30. März 1999

Blair und Saatgutmultis schließen Anti-Gentech Abkommen

Themen: Archiv,Gentechnik — info @ 16:03

London (agrar.de) – Die kontroverse Diskussion über gentechnisch veränderte Lebensmittel in Großbritannien („Frankenstein Food“) hat offenbar zu ersten Konsequenzen geführt.

Nach Informationen von GV-Net (www.gv-net.de), sollen sich die britische Regierung und die Saatgutmultis Novartis, Monsanto und Zeneca auf ein Moratorium geeinigt haben, wonach bis zum Jahr 2002 in Großbritannien kein genmodifiziertes Getreide anbauen werden soll.

Mit der Freiwilligkeit der Vereinbarung geht die Blair-Regierung zwei möglichen Konflikten aus dem Weg.

Zum einen dürfen die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union weder den Anbau, noch den Verkauf gentechnisch veränderter Pflanzen untersagen, sobald diese eine EU-Zulassung besitzen (EU VO 220/90 bzw. 258/97). Zudem drohte ohne Freiwilligkeit ein erneuter Handelsstreit zwischen EU und den USA.

GV-net zufolge, soll das Abkommen Anfang April offiziell bekanntgegeben werden. Wissenschaftsminister Lord Sainsbury forderte die durch das freiwillige Moratorium gewonnene Zeit zur Erforschung von Umwelt- und Gesundheitsrisiken zu nutzen.

Sainsbury ist Inhaber der gleichnamigen britischen Supermarktkette, die mit Tesco, Asda und Safeway zu den Top 4 im britischen Lebensmittelhandel gehört.

Als Handelsunternehmer setzt sich Sainsbury seit Jahren für Öko-Produkte ein. Im öklogischen Landbau ist die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen oder Substanzen generell verboten.

In den vergangenen Wochen hatten große britische Supermarktketten wie Sainsbury oder Mark and Spencer angekündigt künftig nur noch Produkte ohne gentechnisch-veränderte Bestandteile anzubieten.

In Großbritannien müssen nicht nur wie von der EU vorgeschrieben Lebensmittelgeschäfte, sondern nun auch Restaurants und Cafes gentechnisch veränderte Produkte auszeichnen. Wer sich nicht daran halte, müsse mit hohen Geldstrafen rechnen, sagte Landwirtschaftsminister Jeff Rooker.

Lokale Behörden sollen Inspektionen vornehmen. Ein zweifelhaftes Unterfangen, denn gentechisch veränderte Bestandteile weiterverarbeiteter Lebensmittel lassen sich mit den vorhandenen Analysemethoden kaum zweifelsfrei nachweisen.




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