22. April 1998

Agenda 2000: Bauerverband befürchtet Einkommensverluste und Umweltauflagen

Themen: Archiv — info @ 16:04

Bonn (agrar.de) – Einkommenseinbußen von bis zu 4 Mrd.DM für die deutschen Landwirte und von 18 Mrd.DM für die europäischen Kollegen ausgelöst durch die Umsetzung der Agenda 2000 der Europäischen Kommission zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik und Erweiterung der Union befürchtet der Deutsche Bauernverband.

Nach DBV-Berechnungen decken die von der Kommission in Aussicht gestellten Ausgleichszahlungen für die Senkung der Marktordnungspreise für Getreide (-20%), Rindfleisch (-30%) und Milch (-15%) würden etwa nur rund die Hälfte der Verluste. Dies entspreche einem Einkommensverlust von 12%. Das könne die europäische Landwirschaft bis zu 300.000 Arbeitsplätzen kosten, erklärte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner gestern in Bonn.

Zudem drohten durch eine Kopplung von Ausgleichszahlungen an Umweltleistungen neue Wettbewerbsverzerrungen.

FFH-Richtlinie: 10 Verbände gegen Landesregierung in NRW

Themen: Archiv — info @ 10:04

Düsseldorf (agrar.de) – Der Widerstand gegen die Umsetzung der Richtlinie Flora-Fauna-Habitat (FFH) durch die nordrheinwestfälische Landesregierung weitet sich aus. Zehn Wirtschafts- und Kommunalverbände des Landes befürchten negative Auswirkungen auf die Entwicklungsfähigkeit und die Beschäftigungsperspektiven der Regionen und haben einen 7-Punkte-Forderungskatalog an Düsseldorf aufgestellt.

Darin fordern der rheinische und der westfälische Landwirtschaftsverband, der Städte- und Gemeindebund, der Landkreistag, die Industrie- und Handelskammer, der Handwerkstag, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Waldbauernverband sowie der rheinische und der westfälische Landfrauenverband:

1. nur solche Gebiete für das FFH-Programm zu benennen, die tatsächlich von EU-weiter Bedeutung sind. Dabei soll für jedes Einzelgebiet ein Nachweis der ökologischen bzw. europaweiten Bedeutung geführt werden.

2. die Gebietsauswahl erfolgt nach abgestimmten, bundes- bzw. europaweit einheitlichen Kriterien unter Beschränkung auf die meldepflichtigen, ökologisch bedeutsamen Kernzonen.

3. das Land Nordrhein-Westfalen soll von seinem Auswahlspielraum Gebrauch machen und verdeutlichen, in welcher Weise dieser genutzt wird.

4. das Auswahlverfahren muß transparent und auf einen Konsens mit den Betroffenen ausgerichtet sein. Die FFH-Richtlinie sollte daher im Rahmen der Novelle zum Bundesnaturschutzgesetz in nationales Recht umgesetzt werden. Dabei besonders wichtig sind die Verträglichkeitsprüfung und das Verschlechterungsverbot.

5. die Benennung von Gebieten darf nur nach landes- und raumplanerischer Absicherung besonderer Schutzgebiete für den Naturschutz im Rahmen des Gebietsentwicklungsplans erfolgen.

6. die Meldung von Gebieten, für die ein Konsens mit den Betroffenen nicht besteht, sollte bis auf weiteres unterbleiben. Dagegen sollten Gebiete, deren Schutznotwendigkeit und europaweite Bedeutung unstreitig sind, vorab benannt werden.

7. das Land Nordrhein-Westfalen wird aufgefordert, langfristig rechtlich sicherzustellen, daß finanzielle Mittel für den Ausgleich von Nutzungsbeschränkungen in besonderen Schutzgebieten dauerhaft und in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen. Bei der Umsetzung von Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen sollte vertraglichen Vereinbarungen Vorrang eingeräumt werden.

20. April 1998

Oliven: WWF nennt EU Vorschläge skandalös

Themen: Archiv — info @ 13:04

Brüssel (agrar.de) – Vor unabsehbaren Folgen für unersetzbare mediterane Kulturlandschaften eines von der EU Kommission vorgelegten Entwurf für eine neue Olivenmarktordnung hat heute der Word Wide Fund for Nature (WWF) am Rande des EU Agrarministertreffens in Luxemburg gewarnt.

