschätzt.

EU stellt Logo für ökologischen Landbau vor

Themen: Archiv — info @ 10:12

Brüssel (agrar.de) – Ein Logo in grün-blauer Farbe mit Korn-Ähre und 12 EU-Sternen wird künftig Produkte aus biologischem EU-Anbau kennzeichnen. Die Kommission billigte am Mittwoch den Entwurf des runden Zeichens mit Zackenrand.

Mit dem Logo sollen Produkte gekennzeichnet werden, die zu mindestens 95 Prozent ökologisch-kontrollierte Inhaltsstoffe enthalten und deren gesamter Herstellungsprozesses, sowie Verpackung und Kennzeichnung überwacht werden. Das Logo kann bunt oder schwarz-weiss auch zusammen mit nationalen Kennzeichen für Bio-Produkte verwendet werden. Auf der deutschen Version steht die Bezeichnung ‚Biologischer Landbau – Ökologischer Landbau‘.

16. Dezember 1999

Neuer Musterprozess um Nachbaugebühren

Themen: Archiv — info @ 14:12

Kritik am Bauernverband

München (agrar.de) – Begleitet von einer Protestaktion und massiver Kritik am Bauernverband hat gestern ein Musterprozess vor dem Landgericht München I über die Gebührenpflichtigkeit von Saatgutnachbau begonnen. Bauern aus ganz Bayern besetzten zum Beginn der Verhandlung den Verhandlungssaal, so dass der vorsitzende Richter den Saal trotz öffentlicher Sitzung wegen Überfüllung räumen liess.

Das Gericht sollte über die Frage entscheiden, ob Landwirte ihre Anbaupraxis aufrecht erhalten und das Erntegut von angebautem, gekauftem Saatgut im nächsten Jahr als Saatgut verwenden dürfen. Wie die Tageszeitung ‚Fränkischer Tag‘ berichtet, wurde der Zivilprozess wurde auf April vertagt.

Bis Juli 1997 galt das Nachbaurecht in Deutschland als jahrhundertaltes landwirtschaftliches Privileg. Mit der neuen Sortenschutzverordnung müssen die Bauern für das selbstgezüchtete Saatgut Gebühren zahlen. Die vom Bund der deutschen Pflanzenzüchter beauftragte Saatgut-Treuhandverwaltungs-GmbH hatte einen Landwirt aus Königsmoos verklagt, der dies verweigert hatte.

Der Anwalt des Landwirts, Patentanwalt Rolf Wilhelms, kritisierte massiv den Deutschen Bauernverband (DBV). Der Verband habe unter der Führung des damaligen Bauernpräsidenten Constantin Freiherr von Heereman Verträge unterzeichnet, die die Bauern verpflichten, Nachbaugebühren zu zahlen.

Am ersten Verhandlungstag hätten die Richter nach den Angaben der Anwälte daran gezweifelt, ob die Saatgut-Treuhandverwaltungs-GmbH die Gebühren eintreiben darf. Dazu müssten alle Saatgutzüchter Gesellschafter des Unternehmens sein. Dies sei aber unklar.

Zwei Prozesse um die Meldepflicht zur Nachbauregelung konnte die Saatgut-Treuhandverwaltungs-GmbH für sich entscheiden. (unsere Meldung vom 24.09. und 11.07.)

USDA genehmigt Bestrahlung von Fleisch

Themen: Archiv — info @ 13:12

Washington (agrar.de) – Zwei Jahre nach der Lebensmittelbehörde FDA hat nun auch das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) die Erlaubnis zur Bestrahlung von Lebensmitteln erweitert. Das berichten amerikanische Medien.

Die fleischverarbeitende Industrie, die lieber den Begriff ‚kalte Pasteurisierung‘ verwendet, begrüßte die Entscheidung, nach der es nun erlaubt ist, auch rotes Fleisch mittels Betrahlung zu behandeln, um schädliche Keime und Bakterien zu beseitigen.

