29. Mai 1999

Datenbank zur Tierkontrolle in der Schweiz

Themen: Archiv,Schweiz — info @ 16:05

Bern (agrar.de) – In Bern ist die sogenannte Tierverkehrsdatenbank in Betrieb genommen worden.

Ab dem 1. Oktober sollen Rinder, Schweine, Schafe, Ziege und Gehegehirsche einheitlich gekennzeichnet und in einer zentralen Tierdartenbank erfaßt werden. Der Betrieb der Datenbank ist zunächst auf fünf Jahre befristet. Die Tierhalter sollen ihre Daten zuerst per Meldekarte, ab Frühling 2000 auch per Telefon und Internet senden können.

Damit sei künftig die Möglichkeit gegeben, den Weg eines Tieres lückenlos zu verfolgen und festzustellen, mit welchen anderen Tieren es Kontakt hatte, so das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET). Bei einem Ausbruch einer Tierseuche könnte so rasch und zielgerichtet reagiert werden. Auch sei die Führung eines solchen Identifikationssystems erforderlich geworden, um Schweizer Rinder in die EU exportieren zu können.

In der eigens gegründeten Tierverkehrsdatenbank AG werden zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sein. Die Kosten für Aufbau der Datenbank (rund vier Millionen Franken im Jahr 1999) übernimmt der Bund. Die Betriebskosten sollen durch den Verkauf der Ohrmarken und somit von den Tierhalter gedeckt werden.

Bundesrechnungshof fordert Reform der Agrar-Sozialversicherung

Themen: Archiv — info @ 13:05

Frankfurt (agrar.de) – Der Bundesrechnungshof kritisierte in einem am Freitag in Frankfurt veröffentlichten Sonderbericht die bestehende Struktur der landwirtschaftlichen Sozialversicherungen und hat eine Neuordnung der Organisation empfohlen.

„Diese Strukturen führen jährlich zu Verwaltungs- und Verfahrenskosten von weit mehr als 600 Millionen Mark“, heißt es in dem Bericht. Die Aufteilung auf 3 Spitzenverbände und je 20 Träger für Unfallversicherung, Alterssicherung, Kranken- und Pflegeversicherung sei nicht zeitgemäß. Auch die Zersplitterung der Strukturen in der Informationstechnologie in 13 Rechenzentren und acht Entwicklungszentren wäre zu aufwendig.

Eine Neugestaltung der Organisationsstrukturen könne wirksam nur durch eine Bündelung auf einen Träger beim Bund erreicht werden. Dazu schlägt der Bundesrechnungshof folgendes Modell vor: Errichtung einer Bundesversicherungsanstalt für Landwirtschaft, die Träger der gesamten landwirtschaftlichen Sozialversicherung wird. Die Anstalt sollte der Rechtsaufsicht des Bundes unterstehen, ihr Haushalt müßte von der Bundesregierung genehmigt werden.

Rechnungshof-Präsidentin Hedda von Wedel erklärte, daß die Umsetzung der Vorschläge des Bundesrechnungshofs bereits nach vier Jahren zu Einsparungen in Höhe von jährlich mindestens 100 Mio. DM führen könnten.

Belgien stellt Verkauf von Hühnerprodukten ein

Themen: Archiv — info @ 12:05

Brüssel, Düsseldorf (agrar.de) – Das belgische Gesundheitsministerium hat am Freitag angeordnet, die gesamte einheimische Produktion von Hühnerfleisch und Eiern vom Markt zu nehmen, nachdem zuvor mit Dioxin verseuchtes Hühnerfleisch entdeckt worden war.

Es gebe ein gewisses Risiko für die Verbraucher, auch wenn es klein sei, sagte Gesundheitsminister Marcel Colla zur Begründung im belgischen Fernsehen. Von dem Verbot seien ausschließlich Hühner und keine anderen Geflügelarten betroffen. Die Regierung stellte 350 Hühnerfarmen bis zum Ergebnis näherer Untersuchungen unter Aufsicht.

Das belgische Landwirtschaftsministerium erklärte, es untersuche derzeit den Zusammenhang zwischen dioxinverseuchtem Hühnerfleisch und ebenfalls mit Dioxin verseuchtem Tierfutter. Eine Ladung mit verseuchten Ölen sei an insgesamt neun Futtermittelhersteller in Belgien sowie in Frankreich und in den Niederlanden ausgeliefert worden. Bereits im März seien von mehreren Bauernhöfen entsprechende Probleme gemeldet worden.