Zwar ist nach Einschätzung des WWF auch die bisherige Förderungspraxis für Kleinerzeuger alles andere als optimal. Sie ermögliche jedoch eine Fortführung der traditionellen, kleinbäuerlichen Extensivbewirtschaftung. Intensive Produktion wie Olivenplantagen in Berglagen führten dagegen zu hohen ökologischen Folgekosten z.B. durch erosionsbedingte Bodenverluste bis zu 80 t/ha/a.

Während diese ökologisch katastrophale Art der Olivenproduktion zu denen am höchsten subventionierten Kulturen der EU gehörten, verlören die gerade für den Mittelmeerraum so typischen traditionellen, kleinbäuerlichen Erzeuger (unter 500 kg Olivenöl pro Jahr) ihre Einkommen, müssten ihre Produktion intensivieren oder aufgeben. Beides mit unabsehbaren Folgen für traditionelle Agrarlandschaften im Mittelmeerraum, so der WWF.

Nach Willen der EU Kommission sollen Subventionen für die Olivenproduktion für eine Übergangszeit bis zum Jahr 2000 ausschließlich erntemengenbezogen gezahlt werden. Bisher erhalten kleinere Produzenten Unterstützung nach Anzahl der von ihnen bewirtschafteten Bäume und einem langjährigen Ertragsniveau.mNur bei Großerzeugern ist schon jetzt der Ernteertrag alleinige Bemessungsgrundlage.

Eine solche Neufassung verschärft nach Ansicht des WWF die ohnehin negativen ökologischen Effekte der aktuellen Olivenmarktordnung und steht in schroffem Gegensatz zum generellen Reformansatz der Agenda 2000. ‚Die Vorschläge sind skandalös und bestrafen ganz klar traditionelle, extensive, kleinbäuerliche Erzeuger. Doch gerade sie sind von größter ökologischer Bedeutung‘ sagte Guy Beaufoy, Agrarexperte von WWF Spanien.

Der WWF empfiehlt langfristig alle Etragssubventionen durch Flächenzahlungen zu ersetzen. Bis dahin solle es bei den pro Baum Zahlungen an Kleinerzeuger bleiben. Außerdem sollen die EU-Mitgliedsstaaten bei Oliven und den übrigen Kulturen innerhalb der GAP Umweltstandards für die landwirtschaftliche Produktion definieren. Diese könnten dann Bemessungsgrundlagen für Ausgleichzahlungen sein.

Kontakt: Guy Beaufoy, WWF Spanien: Tel.: 0034 / 1 / 308 2309 oder 0034 /1/ 578 0110 Handy 0034 092 34 571

17. April 1998

Landwirtschaftliche Löhne in Ost und West

Themen: Archiv — info @ 10:04

Weiterhin starke Unterschiede

Witzenhausen, Wiesbaden (agrar.de) – Der durchschnittliche Monatsverdienst der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer in Osten Deutschlands ist im Vergleich zu den Löhnen im Westen weiter zurückgefallen.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichte am Mittwoch, daß der durchschnittliche Lohn der im früheren Bundesgebiet beschäftigten Agrararbeitskräfte im September vergangenen Jahres 3.443 Mark, 3,4 Prozent mehr als ein Vorjahr betrug. In den neuen Ländern lag der Verdienst bei 2.725 Mark, das sind drei Prozent weniger als im Jahr zuvor. Damit war der durchschnittliche Ostlohn um fünf Prozent auf 79 Prozent des Westniveaus zurückgegangen.

Ursache war eine unterschiedliche Entwicklung bei der nach Stundenlohn bezahlten Monatsarbeitszeit. Im Osten, wo fünf Sechstel der abhängigen Agrararbeitskräfte nach Stunden bezahlt werden, ging deren durchschnittliche Monatsarbeitszeit während des Berichtsjahrs um elf auf 208 Stunden zurück, im Westen, wo nur etwa ein Drittel der Beschäftigten auf Stundenlohnbasis arbeitet, nahm die monatliche Arbeitszeit um zwei auf 196 Stunden zu. Der durchschnittliche Stundenlohn im Westen betrug 19,24 Mark, der im Osten 13,16 Mark. Die Empfänger von festen Monatslöhnen im Osten bekamen durchschnittlich 2.676 Mark und damit rund 82 Prozent des Verdienstes ihrer nach gleichem Modus bezahlten Kollegen im Westen (3.275 Mark).

