07. Juli 1999

Dioxinverseuchte Tonerde auch in NRW-Futtermitteln

Themen: Archiv — info @ 13:07

Düsseldorf (agrar.de) – Nachforschungen des nordrhein-westfälischen Landwirtschaftministeriums ergaben, daß drei Futtermittelherstellen aus dem Bundesland mit Dioxin verseuchte Tonerde als Beimischung für Futtermittel verwendet haben.

Die aus einer mittlerweile geschlossenen Tongrube in Rheinland-Pfalz stammende Tonerde war auch an einen österreichischen Futtermittelhersteller geliefert worden, wo zuerst eine erhöhte Dioxinkonzentration festgestellt worden war.

Staatssekretär Dr. Thomas Griese vom Landwirtschaftministerium in Düsseldorf teilte agrar.de mit, daß die noch in der Produktion befindlichen Futtermittel gesperrt und beprobt wurden. Mit einem Untersuchungsergebnis sei in einigen Tagen zu rechnen.

‚Aus dem Futtermittelskandal in Belgien haben wir in Nordrhein-Westfalen die Konsequenz gezogen und bereiten schon eine Schwerpunktuntersuchung von Futtermitteln vor‘ erklärte Griese. ‚Es fällt schwer zu glauben, daß durch die allgemeine Hintergrundbelastung Tongruben so stark dioxinbelastet sein können. Jedenfalls werden wir prüfen, ob es solche Probleme auch in NRW gibt. Selbstverständlich gehört die gesamte Futtermittelpraxis im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes auf den Prüfstand‘.

Nach Beispielsrechnungen des Bundesinstituts für Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) in Berlin sind Dioxinwerte von etwa 10 Picogramm je Gramm Tierfutter zu erwarten, da die Tonerde selbst mit 500 Picogramm Dioxin/Gramm belastet sei und die Futtermittel bis zu zwei Prozent Tonerde enthalten dürfen.

Das BgVV teilte weiter mit, daß eine solche Konzentration aus der Sicht des vorbeugenden Verbraucherschutzes unerwünscht sei. Es könne noch nicht gesagt werden, wie sich die Belastung im Futtermittel auf Lebensmittel auswirkt, eine akute Gesundheitsgefährundung für den Menschen ließe sich daraus zunächst nicht ableiten.

06. Juli 1999

Öko-Baumaterialien im Internet

Themen: Archiv — info @ 16:07

Nürnberg (agrar.de) – Die Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA) reagiert auf die steigende Nachfrage nach ökologischen Baustoffen und hat eine Datenbank für ‚ökologisch geprüfte Bauprodukte‘ im Internet eingerichtet. ‚Wir wollen Architekten, Baufirmen und Bewohner über Baumaterialien wie Farben oder Fußböden informieren, die von uns ökologisch geprüft worden sind‘, sagte der Direktor der LGA, Reiner Gast, in Nürnberg.

Dem Käufer von Baumaterialien solle so ermöglicht werden, Umwelt- und Schadstoffbelastungen an seiner Immobilie zu minimieren. Bisher umfaßt die Datenbank rund 30 Produkte. Es sei jedoch geplant, die Palette auf mehrere hundert zu erweitern.

Weitere Informationen:

Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA)

http://www.lga.de

Bundesverfassungsgericht erklärt Legebatterien für verfassungswidrig

Themen: Geflügel — info @ 14:07

Karlsruhe/Düsseldorf (agrar.de) – Das Bundesverfassungsgericht verkündete heute sein Urteil zur Käfighaltung von Legehennen. Danach ist die Hennenhaltungsverordnung des Bundes von 1987 verfassungswidrig, weil u.a. die Käfige der Legehennen zu klein sind.

Das Land Nordrhein- Westfalen hatte gegen die Verordnung geklagt. Nach Auffassung von Landwirtschaftsministerin Höhn verstößt diese Regelung gegen das Tierschutzgesetz, das eine verhaltensgerechte Unterbringung fordert.

Bundesweit werden rund 90 Prozent der 50 Millionen Hennen in Legebatterien gehalten. In der Schweiz und Schweden wurde diese Art der Haltung bereits verboten.

