20. März 1999

Gefährdet Genmais Nützlinge ?

Themen: Gentechnik,Mais — info @ 14:03

Schweizer Forschungsergebnisse sorgen für hitzige Diskussionen

Bern (agrar.de) – Für hitzige Diskussionen haben Forschungsergebnisse Schweizer Insektenforscher jetzt in Basel gesorgt. Ihre Befund: mit dem Bt-Toxin des Bacillus thuringiensis (Bt) gentechnisch veränderte Nutzpflanzen töten nicht ihre Schädlinge, sondern auch deren Räuber.

Die Bt-Nutzpflanzen produzierten von der Saat bis zur Ernte das Insektengift in allen ihren Zellen. An Stelle einer einmaligen Dosis auf die Außenhaut nehmen Pflanzenschädlinge das Gift nun chronisch auf, überleben und werden ihrerseits von Räubern gefressen.

„Es gibt komplexe Wechselwirkungen, von denen wir zu wenig wissen“, sagte Angelika Hilbeck, Wissenschafterin von der Eidgenössischen Landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Reckenholz diese Woche bei einer internationalen Entomologentagung in Basel.

Hilbeck zufolge belegten Laborversuche, daß Bt-Mais von Novartis nicht nur den Schädling Maiszünsler, sondern auch die Florfliege tötete, die sich vom Maiszünsler ernährt.

Ihr überraschender Befund kam, nachdem die ersten Bt-Pflanzen in Europa bereits als ökologisch unbedenklich zugelassen worden waren

„Frau Hilbeck hat uns ins Schwitzen gebracht.“ zitiert der Baseler Tagesanzeiger Fred Klingauf von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig, der deutschen Zulassungsbehörde.

Für Novartis sind Hilbecks Ergebnisse hingegen lediglich „Laboreffekte“.

„Wir haben die von Frau Hilbeck im Labor gefundenen Effekte im Freiland untersucht. Weder Florfliege noch andere Nützlinge erlitten nach unseren bisherigen Erkenntnissen einen Schaden vom Bt-Mais.“, sagt Arthur Einsele von Novartis.

„Nicht alle Insekten reagieren auf die genetisch veränderten Nutzpflanzen gleich. Jede Art muß einzeln im Labor und im Feld getestet werden.“ unterstreicht William Moar von der Universität von Auburn in Alabama

Doch ähnliche Untersuchungen anderer Institute könnten die These Hilbecks stützen.

So befreite das Bt-Gift in den Blättern die Kartoffel vom Kartoffelkäfer. Doch erste Hinweise deuten darauf hin, daß ein sekundärer Schädling in die Lücke springt: die Sing-Zikade.

Nicholas Birch vom schottischen Crop Research Institute zufolge werden Marienkäfer vergiftet, wenn sie Blattläuse fressen, die sich von einer lektinhaltigen Gentech-Kartoffel ernährten (Lektine sind Abwehrstoffe, mit denen sich vor allem Pflanzen vor Insektenfraß schützen).

Doch derart unerwünschte Effekte werden in der Nahrungskette womöglich erst sichtbar, wenn die gentechnisch veränderten Nutzpflanzen großflächig angebaut werden. Für Nützlinge würde es erst dann eng, so vermutet Ökologe Birch, wenn sie keine ausreichenden Fluchtgebiete mehr finden. Dies könnte in den Vereinigten Staaten tatsächlich schon jetzt eintreten.

In den USA befinden sich derzeit 43 gentechnisch veränderte Nutzpflanzen (z.B. Bt-Mais, Bt-Baumwolle, Bt-Kartoffel, Bt-Reis) auf dem Markt. Von ihnen sind durch das Bt-Toxin bisher 14 resistent gegen Insektenfraß (in Europa 3).




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