Gegner der Methode kritisieren, daß ionisierende Strahlen wertgebende Inhaltsstoffe wie Vitamine vermindern oder zerstören könnten oder auch dazu verwendet werden könnten, bereits verdorbene Lebensmittel wieder ‚aufzufrischen‘. Ihrer Forderung nach eindeutiger und umfassender Kennzeichnung kommt die neue Verordnung entgegen, indem sie vorschreibt, bestrahltes Fleisch durch ein Label zu kennzeichnen, wenn es an der Ladentheke verkauft werden soll. In Restaurants verkauftes Fleisch muss jedoch nicht entsprechend deklariert werden.

Bei fachgerechter Anwendung ist die Bestrahlung von Nahrungsmitteln nach dem Stand der Wissenschaft nicht gesundheitsgefährdend. In rund 40 Ländern weltweit ist sie zugelassen, in den meisten schon seit Anfang der 80er Jahre. Diese Behandlung verhindert u. a. das Auskeimen von Kartoffeln und Zwiebeln, sie reduziert schädliche Keime in Gewürzen, Garnelen und Geflügelfleisch, erhöht die Saftausbeute bei Obst und verlängert die Haltbarkeit bei Früchten. Behandelte Nahrungsmittel eignen sich besonders für weitere Transportstrecken und längere Lagerung.

Verbraucherschützer mahnen, es sei besser, die Lebensmittel schnell und auf kurzem Weg zum Verbraucher gelangen zu lassen, um so jede künstliche Haltbarmachung überflüssig zu machen.

In der EU ist die Bestrahlung von Lebensmitteln bislang noch nicht einheitlich geregelt. In Deutschland und in Schweden ist diese Technik verboten. Produkte dürfen in Deutschland nur dann bestrahlt werden, wenn sie für den Export bestimmt sind. Nach Erkenntnissen des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin (BgVV) wird bislang auf dem deutschen Markt nur ein einziges bestrahltes Produkt, eine französische Gewürzmischung für die Lebensmittelindustrie, vertrieben. In Frankreich und den Niederlanden dürfen z.B. getrocknetes Obst, Geflügel und Shrimps bestrahlt werden, in Frankreich auch Getreideflocken und Bohnen.

Bis zum Ende des Jahres 2002 soll auch für die EU eine einheitliche Liste mit Lebensmitteln verabschiedet werden, die bestrahlt werden dürfen. Nach der geplanten Richtlinie sollen bestrahlte Lebensmittel oder bestrahlte Zutaten auch hier mit dem Hinweis ‚bestrahlt‘ oder ‚mit ionisierenden Strahlen behandelt‘ gekennzeichnet werden.

Raiffeisen-Genossenschaften im Norden planen Fusion

Themen: Archiv — info @ 10:12

Münster/Hannover (agrar.de) – Die Aufsichtsgremien der Raiffeisen Central-Genossenschaft Nordwest eG (RCG Münster) und der Raiffeisen Hauptgenossenschaft Nord (RHG Hannover) haben ihren Vorständen den Auftrag erteilt, eine Fusion der beiden Unternehmen vorzubereiten. Als Grund für das Zusammengehen nennt eine Mitteilung der Aufsichtsgremien den starken Konzentrationsprozess bei landwirtschaftlichen Betrieben und in den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen.

RCG und RHG haben ihren wirtschaftlichen Schwerpunkt in den Bereichen Getreide, Futter-, Dünge-, und Pflanzenschutzmittel sowie in der Agrartechnik. Neben dem traditionellen Handel mit der Landwirtschaft betreiben die Genossenschaften auch Einzelhandels- und Baustoffmärkte und vertreiben Brenn- und Kraftstoffe an insgesamt rund 4.000 Standorten in den Regionen Westfalen-Lippe, Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Gemiensam erwirtschaften sie einen Handels- und Dienstleistungsumsatz von fast sechs Milliarden DM.

Laut RCG und RHG sollen beide Hauptstandorte erhalten bleiben, die Arbeitsplätze der über 4.800 Mitarbeiter würden durch die Fusion nicht beinträchtigt.

Die Haupteigentümer der beiden Unternehmen – Genossenschaften mit rund 110.000 landwirtschaftlichen Betrieben – sollen im kommenden Jahr über die Fusion entscheiden.