Mitte Juni hatten sich die EU-Agrarminister darauf geeinigt, die umstrittene Batteriehaltung der Hennen zu entschärfen und ab 2012 zu verbieten. Die Tiere sollen ab 2003 mehr Platz in ihren Käfigen erhalten (mindestens 550 statt bislang 450 Quadratzentimeter), in 13 Jahren sind dann nur noch Boden- oder Freilandhaltung oder Käfige zulässig, die jedem Tier eine Grundfläche von mindestens 750 Quadratzentimetern sowie Sitzstangen und Nestbauplätze bieten. Diese Regelung geht den Kläger nicht weit genug.

Frau Höhn begrüßte die heutige Entscheidung des BVG: ‚Das ist ein wichtiges Signal und ein Wendepunkt für den Tierschutz und die Verbraucherinnen und Verbraucher. Endlich werden Lebensmittel produzierende Tiere als mitgeschöpfe anerkannt.‘ Die heimische Eierwirtschaft sei nicht bedroht, sie solle das Unteil als Chance für den Aufbau einer zeitgemäßen, verbraucher- und tiergerechten Eierproduktion nutzen, so die Ministerin weiter.

Gleichzeitig kündigte sie an, daß die Landesregierung die betroffenen Tierhalter bei der Umstellung ihrer Betriebe unterstützen werde.

Weltkongresses für Rebe und Wein betont Nahrungsmittelsicherheit

Themen: Archiv — info @ 12:07

Mainz (agrar.de) – Vorsicht beim künftigen Einsatz gentechnisch-veränderter Reben in der Weinproduktion hat der Präsident des Internationalen Amtes für Rebe und Wein (OIV), Fernando Bianchi de Aguiar, angemahnt.

Zu Beginn des 24. Weltkongresses für Rebe und Wein sagte Bianchi de Aguiar am Montag in Mainz, die Sicherheit des Nahrungsmittels Wein und das Vertrauen der Verbraucher müßten im Mittelpunkt stehen.

Den zukünftigen Einsatz von gentechnisch veränderte Reben hält Bianchi de Aguiar für wahrscheinlich. Mit der Veränderung könnten Reben etwa gegen Viren oder Pilzbefall geschützt werden. Sie müßten aber sehr lange getestet werden, bevor sie auf den Markt kommen. Vor allem müßten die Verbraucher die neue Methode akzeptieren.

Der deutsche Verband der Bio-Winzer, ECOVIN, lehnt gentechnisch veränderte Reben grundsätzlich ab. In einem Rundschreiben an die Presse sprach sich der Verband gegen laufende Versuche mit transgenen Rebsorten in der Pfalz und in Franken aus.

Die veränderten Pflanzen seien nicht mehr aus dem Naturkreislauf rückholbar, so Verbandsvorstand Paulin Köpfer. Aus der Sicht von ECOVIN sind Versuche, pilzresistente Rebsorten mittels Gentechnik zu erzeugen, überflüssig. Solche Rebsorten würden von Ökowinzern bereits seit Jahren mit wachsendem Erfolg eingesetzt. Dem Verband angeschlossene Winzer und deren Lieferanten würden weiterhin ohne Gentechnik produzieren.

Weitere Informationen:

ECOVIN: Tel.: 06133-925395

Fischler soll EU-Agrarkommissar bleiben

Themen: Archiv — info @ 12:07

Brüssel/Wien (agrar.de) – Der EU-Kommissar Franz Fischler (Österreich) soll auch in der neuen EU-Kommission seinen Posten behalten. Der österreichische Bundeskanzler Klima erklärte am Montag, der künftige Kommissionspräsident Romano Prodi habe Österreich angeboten, wieder das Agrar-Ressort zu stellen. Österreich werde dieses Angebot annehmen und Fischler heute auf einer Kabinettssitzung nominieren. Klima zeigte sich über das Angebot Prodis erfreut, da sein Land eines der großen Ressorts für sich beansprucht und es nun auch erhalten habe.

Auch die dänische Regierung wird die amtierende Umwelt-Kommissarin Ritt Bjerregaard für eine zweite Amtszeit empfehlen, der bisherige finnische Haushaltskommissar Erkki Liikanen soll den Belgier Karel Van Miert als obersten Wettbewerbshüter beerben. Eine zweite Amtszeit scheint auch für Mario Monti (Italien) gewiss.