Landwirtschaftministerin Bärbel Höhn (NRW) wies die Verbraucher darauf hin, daß die Herkunft von Eiern und Geflügelprodukten durch die Beschriftung der Verpackungen kenntlich sei und riet dazu, die belgischen Produkte zu meiden.

27. Mai 1999

Schweiz: Deklarationsnormen für GVO-haltige Futtermittel umstritten

Themen: Archiv,Schweiz — info @ 15:05

Bern (agrar.de) – In der Schweiz gelten Futtermittel mit einer Verunreinigung durch gentechnisch veränderte Organismen (GVO) bis zu drei Prozent als gentechfrei. Gemäss einer vom Schweizer Bundesrat am Mittwoch erlassenen Verordnung sind gentechnisch veränderte Futtermittel für die Landwirtschaft zudem deklarations- pflichtig, wie das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement (EVD) mitteilte.

Bei Mischfuttermittel wurde der Toleranzwert für GVO mit zwei Prozent etwas tiefer festgelegt. Die neuen Werte berücksichtigten, dass beim Transport und bei der Fabrikation von Futtermitteln Unreinheiten entstehen könnten, die unvermeidbar seien, schreibt das Departement.

Bei Lebensmitteln ist ein GVO-Toleranzwert von einem Prozent vorgesehen. Die entsprechende Verordnung liegt laut Auskunft des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) derzeit zur Entscheidung beim Bundesrat.

Die Vereinigung zum Schutz der kleinen und mittleren Bauern (VKMB) kritisierte den höheren GVO-Toleranzwert für Futtermittel als nicht begründbar. Die Möglichkeiten einer Verunreinigung seien bei Lebensmitteln und Futtermitteln dieselben. Der Entscheid des Bundesrates sei ein Zugeständnis an den Futtermittelhandel, der bisher zu wenig für die Sicherstellung der Beschaffung von gentechfreien Materialien unternommen habe.

Gen-Mais: Novartis verzichtet auf Bt-176-Sorten

Themen: Gentechnik,Mais — info @ 12:05

Bonn (agrar.de) – Das Schweizer Unternehmen Novartis hat dem Bundesgesund- heitsministerium nach Berichten der Frankfurter Rundschau zugesagt, künftig auf den Einsatz bestimmter Gen-Maissorten in Deutschland zu verzichten. Es handelt sich dabei um sog. Bt-176-Mais, der in Deutschland in diesem Jahr bereits auf etwa 500 Hektar gesät wurde.

Außer in Deutschland, Portugal und Spanien ist die Maissorte in der Europäischen Union für den kommerziellen Anbau nicht zugelassen.

Das Problem sind bei diesem Mais die Gene, die Pflanzen eine Unempfindlichkeit gegen Antibiotika verleihen. Antibiotikaresistenzen dienen in den Entwicklungslabors als ‚Marker‘ (Markierungsstoffe), um erfolgreich manipulierte Pflanzen von nichtveränderten zu unterscheiden.

Kritiker befürchten, daß Antibiotika als Medikamente bei Menschen versagen könnten, wenn diese Gene über die Nahrung aufgenommen werden.

Das EU-Parlament fordert ein Verbot solcher Gene. In Deutschland hatte sich die Genehmigungsbehörde, das Robert-Koch-Institut, kritisch zu diesen Resistenzen geäußert und die Verwendung anderer Marker empfohlen.

Novartis erwägt, die umstrittene Maissorte durch den neuen Bt-11-Mais zu ersetzen, der keine Antibiotikaresistenzen mehr enthalten soll. Bt-11-Mais ist von der EU noch nicht zugelassen.

23. Mai 1999

Sortenschutzgesetz: Gericht prüft erstmals Nachbau-Kontrollen der Saatgut-Treuhand

Themen: Archiv — info @ 14:05

Mannheim (agrar.de) – Erstmals werden zur Zeit Bauernproteste gegen die neue Gebühren im Rahmen des Sortenschutzgesetzes vor Gericht verhandelt. Nach Angaben der Stuttgarter Zeitung müssen sich bei dem Zivilverfahren vor der 7. Zivilkammer am Landgericht Mannheim vier Landwirte aus dem Südwesten verantworten. Sie verweigern Auskünfte über den von ihnen betriebenen Nachbau – die Wiederverwendung des Erntegetreides als Saatgut.