Greenpeace: „Terminator“-Saatgut erstmals in Europa patentiert

Themen: Archiv — info @ 09:12

Hamburg (agrar.de) – Nach Angaben der Umweltschutzorganisation ‚Greenpeace‘ wird das Europäische Patentamt (EPA) in München erstmals in Europa ein Patent auf das umstrittene ‚Terminator‘-Saatgut erteilen.

Der Antrag auf das gentechnisch-veränderte Saatgut stamme von der Firma Plant Genetic Systems, die zum Konzern Hoechst-Aventis gehört und umfasse Pflanzen, Saatgut und Früchte.

Sorten mit dem ‚Terminator‘-Gen lassen sich nur einmal aussäen, da das Erntegut steril ist. Greenpeace befürchtet massive soziale Folgen durch die neue Technologie. ‚Wenn Landwirte ihr Saatgut jedes Jahr erneut kaufen müssen, werden sie abhängiger von den Gen-Konzernen‘, erklärt Gentechnik-Experte Christoph Then. ‚Wenn die Gen-Konzerne und Saatgut-Firmen ihre Patent-Pläne durchsetzen, drohe die weltweite Monopolisierung von Saatgut.

Der Patent-Fund belegt, dass das Europäische Patentamt trotz erheblicher Widerstände im September begonnen hat, Patente auf Lebewesen zu erteilen. Noch im September sprach sich der Europarat, der 54 Länder repräsentiert, gegen die vom EPA befürwortete Patentierung von Pflanzen, Tieren und menschlichen Genen aus. Der Verwaltungsrat des EPA stützt sich dabei auf eine umstrittene EU-Patent-Richtlinie, gegen die Klagen der Mitgliedsstaaten Holland und Italien am Europäischen Gerichtshof anhängig sind.

Greenpeace hat nach eigenen Angaben unter 100 Anträgen insgesamt zehn Zusagen für Patent-Erteilungen auf Pflanzen und eine auf Tiere gefunden. Sie umfassen genmanipulierte Tomaten, Gurken, Kartoffeln, Mais, Weizen, Sojabohnen, Reis und Obstbäume, aber auch Chrysanthemen, Rosen, Pfeffer, Waldbäume und darüber hinaus alle kommerziell nutzbaren Pflanzen.

US-Landwirte klagen gegen Monsanto

Themen: Archiv — info @ 09:12

St.Louis (agrar.de) – Während der Medizinbereich der Biotechnikkonzerne vorwiegend Anerkennung findet, stehen die Unternehmen mit ihren gentechnisch veränderten Produkten für die Landwirtwirtschaft seit Monaten in der Defensive:

Amerikanische Landwirte haben jetzt eine Sammelklage gegen den Biotechnik-Konzern Monsanto eingereicht. Monsanto habe mit anderen Konzernen der Branche ein Kartell gebildet, um dem Markt zu festgelegten Preisen gentechnisch verändertes Saatgut aufzuzwingen, heißt es in der Anklageschrift. Der Konzern soll das Gensaatgut unzureichend geprüft haben und zudem die Kritik der Europäer an der neuen Technologie verschwiegen haben.

Die klagende National Family Farm Coalition, eine Interessenvertretung bäuerlicher Kleinbetriebe in den USA, will Schadenersatz, eine Geldstrafe und gerichtliche Verfügungen gegen den Konzern erstreiten. Nach Auskunft der klagenden Anwälte werde zunächst zwar nur Monsanto angeklagt, doch eine Ausweitung der Klage auf die ‚Mitverschwörer‘ werde nicht ausgeschlossen. Sie wollen Monsanto auch zu weiteren Saatguttests zwingen lassen. Die Klage wird jedoch bislang nicht von den großen US-Bauernverbänden unterstützt.

‚Die Anschuldigungen, die von Langzeit-Gegnern der Biotechnologie im Klagekontext gemacht worden sind, sind absolut grundlos‘, erklärte Monsanto in einer am Dienstagabend veröffentlichten Stellungnahme. ‚Alle Monsanto-Saatgut-Produkte wurden jahrelang rigoros geprüft, um ihre Sicherheit sowie ihre Umwelt- und Leistungseigenschaften zu testen bevor sie auf den kommerziellen Markt kamen‘. ‚Wir vertrauen darauf, dass die Klage abgewiesen wird‘, erklärte ein Anwalt des Konzerns.

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