Spanien hat bereits vor Wochen die derzeitige Agrar-Ministerin Loyola de Palacio nominiert, Griechenland die Staatssekretärin für Entwicklungsfragen, Anna Diamantopoulou und Schweden die frühere Sozialministerin Margot Wallström.

London nominiert erneut den Verkehrskommissar Neil Kinnock, und den Konservativen Chris Patten, den letzten Gouverneur des Vereinigten Königreichs in Hongkong. Den Haag hat den Rechtsliberalen Frits Bolkestein, der als Euro-Skeptiker gilt, vorgeschlagen. Als gesichert gelten auch die Benennungen von Marie Geoghegan-Quinn (Irland) und Viviane Reding (Luxemburg).

Über die Auswahl der deutschen Kommissare scheint es noch Streitigkeiten zu geben. Neben der deutschen Kandidatin Michaele Schreyer (Bündnisgrüne) ist der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Günter Verheugen (SPD), im Gespräch. Die CDU/CSU Opposition forderte wegen ihrer Wahlerfolge bei den Europawahlen einen eigenen Kanidaten und verweist, daß alle großen EU-Staaten ihre zwei Kommissarsposten jeweils der Regierung und der Opposition zuerkennen.

Nach bisherigem Stand werden damit sieben Frauen in die Brüsseler Chefetage einziehen, zwei mehr als bisher. Kommissionspräsident Prodi will die 19 Kanidaten Mitte des Monats zwecks Ressortzuweisung zu einer Klausurtagung zusammenrufen und sie am 20. Juli dem Europa-Parlament vorstellen. Die Kompetenzen der Kommissäre werden anders zusammengestellt. So wird das Agrarressort diesmal auch mit der Zuständigkeit für die Fischerei betraut.

Anfang Oktober soll die Kommission die Arbeit aufnehmen.

Server der EU-Kommission

05. Juli 1999

Botulismus: Tote Rinder in Hessen und NRW

Themen: Archiv,Futtermittel — info @ 15:07

Düsseldorf (agrar.de) – In der vergangenen Woche sind auf drei Höfen in Nordrhein-Westfalen und Nordhessen mehr als 60 Rinder an Botulismus verendet.

Wie das Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft (MURL) in Düsseldorf mitteilte, ist die Ursache der Seuche mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verunreinigung von Tierfutter mit toten Kleinnagetieren. Veterinär- und Futtermittelüberwachungsbehörden seien angewiesen worden, den entsprechenden Futtermittelhersteller zu überprüfen. Alle anderen Rinder der Betriebe, die mit dem Futtermittel beliefert worden seien, wären bereits geimpft worden. Weitere Todesfälle seien deshalb nicht zu erwarten.

Das Wiesbadener Sozialministerium bestätigte, daß die Krankheit durch verunreinigtes Tierfutter aus NRW ausgelöst wurde. Es sei nicht auszuschließen, daß sich die Krankheit ausbreite, etwa durch Nagetiere, die mit dem verseuchten Futter in Kontakt gekommen seien. Botulismus wird durch Bakterien ausgelöst und verläuft meist tödlich. Neben dem kompletten Viehbestand des betroffenen Betriebes im Landkreis Waldeck-Frankenberg würden auch 270 Tiere von zwölf benachbarten Höfen vorsorglich geimpft.

Codex Alimentarius-Kommission entwirft internationale Bio-Standards

Themen: Archiv — info @ 13:07

Rom (agrar.de) – Mit der Verabschiedung internationaler Richtlinien für Bio-Nahrungsmittel endeten die Beratungen des höchste internationalen Gremiums für Lebensmittelstandards in dieser Woche in Rom.

Der Codex Alimentarius-Kommission, einem gemeinsamen Ausschuß der Welternährungsorganisation (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO), gehören 165 Staaten an.

Die Kommisssion tagte vom 28. Juni bis zum 3. Juli mit Repräsentanten aus 98 Mitgliedsstaaten, Vertretern der Europäischen Gemeinschaft und von über 60 Nicht-Regierungssorganisationen (NGO).