Verklagt wurden die Bauern von der Bonner Saatgut-Treuhandverwaltungs-GmbH (STV), die die Interessen der Saatgutzüchter vertritt. Der Prozeß könnte Signalwirkung für die gesamte Landwirtschaft haben.

Im Verfahren geht es nicht um die Nachbauregelung selbst, sondern um die Frage, ob die Treuhandgesellschaft von den Bauern Auskunft darüber einholen darf, welches Saatgut auf welcher Fläche gesät wurde. Trotz eines relativ kleinen Streitwertes geht es indirekt um sehr viel Geld. Und auch darum, ob die Saatgutfirmen berechtigt sind, Angaben über Anbaufläche, Fruchtarten und Saatgutmengen mittels Meldeformulare bei Stafandrohung einzuholen. Die beklagten Landwirte wollen die Verfassungsmäßigkeit des Sortenschutzgesetzes auf jeden Fall prüfen lassen.

Der Nachbau z.B von Getreide, Rüben und Kartoffeln ist seit der Änderung des Sortenschutzgesetzes im Jahre 1997 gebührenpflichtig. Bis zur Änderung des Gesetzes mußten die Bauern beim Saatgutkauf eine einmalige Lizenzgebühren zahlen. Mit dem Preis war die Lizenz für den Züchter abgegolten, der Nachbau kostenlos. Die neue Regelung sieht vor, daß die Landwirte auch für den Nachbau zahlen müssen.

22. Mai 1999

Bt-Mais – Gefahr auch für Nützlinge?

Themen: Gentechnik,Mais — info @ 13:05

Genetisch veränderter Mais könnte US-Forschern zufolge Schmetterlingen und anderen Nützlingen genauso schaden wie Schädlingen.

Das berichtet die Arbeitsgruppe um John Losey von der Cornell University in Ithaca (US-Bundesstaat New York) in einem Brief an das britische Fachmagazin Nature (Bd. 399, S. 214), der am Donnerstag veröffentlicht wurde. In einem Versuch wurden Pollen vom Bt-Mais im Labor an Raupen des Monarchfalters (Danaus plexippus) verfüttert, die daraufhin starben.

Der Wissenschaftler warnte allerdings vor übereilten Reaktionen: ‚In wie weit der Bt-Mais für freilebende Monarchen und andere Schmetterlinge eine Gefahr darstellt, muß noch untersucht werden.‘ Außerdem sei zu bedenken, daß beim Anbau dieser Maissorte weniger schädliche Insektizide eingesetzt werden, so der Forscher weiter. Vor- und Nachteile müssen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Der auch in Deutschland angebaute Bt-Mais produziert in Blatt, Stengel und Pollen das Toxin des Bakteriums Bacillus thuringiensis und schützt sich damit vor Insektenfraß durch den Maiszünsler. Da Mais eine windbestäubte Pflanze ist, gelangt Pollen auch auf die Blätter weit entfernter Pflanzen, die einer Vielzahl von Insekten als Nahrung dienen.

Andreas Seiter, Sprecher des Saatgutherstellers Novartis, zweifle die Ergebnisse der Cornell University nicht an, gab aber zu bedenken, es handele sich um Laborversuche, die ökologisch nicht relevant seien. Die Pollen seien im Labor zwangsverfüttert worden. Ob diese Laborbedingungen auf Freilandbedingungen übertragbar sind, sei zweifelhaft.

