25. März 1998

ÖKO-TEST warnt vor (Gen-)Rapshonig aus Kanada

Themen: Archiv — info @ 13:03

Die Frankfurter Zeitschrift ÖKO-TEST hat für ihre April-Ausgabe importierten Honig aus Kanada untersuchen lassen und in drei von neun Sorten Pollen von genmanipuliertem Raps gefunden. In den Biophar-Produkten ‚Kanadischer Raps-Klee-Honig‘ und ‚Klee-Honig‘ der Firma Fuersten-Reform und ‚Kanadischer Raps-Kleehonig‘ von Clover Crest konnte das Freiburger Labor Gene-Scan genveraenderte Bestandteile nachweisen. Alle drei gentechnisch veränderten Honig-Sorten sind bei der EU-Kommission nicht gemeldet.

Nach Auffassung des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft besteht eine solche Verpflichtung. Ebenso fehlt eine Kennzeichnung. Greenpeace hat deshalb die zuständigen Landesministerien über den möglichen Gesetzesverstoß unterrichtet und sie dazu aufgefordert, auch eine mögliche illegale Einführung genmanipulierter Lebensmittel zu überprüfen.

‚Ein Kuckucksei nach dem anderen wird den Verbrauchern untergeschoben, obwohl die Mehrheit genmanipulierte Lebensmittel ablehnt‘, sagt Dieke Bobbink, Gentechnik-Expertin bei Greenpeace. ‚Die Novel-Food-Verordnung ist das Druckpapier nicht wert, wenn sie die europäischen Verbraucher nicht vor dem ungewollten Verzehr von Gentech-Ware schützen kann. Die Aufsichtsbehörden müssen ihre Zuschauerrolle aufgeben und sofort gegen Rechtsbrüche beim Handel mit Gentech-Lebensmittel einschreiten.‘

Der Honig stammt aus Kanada, wo bereits heute etwa 20 Prozent der Raps-Anbaufläche für die Aussaat von Gen-Raps genutzt. Der Raps wurde gegen das Unkrautvernichtungsmittel Basta der Hoechst-Tochter AgrEvo resistent gemacht. Weder diese Rapspflanzen noch Fertigprodukte aus der Verarbeitung des Gen-Rapses sind bislang in Europa zugelassen oder gemeldet. Anmeldung und Kennzeichnung sind in der Novel-Food-Verordnung vom Mai 1997 geregelt. Nach dieser Verordnung müssen Produkte mit gentechnisch veränderten Bestandteilen gekennzeichnet werden, wenn sich ein Unterschied zu konventionellen Produkten nachweisen läßt. Konkrete Vorschriften über die Durchführung der Kennzeichnung aber wurden bislang nicht erlassen. Die Verbraucher können daher Gentech-Produkte von herkömmlichen nicht unterscheiden.

In Deutschland wird herbizidrestistenter Raps bislang nur auf Versuchsfeldern angebaut. Die Freisetzung dieses Gen-Rapses birgt gerade in Europa besondere Risiken. Schon 1997 wurde bei Freisetzungsversuchen in Niedersachsen festgestellt, daß die Gene von gentechnisch veränderten Pflanzen durch Bestäubung auch auf herkömmlichen Raps in der Umgebung übergegangen waren. Da der Raps seinen natürlichen Ursprung und damit auch zahlreiche wilde Verwandte in Europa hat, könnten sich die manipulierten Gene rasch und unkontrolliert in der Natur verbreiten. Landwirte, die auf den Anbau herkömmlicher Rapssorten setzen, könnten die Gentechnik-Freiheit ihrer Produkte nicht mehr garantieren.




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