Die beschlossenen Richtlinien für Bionahrung entsprechen den bereits in einige Ländern gültigen und angewandten Vorschriften. Sie definieren organische Landwirtschaft als ein ganzheitliches Anbausystem, das die Artenvielfalt und die biologischen Eigenschaften der Böden respektiert und fördert.

Die Codex Alimentarius Kommission setzte in einem breiten Konsens der Mitgliedsstaaten 35 neue Lebensmittel-Standards, 4 Regeln für die gute fachliche Hygienepraxis und 220 Höchstwerte für Rückstände in Lebensmitteln.

Beschlossen wurde auch die Einrichtung einer internationalen Arbeitsgruppe zur Festlegung von Sicherheitsstandards für Lebensmittel aus dem Bereich der Biotechnologie. Bis 2003 sollen hierfür internationale Regelungen gefunden werden.

Vertagt hingegen wurde die Festsetzung der zugelassenen Höchstmenge für das bei Rindern eingesetzte, leistungsfördernde Hormon Somatotropin (BST).

Weitere Arbeitsgruppen wurden für Festlegung von Sicherheitsstandards bei Tierfutter und Fruchtsäften und zur Verbesserung des Informationsaustausches über Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz beschlossen.

Weitere Informationen:

Erwin Northoff, 0039-06-5705 3105/2232

e-mail: Erwin.Northoff@FAO.Org

FAO im WWW: http://www.fao.org.

Presseerklärung John Lupien (Vorsitzender der Codex Alimentarius Kommission)

zu BST, organischen Lebensmitteln und Kennzeichning:

in RealAudio-Format: ftp://ext-ftp.fao.org/Radio/RealAudio/Codex-PB-JLupien1.rm

in mp3-Format: ftp://ext-ftp.fao.org/Radio/Mp3/Codex-PB-JLupien1.mp3

Fruchtsaft-Standards, genetisch veränderte Organismen, Tierfutter (Dioxin)

in RealAudio-Format: ftp://ext-ftp.fao.org/Radio/RealAudio/Codex-PB-JLupien2.rm

in mp3-Format: ftp://ext-ftp.fao.org/Radio/Mp3/Codex-PB-JLupien2.mp3

Zahlenspiele: Schlagabtausch um Verluste der Bauern

Themen: Archiv — info @ 11:07

Potsdam/Bonn (agrar.de) – Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes (DBV) wird die deutsche Landwirtschaft durch die verschiedenen deutschen und europäischen Gesetzesvorhaben finanziell schwer belastet. Für das Jahr 2000 schätzt der Verband das verursachte Minus auf 2,93 Mrd DM, 2003 seien es bereits 4,4 Mrd DM und im Jahr 2006 5 Mrd DM. Hauptursachen sind das aktuelle Sparprogramm der Bundesregierung, die „Öko-Steuer“ und das europäische Reformvorhaben Agenda 2000.

Allein die stufenweise Absenkung von Garantiepreisen für Milch, Getreide und Rindfleisch im Rahmen der Agenda 2000 koste die Bauern im kommenden Jahr 500 Mio DM. „Schwere Brocken“ seien auch die Steuer- und Sparpläne der Regierung, die unter anderem Einschnitte bei der Gasölbeihilfe, der Alterssicherung für Landwirte, der landwirtschaftlichen Unfallversicherung und der Krankenversicherung für Bauern vorsehen.

Als unseriös hat Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke die Berechnungen des Deutschen Bauernverbands am Samstag im Westdeutschen Rundfunk bezeichnet. Einkommensverluste von fünf Milliarden Mark seien von niemandem bestätigt worden, sagte der SPD-Politiker. Nach seiner Einschätzung müßten die Bauern zwischen den Jahren 2000 und 2006 Einbußen zwischen drei und vier Milliarden Mark hinnehmen.

Die Landwirte hatten in den vergangenen Tagen auf dem Deutschen Bauerntag in Cottbus scharf gegen die Sparpläne der rot-grünen Koalition protestiert.

Funke räumte ein, daß die Belastungen für die Bauern hoch seien. Staatliche Subventionen könnten aber keine Dauerlösung sein. Die Existenzfähigkeit eines bäuerlichen Betriebes könne aber nicht an staatlichen Unterstützungen gemessen werden, sondern daran, wie er sich am Markt behaupte.

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