Informationen zu Bt-Mais von Hersteller Novartis:

http://www.novartis.de/novartis/html/d/medien/presse/990429.htm

Hintergrundpapier des Öko-Instituts Freiburg zu Bt-Mais:

http://www.oeko.de/deutsch/gentech/mais.htm

Aktueller Bericht der BBC:

http://news.bbc.co.uk/hi/english/sci/tech/newsid_348000/348297.stm

21. Mai 1999

DBV zum Streit um Hormonfleisch: „EU muß hart bleiben

Themen: Archiv — info @ 16:05

Bonn (DBV, agrar.de) – Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Dr. Helmut Born, hat das Importverbot für Fleisch von Rindern aus den USA, die mit Hormonen gemästet wurden, verteidigt. ‚Diese harte Haltung ist konsequent und entspricht auch der Grundhaltung unserer Verbraucher‘, betonte Born vor Journalisten. Der Markt müsse die Kunden- und Verbraucherwünsche berücksichtigen und nicht umgekehrt.

Der DBV-Generalsekretär wies auf wissenschaftliche Zwischenberichte der EU hin, nach denen in den USA sehr sorglos mit Hormonen in der Tierhaltung umgegangen werde. Auch sei die Zulassung dieser Masthilfemittel nicht unter heutigen wissenschaftlichen Standards erfolgt. Vor diesem Hintergrund handle es sich bei dem Importverbot nicht um eine protektionistische Handelsbarriere der EU, sondern um vorsorgenden Verbraucher- und Gesundheitsschutz, den der landwirtschaftliche Berufsstand immer mitgetragen habe.

Bei der Höhe ihrer Strafzölle rechneten die USA mit Luftnummern, beklagte Born weiter. Als Beleg dafür führte er an, daß die ursprünglich angedrohten Strafzölle in Höhe von 1,6 Milliarden D-Mark nach und nach auf circa 202 Millionen Dollar gesenkt wurden. Die EU selber gehe von ca. 90 Millionen Dollar Schaden aus.

Den USA warf der DBV-Generalsekretär weiter vor, mit ungleichen Maßstäben zu messen. ‚Seit 30 Jahren darf kein deutsches Fleisch, keine deutsche Wurst, kein deutscher Schinken in den USA eingeführt werden, weil sie angeblich ein Tierseuchenrisiko für die USA darstellen‘. Hier erwarte man ein härteres Vorgehen der EU.

Gentechnik: Dolly-Schöpfer setzt jetzt auf Schweine

Themen: Archiv — info @ 14:05

Das erste geklonte Schwein der Welt soll innerhalb der nächsten Monate, spätestens jedoch im Jahr 2000 das Licht der Welt erblicken. Das prophezeiten Forscher des Biotech-Unternehmens Geron Bio-Med in einem Interview des britischen Senders BBC.

Ian Wilmut, Entwickler der Klonierungstechnik, die bereits das Schaf Dolly hervorbrachte, sprach von ‚geklonten Ferkeln im späteren Verlauf dieses Jahres oder im frühen, neuen Jahrtausend‘.

Von den geklonte Schweine verspricht sich die Medizin bessere Möglichkeiten im Bereich der Xenotransplantationen. Kein anderes Tier eignet sich für die Übertragung von Transplantaten auf den Menschen so gut wie das Schwein. Nach Angaben von Geron Bio-Med könnten geklonte Schweine in Zukunft als Organspender eingesetzt werden, bei denen die Gene ausgeschaltet sind, die zu Abstoßungsreaktionen beim Menschen führen.

20. Mai 1999

WWF fordert Neubewertung der Landnutzung entlang des Oberrheins

Themen: Archiv — info @ 14:05

Rastatt (agrar.de) – Der WWF Deutschland kritisierte anläßlich der jüngsten Hochwasser am Oberrhein die Hochwasserschutzplanung der Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen.

‚Es muss‘, so betonte Emil Dister, der Leiter des WWF-Auen-Instituts, ‚zu einer Neubewertung der Landnutzung entlang des gesamten Oberrheins kommen.‘

Nach Ansicht des WWF müssen große Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen und für Hochwasserschutz, Auenentwicklung und Erholung freigemacht werden. Rund 20.000 ha Überflutungsflächen seien am Oberrhein nach Untersuchungen des WWF-Auen-Institutes zu gewinnen, wenn man dies politisch wolle.

‚Der Ansatz, mit einem Minimum an Fläche und einem Maximum an Technik dem Hochwasserproblem zu begegnen, ist grundfalsch, wie sich immer deutlicher zeigt“, mahnte der Auenexperte.

Weitere Informationen: Anja Rech (Pressereferentin im WWF-Auen-Institut) Tel. 07222-3807-14, Fax -99

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