08. April 1998

BUND warnt vor Schwindel mit Bio-Eiern

Themen: Archiv — info @ 16:04

Bonn (agrar.de)- Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat vor Schwindel mit falschen Bio-Eiern gewarnt. ‚Selbst Eier von Freiland-Hühnern, die mit Bio-Futter ernährt werden, sind nicht automatisch schon deshalb echte Bio- oder Öko-Eier‘ sagte Andreas Krug, BUND Landwirtschaftsexperte am Dienstag in Bonn.

Zur ökologischen Tiererzeugung gehören BUND-Angaben zufolge neben einer artgerechten Haltung der Tiere, ganz wesentlich der Verzicht auf Leistungsförderer, auf vorbeugend verabreichte Antibiotika und auf Fisch- oder Tiermehle im Futter. Statt dessen müsse das Futter aus ökologischem Anbau und zu über 50% vom eigenen Betrieb stammen.

Der BUND beklagt eine immer noch bestehende Grauzone bei tierischen Bio-Erzeugnissen. ‚Ganz dringend brauchen wir die seit sechs Jahren überfällige europäische Bio-Tier-Verordnung, damit die Produktion tierischer Öko-Erzeugnisse ebenso verbindlich geregelt wird, wie im Nuztpflanzen-Bereich längst üblich‘ erklärte Krug.

Wer gerade zu Ostern einem solchen Etikettenschwindel nicht aufsitzen wolle, solle auf Ware der in der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL) zusammengeschlossenen anerkannten Anbauverbände zurückgreifen, so der BUND.

07. April 1998

AGOEL: Bio-Betriebe nehmen 1997 weiter zu

Themen: Archiv — info @ 16:04

Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGOEL) haben die Betriebszahl und -fläche der neun AGÖL-Verbände von 1997 auf 1998 um 5 Prozent zugenommen. Rund 2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden damit ökologisch bewirtschaftet.

Betriebs- und Flächenzahlen der einzelnen Verbände:

DEMETER-Betriebe: 1.317; Fläche (ha): 47.592 Bioland-Betriebe: 3.218; Fläche (ha): 109.475 Biokreis Ostbayern-Betriebe: 182; Fläche (ha): 3.065 Naturland-Betriebe: 1.023; Fläche (ha): 47.178 ANOG-Betriebe: 93; Fläche (ha): 3.454 ECO VIN-Betriebe: 200; Fläche (ha): 896 Gäa-Betriebe: 271; Fläche (ha): 31.072 Ökosiegel-Betriebe: 21; Fläche (ha):1.079 Biopark-Betriebe: 468; Fläche (ha): 107.251

AGÖL-Betriebe gesamt: 6.793; Fläche (ha): 351.062

Mit 8,7 Prozent der Betriebe und 6,4 Prozent der Fläche hält Mecklenburg-Vorpommern die Spitze, ‚Schlusslicht‘ ist Nordrhein-Westfalen mit 0,8 bzw. 1 Prozent (Verbandsbetriebe).

Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau http://www.agoel.de

03. April 1998

EU: In 46 Regionen BIP unter 75% des EU-Durchschnitts

Themen: Archiv — info @ 16:04

Brüssel (agrar.de) – Nahezu jede vierte EU-Region liegt beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner unter 75% des EU-Durchschnitts. Dies geht aus einem Bericht hervor, der jetzt von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaften Luxemburg, veröffentlicht wurde.

Die 46 Regionen verteilen sich auf acht EU-Mitgliedstaaten und umfassen alle 13 Regionen in Griechenland, acht in Spanien, sechs der sieben Regionen von Portugal, fünf in Italien, die vier französischen Überseedepartements (Werte von 1994), zwei Regionen im Vereinigten Königreich sowie eine in Österreich. In Deutschland sind sieben Regionen betroffenen, die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Thüringen, sowie die Großräume Dessau, Halle und Magdeburg.

Die 75%-BIP-Grenze ist das Förderkriterium für die neue Ziel 1 Kategorie innerhalb der von der EU Kommission in der Agenda 2000 vorgelegten Reformen der Strukturfonds.




   (c)1997-2017 @grar.de